Ölspuren: Keine zwingende Nachreinigung mehr

Berlin/München – Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat eine 26 Jahre alte Bekanntmachung des Innenministeriums zur “Beseitigung von Ölspuren auf Verkehrsflächen” als “überholt” bezeichnet und aufgehoben. In dieser Publikation wurde unter anderem  beschrieben, dass bei der Beseitigung von Ölspuren auf Verkehrsflächen einem zweimaligen Bindemittelauftrag die Nachreinigung mit einer verdünnten Tensidlösung sowie ein Abspülen mit der mindestens 50 – 75-fachen Menge Wasser folgen musste.

“In der Zwischenzeit gab es Verbesserungen in den Produktqualitäten der Ölbindemittel, sowie Veränderungen in den Prüfmethoden und den Nachreinigungsverfahren”, teilte der Verband der Hersteller geprüfter Öl- und Chemikalienbindemittel, GÖC, mit. Der gemeinsame Fachausschuss “Gerätschaften und Mittel zur Abwehr von Gewässergefährdungen” (GMAG) der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. und des Technischen Hilfswerks (THW) hatten im Juni 2007 das Merkblatt DWA-M 715 “Ölbeseitigung auf Verkehrsflächen” herausgegeben. In diesem Merkblatt für den Einsatz von Ölbindern auf Verkehrsflächen ist die Nachreinigung nur noch optional vorgeschrieben.”Dieses (Anm. d. Red.: Merkblatt) stellt eine wichtige, jedoch nicht die einzige Erkenntnisquelle für eine fachgerechte Lösung der Beseitigung von Öl auf Verkehrsflächen dar”, so das Umweltministerium in dem Hinweis zur Aufhebung. Das Merkblatt kann über http://www.goec-ev.de/ bezogen werden.

“Die parallele Gültigkeit beider Regelungen, die ihre Ursache im Rückzug der Prüfvorschrift für die Tenside (GMBl 25 von 1991) hatte, löste hier immer wieder Verunsicherungen aus, die jetzt beseitigt werden”, so der GÖC-Verband. (Hinweis: Aufgehoben wurde die Bekanntmachung des Bundesministeriums des Innern vom 01.04.1985 – U III 6 – 523 074/22 “Beseitigung von Ölspuren auf Verkehrsflächen” (GMBI 1995; S. 339).

Ölspurbeseitigung: Die Nachreinigung von Verkehrsflächen ist nur noch optional vorgeschrieben, teilte der GÖC-Verband mit. Foto: Christian Nimtz
Ölspurbeseitigung: Die Nachreinigung von Verkehrsflächen ist nur noch optional vorgeschrieben, teilte der GÖC-Verband mit. Foto: Christian Nimtz
15 Kommentare zu “Ölspuren: Keine zwingende Nachreinigung mehr”
  1. Wilderich Freiherr von Haxthausen

    Die Abbildung oben zeigt einen Feuerwehrmann neben einer Staubwolke, die aus einer mit Ölbindemittel gefüllten Streukarre kommt. Offensichtlich staubt das Ölbindemittel sehr heftig und scheint größtenteil ohne Bodenberührung davon zu fliegen.
    Erfolg: Wirkung fraglich, Verlust an ungenutztem Ölbinder erheblich.

    Ist denn kein staubfreier Ölbinder zu bekommen ?

  2. Doch, meistens sind Ölbindemittel Staubfrei, durch die Reibung auf Einsatzfahrten und ähnlichen äußeren Einwirkungen entsteht allerdings Staub. Da das Ölbindemittel auf dem Bild stark stäubt gehe ich davon aus, das es schon eine weile auf dem Fahrzeug lag.

  3. Haxthausen

    @ Tobias
    Ölbindemittel im Sack oder im Einsatz bröselnd
    stauben und schmieren mit der Ölspur auf, der Schmier mit Öl
    haftet in den Straßenporen und wird durch Regen oder Auroräder
    (was unbedingt vermieden werden soll) weiter umver-
    teilt.
    Was der Besen nicht kann – bleibt liegen, war einmal.

    Sie sagen: “Doch, meistens sind Ölbindemittel staubfrei”.
    Wenn Sie eins wissen, aber das muss wirklich stabil bleiben
    (Stiefel drauf und drehen – kein Staub), verraten Sie es der
    Leserrunde?

    Zu: Ölspuren:Keine zwingende Nachreinigung mehr

    ” In der Zwischenzeit gab es Verbesserungen in den Produktqualitäten
    der Ölbindemittel…”

    Bei den Ölbindemitteln? Wie denn das? Kann das jemand erläutern?

