Mit der Rettungsgasse Leben retten

Bremen / Hamburg –  Die Rettungsgasse kann bei Unfällen auf Autobahnen oder im dichten Stadtverkehr Leben retten. Sie dient dazu, dass Fahrzeuge der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei schnellstmöglich zum Einsatzort kommen. Leider vergessen Autofahrer häufig, eine Rettungsgasse zu bilden oder es kommt zu Problemen beim Versuch. Wir geben wichtige Hinweise zur Rettungsgasse – zum Handeln und zu den Regelungen.

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Symbolfoto von Wiesbaden112 .

Inhaltsverzeichnis:

Rettungsgasse bilden: Die gesetzlichen Vorgaben

Wichtig ist: Alle Autofahrer sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Ausschlaggebend ist hier der Paragraph 11, Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dieser lautet ab dem 1. Januar 2017:

“Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.”

Autofahrer, die es versäumen, eine Rettungsgasse zu bilden, können mit einem Bußgeld von 20 Euro belegt werden. Sie begehen eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraph 49, Abs. 1 Nr. 11 der StVO. Obendrein verabschiedete der Bundestag im Mai 2017 die neue Strafvorschrift “Behinderung von hilfeleistenden Personen”. Auf dieser Grundlage können die Strafen noch deutlich höher ausfallen.

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Rettungsgasse bilden: So geht es!

Bei zwei Fahrstreifen ist die Rettungsgasse in der Mittel zu bilden. Autos, die sich auf dem linken Fahrstreifen befinden, müssen an den linken Fahrbahnrand fahren. Autos auf dem rechten Streifen fahren an den rechten Fahrbahnrand. Bei dreispurigen Autobahnen wird die Rettungsgasse zwischen der ganz linken und der mittleren Fahrspur gebildet. Bei einer Autobahn mit vier Spuren gilt dies ebenso.

Es gilt zu beachten, dass der Standstreifen von Rettungskräften nicht als Zufahrt genutzt werden kann . Der Standstreifen ist nicht immer durchgehend ausgebaut oder könnte durch liegengebliebene Fahrzeuge unpassierbar sein.

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Rettungsgasse bilden: Was sonst noch wichtig ist

Damit die Bildung einer Rettungsgasse möglich ist, wird vom Autofahrer vorausschauendes Fahren verlangt. So gilt beispielsweise im Falle eines Staus, nicht zu dicht auf den Vordermann aufzufahren. Dadurch bleibt Platz zum Rangieren! Noch besser: Sobald der Verkehr ins Stocken gerät, die Rettungsgasse bilden! Gleiches gilt natürlich auch an Ampeln.

Ebenso wichtig: Auch wenn das erste Einsatzfahrzeug die Rettungsgasse passiert hat, darf die Rettungsgasse noch nicht geschlossen werden. Weitere Einsatzfahrzeuge können folgen, um die Unfallstelle anzufahren.

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Kampagnen zur Rettungsgasse

Niedersachsen startete im Sommer 2016 die  Kampagne “Rettungsgasse“. Innenminister Boris Pistorius will damit den Druck auf Autofahrer erhöhen, bei Unfällen auf Autobahnen Rettungsgassen zu bilden.

50 Spannbänder mit dem Logo “Staubildung: Rettungsgasse” wurden an besonders unfall- und staugefährdeten Autobahnabschnitten angebracht. Zum Auftakt der Kampagne im Sommer 2016 waren bereits 20 solcher Transparente aufgestellt worden. Darüber hinaus wurden rund 120 Einsatzfahrzeuge der Polizei mit dem Logo “Rettungsgasse” versehen.

Die Kampagne ist eine gemeinsame Kooperation zwischen der Polizei Niedersachsen, dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der Landesverkehrswacht Niedersachsen, dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport.

Kein Durchkommen für die Feuerwehr:

In Hessen wurde die Kampagne “Rettungsgasse rettet Leben” ins Leben gerufen. Das private Informationsportal Wiesbaden112 und die Deutsche Feuerwehrgewerkschaft – Landesgruppe Hessen, wollen mit ihrer Arbeit auf die Wichtigkeit der Rettungsgasse hinweisen und bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern für Verständnis werben. Hierzu wurde das Problem in zahlreichen Medien thematisiert werden. Mit Flyern und Aufklebern sollte das Bilden einer solchen Gasse visualisiert werden und als Gedächtnisstütze dienen.

