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Interschutz – Der Rote Hahn

Was jeder über die Messe Interschutz wissen muss!

Hannover – Seit wann gibt es die Interschutz eigentlich? Wie kam es zu dem Namen? Was macht die Messe so besonders? Und warum findet sie so oft in Hannover statt? Die Antworten auf all diese Frage kennt Feuerwehr-Historiker Joachim Haase.

FM: Herr Haase, wann fand eigentlich die erste Interschutz statt?
Haase: Vom 5. bis zum 14. Juni 1953 in Essen. Wobei die Veranstaltung damals noch einen anderen Namen trug.

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FM: Wie hieß diese Veranstaltung denn?
Haase: Bundesausstellung für Brandschutz und Rettungswesen – Der Rote Hahn.

Die Ausstellung in Essen im Juni 1953 gilt als erste Interschutz. Der Name lautete damals allerdings DER ROTE HAHN. Foto: Archiv Haase

FM: Gab es Vorläufer?
Haase: Eine erste große Internationale Ausstellung für Feuerschutz und Feuer-Rettungswesen in Deutschland fand 1901 in Berlin statt. Zeitgleich hielt dort auch der CTIF – der Internationale Feuerwehrverband – seinen ersten Kongress ab. Und 1935 gab es in Dresden von Juni bis September eine Dauerschau mit dem Namen „Der Rote Hahn – Deutsche Volksschau für Feuerschutz und Rettungswesen.“ Die Ausstellung in Dresden hatte der damalige Feuerwehrchef der Stadt, August Ortloph, organisiert.

FM: Der gleiche Ortloph, der 1950 an der Gründung der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (abgekürzt vfdb) in Stuttgart beteiligt war?
Haase: Genau der. Er war, wie viele Leiter der deutschen Berufsfeuerwehren, 1945 von den Alliierten aus seinem Amt entfernt worden. Er zog dann nach Stuttgart, wo er ein Haus geerbt hatte.

FM: Und welche Rolle spielte Ortloph bei der ersten Interschutz?
Hasse: Veranstalter war die vfdb. Ortloph war die treibende Kraft und Hauptorganisator. Bereits 1951 befasste sich der Vorstand der Vereinigung mit der Ausrichtung einer großen Ausstellung auf Bundesebene, um der Fachwelt und der Öffentlichkeit den aktuellen Stand und die zukünftige Entwicklung des Brandschutzes und Rettungswesens in der jungen Bundesrepublik Deutschland aufzuzeigen.

Der ehemalige Leiter der Berufsfeuerwehr Dresden und Mitbegründer der vfdb, Branddirektor a.D. August Ortloph, gilt als einer der Väter der Interschutz. Foto: Archiv Haase

FM: 1951 soll es in Celle ebenfalls einen „Roten Hahn“ gegeben haben.
Haase: Das stimmt. Eine eher bescheidene Leistungsschau auf regionaler Ebene. Ortloph war wohl unter den Besuchern. Danach hat er richtig Gas gegeben, um einen Roten Hahn mit Format auf die Beine zu stellen.

FM: Würden Sie sagen, dass ihm dies gelungen ist?
Haase: Auf alle Fälle. 12.000 Quadratmeter Hallenfläche und 50.000 Quadratmeter Freigelände in Essen waren gut belegt. 75.000 Besucher sollen auf das Messegelände an der Gruga-Halle geströmt sein.

Eine Besonderheit bei jeder Interschutz ist das nebeneinander von kommerziellen und ideellen Ausstellern. Das war schon 1953 in Essen so. Foto Archiv Haase

FM: Wieso fand die Messe eigentlich in Essen statt und nicht in Stuttgart, wo Ortloph wohnte und die vfdb ihren Sitz hatte?
Haase: Dafür mögen vier Gründe ausschlaggebend gewesen sein: die zentrale Lage von Essen in der neugegründeten BRD, die wirtschaftliche Bedeutung der Metropole Essen im damals prosperierenden Ruhrgebiet, das Messegelände und die Feuerwehr Essen.

FM: Was hat die Feuerwehr Essen damit zu tun?
Haase: Die vfdb brauchte immer eine Partnerfeuerwehr, um die Interschutz organisieren zu können. Daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert. Ortloph war mit dem damaligen Essener Branddirektor Schielbach eng befreundet.

