Dienstag, 25. Juli 2017

10 Tipps: Fehler beim Atemschutz vermeiden

29. Juni 2017 von  

Tödliche Atemschutzunfälle in Deutschland

Das tödliche Unglück im Innenangriff von Brandmeister Andreas Stampe von der Kölner Feuerwehr im März 1996 zählt sicherlich zu den bekanntesten Atemschutzunfällen in Deutschland. Doch er reiht sich leider in eine lange Liste von Vorfällen ein, bei denen Feuerwehrmänner im Atemschutzeinsatz ums Leben gekommen sind.

  • 11. April 1960: Großbrand. Stichflamme. Drei getötete Kollegen in Düsseldorf.
  • 29. April 1978: Wohnungsbrand. Ein getöteter Feuerwehrmann in Frankfurt am Main (HE).
  • März 1995: Brand einer Boutique mit Durchzündung. Ein getöteter und ein verletzter Feuerwehrangehöriger. Lüdinghausen (NW).
  • 6. März 1996: Kellerbrand. Ein getöteter und ein verletzter Berufsfeuerwehrmann in Köln (NW).
  • 1998: Tödliches Kreislaufversagen unter Atemschutz. Ort in NW.
  • 23. Januar 1998: Kellerbrand. Ein toter und drei verletzte Feuerwehrleute. Donaustauf (BY).
  • 17. Februar 2001: Zimmerbrand. Ein getöteter FA, Bad Soden/Taunus (HE).
  • Februar 2002: Belastungsübung. Ein getöteter freiwilliger Feuerwehrmann. Norddeutschland.
  • 10. Februar 2003: Belastungsübung. Herzinfarkt. Ein getöteter Feuerwehrmann in Alzenau (BY).
  • 15. August 2003: Staubexplosion in einem Silo. Zwei getötete FA, drei verletzte Feuerwehrleute. Gera (TH).
  • 21. Juli 2004: Übungsfeuer. Ein toter Kamerad in Allensbach (BW).
  • 12. November 2004: Übungsfeuer. Ein getöteter Feuerwehrmann; Lübeck (SH).
  • 10. Dezember 2005: Explosion. Ein getöteter und ein verletzter Feuerwehrmann; Münchsmünster (Bayern).
  • 7. Dezember 2005: Gebäudebrand. Zwei getötete Feuerwehrleute im Innenangriff; Tübingen (BW).
  • 12. Mai 2006: Feuer in Textilfabrik. Ein getöteter Kamerad in Ibbenbüren (NW).
  • 27. Juli 2006: Kellerbrand. Ein getöteter und sieben verletzte Feuerwehrleute; Göttingen (NI).
  • 31. Januar 2007: Belastungsübung. Ein getöteter Feuerwehrangehöriger; Berlin.
  • 12. Februar 2008: Schwelbrand. Ein getöteter Feuerwehrmann in Sonnenberg (BB).
  • 30. November 2008: Explosion bei Silobrand. Ein getöteter und 13 zum Teil schwer verletzte Feuerwehrleute. Worms (RP).
  • 7. September 2009: Brand. Kreislaufstillstand. Vor Innenangriff. Ein verstorbener Feuerwehrangehöriger in Straach (ST).
  • 20. Mai 2012: Lagerhallenbrand. Ein verletzter und ein getöteter Kollege. Chemnitz (SN).
  • 6. Dezember 2015: Gebäudebrand. Innenangriff. Ein getöteter und ein verletzter Feuerwehrmann in Marne (SH).

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Einsatz unter Atemschutz

Gemeinsam mit den Experten von Atemschutzunfaelle.eu ist unser neues Sonderheft „Einsatz unter Atemschutz“ enstanden. Eine wichtige Rolle in dem Heft spielt neben der Ausbildung der Atemschutzträger in der Feuerwehr, das Vorgehen der PA-Träger und der Persönlichen Schutzausrüstung auch der Eigenschutz – also die Sicherheit der AGT.

 

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10 Tipps: Fehler beim Atemschutz vermeiden

Die korrekt angelegte Feuerwehrbekleidung – also die Persönliche Schutzausrüstung – ist lebenswichtig für Atemschutzgeräteträger bei Feuerwehr Einsätzen. Das ist der erste wichtige Schritt, um Atemschutzunfälle zu vermeiden. Trotzdem werden immer wieder Fehler gemacht – durch Nachlässigkeit, Hektik und mangelnde Praxis. Auch wenn das Ausrüsten zum Atemschutzgeräteträger eigentlich selbstverständlich ist, werden immer wieder Dinge falsch gemacht. 10 Tipps.

