Köln (NW) / Mainz (RP) / Neunkirchen (SL) / Nienburg (NI) / Bochum (NW) / Bocholt (NW) – Hunderttausende Menschen, Konfetti, Kamelle — und dahinter: Einsatzkräfte, die dafür sorgen, dass es läuft. Der Rosenmontag 2026 hatte es in vielen Städten wieder in sich. Während Köln und Mainz mit dreistelligen Versorgungszahlen zu tun hatten, blieb es andernorts erfreulich ruhig. Und doch zeigte sich auch abseits der Einsatzstatistiken, was den Tag prägt: gelebte Kameradschaft.
Köln: Hohe Einsatzzahlen und Angriff auf Feuerwehrmann
Schon um 8 Uhr morgens lief in Köln der Stab im Stadthaus Deutz an. Vertreter städtischer Dienststellen, Polizei, Hilfsorganisationen, Verkehrsunternehmen und Veranstalter koordinierten die umfangreichen Einsatzmaßnahmen entlang des Zugwegs.
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Kräfte der Feuerwehr Köln und Partnerorganisationen sicherten den Rosenmontag entlang der Zugstrecke ab. (Bild: Feuerwehr Köln)
131 Hilfeleistungen leisteten Feuerwehr und Rettungsdienst allein entlang der Zugstrecke, 38 Personen wurden in Krankenhäuser transportiert. Im Kwartier Latäng versorgten die Einsatzkräfte 96 Menschen — 21 davon übergaben sie an den Rettungsdienst. Im Notfallversorgungszentrum kamen weitere 37 Patientinnen und Patienten an, zwei mussten weiterverlegt werden. Besonders im Blick standen 28 alkoholbedingt stark eingeschränkte Jugendliche, die gesondert betreut wurden.
Parallel dazu rückte die Feuerwehr zu 59 Einsätzen aus — 17 Feuermeldungen, 42 technische Hilfeleistungen. Der Rettungsdienst verzeichnete insgesamt 594 Einsätze. Neben der regulären Tagesstärke unterstützten rund 670 zusätzliche, überwiegend ehrenamtliche Kräfte.
PDF-Download: Download Spontanhelfer - Einsatzkräfte von Morgen
Mitten in einer medizinischen Versorgung schlug ein alkoholisierter Patient einen Feuerwehrangehörigen. Zwar blieb der Kollege dienstfähig, dennoch zeigt der Vorfall, dass Angriffe auf Einsatzkräfte ein anhaltendes Problem darstellen.
Über die gesamten tollen Tage von Weiberfastnacht bis Rosenmontag summierte sich die Bilanz auf 81 Brandeinsätze, 137 technische Hilfeleistungen und 3.169 Rettungsdiensteinsätze. In Unfallhilfsstellen versorgten die Kräfte 535 Personen. Insgesamt standen 2.760 Einsatzkräfte im Dienst.
Mainz: Ruhiger Start, strammer Endspurt
Wer am frühen Nachmittag nach Mainz geschaut hätte, wäre von einer verhältnismäßig ruhigen Lage ausgegangen. Bis 14:15 Uhr hatten die Hilfsorganisationen 88 Personen versorgt, zehn wurden in Krankenhäuser transportiert, Schwerverletzte gab es zunächst nicht.
Gut gelaunt an der Zugstrecke: Die zusätzliche Löscheinheit der Feuerwehr Mainz hält in der Altstadt Einsatzbereitschaft. (Bild: Feuerwehr Mainz)
Doch mit zunehmender Feierdauer drehte sich das Bild. Bis Mitternacht stieg die Zahl der Versorgungen auf 323 — ein markanter Anstieg innerhalb weniger Stunden. 81 Personen wurden aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums behandelt, darunter 30 Minderjährige. 45 Transporte in Krankenhäuser waren notwendig, drei Patienten benötigten Schockraumversorgung. In 75 Fällen genügten kleinere Hilfsmaßnahmen wie Pflaster oder Kühlpacks.
Auch die Feuerwehr hatte zu tun: Neun Einsätze standen auf der Abarbeitungsliste. Kurz vor Mitternacht dann ein verrauchter Treppenraum in der Kaiserstraße — vor einem Büro war ein Brand ausgebrochen. Die Feuerwehr belüftete die betroffenen Bereiche und kontrollierte das Gebäude. Verletzte gab es keine, die Ursache ist noch ungeklärt.
Außerdem wurde eine Sanitätskraft bei einer Auseinandersetzung leicht verletzt.
Neunkirchen: Geteilte Stadt, klares Konzept
Rund 100.000 Besucherinnen und Besucher säumten die etwa vier Kilometer lange Umzugsstrecke durch die Neunkirchener Innenstadt. Für die Freiwillige Feuerwehr bedeutete das: eine Stadt, die sich nicht mehr ohne Weiteres durchqueren lässt. Die Lösung? Lösch- und Sonderfahrzeuge wurden vorausschauend an strategischen Punkten entlang der Strecke positioniert, ein Lagezentrum koordinierte die Kräfte. Letztlich blieben Einsätze im direkten Zusammenhang mit dem Umzug aus.
Strategisch verteilt: Lösch- und Sonderfahrzeuge der Feuerwehr Neunkirchen stehen entlang der Umzugsroute bereit, um trotz geteilter Innenstadt schnell reagieren zu können. (Bild: Feuerwehr Neunkirchen | Benkert)
Nienburg: Kuppelkontest mit Tradition
Während andernorts das Einsatzgeschehen dominierte, stand in Nienburg an diesem Tag der Wettbewerb im Mittelpunkt — und das seit über einem Vierteljahrhundert. Beim traditionellen „Rosenmontagskuppeln” treten Gruppen aus der Region gegeneinander an: Unter Zeitdruck kuppeln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vier Saugschläuche zusammen und schließen diese an eine Pumpe an. Fehler kosten Punkte, Tempo allein reicht nicht.
Den ersten Platz sicherte sich in diesem Jahr die Gruppe Nienburg 1. Das nächste Treffen ist bereits terminiert: Am kommenden Rosenmontag, den 8. Februar 2027, geht es in Münchehagen weiter.
Bild: Feuerwehr Nienburg/Weser | Henkel
Die Gruppe aus Münchehagen legt beim „Rosenmontagskuppeln“ die Saugschläuche.
Bild: Feuerwehr Nienburg/Weser | Henkel
Bunt verkleidet wie Anika Wulf soll das „Rosenmontagskuppeln“ auch in den kommenden Jahren weitergehen.
Bochum und Bocholt: Absicherung und Paralleleinsatz
In Bochum verlief der Rosenmontag ruhig. Elf Hilfeleistungen leistete der Sanitätsdienst, sieben Personen wurden in Krankenhäuser transportiert. Die Feuerwehr sicherte die Veranstaltungen präventiv ab.
In Bocholt hingegen zeigte sich, dass neben der Veranstaltungsabsicherung jederzeit mit regulären Einsätzen gerechnet werden muss. Während der Zug durch die Straßen rollte, brannte im dritten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses die Küche einer Wohnung. Ein Trupp ging unter Atemschutz vor, setzte eine Rauchschürze ein und unterstützte die Entrauchung mit einem Elektrolüfter. Personen wurden nicht verletzt.