Samstag, 10. Dezember 2016

Diskussionen um grünes Blinklicht für BOS

16. Januar 2015 von  

Berlin – Sollen freiwillige Feuerwehrleute ein grünes Blinklicht einsetzen dürfen, wenn sie im Einsatz auf dem Weg zum Feuerwehrhaus sind? „Ja“, sagen zahlreiche Menschen und unterzeichnen derzeit eine Online-Petition, die an den Deutschen Bundestag gerichtet werden soll. Über 15.000 Unterstützer haben bis Freitagmittag die Petition „Grünes Blinklicht für Angehörige der BOS“ befürwortet. Das Blinklicht-Thema ist keineswegs neu. Entsprechende Vorschläge gab es in den vergangenen Jahren in unterschiedlicher Form immer wieder – zu einer Umsetzung kam es jedoch nie.

Das Grundproblem kennen alle ehrenamtlichen Angehörigen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS): Nach einem Alarm soll möglichst schnell mit dem privaten Fahrzeug das Feuerwehrhaus bzw. die Unterkunft erreicht werden. Doch für andere Verkehrsteilnehmer ist das private Fahrzeug nicht als eilbedürftig erkennbar. Als „Hilfsmittel“ nutzen deshalb viele Einsatzkräfte einen magnetisch auf dem Autodach haftenden, unbeleuchteten Dachaufsetzer mit einem entsprechenden Hinweistext.

Fotomontage: Grünes Blinklicht für die Feuerwehr. Foto: Rico Löb

Fotomontage: Grünes Blinklicht für die Feuerwehr. Foto: Rico Löb

Doch die Fahrweise von Einsatzkräften mit ihren Privat-Pkw im Einsatzfall ist auch immer wieder Thema für teils hitzige Diskussionen. Beschwerden von anderen Verkehrsteilnehmern, die sich durch die Fahrweise durch Privat-Pkw im Einsatz gefährdet oder genötigt sehen, gibt es immer wieder. Auch Unfälle – mitunter mit tödlichem Ausgang – sind keine Seltenheit. Der Wunsch, ein grünes Blinklicht zu etablieren, sorgt deswegen nicht nur für Lob, sondern auch für Kritik und Sorgen.

In erster Linie beziehen sich die Bedenken  darauf, dass ein grünes Blinklicht mit einem „gefühlten“ Blaulicht verwechselt wird. „Es geht doch darum sicher am Feuerwehrhaus anzukommen“, sagte die Pressereferentin des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Silvia Darmstädter gegenüber feuerwehrmagazin.de. „Da darf es nicht durch eine Fehleinschätzung der Verkehrssituation zu Unfällen kommen.“ Aus diesem Grund sieht der DFV auch keinen Anlass, das Thema zu verfolgen.

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Die Diskussion um ein Blinklicht für freiwillige Feuerwehrleute ist indes keineswegs neu. Schon mehrfach hatte das Feuerwehr-Magazin über derartige Vorschläge berichtet, in den vergangenen Jahren gab es schon diverse Farbvorschläge. Auch die derzeit (außer für Ärzte mit entsprechender Genehmigung) nicht zulässigen Dachaufsetzer mit einer Blinklichtfunktion waren dabei im Blickpunkt einer Diskussion.

Thema vor zehn Jahren schon diskutiert

Zuletzt war in der März-Ausgabe 2005 das Thema aufgegriffen worden. Schon damals hatte sich auch der Präsident des DFV, Hans-Peter Kröger, ablehnend gegen ein Blinklicht für private Pkw der Feuerwehrangehörigen ausgesprochen: „Jede offiziell sanktionierte Kennzeichnung kann (…) nur zu einer vermeintlichen Sicherheit führen und brächte wegen der Einzelfallentscheidungen der Gerichte auch keine Rechtssicherheit. Riskantes Fahren auf kurzen Distanzen bringt meist nur wenige Sekunden, die für den Einsatzerfolg unbedeutend sind.“

Silvia Darmstädter sieht mit dem Blinklichtthema auch einen falschen Ansatz. Die Frage, wie schnell ausreichend Feuerwehrkräfte das Feuerwehrhaus erreichen können, dürfte nicht auf der Straße entschieden werden – hier sei vielmehr eine frühzeitige Planung in Form eines Feuerwehrbedarfsplanes gefragt.

Kanada: Grünes Blinklicht für die Feuerwehr

Im kanadischen Lacombe (Alberta) dürfen freiwillige Feuerwehrleute grüne Blinklichter in ihren privaten Pkw einsetzen, wenn sie im Einsatz zur Feuerwache fahren. Mit diesem Video erklärt die Feuerwehr den Hintergrund und bittet die Bevölkerung um Unterstützung im Einsatzfall.