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Nur der korrekt angelegte Atemschutz garantiert Sicherheit. Symbolfoto: Timo Jann

1. Persönliche Schutzausrüstung (PSA) nicht korrekt angelegt

Alle Kleidungsstücke der PSA müssen vollständig und korrekt angelegt werden. Dazu muss auch jeder Reißverschluss und jeder Klettverschluss vollständig und sorgfältig verschlossen werden – bevor der Pressluftatmer (PA) geschultert wird. Jacke, Hose und Stiefel werden selbstverständlich vor dem Aufsitzen auf das Fahrzeug angezogen.

2. Weglassen der Kurzprüfung am Atemschutzgerät

Vor jedem Gebrauch, also Einsatz oder Übung, muss eine Kurzprüfung (Sichtprüfung, Flaschenfülldruckkontrolle, Dichtprüfung, Funktionsprüfung des Lungenautomaten und Funktionsprüfung der Restdruckwarneinrichtung) an dem Pressluftatmer durchgeführt werden. Nur so kann ein Atemschutzgeräteträger sicher sein, dass das Gerät auch wirklich einsatzbereit ist.

3. Flaschenventil nicht vollständig geöffnet

Nach der Kurzprüfung muss das Flaschenventil am PA vollständig geöffnet werden. Nur so kann die komprimierte Atemluft ungehindert in der erforderlichen Menge nachströmen. Des Weiteren wird durch das vollständige Öffnen die Gefahr des unbeabsichtigten Schließens des Ventils deutlich reduziert.

4. Begurtung nicht geschlossen oder nicht vollständig stramm gezogen

Im Eifer des Gefechts wird der Leib- oder auch Beckengurt des Atemschutzgerätes nicht geschlossen oder der Gurt nicht stramm gezogen. Ein lockerer oder gar geöffneter Gurt ist immer eine Gefahrenquelle, denn die Gurtenden können sich an Gegenständen verhaken und der Geräteträger stürzt oder wird in seiner Fortbewegung gestoppt. Weiterhin sorgt eine zu lose Begurtung für unerwünschte Beweglichkeit des Gerätes auf dem Rücken. Auch diese Rüttelbewegungen können sehr unangenehm für den Träger sein. Gleiches gilt für eine zu stramme Begurtung. Daher sollte ein handfestes Mittelmaß gewählt werden.

5. Atemschutzmaske schief aufgesetzt

Durch ein schiefes Aufsetzen der Maske oder schiefes Anziehen der Kopfbebänderung kann es zu Problemen mit der Dichtigkeit kommen. Atemgifte können dann in ins Maskeninnere gelangen und eingeatmet werden. Außerdem ist ein unkorrekter Sitz häufig unangenehm für den Träger. Gleiches gilt für eine zu stramme Bebänderung, was oft zu Kopfschmerzen führt.

Atemschutz: Logbuch für Atemschutzgeräteträger

Der Berufsverband Feuerwehr e. V. hat ein Atemschutzgeräteträger-Logbuch entwickelt. Es dient dem AGT als privates Nachweisheft, Planer und Tagebuch zugleich. In der Ringbuchmappe sind Vorlagen für alle wichtigen Daten eingeftet: persönliche Angaben, Kalender, Dienstpläne, arbeitsmedizinische Untersuchungen, Einsätze bei Bränden, Technischen Hilfeleistung und im Rettungsdienst sowie Ausbildungsnachweise. Komplettiert wird die Mappe durch Notizzettel.

