Feuerwehr lehnt Sehbehinderten ab

Eutin (SH) – Die Freiwillige Feuerwehr in Eutin (Kreis Ostholstein) verweigerte einem 21-Jährigen die aktive Mitgliedschaft aufgrund seiner Sehbehinderung. Laut Bericht der Lübecker Nachrichten, sei der Wehr die Rechtslage zu unklar. Der 21-Jährige stammt aus einer Feuerwehrfamilie und war lange Jahre in einer Jugendfeuerwehr aktiv. Sein Aufnahmeantrag in die FF wurde jedoch kurz vor Abschluss gestoppt.

Artikel: “Sehbehinderter darf nicht bei Eutiner Feuerwehr mitmachen” (Lübecker Nachrichten, 18.11.2011)

12 Kommentare zu “Feuerwehr lehnt Sehbehinderten ab”
  1. Christian Patzelt

    Ich möchte als Redakteur des Feuerwehr-Magazins auf den Bericht “Feuerwehr barrierefrei” in der Ausgabe 6/2011 hinweisen. Hier trifft Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, eine klare Aussage: “Menschen mit Behinderung sollen auch in der Feuerwehr ihre Heimat finden können. … So können auch Menschen mit Handicap ein echter Gewinn für freiwillige Feuerwehren sein, dort sinnvolle Tätigkeiten verrichten und voll in das Gruppenleben integriert werden. Die Aufnahme unterliegt jedoch Einzelfallentscheidungen nach objektiven Kriterien, schon aus Gründen der Fürsorge.”

  2. Also ich finde jeder kann dazu gehören!
    Es ist auch nicht jeder atemschutztauglich, es er deswegen dienstuntauglich? In vielen Ländern dürfen selbst Angehörige der JF bis vor zum Verteiler, warum also nicht ein Sehbehinderter an den Funk? Er sagt ja selbst, dass er nicht unbedingt mit ausrücken will und hat sogar für ihn prädestinierte Aufgaben vorgeschlagen. Jeder Aufgabe, die er übernehmen kann, würde andere entlasten.

    Ich sage: Laßt den Mann dazu! Dass es was kann hat er denke ich längst bewiesen!

    Grüße,
    Wolfgang

  3. Reinhold Bauer

    Hallo Feuerwehrdeutschland,

    irgendwie versteh´ ich die Problematik nicht ganz. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob jemand Feuerwehrdiensttauglich ist oder nicht, dann schicke ich diese Person zum geeigneten Mediziner zum Check, und wenn der positiv ausfällt ist alles klar. Und mal Nebenbei: Hat der betreffende Kamerad einen Führerschein? Weil, wenn ja, dann haben ihm andere Behörden schon die Erlaubnis zum Führen einer der tödlichsten Waffen überhaupt erteilt. Wenn er Auto fahren darf (und ich meine schon, dass man dazu auch gesundheitlich in der Lage sein muss), dann siehe erster Satz…

    mkg

    Reinhold Bauer

  4. Und warum muss man sich ausgerechnet in der Einsatzabteilung engagieren?
    Reicht nicht auch der Förderverein usw. aus?

  5. Hark Paulsen

    Sehr geehrte Kommentatoren, sehr geehrte Leserinnen/Leser,

    Wer den Link der Lübecker Nachrichten anklickt und liest, kann sehen, dass der LFV und die FUK Nord der Aufnahme keine Barrieren stellt und der Gemeindewehrführer die Aufnahme nach dieser “Rückendeckung” durch die Institutionen erneut auf der nächsten Vorstandssitzung beraten lassen will…
    Es scheint doch noch alles gut zu werden…

    Ein Schönes Wochenende mit kameradschaftlichen Grüßen
    Hark Paulsen

  6. Notrufprotokoll

    Ich verstehe die Eutiner Kameraden voll und ganz, wer selber öfters mit behinderten Menschen zu tun hat, weiß wie anstrengend und belastend die stetige notwendige Fürsorge und Aufmerksamkeit ist, alle anderen können es sich hoffentlich vorstellen.
    Ich kann nachvollziehen, wenn man als Feuerwehr nicht bereit ist, diese Bealstung auf sich zu nehmen, da es gerade im Einsatzfall oftmals schlimme Folgen haben kann, wenn ein nicht voll einsatzfähiger Kamerad etwas nicht schafft, weshalb ich Behinderte (und auch manch andere Kameraden…) im aktiven Einsatzdienst kritisch sehe, u die aktuelle Lösung der freiwilligen Aufnahme die Beste finde, denn zu dazu sollten man niemanden gegen den Willen zwingen.

    Eine Alternative ist z.B. die Ehrenabteilung, so kann die Feuerwehr aktiv z.B. bei Übungsdiensten, Wettbewerben, Veranstaltungen und z.B. bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.

    Teillösungen wie: “Der macht nur den Funk” finde ich suboptimal, ganz oder gar nicht.
    Natürlich ist das gegenüber den Betroffenen hart, aber wenn Risiko dem Nutzen überwiegt, muss man sich nunmal entscheiden.

