Diskussion um die Zukunft der Feuerwehren

Bad Freienwalde (BB) – Keine Frage – wenn es brennt, rückt bisher die Feuerwehr aus. Doch hat die angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zum Teil anhaltenden Investitionsstaus im Flächenland Brandenburg noch eine Zukunft? Mit dieser Frage hat sich der zweite “Antenne Brandenburg-Stammtisch” am Mittwochabend in Bad Freienwalde (Kreis Märkisch-Oderland) beschäftigt.

Nach gut zweistündiger Diskussion stand fest: Auch in Zukunft wird die freiwillige Feuerwehr das Rückgrat der Feuerwehr sein. Die Politik allerdings muss die Rahmenbedingungen verbessern, um in neue Technik und in den Nachwuchs investieren zu können.

Brandstifter fordert die Feuerwehr

Der Austragungsort für den zweiten Stammtisch war bewusst gewählt worden. Trieb doch im vergangenen Jahr ein Brandstifter in der Kurstadt sein Unwesen. Mehr als 40 Brände gingen auf sein Konto. Und noch immer ist er nicht gefasst. Erst in der Nacht zum Mittwoch mussten die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Bad Freienwalde ausrücken – dreimal. Noch können die Kameraden die Einsatzbereitschaft garantieren. Und daran werde sich auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren nichts ändern, versicherte Stadtbrandmeister René Erdmann. Das Durchschnittsalter der Ortsfeuerwehr liegt bei 30 Jahren.

Tagsüber nur noch vier Kräfte verfügbar

Anders sieht es aber schon heute in den kleineren Orten aus. Dort kann oftmals die Einsatzbereitschaft am Tage nicht mehr garantiert werden, weil die Feuerwehrleute der Arbeit wegen lange Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Wie in Eichwerder – ein 300 Seelen-Ort im Oderbruch. Die Löschgruppe besteht dort nur noch aus neun Mitgliedern. Fünf von ihnen seien am Tag nicht da, weil sie außerhalb arbeiten, so Norbert Thunack, der dortige Löschgruppenführer. Wenn es brennt, dann müssen die Kameraden aus der benachbarten Stadt Wriezen ausrücken. Dort befindet sich eine von 103 Stützpunktfeuerwehren im Land.

Stützpunktfeuerwehren haben sich bewährt

Mit dem Aufbau der Stützpunktfeuerwehren hat man in Brandenburg 2007 begonnen. Ein Modell, das sich nach Meinung der Experten bewährt hat und das auch noch in fünf Jahren funktionieren werde, wie Norbert Zoschke, Landesbranddirektor und Leiter der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz, am Mittwoch sagte. Darüber hinaus bedürfe es intelligenter Lösungen. Dann müsse man eventuell über eine punktuelle personelle Verstärkung im hauptgleichen Amt nachdenken.

Verlust von 11.000 Mitgliedern vorhergesagt

Bis dahin jedoch sollte das Augenmerk auf die Nachwuchsgewinnung gelegt werden. Das hielt Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg, für die dringlichste Aufgabe. Die Zahl der Einsatzkräfte werde im Jahr 2020 von jetzt 46.000 auf 35.000 sinken. Man könne noch 100 Fahrzeuge anschaffen. Die würden nichts nützen, wenn man keinen habe, der sie fahren könne. Anreize schaffen, die Feuerwehr interessant machen – das ist eine Aufgabe, die alle angehe. Denn wenn die Feuerwehr dicht machen müsse, dann habe man ein gesamtgesellschaftliches Problem, so Gerd Rademacher, Fachbereichsleiter Jugendpolitik bei der Landesjugendfeuerwehr. Man müsse auch die Leute im Ort ansprechen, Potenziale fördern. Ähnlich sah es Gernot Schmidt, Landrat von Märkisch-Oderland. Es liege am Träger des Brandschutzes und den Leuten vor Ort, wie die Feuerwehr akzeptiert werde. In Märkisch-Oderland habe es zudem in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung bei den Jugendfeuerwehren gegeben – waren es vor Jahren noch acht sind es heute 16.

Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg im Interview. Foto: Heike Stachowiak
Manfred Gerdes, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg im Interview. Foto: Heike Stachowiak

Für Schmidt steht fest, dass die freiwilligen Feuerwehren Zukunft haben. Sie werden die Korsettstangen sein, in denen man sich mit bestimmten Aufgaben konzentrieren werde. So sieht es auch Dieter Dombrowski, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Brandenburg: “Ich halte nichts davon, dass einzelne Ortswehren aufgelöst werden. Wer diesen Weg beschreitet, wird damit die freiwillige Feuerwehrarbeit zum Erliegen bringen.” Die öffentliche Feuerwehr sei deshalb auch künftig wichtig, weil sie Sicherheit garantiere und in den Gemeinden das Leben erhalte, so Dr. Herbert Trimbach, Leiter der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz im Innenministerium des Landes Brandenburg. (Text: Heike Stachowiak)

7 Kommentare zu “Diskussion um die Zukunft der Feuerwehren”
  1. beacher88

    Wer sorgt dafür dass das euch so unverzichtbare Ehrenamt auch von den gewillten gelebt werden kann. Wer schafft die Anreize. Wer muss die Gesetzliche Kluft zwischen Freiwilligen und ARBEITNEHMER sein schließen.
    —> Die Herren und Damen in der Politik, die uns an unseren Versammlungen immer als unverzichtbar loben.
    Macht ihr dass die FFW für UNS unverzichtbar wird. Wieso sind die Budgets für Führerscheine/Lehrgänge/angepasste Einsatzbekleidung/Feuerwehrhäuser und Fahrzeuge die jünger als 30 sind usw. so klein. Aber dafür müsst Ihr dann in Baden Württemberg für ALLE Feuerwehrkameraden die Ausgehuniform neu beschaffen weil die ,,Alte” die schon unsere Väter und Großväter trugen anscheinend zu sehr der Wehrmacht ähnelt nur das der Rang dazu noch auf der Schulter fehlt aber den macht ihr zum Glück ja auf die neue jetzt drauf.

  2. Frank Florian

    So wie es hier im Artikel steht, ist es auch auf andere Bundesländer übertragbar. Es sind nicht nur kleine Dorffeuerwehren die Morgens ihr TSF nicht besetzt bekommen, ich kenne eine Stützpunktfeuerwehr mit 2 LF,s, DLK, ELW, und GW die bekommen gerade mal sechs Mann im Schnitt zusammen, der Wehrführer weiß das und schaut regungslos zu!
    Meiner Meinung nach, hat die Freiwillige Feuerwehr flächendeckend so wie es heute noch ist, keine Zukunft mehr. Sicherlich wird es auch in Zukunft Freiw. Feuerwehren geben, die 24 Std. 365 Tage im Jahr ihre Schutzziele erreichen, aber die negativen Trends der letzten Jahre lassen erahnen, dass wir auf einen akuten Feuerwehrmangel zusteuern. Die Gründe hierfür sind vielfälltig. Zum Einen liegen sie im gesellschaftlichen Wandel (weniger Menschen wollen sich ehrenamtlich engagieren, als auch am demographischen Wandel, andererseits machen sich die Feuerwehren selbst kaputt, indem es innerhalb sehr vieler Feuerwehren interne Querrelen, Missgunst, Neid, Mobbing gibt, sodass viele Kameraden “freiwillig” den Helm an den Nagel hängen. Inzwischen sind viele Feuerwehren nur noch Plattformen für uniformierte Selbstdarsteller geworden die vergessen haben das Feuerwehr Teamarbeit bedeutet. Um die Probleme zu lösen schauen wir immer nach anderen Schuldigen wie Arbeitgeber, Politik usw. in Wirklichkeit sind wir selbst an der Missere nicht unschuldig, weil viele Feuerwehren mehr Störenfriede, Selbstdarsteller und Stimmungsmacher in ihren Reihen haben, als FeuerwehrKAMERADEN. Vielen von Euch werden mich jetzt sicherlich in der Luft zerreisen, aber das es so ist, weiß ich aus eignener Erfahrung, ich bin nach 26 Jahren Feuerwehr ausgetreten, weil mir als Führungskraft ein arbeiten unmöglich gemacht wurde und zwar nicht von meinen Vorgesetzten, oder Arbeitgeber, oder von Politikern, nein sondern von meinen “Kameraden”.