Kommentare

56 Kommentare zu “Diskussionen um grünes Blinklicht für BOS”
  1. Uli sagt:

    Wenn ich so bedenke, dass der DFV über 1 Mio aktive Feuerwehrleute angibt, wenn ich die anderen BOS hinzurechne, dann sehe ich ein grünes Blinkermeer vor mir. Selbst wenn ich dann die Helfer auf einen insatzfall reduziere, es blinkt immer noch.

    Und wenn der normale Autofahrer heute schon mit dem richtigen Verhalten bei Annäherung eines Fahrzeugs mitSonderrechten überfordert ist, wenn er jetzt schon Schwierigkeiten hat, das einfachste Verhalten beim grünen Abbiegepfeil richtig hin zu bekommen, dann soll er sich auch noch oft bei einbem drünen Blinklicht ohne akustische Begleitung richtig verhalten? Ich sehe das Blinklicht als zusätzliche Erhöhung der Gefährdung für alle Verkehrsteilnehmer an.

    Übrigens, in einem Kommentar werden nicht mehr ausreichende Sirenenalarmierungen zum Erreichen der Helfer angesehen.Es gibt nicht wenige Regionen, die seinerzeit ganz bewusst Sirenen abgeschafft haben, obwohl sie ein existentes und vorhandenes System des Bundes übernehmen konnten. Aber die weise Einsicht sah nur Kosten und die fehlende Erfordernis. Und heute? Man baut für teures Geld neue Systeme auf, weil man leider auch die Warnung der Bevölkerung vergessen hatte. Die Musterlösung für alle Fälle wird es nie geben, weder auch dem Hausdach noch auf dem Autodach.

  2. B. Iker sagt:

    Ich kann aus beruflichen Gründen bestätigen, dass bei einigen beispielsweise die bloße Alarmierung oder aber das blaue Blinklicht auf dem Einsatzfahrzeug zur Übermotivation führt. Das brauchen wir nicht noch zusätzlichem mit grünen Lichtern auf den Privatfahrzeugen. Nicht umsonst bremsen die gesetzlichen Unfallversicherungsträger mit derartigen Kampagnen:

    http://www.feuerwehrmagazin.de/nachrichten/news/mein-kopf-ist-schon-am-einsatzort-13173

  3. Olaf sagt:

    Tolle Idee, endlich! Vorweg, es soll kein kein Freischein zum Rasen werden, sondern die anderen Verkehrsteilnehmer, besser als der Dachaufsetzer, darauf hinweisen, dass hier ein Arzt, Feuerwehrangehöriger oder Rettungsdienstler in seinem Privat PKW auf dem Weg zur Wache ist und davon vielleicht ein Menschenleben abhängen kann!!!!
    Wir können erst ausrücken wenn wir auf der Wache angekommen sind. Und das sollte schnell und sicher gehen. Wie oft stand ich schon an einer roten Ampel und wäre durchgekommen, wenn der Vordermann freiwillig nur ein paar cm nach rechts wäre, aber woher er soll er es wissen. Bin sogar dann schon ausgestiegen und habe ihn freundlich gebeten etwas zur Seite zu fahren, was dann logischerweise auch jeder tut, wenn dies gefahrlos möglich ist. Da sind 1,5 min an einer Ampel verdammt lang, vor allem beim Alarmstichwort „VU Person eingeklemmt“. Im Privatfahrzeug auf dem Weg zur Wache ist es also genauso wichtig schnell und sicher anzukommen, als auch später auf der Einsatzfahrt, die sich durchaus mal eine oder zwei Minuten verzögern kann, je nach Rotphase an einer Ampel oder eines gerade einparkenden, den Weg blockierenden Verkehrsteilnehmers, der evtl. durch das grüne Blinklicht freiwillig etwas Platz machen würde / könnte. Da die Dachaufsetzer wohl eher mit „Fahrschule“ verwechselt werden können, bin ich zweifellos für das Einführen des grünen Blinklichtes für alle Rettungsorganisationen, Ärzte und Personen die hoheitliche dringende Aufgaben erfüllen. Das erfordert natürlich dann Bekanntmachung in der Öffentlichkeit / Medien und auch natürlich in den Fahrschulen. Ich glaube bis heute wissen 70% der deutschen Verkehrsteilnehmer nicht, wozu der grüne Pfeil nach rechts an einer Ampel dient.
    Ich selbst bin seit 32 Jahren Maschinist in einer freiwilligen Feuerwehr mit ca. 400 Einsätzen im Jahr aktiv und bisher zum Glück unfallfrei zur Feuerwache gekommen, wenn es auch manchmal frustrierend war, wie andere Verkehrsteilnehmer reagierten, nur weil Sie gefahrlos von mir überholt wurden. (Vogel zeigen, Lichthupen, Hupen usw.) Und warum? Weil die anderen Verkehrsteilnehmer nicht wussten, dass hier Eile geboten ist und ich im Einsatz war, weil Sie den Dachaufsetzer nicht kannten oder bemerkten.
    Auch war es vor 20 oder 30 Jahren einfacher durchzukommen, denn die Verkehrsdichte hat nun leider mal zugenommen und es wird Zeit eine bessere eindeutige Signalisierung einzuführen! Die andere Möglichkeit ist natürlich eine Wachbereitschaft auf der Wache zu haben, die das erste Fahrzeug besetzt, um die geforderten Hilfsfristen einzuhalten, aber dies scheitert sicher an den Kosten.
    Es geht hier nicht um Rasen oder Wegerecht, sondern um eindeutige Kenntlichmachung von Einsatzkräften und das kann man mit dem grünen Blinklicht erreichen! Siehe USA.