Mitmachen kann bei der Kampagne jeder. Neben Einsatzfahrzeugen wurden bereits viele Privatwagen und auch Fahrschulfahrzeuge mit Hinweisaufklebern versehen. Weitere Hinweise zu der Kampagne gibt es hier: Rettungsgasse rettet Leben

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Logo der Kampagne “Rettungsgasse rettet Leben!”.

Positive Beispiele im Video

Die Feuerwehr Königsbrunn (BY, Kreis Augsburg) hat ein Video veröffentlicht – von einer vorbildlichen Rettungsgasse. Auf dem Weg zu einem Einsatz nach einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße B 17 bei Königsbrunn haben die Kameraden die Anfahrt gefilmt. Und siehe da, sie konnten tatsächlich problemlos die Rettungsgasse durchfahren.

Auch die Feuerwehr Fernwald-Steinbach (HE, Kreis Gießen) sendete uns ein Video von einer vorbildlichen Rettungsgasse auf dem Weg zu einem Hilfeleistungseinsatz auf der Autobahn A 5.

 

Interview mit Frederik Braun: Denkt mit, bildet eine Rettungsgasse!

Hamburg – Mit seinem Video “Die Rettungsgasse rettet Leben” hat das Team vom Miniatur Wunderland in Hamburg nicht nur einen Internet-Hit gelandet. Sie haben auch große Aufmerksamkeit für das wichtige Thema Rettungsgasse erregt.

Frederik Braun erlebte persönlich, dass es für viele Autofahrer nicht selbstverständlich ist, im Stau nach einem Unfall eine Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge frei zu halten. So entstand die Idee zu dem Videoprojekt. Thomas Lichters interviewte Braun für das Löschblatt.

Löschblatt: Welche Affinität habt Ihr zur Feuerwehr und Themen rund um unseren Beruf?

Frederik Braun
Frederik Braun, Mitgründer des Miniatur Wunderlandes. Foto: MiWuLa

Frederik Braun: Bereits als Kinder, im Alter von sechs oder sieben Jahren waren wir begeistert von der Feuerwehr. Wir wohnten damals in der Nähe der Wache 11 und da Gerrit damals schon handwerklich begabt war bauten wir die Wache aus Gips und Moltofil nach. Mit acht oder neun Jahren haben wir oft nach der Schule vor der Wache gewartet und sind den Einsatzfahrzeugen dann mit den Fahrrädern hinterher gefahren und haben bei den Einsätzen zugeschaut. Der Hausmeister unseres Hauses war ebenso begeistert wie wir und hat uns nach Absprache mit unseren Eltern oft mit dem Auto mitgenommen, wenn er einen Alarm mitbekommen hat. Wenn wir dann in den seltenen Genuss eines Besuches an der Wache kamen, konnten wir vor Aufregung nächtelang nicht schlafen. Modellbau war für uns immer schon wichtig, die Feuerwehr war aber noch wichtiger. Auch heute empfinden wir wie die Kleinkinder, wenn es um die Feuerwehr geht, unsere Interessen haben sich jedoch mehr in Richtung Fahrzeugpark und Logistik verlagert.

Es wäre mehr als logisch, wenn wir in der Freiwillige Feuerwehr eintreten würden, aber wir trauen uns nicht zu, die schrecklichen Bilder zu ertragen, die zum Beispiel bei schweren Unfällen entstehen.

Löschblatt: Wie entstand die Idee zu dem Clip mit der Rettungsgasse?

