System des BBK

Na, MoWaS! Modulares Warnsystem – inklusive NINA-WarnApp

Das Modulare Warnsystem (MoWaS) wird durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) flächendeckend als amtliches Warnmittel des Bundes eingesetzt. Es dient zur Warnung der Bevölkerung für Zivilschutzzwecke. Darüber hinaus steht es in den Ländern zur Nutzung für Zwecke des Katastrophenschutzes und der Gefahrenabwehr zur Verfügung.

Der Bund hat alle Länder mit mindestens zwei hochverfügbaren MoWaS-Vollstationen ausgerüstet. Darüber hinaus haben Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hessen die Leitstellen vollzählig oder teilweise mit MoWaS-Vollsystemen ausgerüstet. Über das System kann der im Bevölkerungsschutz Verantwortliche alle verfügbaren angeschlossenen Warnmittel seines Zuständigkeitsbereichs auslösen, auf akute oder drohende Gefahren hinweisen sowie der Bevölkerung Verhaltensempfehlungen geben.

Text: Hendrik Roggendorf, Referatsleiter im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Sensor für die Ereignisfrüherkennung

MoWaS hilft bei der Früherkennung von bevorstehenden Lagen. Es ermöglicht, die in Gefahrenabwehrplänen für Unwetterlagen definierten Maßnahmen zur Vorbereitung – beispielsweise Leitstellenverstärkungen und Aktivieren von Ereignisstäben – rechtzeitig in die Wege zu leiten. Die Nutzer der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes (Warn-App NINA), ein angeschlossener Adressat des Systems, erhalten die Unwettermeldungen und des Deutschen Wetterdienstes (DWD) per Push-Dienst auf ihr Smartphone und erfahren so rechtzeitig im Vorfeld von der bevorstehenden Unwetterlage. Dabei können die Nutzer in den App-Einstellungen definieren, ab welcher Warnschwelle sie informiert werden möchten.

 

Über NINA werden auch die hydrologischen Lageberichte der Landeshochwasserzentralen übermittelt und – je nach Nutzereinstellungen – als Push-Meldungen verbreitet. Zahlenmäßige Begrenzungen für abonnierbare Orte bestehen nicht. Damit sind die Empfänger über die wesentlichen für Unwettereinsätze relevanten Faktoren frühestmöglich informiert: Niederschlag, Sturm, Gewitter sowie Hochwasser.

Auch in den Leitstellen und Stäben leisten die Vollsysteme, MoWaS-vS/E-Portale oder die Website warnung.bund.de wertvolle Dienste. Neben den gängigen Frühwarnkanälen des Deutschen Wetterdienstes für Amtliche Unwetterwarnungen über die WarnWetter-App des DWD sowie das Portal FeWiS erfahren die Nutzer von Meldungen aufgrund extremer Unwetter.

Denn der Deutsche Wetterdienst nutzt MoWaS auch zur Übermittlung der Warnung vor Unwettern der Stufe 4 an alle MoWaS-Stationen sowie an die Medien. Die Warnungen werden im Posteingang jeder Station angezeigt. Wer MoWaS oder die webbasierten Zugänge zum Lagemonitoring in der Leitstelle oder im Stabsraum auf die Monitorwand legt, erfährt auf diesem Wege auch in der Kartenansicht, für welche Regionen entsprechende DWD-Meldungen vorliegen.

Symbolbild Leitstelle. Foto: Patzelt

Darüber ermöglicht das System, die Lage in den Nachbarbereichen im Auge zu behalten und so herannahende Unwetterlagen anhand der DWD-Warnungen sowie der dort durch die zuständigen Stellen ausgelösten Bevölkerungswarnungen zu erkennen. MoWaS zeigt die Warnlage in den angrenzenden Kreisen grafisch an und enthält die zugehörenden Warnmeldungen im Volltext im Posteingang jeder Station. So ist man auch über veröffentlichte Warnmeldungen in den Nachbarkreisen und -städten informiert.

Versand von Warnmeldungen

Angeschlossen sind vielfältige Warnmittel, zum Beispiel alle wichtigen deutschen Rundfunk- und Telemediendienste sowie die Warn-App NINA. Aber auch andere Apps, wie Biwapp, FF-Agent und Power-Warn werden bespielt. Auch die Deutsche Bahn AG sowie der Paging-Dienstleister e*Message versorgen ihre Kunden auf ihren Informationskanälen mit den Meldungen aus MoWaS. Über das System können in einem Arbeitsgang alle diese Kanäle beliefert werden. Diese werden durch die Eingabe des Warnbereichs vom System automatisch ermittelt und adressiert. Dabei stehen den Systemen auf Landesebene nicht nur die regionalen Medien, sondern auch die überregionalen Medien als Empfänger zur Verfügung. Der Nutzer kann – lageangepasst – entweder alle verfügbaren Warnmittel wählen oder nur bestimmte nutzen.

Über die Warnstufen kann beispielsweise gesteuert werden, ob die Rundfunksender das Programm sofort unterbrechen oder die Meldung im nächsten redaktionellen Zeitfenster oder fakultativ ins Programm nehmen.

Das Ende der Gefahr wird den Empfängern durch eine Entwarnung mitgeteilt. Hierzu reicht ein Tastendruck aus, der entsprechende Text wird durch das System automatisch generiert und auf per Mausklick ausgelöst.