  3. Matthias

    Zitat Frank: “…der Wehrführer weiß das und schaut regungslos zu!”

    Was soll er denn sonst machen, wenn seine Einsatzkräfte arbeitsplatzbedingt pendeln müssen oder wenn es nicht mehr genügend Freiwillige gibt?

    Soll er sich auf die Straße stellen und jeden der vorbeiläuft zwangsrekrutieren?

    Einsatzkräftemangel in der FF ist ein Problem der Politik!!! Denn die Feuerwehren erfüllen einen gesetzlichen Auftrag der Gemeinden.

  4. Christian Pannier

    Das reflexartige Eindreschen einiger Kommentatoren auf die Politik zeugt davon, dass diese offenbar rein gar nichts verstanden haben.
    Wer ständig auf die Politik zeigt darf sich hinterher nicht beklagen, wenn ebendiese Politik Nägel mit Köpfen macht und das wird im Zweifel auf deutliche Standortreduzierungen hinauslaufen. Wer das nicht will sollte langsam mal die Initiative ergreifen und mit Lösungen aus dem Quark kommen, anstatt hier permanent rumzuheulen und mit dem Finger auf andere zu zeigen.

  5. Manfred

    Die Gesellschaft muss erkennen, dass wir schon lange im Wandel der Zeit sind. Es gibt immer weniger Menschen die ehrenamtlich so viel an Freizeit opfern wollen wie man es bis jetzt kannte. Viele junge Leute erwarten nicht mehr viel vom Staat und sie geben den Staat somit auch nicht viel zurück.
    Wir belügen uns sosehr das es schon dumm aussieht.
    Die ehrenamtliche Feuerwehr wird es nicht überall mehr schaffen, die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Der Brandschutz muss in zentrale Strukturen integriert werden, eine gesunde Mischung aus hauptberuflichen und ehrenamtlichen Feuerwehren muss entstehen.
    Viele beklagen den Rückgang an Mitglieder in den Reihen ihrer Feuerwehr, kommt es zur öffentlichen Befragung, dann ist alles in Ordnung.

    Wie krank sind eigentlich das ehrenamtlich Feuerwehrwesen?

    Viel zu oft stehen komplette Löschzuge im kurzen Einsatzradius herum, nur weil es unterschiedliche Gemeindegrenzen gibt.

    Dann gibt es auch unterschiedliche örtliche Verhältnisse, in Bayern sieht es noch rosiger aus als in Niedersachsen oder Thüringen, aber letztendlich werden in ein paar JAHREN überall die Probleme anstehen.

  6. Matthias

    ich bin auch der meinung, dass man nicht ständig mit dem finger auf die politk zeigen sollte…es ist eher an der zeit, dass alle wirklich an einem strang ziehen!