  4. BOS- THW sagt:

    Ich stimme Olaf zu .Im übrigen Uli liegt es ja in der Natur der Sache das grüne Blinklichter blinken oder siehst du das anders? Zumal die Zahl der aktiven BOSler eine Frage der Statistik ist ,schließlich gibt es viele Helfer die nur bei Großschadenslagen zum Einsatz kommen weil sie „nur“ im Katastrophenschutz tätig sind oder beispielsweise die Einsatzkräfte von Logistikeinheiten ,auch die zählen zu aktiven Helfern werden aber niemals ein Einsatz mit Sondersignal haben weil sie gesagt für die Verpflegung zustänig sind .Apropos Sondersignal , du hast oben behauptet ,dass Zitat “ normale Autofahrer heute schon mit dem richtigen Verhalten bei Annäherung eines Fahrzeugs mitSonderrechten überfordert ist..“auch hier muss ich dich korrigieren ,ein Einsatzfahrzeug hat höchtens Wegrechte (Möglicherweise sagt dir StVo was (; )das heißt das alle anderen zu Seite fahren müssen wenn sich ein Einsatzfahrzeug mit sogenannten SONDERSIGNALEN (Blauchlicht,Martinshorn )nähert.
    Es mag sein ,dass Sondersignale ,Sonderrechte etc. bei manchen Kollegen zu Übermotivation führen können ,aber all dies ließe sich durch regelmaßige verplichtende Schulungen in den Griff bekommen .Mit ausreichenden Aufklärungskampangen würde auch der normale Autofahrer wissen was er zu tun hat .Und übrigens an alle die behauptet haben auf fünf minuten mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an ,mussten mit Sicherheit noch nie auf Notartzt ,Feuerwehr ,THW ,DlRG….. warten .Mal so nebenbei um zu veranschaulichen was wenige Minuten bedeuten können ,es sinken mit jeder minute die Chance jmd erfolgreich zu reanimieren ,ein Mensch kann sich nur sehr kurz in verrauchten Räumen aufhalten ohne Schäden in der Lunge zu verursachen , nach fünf minuten Sauerstoffmangel beginnen bereits die ersten Hirnzellen unwiederbringlich abzusterben ….
    Es geht nicht darum zu rasen ,oder über rote Ampeln zu fahren sndern einzig und allein darum helfen zu wollen ,denn eins ist sicher ,es fühlt sich echt richtig beschissen an zu spät zu kommen

  5. Anton K. sagt:

    Was soll denn immer diese blöde Diskussion um das bescheuerte Blinklicht. Gibt´s denn bei der Feuerwehr nur noch so einsatzgeile Mitglieder, die ohne wenn und aber unbedingt am ersten Fahrzeug mitfahren müssen? Und sei es nur, um dann auch Bilder und blöde Kommentare posten zu können.
    Was spricht denn dagegen, dass man mit normaler Geschwindigkeit zum Geräthaus fährt und dann halt mal im zweiten Auto oder gar nicht mitzufahren? Ist das so schlimm fürs Ego?
    Was machen dann Radfahrer und Fußgänger? Die knallen sich dann die grüne Idiotenlampe aufs Hohlkörper, der den Hals vor Nässe schützt.

    Leute, ist das das einzigste Problem, das Feuerwehrdeutschland hat?

  6. Failure sagt:

    @BOS- THW
    Bevor man Leute auffordert die StVO zu lesen (ich denke das sollte durch „[…]sagt dir StVo was[…]“ impliziert werden) sollte man das selber sorgfältig getan habe. Dann lassen sich Falschaussagen wie „[…],ein Einsatzfahrzeug hat höchtens[sic] Wegrechte[sic][…]“ vermeiden.
    §35 Sonderrechte Absatz 1 besagt:
    „Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.“
    desweiteren besagt Absatz 5a:
    „Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.“
    Ein Fahrzeug kann also sehr wohl Sonderrechte „haben“.
    Die „Wegerechte“ ergeben sich aus dem §38 Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht Absatz 1.

Kommentare

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