Braun: Ich fuhr im Sommer auf die Autobahn A255, um über die A1 nach Hause zu fahren. Schon nach kurzer Zeit stand ich im Stau, weil sich vor mir ein Unfall ereignet hatte. In einigen hundert Metern Entfernung konnte ich erkennen, dass ein Lkw quer stand. Einige Fahrer machten eine Gasse für die anrückenden Rettungskräfte und andere fuhren in die entstehenden Lücken, weil sie dann einen Meter weiter kamen. Damit versperrten sie die Gasse wieder. So dauerte es 15 Minuten, bis sich der Erste Rettungswagen zu uns vorgearbeitet hatte, weil die Leute es nicht begreifen oder schlichtweg egoistisch handeln. Bei dem Unfall war eine Person im Pkw eingeklemmt und die Rettung verzögerte sich dramatisch wegen dieses Fehlverhaltens. Da wusste ich, dass ich etwas tun musste.

Löschblatt: Welche Schritte folgten dann zur Umsetzung deiner Vision?

Braun: Das Konzept für den Film hatte ich bereits am nächsten Tag im Kopf. Wir bildeten ein Team von sechs Leuten für die Entwicklung, mein Bruder war auch dabei. Sogar in diesem kleinen Kreis herrschte Uneinigkeit über die Umsetzung des Projektes. Einige wussten selbst nicht, wie die Rettungsgasse gebildet wird, andere zweifelten daran, dass wir mit unseren Bemühungen etwas an der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Bewusstsein der Menschen ändern können. Also setzte ich das Projekt einfach durch.

Löschblatt: Wie wurde das Projekt realisiert?

Braun: Zunächst bauten die Modellbauer eine Autobahn nebst anliegenden Kulissen. Für die Dreharbeiten heuerte ich die Sterntaucher vom Kiez an, die Dialoge sollten meine Freunde Till Demtröder und Marek Erhardt einsprechen. Es entbrannte ein kleiner Streit unter den beiden, denn jeder wollte die Rolle vom muffeligen Horst übernehmen, dem auf der Anfahrt der Kragen platzt. Wichtig war uns ein original Hamburger Slang, der jedoch auch in Bayern gut zu verstehen ist. Und wir machten uns sehr viele Gedanken, ob wir mit Horst die Feuerwehr in ein schlechtes Licht rücken könnten, bekamen aber seitens der Kollegen viele Hinweise, dass es solche Reaktionen durchaus geben kann, wenn man helfen will und immer wieder bremsen muss.

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Wir brauchten zirka 10 Tage für den Aufbau der Anlage, vier Tage für den Dreh und zwei für den Schnitt. Als dann von den Behörden die Jahresstatistik zu den Verkehrstoten heraus gegeben werden sollte, haben wir vor lauter Nervosität auch noch die Nächte durchgemacht. Unter Zeitdruck mussten dann noch einige Szenen nachgedreht werden. Und das, obwohl wir uns für den Veröffentlichungstag eine Deadline von 14:00 Uhr gesetzt hatten, denn das ist die beste Zeit für die Onlinestellung. Wir schafften es bis 17:00 Uhr und die Zahlen der Klicks und Likes gingen durch die Decke. Rein statistisch hat bisher jeder dritte Deutsche den Film angeklickt, wenn man die Teilungen über Sender und andere mit einbezieht. Inzwischen läuft unser Film bundesweit auf den Monitoren in Warteräumen von Verkehrsämtern oder als Lehrfilm in Fahrschulen.

Löschblatt: Habt ihr schon eine Idee für zukünftige Projekte dieser Art?

Braun: Ich könnte mir vorstellen, dass es eine Fortsetzung der Rettungsgasse gibt. Wenn Horst dann mit seinen Jungs nach dem Einsatz auf dem Rückweg ist und an eine Stelle kommt, wo die Fahrbahn von zwei auf eine Spur reduziert wird. Denn das Reisverschlussverfahren funktioniert bei uns genauso schlecht, wie die Rettungsgasse. Da hätte Horst wieder ordentlich was über den Außenlausprecher zu schimpfen. Marek und Till wären übrigens sofort wieder dabei, den beiden Protagonisten Horst und Josch ihre Stimme zu geben.

Tausende von Kommentaren zu unserem Film von allen Seiten liefern darüber hinaus viele Anregungen. Leider sind wir die nächste Zeit total landunter. Der Ausbau von Italien kostet sehr viel Zeit und das ist noch lange nicht alles. Das Miniatur-Wunderland ist ständig im Wandel und Wachstum.