    Zum vorliegenden Fall ist es allerdings schwierig ein Urteil zu fällen, hier wäre wichtig, in wie weit der Kamerad mit dem einen Auge sehfähig ist, denn einen schwerbehinderten Status bekommt man nicht so leicht.
    Mir fällt auf Anhieb keine Aufgabe ein, die er im aktiven Einsatzdienst problemfrei übernehmen könnte, ohne, dass er eine Begleitung oder es einem sehbehindertengerechtengerechten Umbau bedarf.

    Alles in allem ein kritisches Thema, und wohl immer eine Einzelfallentscheidung!

  7. Dieser Fall zeigt mal wieder eins:

    Wir brauchen klare Arbeitsmedizinische Grundsätze für den allgemeinen Feuerwehrdienst.
    Für Atemschutzgeräteträger ist eine gültige G26.3 vorgeschrieben und für den Rest???
    Ein Kamerad, der 160kg auf den Rippen hat und einen Rettungssatz 500m durch den Stau schleppt, erbringt auch Körperliche Höchstleistung…
    Körperlich behinderte Menschen können ja in Verienen und Co einen wertvollen Beitrag leisten, aber i´m Einsatzdienst wird das schwierig: Jemand mit Hörgerät kann keinen Blutdruck messen, jemand mit nur einem vollbeweglichen Arm kann keine Drehleiter steigen (alles live erlebt!)

  8. Wir haben dieses Erlebnis schon vor einiger Zeit gehabt.

    Ein Kamerad, mit einer geistigen Beeinträchtigung, ist mit jungen Jahren in unsere JF eingetreten und es hat ihm sichtlich Spaß gemacht.

    Als er das Alter erreicht hat, wo er wechseln musste wurde im Kommando kurz beratschlagt.
    Ein einstimmiges Votum für eine Übernahme war das Ergebnis.
    Dann haben wir mit dem Kameraden selber und seinen Eltern in einem Gespräch erörtert, wie seine Feuerwehrzukunft bei uns aussieht.

    Aufgrund seiner Einschränkungen darf er weder an Lehrgängen, noch an Einsätzen teilnehmen.

    Doch alles andere ist ihm gestattet!

    Soll ich Euch jetzt mal was sagen:

    DIESER Kamerad sollte für viele ein absolutes Vorbild sein!
    Er fehlt auf keinem Dienstabend!
    Er nimmt an kameradschftspflegenden Veranstaltungen teil,
    er integriert sich, macht mit und ist bei unserer Ortswehr voll und ganz akzeptiert.

    Liebe Kameraden aus Eutin!

    Ich appeliere an Euch und Euren Kameradschaftsgeist!
    Wir können uns in der heutigen Zeit kein großes Wunschkonzert erlauben, was die Personalwahl anbelangt!
    Und wenn Ihr einen über lange Zeit bewährten JFler der auch noch aus einer Feuerwehrfamilie stammt, aufgrund einer , meiner Meinung nach eher halb so schlimmen Einschränkung, die Möglichkeit verwährt ihm eine Chance zu geben, dann habt IHR nämlich eine echte Chance verpasst, eine Erfahrung zu machen, die man nicht oft machen kann.

    Als Kamerad werde ich diese Geschichte weiter mit Interesse verfolgen und biete Hier auch gerne meine Unterstützung an!

  9. Ich bin selbst behindert und arbeite in einer werkstatt. Aber ich bin bei der FF!Zwar bin ich nicht Atemschutztauglich, aber ich freue mich, daß ich dazugehöre!

    Einem sehr guten Freund von mir (ist auch Arbeitskollege) ist etwas sehr unangenehmes bei der FF seines Wohnortes passiert: Er war in der JF und ist vom LGF rausgemobbt worden! Leider wohnt er in einem anderen Ort, wenn er hier leben würde hätte ich ihn reingeholt!
    FEUERWEHREN-IHR HABT ALLE PERSONALMANGEL-LASST DIE MITMACHEN DIE VOM ARZT DIENSTTAUGLICH GESCHRIEBEN SIND UND WENN SIE AUCH BEHINDERT SIND!!!

  10. Ich stimme Hans-Peter Kröger zu – man sollte auf Integration setzen, aber es muss immer eine Einzelfallentscheidung sein! Ich kann jeden verstehen, der Bedenken gegen ‘Personen mit Einschränkungen’ im Einsatzdienst hat. Aber – mal ganz abgesehen davon, dass es auch da fast immer Aufgaben gibt, die man auch mit Einschränkugen erledigen kann . HIER geht es um eine Tätigkeit in der JF oder im Hintergrund!!!

    Offenbar wollte man hier keine Lösung herbeiführen

    LEIDER ein schlechtes Beispiel für Kameradschaft 🙁

  11. Ich finde auch, daß ihm ermöglicht werden sollte dabeizubleiben.Ich bin selbst behindert und bei der FF und in Zeiten von Personalknappheit sollten Intressenten, die vom Arzt für FW-tauglich befunden worden sind auch den Dienst aufnehmen können!Einem Kollegen von mir erging es auch übel, er wurde kurz vor dem Übertritt aus der FF gemobbt! Und zwar ohne ärztliche Untersuchung!

  12. @ AK: Leider gibt es Menschen – ich kann sie nicht Kameraden nennen – die meinen, SIE sind perfekt – unterliegt man dann Einschränkungen kommt schnell zu Mobbing… auch selbst erlebt…

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