  4. Hallo,

    es ist mir irgendwie unerklärlich, wo genau sich die Produkte in den letzten da. 4 Jahren sich so stark verändert haben sollen, dass z.B. Kapillarwirkung o.ä. plötzlich keine Rolle mehr spielen soll…

  5. Als Mitglied des GMAG und seiner Arbeitskreise IG 7.1 (Bindemittel) und 7.5 (Tenside) sowie einer der deutschen Vertreter in der zuständigen Arbeitsgruppe der CEN (Tc 337) will ich hier in sehr gekürzter Form einige Aspekte zur Erläuterung anfügen:
    Die Aufhebung der alten Nachreinigungsvorschrift geht mit steigenden Anforderungen an die Bindemittel einher, wie sie sich aus der im Zuge der europäischen Abstimmung – noch als vorläufig eingeschränkt gültigen – CEN 15366 ergeben. Darin wird der Wirkungsnachweis – wie bisher bereits z.B. in Frankreich – bei der Bindemittelprüfung ohne Tensidnachreinigung gefordert. Das hat für einige Bindemittel Probleme zur Folge, sie sind allerdings derzeit aus rechtlichen Gründen nicht direkt vom Markt zu nehmen. Das wiederum bedeutet (von uns gar nicht gewollt!) für die Anwender, also meist die Feuerwehrleute, dass sie mehr Verantwortung bei der Auswahl der Mittel aufgebürdet bekamen. Es ist dringend geraten, die Freigabe der Straße ausschließlich den dafür zuständigen Behörden zu überlassen, und im Zweifel lieber zusätzlich Tenside anzuwenden, ggf. einen privaten Reiniger zu beauftragen und die Warnschilder “Ölspur” länger stehen zu lassen!
    Unser Gremium GMAG versucht derzeit, über die künftige nationale Regelung DWA A 716 das Bindemittelwesen den neuen Anforderungen anzupassen. Dies wird aber noch einige Zeit dauern. Man kann jedoch die Problematik als Anwender bei einem der Seminare, die wir jährlich mehrfach anbieten (zumeist in Verbindung mit Feuerwehrschulen), vertieft erlernen.
    Zum Staub: wir haben europaweit keinen die Anforderungen der Feuerwehr-Praxis treffenden Test gefunden, der das Staubproblem bei der Eignungsprüfung befriedigend lösen würde. Der französische Testvorschlag erwies sich als nicht reproduzierbar, und er berücksichtigte nicht das Transport-“verkrümeln”. Auch Tests aus der Zementindustrie oder eine Regelung der Schüttdichte trafen das Problem nicht. Man hat sich daher darauf geeinigt, diese Frage dem Markt, d.h. der Erfahrung der Anwender und deren Kaufverhalten, zu überlassen, zumal in südlichen Ländern oder auf Wasser/Regen manche eher staubenden Mittel auch ihre Vorteile haben. Es gibt genügend Mittel, die auch beim Transport stabil bleiben, nicht verwehen oder zusätzlich granuliert angeboten werden. Es muss nicht alles gesetzlich oder in Normen geregelt werden, was individuell besser zu entscheiden ist.

  6. Haxthausen

    @ Cimolino

    Ein Kapillarröhrchen soll innen sauber sein, sonst läuft nichts.
    Ebenso verhält sich Öl: Es dringt schlecht in das Ölbindemittel ein, weil Stäube zwischen den Kornpartikeln des Bindemittels die gewünschte Kapillarwirkung behindern.

  7. Haxthausen

    @ Hans-Dieter Stürmer

    Ihren Hinweisen zu Staub mag ich gar nicht folgen.

    Für einen ersten Test genügt, Stiefel drauf und drehen.
    FröWag GmbH bietet ein Gerät zur Bestimmung der Kornfestigkeit
    …und Stempel drehen zur Bestimmung der Abriebfestigkeit.
    Das Problem Abrieb darf angesichts der Schadenspotenziale dem
    Anwender nicht einfach überbürdet bleiben, das Problem will in
    der Norm weit genug vorbeugend geregelt sein.
    Staub schmiert auf, der Schmier geht aufwendig maschinell weg,
    sauber von Hand abkehren geht schlecht, das Liegenlassen ist der
    Erfolg.
    Betrachten Sie einmal am Meeresstrand den das auflaufende Wasser
    aufsaugenden Sand, wie der Sand das Wasser sofort aufnimmt, Sand
    mit Staub (wird mit Wasser zu Schmier) macht das nicht. Reiner
    Meeressand verhält sich wie eine Kapillarröhre, zwischen den
    Körnchen läuft’s hinein.

  8. Hallo Herr Stürmer,

    so kann man auch Lobbyarbeit betreiben. Allerdings hier natürlich im Sinne der Bindemittelhersteller, nicht im Sinne der Gefahrenabwehr…

    1. Wird die Auswahlverantwortung einer offensichtlich noch gar nicht rechtsgültig verabschiedeten RL auf die Fw abgedrückt.
    2. Ist mir immer noch schleierhaft, wie das gerade bei Ölspuren funktionieren soll, die etwas Zeit hatten, in grobe Oberflächen einzudringen.
    3. Kenn ich zuviele praktische Beispiele, wie Feuerwehren mit dem Bindemittel in “echt” umgehen, um zu wissen, dass die Handhabungsanfoderungen i.d.R. NICHT erfüllt werden (also von wegen sorgfältig abstreuen, einkehren, aufnehmen, ggf. neu ausbringen, einkehren, aufnehmen – sondern hinwerfen, einfahren lassen und vergessen, bzw. darauf hoffen, dass es die Straßenmeisterei mit der Kehrmaschine aufnimmt).