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Making-of zum Rettungsgasse-Video des Miniatur Wunderlandes. Foto: MiWuLa

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4 Kommentare zu “Mit der Rettungsgasse Leben retten”
  1. juliane

    moin, letztens kam ich mit dem motorrad aus rügen, mußte richtung bremen. die autobahn war durch ganz hamburg gestaut. mir fiel auf, daß vereinzelte versuchten, eine rettungsgasse zu bilden. leider nur vereinzelt. häufiger bei brücken, wo plakate waren, die die rettungsgasse zeigten.
    wir hatten heiße temperaturen, so daß ich mit dem motorrad zwischen den autos durch gefahren bin. dabei habe ich bemerkt, daß einige platz machten, wenn auch zum teil widerwillig.
    in jedem stau gibt es motorradfahrer, wir hätten die möglichkeit, platz zu schaffen für die rettungskräfte.
    ich würde mir zb hinten auf die jacke oder den helm irgendwas blinkendes oder leuchtendes anbringen, oder über dem nummernschild, gut sichtbar. gibt es sowas nicht irgendwo?
    ich geb zu, mit dem motorrad schlängel ich mich immer da durch, besonders bei hitze oder wenns gießt. so könnten wir biker noch was zur sicherheit beitragen.
    kommt mir aber nicht mit ” das ist aber verboten “, ich machs sowiso, denn in praller sonne ist das kein geschenk mit dem motorrad im stau zu stehn und sich von oben und unten braten zu lassen.

  2. Hans Sauer

    Gehts noch? Zum ersten es ist nicht ohne Grund verboten, dass Zweiräder nicht die “Gasse” zwichen den Fahrzeugen nutzen um schneller voran zu kommen. Da gehört rigeros durchgefriffen – 4 Wochen Fahrverbot und nciht nur ein lächerliches Bussgeld. Und dann noch die Dreistigkeit besitzen quasi als “Hilfssheriff” eine Gasse zu erzwingen? Warum? Um selber schneller voranzu kommen! Irgendwie kennt die Dreistigkeit auf unsereren Straßen langsam keine Grenzen mehr. Aber das wäre natürlich ne Idee – ich mach mir einen Aukleber aufs Auto – “Feuerkamerad macht Rettungsgasse für Kameraden frei!” und ruck zuck bin ich durch den Stau? Man muss den Kopf schütteln auf welch abstruse Ideen manche Menchen kommen und das nur zum eigenen Vorteil.

  3. Daniel

    Eigentlich ist die Idee gar nicht so dumm, wenn auch in Deutschland auf Grund der starren Vorschriften, wird sich das nicht durchzusetzen. Aber mal rein den Gedanken von Juliane aufgegriffen… Da es ja sonst offensichtlich nicht funktioniert mit der Rettungsgasse, ist der Gedanke nicht grundsätzlich verkehrt. Scheitern wird es an der Machbarkeit, sprich was für eine Ausrüstung oder Kennzeichnung und wo soll die im Bedarfsfall (schnell) herkommen?
    @ Hans Sauer: Mal angenommen es würde funktionieren… was juckt es mich dann wenn Motorradfahrer zu ihrem eigenen Vorteil schneller durch den Stau kommen? Wenn sie das quasi als “Lohn” dafür haben dass sie uns Platz für die Anfahrt machen dann sollen sie das gerne bekommen. Wenn jemand eine gute Idee hat dann soll er auch was davon haben. Allemal besser wie jeden 2. Artikel im Feuerwehr Magazin zu kommentieren und alles immer nur schlecht zu reden. Da sind mir Leute wie Leserin Juliane lieber, die nicht nur meckern sondern Ideen haben.

  4. Hans Sauer

    Man sollte schon weiterdenken …. Wenn schin Einsatzfahrzeugen nciht Platz gemacht wird, dann sicher Motorradfahrern ohne Kennzeichnung, Kenntnissen und Kompetenz. Uns was machen dann die lieben Motorradfahrer an der Einsatzstelle? Versperren den Platz? oder quetschen sich durch die Einsatzstelle? Gute Ideen sehen anders aus.

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