Bei den Dokumentationen für Einsätze unter Pressluftatmer (PA) können zum Beispiel auch der Einsatzleiter und der Trupp-Partner aufgeführt werden. Außerdem gibt es ein Unterschriftenfeld für den Einsatzleiter – genauso für den Ausbilder beim Ausbildungsbogen. Auch den Nachweis der G 26.3-Untersuchung können die AGT von dem Arbeitsmediziner unterschreiben und abstempeln lassen. So erfüllt dieses Tagebuch zudem ein gesetzliches Merkmal: die Bennenung von Zeugen. Foto: Rüffer

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6. Maske vom Atemschutzgeräteträger nicht auf Dichtigkeit überprüft

Nach dem Aufsetzen der Atemschutzmaske und dem Festziehen der Bebänderung muss der dichte Sitz der Maske kontrolliert werden. Dies geschieht durch leichtes Auflegen des Handballens auf das Anschlussstück der Maske – dabei die Maske nicht ans Gesicht drücken – und einer Einatembewegung. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Maske auch wirklich dicht abschließt. Auch bei Verwendung von Überdruckgeräten muss die Maske dicht sein. Ansonsten droht ein unkontrollierbarer Verlust des Atemluftvorrates.

7. Bebänderung der Atemschutzmaske löst sich beim Aufsetzen der Flammschutzhaube

Die Flammschutzhaube kann entweder nach dem Aufsetzen der Maske über Kopf und Maske gezogen oder aber schon vorher wie ein Schal um den Hals gekrempelt werden. Letzteres erleichtert zwar das Anziehen der Haube, birgt gleichzeitig aber auch die Gefahr, dass die Maskenbebänderung versehentlich wieder gelöst wird, wenn die Schnallen mit der Haube oder den Fingern berührt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt sich daher eine zweite Maskendichtprobe nach dem Aufsetzen der Flammschutzhaube.

Flammschutzhaube: Tipps für Feuerwehr Einsätze

>> Hier geben wir wichtige Hinweise. <<

8. Fahrzeughalterung des Pressluftatmers wird während der Fahrt gelöst

Besonders große Atemschutzgeräteträger haben häufig beim Anlegen eines Atemschutzgerätes im Mannschaftsraum während der Fahrt ihre Probleme. Um das Anlegen zu erleichtern, lösen einige Kameraden daher schon vor oder während der Fahrt die Arretierung des Gerätes und entnehmen es. Dies kann bei ruckartigen Ausweichmanövern oder gar Unfällen aber schwere Folgen haben. Die PA-Halterung darf erst bei Stillstand des Fahrzeugs an der Einsatzstelle gelöst werden. Bei den meisten Fahrzeugen mit modernem Aufbau ist das konstruktionsbedingt ohnehin nur so möglich.

9. Sonstige Ausrüstung des AGT nicht komplett

Bevor der Trupp gemeinsam in die Einsatzstelle vorgeht, müssen zusätzliche Ausrüstungsgegenstände wie Funkgerät, Lampen, Wärmebildkamera etc. auf Vollzähligkeit und Funktion überprüft werden. Besonders auf das Funkgerät ist hier Acht zu geben. Einschalten und eine Überprüfung der Kanaleinstellung können schon auf der Anfahrt durchgeführt werden, am besten gleich mit einer Sprechprobe zum Gruppenführer. Auch die Atemschutzüberwachung kann auf der Anfahrt schon vorbereitet werden.

Brandbekämpfung auf einem Hochhausdach: Die Löscharbeiten dürfen aufgrund der Rauchentwicklung nur unter Atemschutz erfolgen. Foto: Mundt

Brandbekämpfung auf einem Hochhausdach: Die Löscharbeiten dürfen aufgrund der Rauchentwicklung nur unter Atemschutz erfolgen. Foto: Mundt

10. Notsignalgeber nicht scharf geschaltet

Ein Notsignalgeber ist nach der Feuerwehr-Dienstvorschrift (FwDV) 7 „Atemschutz“ nicht verpflichtend mitzuführen, dies wird nur als sinnvolle Ergänzung empfohlen. Hierzu bietet der Markt eine breite Produktplatte an. Egal ob im Pressluftatmer integriert oder als Zusatzgerät an der Begurtung montiert, der beste Notsignalgeber hilft im Notfall nur, wenn er beim Anlegen auch scharf geschaltet, sprich der Schlüssel abgezogen oder der Schalter eingeschaltet wurde.

Text: Thomas Weege

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Kommentare

2 Kommentare zu “10 Tipps: Fehler beim Atemschutz vermeiden”
  1. Beringer Peter sagt:

    Kameraden , Unfallfreie Einsätze für 2016 wünscht euch Abschnttsatemschutzbeauftragter im Feuerwehrruhestand, passt auf euch auf,kommt alle Gesund nach Haus.

  2. Ralf sagt:

    Auf dem Dach ohne Absturzsicherung!

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