Dächer unter Schneelast: Einsturzgefahr!

Köln – Ist mein Hausdach einsturzgefährdet? So mancher Hausbesitzer blickt angesichts der starken Schneefälle in diesen Tagen besorgt auf Dachstuhl oder Flachdach – und sucht bei der Feuerwehr um Rat und Hilfe. Tatsächlich beseitigten Feuerwehr und THW bundesweit in den letzten Tagen schon mehrfach die Schneelast von Dächern. In Balingen stürzte am Montagabend das Dach einer Schreinerei ein, hier war der Nassschnee zu schwer geworden.

Das Problem der hohen Schneelast ergibt sich vor allem bei Flachdächern und flach geneigten Dächern. Dabei sagt die Höhe des Schnees nicht unbedingt etwas über das einwirkende Gewicht aus. “Nasser, gesättigter Schnee ist viel schwerer als Pulverschnee und kann auch bei geringer Höhe gefährlich werden”, sagt Manfred Schultheiß, Experte für Bautechnik bei TÜV Rheinland LGA. So können sich auf einem Dach verschiedene Schneeschichten mit unterschiedlicher Dichte bis hin zum Eis bilden.

Besonders kritisch wird es, wenn sich Frost- und Tauperioden abwechseln, das Dach ungenügend gedämmt ist oder beispielsweise Dachabläufe defekt sind. “Dann kann sich auf dem Dach Eis bilden und eine kritische Überlast entstehen”, so Schultheiß. Aber auch Regenfälle können kurzfristig zu einem Risiko werden, weil das Gewicht steigt.

Dächer dürfen bei Räumung nicht einseitig belastet werden

Soll das Dach vom Schnee befreit werden, sind einige wichtige Vorsichtsmaßnahmen zu treffen: Arbeitende Personen sollten abgesichert sein und Dacheinbauten wie beispielsweise Oberlichter kenntlich gemacht werden. Anschließend muss die Räumung abschnittsweise und von verschiedenen Seiten erfolgen, damit es nicht zu Stabilitätsproblemen durch eine einseitige Belastung kommt.

Gewissheit über die tatsächliche Belastung schafft für den Hausbesitzer eine Messung durch einen Fachmann. Bei der Schneelastmessung werden an repräsentativen Stellen des Daches Proben entnommen. Anhand der Probe wird die tatsächliche Belastung durch Schnee und Eis mit den Annahmen aus der statischen Berechnung und der laut Norm zu berücksichtigenden Last verglichen. Anschließend erfolgt die Beurteilung, ob bereits Gefahr besteht. Häufig werden auch Alarmierungswerte und ein Alarmierungsplan festgelegt, um über den gesamten Winter hinweg durch eine Dauerüberwachung Sicherheit zu gewinnen. (Archivfoto: Timo Jann)

Schneedruck auf dem Dach: Die Feuerwehr räumt Schnee von einem Flachdach (Februar 2010). Foto: Timo Jann
Schneedruck auf dem Dach: Die Feuerwehr räumt Schnee von einem Flachdach (Februar 2010). Foto: Timo Jann
Ein Kommentar zu “Dächer unter Schneelast: Einsturzgefahr!”
  1. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wieso es immer noch Feuerwehren gibt, die auf Dächern ohne PSA ( Persönlich Schutzausrüstung ) gegen Absturz Arbeit. Die letzten Winter haben ja zu genug Bericht über ins Dach eingebrochene Personen geführt. Meistens wurde Oberlichter etc. übersehen, da sie unter dem Schnee verdeckt waren. Auch im Gewerblichen Bereich sind laut BG Bau zahlreiche Unfälle vorgekommen, wo Personen durch Dächer gefallen sind, oder auf Grund von Eis unter dem Schnee, einfach über die Dachkante gerutscht sind.
    Ich kann mir nicht Vorstellen, dass ein Wehrführer oder Einsatzleiter gerne einen Toten oder Querschnittgelähmten in den eigenen Reihen verantworten möchte. Es gibt immer Möglichkeiten sich auch bei Arbeiten auf einem Flachdach zu sicher. Der Gerätesatz Absturzsicherung nach DIN 14800-17 von 5/2007 biete schon sehr gute Möglichkeiten. Wenn zusätzlich noch eine DL, TM oder eine geeigneter Kran zur Verfügung stehen, kann man sehr gut und sicher Arbeiten, ok, die Zeit ist länger, die man braucht um ein Dach vom Schnee zu befreien, nur was ist die Gesundheit oder gar das Leben wert?

    Ich selbst bin ausgebildeter Höhenretter und betreibe auch gewerbsmässig das Kletter. Die Sicherheit geht immer vor, auch bei vermeintlichen “Sicheren” Arbeiten!

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