    1.technik:
    wir sind in deutschland eigentlich allgemein super verwöhnt, was unsere INDIVIDUELLE technik/austattung im vgl zu anderen ländern anbetrifft.

    allerdings sollte man event. darüber nachdenken – zummindest teilweise wieder standardfahrzeuge – wie zu ddr-zeiten einzuführen bzw wie jetzt in städten wie berlin schon praktiziert: spart sehr viel geld, die bedienung/handling ist immer gleich und hilft bei einem wehrwechsel/überörtlichen einsätzen.

    außerdem ist noch die ungleiche verteilung anzusprechen: während sich manche wehren um die wette hochrüsten (weil die entsprechenden kommunen auch das geld haben), müssen wehren in strukturschwachen regionen häufig mit schlechterer ausstattung zurechtkommen…das kommt z.b. in brandenburg vor, wo im berlinnahen bereich wehren teilw paläste mit überdimensionierten fahrzeugparks unterhalten (wo nicht mal alle fzg besetzt werden können), während es im oderbruch genau anders herum aussieht.

    2. mehr kooperationen:
    mehr zusammenarbeit der wehren in punkto ausbildung – auch mit anderen hio´s, doppelmitgliedschaften, einstellen von feuerwehrleuten in verwaltung/bauhof, steuerliche vorteile für arbeitgeber – wenn kameraden zum einsatz gehen dürfen…auch bzgl der technik: das denken über die eigene ortsgrenze hinaus – nicht jede stadt braucht eine drehleiter, wenn die nächste innerhalb von 10 min aus dem nachbarort da sein kann!

    eine patentlösung gibt es sicherlich nicht, viele kleine bausteine werden benötigt und v.a. die bereitschaft aller beteiligten an einem strang zu ziehen.

  7. Meine Meinung bzw. sinnvolle Zukunftsaussichten:
    1.Brandschutzbedarfsplan, Beschaffung von Fahrzeug und Gerät wird vom Landkreis gesteuert (dadurch: Kostensenkung, ehrliche Brandschutzbedarfspläne, keine Wunschlisten von Kommandanten, gemeinsame Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten, AAO kann besser erstellt werden, Fahrzeuge können untereinander ausgetauscht werden)
    2. Landkreis kontrolliert die Einsatzfähigkeit von allen Feuerwehren und bewertet diese, dadurch kann besser entschieden werden ob sich z.B. ein neues Feuerwehrhaus lohnt oder ein größeres Fahrzeug sinnvoll wäre.
    3. Ist z.B. die Einsatzbereitschaft nicht gegeben können Fahrzeuge eingespart oder verkleinert werden, AAO wird geändert und z.B. zwischen 6 und 18 Uhr gleich die Nachbarfeuerwehr alarmiert…
    4.Zurück zu den Wurzeln, keine speziellen Aufgaben wie: Kehren von Glasscheiben, Ölspuren wischen obwohl der Bauhof da ist, einen Ast 30x10cm vom Gehweg räumen, die tote Katze um 12 Uhr mittags von der Straße räumen…
    5. Wird es mehr hauptamtliches Personal geben z.B. Gerätewarte die mehrere Feuerwehren betreuen, hauptamtliche Kommandanten oder teilweise hauptamtliches Personal das im Landkreis mit z.B. einem LF und einer DLK ausrückt.
    6. Sind viele kleine Feuerwehren zum schließen verdammt und wird dadurch auf dem Land eine Eingreifzeit von 10 min teilweise nicht mehr realisierbar sein.
    7.Muss das System Feuerwehr wieder attraktiver werden sei es durch einen festen Stundenlohn für Übung oder Einsatz oder durch freie Eintritte in Schwimmbad, Kino, Museum… bessere Ausbildung, die das Personal fordert und fördert und die auch neben Beruf und Familie gut zu leisten ist.

    Da die Feuerwehren jedoch ziemlich unflexibel sind und die Meinungen “Mein Feuer, bleibt mein Feuer, egal um welchen Preis” und “Mangelnde Ausbildung/fehlendes Personal wird durch weitere Technik oder Fahrzeuge ersetzt” vorherrscht wird sich bei den meisten Feuerwehren nicht viel ändern bis das ganze System zusammengebrochen ist bzw. am Abgrund steht.
    Tiefgreifende Reformen stehen an, viele sehen es bloß noch nicht bzw. wollen es nicht sehen.

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