FM: 1953 fand in Ulm nahezu zeitgleich zur Interschutz auch der Deutsche Feuerwehrtag statt. Warum wurden die Veranstaltungen nicht zusammengelegt?
Haase: Ich möchte mal diplomatisch antworten: Damals war man noch nicht so weit. Aber die Industrie soll nur mäßig begeistert gewesen sein, weil es natürlich auch in Ulm eine Produktschau gegeben hat. Deshalb fanden der nächste Deutsche Feuerwehrtag und die zweite Interschutz 1961 nahezu parallel statt.

Schon 1961 kam der Begriff Interschutz als Namenszusatz dazu. Es handelt sich dabei um die Kurzform von “Internationale Ausstellung für Brand-, Katastrophen- und Strahlenschutz”. Foto: Archiv Haase

FM: Was heißt das?
Haase: Der Deutsche Feuerwehrverband hatte sich für Bad Godesberg entschieden. Die vfdb arbeitete dann mit der Messegesellschaft in Köln zusammen. Die Teilnehmer am Deutschen Feuerwehrtag hatten so die Möglichkeit, auch die Veranstaltung in Köln zu besuchen. Vom 23. Juni bis zum 2. Juli 1961 strömten rund 67.000 Besucher auf das Messegelände. Erstmals hieß die Veranstaltung „INTERSCHUTZ – DER ROTE HAHN“.

Blick auf das Freigelände in Köln. Den Aufbauhersteller Bachert gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Damals gehörte er zu den größten Anbietern von Feuerwehrfahrzeugen in Deutschland. Foto: Archiv Haase

FM: Was bedeutet Interschutz eigentlich beziehungsweise wofür steht der Name?
Haase: Der erste Teil des Wortes steht für International, der zweite Teil ist das verbindende Element der Wörter Brandschutz, Strahlenschutz und Katastrophenschutz. Man könnte auch sagen, dass es sich um die Abkürzung des damaligen Namens „Internationale Ausstellung für Brand-, Strahlen- und Katastrophenschutz“ handelt. Wobei es sich meiner Meinung nach um einen genialen Begriff handelt, der bis heute perfekt passt.

FM: Bliebe noch zu klären, was es eigentlich mit dem Roten Hahn auf sich hat?
Haase: Seit dem Mittelalter ist der Rote Hahn das Symbol für einen Brand oder ein Schadenfeuer.

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FM: Warum heißt die Messe heute nur noch Interschutz?
Haase: Beginnend mit 1994 rückte der Schriftzug „Der Rote Hahn“ immer weiter in den Hintergrund. 2015 war er letztmals erwähnt. Der Begriff passt nach Ansicht der Verantwortlichen nicht mehr so ganz in die Zeit und zu einer weltweiten Leitmesse.

FM: Wie ging es nach 1961 mit der Interschutz weiter?
Haase: Oberbranddirektor Ernst Archilles holte die nächste Veranstaltung 1972 nach Frankfurt. Über 72.000 Besucher aus 65 Ländern strömten zwischen dem 24. Juni und dem 2. Juli auf das Messegelände. Wie schon 1961 organisierte die vfdb den nichtkommerziellen Teil der Veranstaltung. Mit der Organisation wurde die Frankfurter Messegesellschaft betraut. Ich war selbst vor Ort und muss sagen, es war eine beeindruckende Messe. Alle waren zufrieden.

Die Bedingungen 1972 in Frankfurt am Main wurden damals sehr gelobt. Acht Jahre später in Hannover waren sie perfekt. Aus der anfänglichen Kooperation der vfdb mit der Deutschen Messe AG Hannover ist inzwischen eine enge Zusammenarbeit geworden. Foto Archiv Haase

FM: Warum fand die nächste Interschutz dann 1980 in Hannover statt?
Haase: Weil die Interschutz und der Deutsche Feuerwehrtag wieder gleichzeitig in einer Stadt abgehalten werden sollten. Und der Deutsche Feuerwehrverband hatte sich frühzeitig für Hannover entschieden.

FM: Letztlich eine folgenreiche Entscheidung für die Interschutz.    
Haase: Das kann man wohl sagen. Die Feuerwehr Hannover um Branddirektor Rolf-Dieter Bräunig legte sich mächtig ins Zeug. Das Messegelände bot auch damals schon beeindruckende Möglichkeiten. Und so entschloss sich die vfdb, auch die nächste Interschutz im Jahr 1988 wieder in Hannover zu planen.

