Auch 10 Gruppen aus Liechtenstein im Verband

Mehr als Uhren und Berge: Jugendfeuerwehr in der Schweiz

Bremen – In der Schweiz besteht in vielen Kantonen eine Feuerwehrpflicht für die Erwachsenen, die sich aus dem Milizprinzip ergibt: Schweizer Bürger beteiligen sich nebenberuflich und ehrenamtlich für das Gemeinwohl innerhalb der Eidgenossenschaft. Dafür soll die Jugendfeuerwehr (JFW) den Nachwuchs stellen. Aber nicht alle 26 Kantone verfügen über eine eigene Jugendfeuerwehr. Kinderfeuerwehren sind landesweit nirgendwo zu finden. Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten zur Deutschen Jugendfeuerwehr (DJF) existieren, erfahrt Ihr hier.

Als übergeordneter Schweizerischer Feuerwehrverband (SFV) spricht dieser für die JFW Empfehlungen aus, Vorgaben für die Kantone gibt er nicht. Die Verantwortlichen halten Kontakt zu den JFW-Leitern der einzelnen Regionen, bieten Kurse zur Fortbildung an und organisieren administrativ die Schweizer Meisterschaft (www.jfw-schweizermeisterschaft.ch). An dieser nehmen jährlich rund 30 Teams teil – aufgrund von Covid-19 zuletzt allerdings im Jahr 2019. Regelmäßig finden neben den regionalen auch Wettkämpfe statt, in denen sich die Jugendlichen mit den Besten aus dem eigenen Kanton messen.

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Im Kanton Appenzell Ausserrhoden trainieren Mädchen und Jungen der JFW Walzenhausen, wie Schläuche korrekt an den Verteiler angeschlossen werden. Foto: Jugendfeuerwehr Walzenhhausen

Thomas Widmer, stellvertretender Direktor des SFV und JFW-Verantwortlicher, kann für das Jahr 2021 rund 250 Gruppen mit 3.300 Mitgliedern vermelden. Eine Besonderheit: Bei der schweizerischen JFW kommen noch zehn Gruppen aus dem Fürstentum Liechtenstein hinzu – diese sind dem schweizerischen Verband angeschlossen. Von den JFW-Mitgliedern sind etwa ein Viertel Mädchen. Das Eintrittsalter hängt wieder von den Bestimmungen des Kantons ab: In manchen können die Jugendlichen bereits ab 10 Jahren in die JFW, in anderen erst im Alter von 14. Der Übertritt in die aktive Abteilung erfolgt mit 18 Jahren, wenn die Anwärter einen Spezialkurs mit Abschlussprüfungen bestehen.

Gelehrt wird Erste Hilfe, Vorbeugender Brandschutz, Brandbekämpfung sowie Technische Hilfe. Dazu vermitteln Mitglieder der aktiven Wehren das Wissen. Auch bei den Übungen kommt es darauf an, ob die JFW im Aargau im Norden des Landes oder im Tessin im Süden beheimatet ist: In einigen Gemeinden dürfen die Jugendlichen an den Übungen der aktiven Feuerwehren teilnehmen, in anderen werden spezielle Übungen eigens für die JFW abgehalten. Dort werden die zukünftigen Einsatzkräfte als separater Zug organisiert.

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Marcel Piron, JFW-Ausbilder im Bezirk Dielsdorf, berichtet: „Bei uns im Kanton Zürich führen die Jugendlichen 10 bis 15 Übungen im Jahr durch, zwei davon mit der Orts- oder Stützpunktfeuerwehr am eigenen Wohnort. So kommen sie in Kontakt mit den Aktiven und die Hemmschwelle ist niedriger, wenn es um den Übertritt mit 18 Jahren geht. Bestehen die Jugendlichen ihre Kurse, können sie als ausgebildeter Feuerwehr-Soldat anfangen. Etwa 90 Prozent treten nach dem Ende ihrer Zeit bei der JFW in die Feuerwehr ein.“

Safety first, auch bei den Wettkämpfen: Beim Kantonalen Jugendfeuerwehr-Wettkampf in Zürich sichern sich zwei junge Nachwuchskräfte ab. Foto: Kantonaler Feuerwehrverband Zürich

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Das ist eine ganz tolle Ausbildung genauso wie die bei unserer Partnerfeuerwehr in Frankreich. Da kann sich die Deutsche Jugendfeuerwehr ein Beispiel nehmen. Die Jugendfeuerwehr muss attraktiver werden. Warum kann in der JF nicht am Ende z.b.ein soziales Jahr angerechnet werden. Es gibt viele weitere Beispiele
    MfG Koch aus Göttingen

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