    Von einer Fachzeitschrift hätte ich im übrigen hierzu ggf. einen redaktionellen Beitrag mit etwas mehr Recherche erwartet!

    Gruß
    UC

  9. Mr. Funcolu

    Man beachte Gesichtsausdruck und dahinter den fahrenden Schrotthaufen.
    zu dem Rest kann ich nur sagen : SHIT HAPPENS

  10. Haxthausen

    Zu dem Foto oben:

    In dem Entwurf DWA-A 716-9 heißt es, dass der Feinkornanteil die Wirksamkeit erheblich beeinflussen kann.
    Es sei zu beachten, dass Ölbindemittel mit deutlicher Staubentwicklung bei Wind oder Verkehr sich im praktischen Gebrauch als ungeeignet erweisen können.

    Also hätte der Beschaffer die Zerbröselungseigenschaft zu prüfen, und die Einsatzleute hätten vor Einsätzen vorhandene Zerbröselung zu prüfen.

  11. Hannelore Maier

    da haben hier einige gut reden 🙁

    ich habe in der Zwischenzeit ein künstliches Knie, da ich bei normaler Fahrweise auf einer von der Feuerwehr abgestreuten Ölspur vor Jahren mit meinem Motorrad gestürzt bin 🙁 = lebenslange Dauerschmerzen

    ich erstattete Anzeige, doch die Staatsanwaltschaft meinte zwar auch, daß die Fahrbahn hätte besser gereinigt werden müssen, stellte das Verfahren aber ein, weil nicht ermittelt werden konnte, ob die Feuerwehr oder die Polizei die Fahrbahn freigegeben hatte

    wer erlebt hat wie ich bei der Polizei behadelt wurde als ich die Strafanzeige erstattete, wird das nie mehr machen und den verwundert das Ergebnis des Staatsanwaltschaft nicht 🙁

    LEUTE MACHT DIE FAHRBAHN RICHTIG SAUBER – ER GEHT HIER UM MENSCHEN!

  12. Mr. Funculo,

    sachlich bleiben und der “Schrotthaufen” hatte es in sich !!!!!!!!!!!
    Mitlerweile ausgemustert.

    Mfg

  13. Erwin Kroon

    21.02.2012

    “”Weisheiten”” haben alle beteiligten Herausgeber von ständig wackelnden Vorschriften an den Tag gelegt. Ein typisch europäisches Verhalten.

    Bekannt ist, dass Vorteile und Qualität bei bewährten Methoden überwiegen. Deshalb sollten bewährte Methoden angewendet werden, insbesondere dann, wenn es um die Verkehrssicherheit auf unseren schnellebigen Strassen geht…also um Menschenleben und natürlich der Umwelt wegen.

    Unstreitig ist, dass Nassreinigungen unter Einsatz von Tensid und themperiertem Hochdruckwasser die beste und bewährteste Methode ist.
    Gesunde menschlichen Sinnesorgane konnten das wiederholt feststellen, ohne unbewährte Messmethoden anwenden zu müssen.

    Was bis heute alles bzgl. Ölbekämpfung auf unseren befestigten Verkehrsstrassen unternommen wurde, möchte ich hier lieber nicht bewerten.

  14. Klaus Wallbaum

    Zufällig drauf gestossen.
    Da kriege ich als “auch” Motorradfahrer richtig dicken Hals.
    Was für Schreibtischtäter sind das bei der GÖC???????
    In Südostniedersachsen bis ins Weserbergland werden teilweise Ölbindemittel, welcher Art auch immer, nur noch rudimentär wieder beseitigt. [Manchmal dauert die Beseitigung einer Ölspur (Diesel-Tankdeckel vergessen z.B.) bis zu 2 Tage!!!!!!!]
    Dann liegt die Haftfähigkeit einer solchen Stelle bei nur noch 40% einer optional nach-gereinigten Straße. Selbst die hat dann aber meist nur 80%. Man möge sich mal bei Rennstrecken schlau machen, die verwenden Mittel und Nachreinigungsverfahren, die verlässlich sind!! Sowas muß es auch für den Straßenverkehr geben, damit Leuten wie Hannelore Meier eine derartige Scheiße oder noch schlimmeres erspart bleibt.
    Das gilt auch für den Rollsplittwahn: “Warum wegfegen? Das fährt sich schon weg”.

  15. Was ist mit einem Privat Gelände? (Fabrik) wer gibt hier die Straße wieder frei?

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