Absetzen von Verhaltensempfehlungen

Mit MoWaS ist es möglich, die Bevölkerung mit lagespezifischen Verhaltensempfehlungen zu versorgen. Hierdurch kann das Bevölkerungsverhalten gesteuert. Zugleich können die bei Flächenereignissen unverzichtbaren Selbstschutz- und Selbsthilfemaßnahmen der Bevölkerung initiiert werden.

Einige Länder haben hierzu in MoWaS landesweit formulierte Warntexte für verschiedene Szenarien hinterlegt. Diese können als Vorlage übernommen werden und beinhalten bereits die einschlägigen Empfehlungen bei verschiedenen Unwetterszenarien: unter anderem nicht im Freien aufhalten, Fenster und Türen schließen, Kellerfenster sichern und ebenerdige Gebäudeteile räumen.

Darüber hinaus enthält MoWaS bereits vorformulierte Hinweistexte. Zudem ist es möglich, in allen Stationen individuelle und auf die örtlichen Gegebenheiten angepasste Vorlagen mit entsprechenden Verhaltensempfehlungen zu hinterlegen – etwa für bestimmte Gewässerabschnitte oder Uferzonen. Diese können im Ereignisfall bei Bedarf individuell ergänzt und dann verschickt werden.

Warnmeldungen lassen sich an die laufende Lageentwicklung anpassen und aktualisieren. Hierbei werden die Daten in der Ursprungswarnung als Vorlage für die Aktualisierung genutzt und können sodann – gegebenenfalls mit aktualisierten Verhaltensempfehlungen – erneut versendet werden. Durch die Anzeige der Warnmeldungen der angrenzenden Regionen ist es möglich, dort verschickte Warntexte als Vorlage zu übernehmen. So kann auf dort ausgesprochene Verhaltensempfehlungen zurückgegriffen werden. Widersprüchliche Empfehlungen lassen sich so vermeiden.

Etablierung des Warnsystems

Die Vorbereitung der Bevölkerung auf den behördlichen Einsatz von Warnsystemen ist wichtig. Dass die Einwohner über das Modulare Warnsystem gewarnt werden und daher eine der angeschlossenen Apps installieren und entsprechend konfigurieren müssen, erfordert vor Ort intensive Öffentlichkeitsarbeit. Für die Warn-App NINA stellt das BBK auf seiner Website entsprechende Medienkits zum Download und zur freien Verwendung zur Verfügung.

Beispielbild einer Kartenansicht in der WarnApp NINA. Foto: BBK

Der Einsatz des Warnsystems erfordert außerdem eine Ergänzung der eigenen Einsatzplanung und -vorbereitung. Grenzen und Anwendungsfälle für den Einsatz des Warnsystems sollten in die entsprechenden Pläne aufgenommen werden. Zudem müssen die Anwender der Systeme geschult und in Übung gehalten werden. Für MoWaS-vS/E gibt es eine webbasierte Schulungsumgebung. Die Vollsysteme verfügen ebenfalls über einen Schulungsmodus, in dem – geschützt vor versehentlichen scharfen Auslösungen – geübt werden kann. Einige Bundesländer haben die Nutzung von MoWaS zudem bereits in das Ausbildungsprogramm ihrer Führungskräfte an den Landesfeuerwehrschulen aufgenommen. Auch die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler (RP) bietet jährlich mehrere Seminare für Anwender an.

Was technisch dahinter steckt

Das MoWaS-Kernnetz ist hochverfügbar redundant aufgebaut. Alle Stationen und die Warnserver sind sowohl über eine Satellitenverbindung wie auch über eine terrestrische gesicherte Datenleitung verbunden. Damit ist auch bei extremen Unwetterereignissen eine wechselseitige Verbindung gewährleistet. Die Übermittlung erfolgt end-to-end-verschlüsselt. Die Zugänge zu MoWaS über die vS/E-Systeme sind mehrfach gesichert und erfordern eine Zweifaktoren-Autorisierung. Auch die Anbindung der wichtigen Warnmultiplikatoren erfolgt über eine Satellitenverbindung. Die Rechenzentren für das System und die Warn-App stehen in Deutschland.

Da die NINA-Server nicht registrieren, wo sich das jeweilige Smartphone aufhält, erhalten die Mobiltelefone stets sämtliche Warnmeldungen für Deutschland. Die Auswahl der zu signalisierenden Nachrichten erfolgt durch das Smartphone auf App-Ebene. Smartphone-Nutzer mit aktiviertem Ortungsdienst können sich so über Warnmeldungen für ihren jeweiligen Aufenthaltsort informieren lassen.

MoWaS und alle Elemente des Kernnetzes werden rund um die Uhr durch technische Einrichtungen und Mitarbeitende des BBK auf Funktionsfähigkeit geprüft. Anwendern steht ebenso rund um die Uhr telefonischer Support des BBK zur Verfügung. Hier kann bei Fragen zur Anwendung des Systems im konkreten Ereignisfall telefonisch Unterstützung erfragt werden.

Weitere Informationen zum Modularen Warnsystem sowie die Links zu den App-Stores finden Sie auf der Webseite des BBK:

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