FM: Danach gab es einen Bruch in der zeitlichen Abfolge. Warum wurde der Rhythmus von alle 8 Jahre auf alle 6 Jahre geändert?
Haase: Diese Reduzierung wünschte sich damals die Industrie. Dem trug die vfdb Rechnung. Wobei die inzwischen zum Kooperationspartner aufgestiegene Deutsche Messe AG sicher keine Einwände angemeldet hatte. Man muss aber auch sagen, dass der ursprüngliche Plan der vfdb in den 1950er Jahren lediglich vorsah, alle 10 Jahre mindestens eine Interschutz durchzuführen.

Weil das Messegelände in Hannover im Jahr 2000 wegen der Expo belegt war, fand die Interschutz parallel zum Deutschen Feuerwehrtag in Augsburg statt. Die Aufnahme entstand bei der Eröffnungsfeier im Zelt auf dem Augsburger Ausstellunsgeglände. Foto: Archiv Haase

FM: Nach 1994 in Hannover folgte dann im Jahr 2000 die Interschutz in Augsburg. Wie kam es dazu?
Haase: Im Jahr 2000 stand das Messegelände in Hannover wegen der Weltaustellung Expo nicht zur Verfügung. Und da der Deutsche Feuerwehrtag nach Augsburg vergeben worden war, folgte die Interschutz nach Bayern. Veranstalter der Augsburger Interschutz war aber wieder die Deutsche Messe AG Hannover. So war es dann auch 2010 in Leipzig.

FM: Warum wurde nach dem Jahr 2000 der Rhythmus auf alle 5 Jahre verkürzt?
Haase: So ist gewährleistet, dass die Interschutz immer zeitgleich mit dem Deutschen Feuerwehrtag stattfinden kann. Der DFV hatte sich zwischenzeitlich für einen 10-Jahres-Intervall entschieden.

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FM: Steht schon fest, wo die nächsten Interschutz veranstaltet werden?
Haase: Nach meinem Kenntnisstand 2021 in Hannover und 2025 vermutlich auch wieder in Hannover.

Auf der Interschutz stellen kommerzielle Aussteller neue Produkte vor. Daneben präsentieren ideelle Aussteller unter anderem die Anwendung der Geräte und Ausrüstung, zeigen neue Taktiken oder Eigenentwicklungen. Foto: Hegemann

FM: Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg der Interschutz aus?
Haase: Das Nebeneinander von kommerziellen und ideellen Ausstellern. Die Firmen zeigen ihre Produktneuheiten. Das ist ganz typisch für Messen. Bei der Interschutz zeigen aber auch Feuerwehren und Hilfsorganisationen, wie die Dinge eingesetzt werden. Forschungseinrichtungen gewähren Einblicke und ihre Arbeit, Einzelpersonen stellen aus, die Unfallkassen und Feuerwehrschulen präsentieren sich. Ähnlich abwechslungsreiche Veranstaltungen sind zumindest mir nicht bekannt.   

Interview: Jan-Erik Hegemann (Chefredakteur Feuerwehr-Magazin)

Kaum jemand kennt sich so gut mit der Geschichte der Interschutz aus wie der Stuttgarter Feuerwehr-Historiker Joachim Haase. Foto: privat

Zur Person: Stadtbranddirektor (im Ruhestand) Diplom-Ingenieur Joachim Haase gehörte zu den Mitbegründern des Referates 11 – Brandschutzgeschichte des Technisch-Wissenschaftlichen Beirates (TWB) der vfdb. Der gebürtige Chemnitzer (4.1.1938) trat 1956 in die FF Stuttgart-Untertürkheim ein. Nach erfolgreicher Lehre als Betriebsschlosser studierte er Maschinenbau an einer Fachhochschule. Anschließend arbeitete er als Planungsingenieur bei den Stadtwerken Stuttgart. Am 1. Januar 1969 wechselte er zur Berufsfeuerwehr Stuttgart. Bei seinem Ausscheiden im Januar 1998 war er Abteilungsleiter Einsatz und Freiwillige Feuerwehr.     

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