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Einsatzbericht vom Anschlag auf den BerlinerWeihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.
Acht Feuerwehrleute verletzt

Vermeintlicher Routine-Einsatz läuft aus dem Ruder

Ergoldsbach (BY) – An einem Gespan aus einem Traktor und einer Pflanzenschutzspritze löste sich am Dienstag ein Rad. Das Gespann stürzte um, Tausende Liter eines Gemisches aus Wasser und dem Pflanzenschutzmittel “Fungizid” liefen in einen Bach. Der Unfallort: Die Verbindungsstraße zwischen Kläham und Martinshaun in Ergoldsbach (Kreis Landshut). Der Feuerwehr gelang es, das Gewässer aufzustauen und das Gemisch abzupumpen. Nach dem Einsatz klagten die eingesetzten Kräfte plötzlich über Atemprobleme, Übelkeit, starke Augen- und Hautreizungen. Acht Feuerwehrleute kamen ins Krankenhaus. Ein Großeinsatz für den Rettungsdienst lief an.   

Nachdem sie eine ausgelaufene Flüssigkeit abgepumpt hatten, klagten Kräfte der FF Ergoldsbach über Atemprobleme, Übelkeit, Augen- und Hautreizungen. Daraufhin lief ein Großeinsatz des Rettungsdienstes an. Am Feuerwehrhaus wurde eine Sammel- und Dekontaminationsstelle eingerichtet. Foto: Alexander Auer (Bild: (c) Alexander Auer)

Der eigentlich unspektakuläre Unfall hatte sich gegen 17.30 Uhr bei Wölflkofen ereignet. Ein Anhänger eines landwirtschaftlichen Gespanns war in einer Kurve umgekippt, weil sich ein Rad gelöst hatte. Der Fahrer blieb dabei unverletzt. Rund 3.000 Liter Pflanzenschutzmittel liefen daraufhin aus dem umgekippten Hänger. Die Feuerwehr Ergoldsbach war schnell am Einsatzort, ebenso Mitarbeiter des Landratsamtes und des Wasserwirtschaftsamtes. Die Kräfte der Feuerwehr stauten sofort den Wölflkofener Graben, in den das Gefahrgut sickerte, auf und pumpten das Wasser in provisorische Becken. Damit sollte verhindert werden, dass das Pflanzenschutzmittel in den Goldbach fließt. Bei den Arbeiten trugen die eingesetzten Kräfte keinen Atemschutz.

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Auch Vertreter des Landratsamtes Landshut und des Wasserwirtschaftsamtes begutachteten die Lage vor Ort. “Wir haben rechtzeitig alles erwischt und verhindern können, dass die Substanz in den Goldbach gelangte”, sagte der Einsatzleiter, Kreisbrandinspektor Johann Haller, zunächst. 

Feuerwehrleute hatten keinen Atemschutz getragen

Am Abend spitzte sich die Lage in Ergoldsbach dann plötzlich zu. Ein Teil der eingesetzten Kräfte klagte über Atemprobleme, Übelkeit, starke Augen- und Hautreizungen. Insgesamt zeigten sich die Symptome bei acht Feuerwehrkräften, so schilderte der Einsatzleiter des Rettungsdienstens am Abend die Lage. Sechs Feuerwehrkräfte mussten zur weiteren Behandlung in eine Spezial-Augenklinik nach Regensburg und zwei in das Krankenhaus nach Mallersdorf  gebracht werden. An der Einsatzstelle hatten sich giftige Dämpfe gebildet, die die Reizungen bei den Einsatzkräften verursacht haben, erklärt der Leitende Notarzt Jürgen Königer vor Ort. Wie es dazu kommen konnte, dass die Feuerwehrkräfte völlig ungeschützt an einem Gefahrguteinsatz mehrere Stunden lang arbeiteten, muss nun geklärt werden. Die Polizei ermittelt. Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes entnahmen vor Ort mehrere Proben. In welchem Ausmaß es zu einem Umweltschaden gekommen sei, müssten weitere Untersuchungen zeigen. 

Am Feuerwehrgerätehaus Ergoldsbach richtete der Rettungsdienst eine Sammel- und Dekontaminationsstelle ein. Vor Ort waren rund ein Dutzend Rettungswagen, zahlreiche Krankentransportwagen und Notärzte aus den Landkreisen Landshut, Dingolfing, Straubing-Bogen, Regensburg, Freising und Kelheim. 

Noch am Abend wurde die Unfallstelle noch einmal gründlich gereinigt. DIesmal gingen alle eingesetzten Kräfte unter Atemschutz vor. Foto: fib/DG

Rund 30 Feuerwehrkräfte mussten vor Ort dekontaminiert werden mussten. Die gesamten Einsatzbekleidung sowie Atemschutzgeräte und Masken wurden in Tüten eingepackt und luftdicht verschlossen. Das gesamte eingesetzte Equipment muss nun bei einer Spezialfirma fachmännisch gereinigt werden. Alle betroffenen Feuerwehrkräfte wurden über Stunden in regelmäßigen Abständen von Ärzten untersucht. Auch die eingesetzten Fahrzeuge wurden noch am Abend unter Vollschutz gründlich gereinigt.

Wie Sascha Hofstetter vom Landratsamt Landshut mitteilte, sei die Bevölkerung nicht gefährdet gewesen. Dennoch begannen die Einsatzkräfte am Abend noch damit, Erdreich abzutragen und abzutransportieren. Zuvor war die Einsatzstelle unter Atemschutz noch einmal gründlich gereinigt worden. 

Alle Verletzten konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Die Aufarbeitung des Schadenshergangs hat die Polizeiinspektion Rottenburg übernommen. 

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das Pflanzenschutzmittel “Fungizid” gibt es nicht. Das ist nur ein Oberbegriff für Pflanzenschutzmittel gegen pilzliche Krankheiten. Da hätte der Landwirt schon genau sagen müssen, um welches Fungizid es sich handelt ( falls er es nicht gemacht hat ).
    Ansonsten definitiv auch eine falsche Einschätzung des Einsatzleiters. Den Kameraden eine gute und schnelle Erholung.

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  2. Moin, nur einige kurze Anmerkungen zum Artikel bzw. zu den Kommentaren:
    1. sind in einer Pflanzenschutzspritze nicht einige tausend Liter Pflanzenschutzmittel, sondern der größte Teil ist “normales” Wasser, dem ein oder mehrere Mittel hinzugefügt werden. Die Menge der beigefügten Mittel variiert zwischen einigen Gramm bis ca 3 l je Hektar, bei ca 200 – 300 l Wasser je Hektar.
    2. der Landwirt hat KEINE Kennzeichnungspflicht in irgendeiner Weise, um Warnhinweise an seiner Arbeitsgerät oder Zugmaschine anzubringen.
    3. eine offensichtlich falsche Einsatztaktik, kann nicht dem Landwirt angelastet werden.
    4. meiner Meinung nach sind ideologische oder zynische Äußerungen hier eher unangebracht, man sollte sich hier auf Sachliche und Rechtliche beschränken. Dafür gibt es andere Foren.
    P.S.:
    Den verletzten Kameraden wünsche ich eine rasche Genesung

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  3. Die Landwirte sind schuld?
    Thema Eigenschutz der Kräfte! Organisations- und Ausbildungsversagen bei unklarer Lage.

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  4. Warum sollte Er den Inhalt des Behälters auch kennzeichnen?
    Laut Bayer ist doch alles “ungiftig”
    Gute Besserung den eingesetzten Kameraden! Armer WF.

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  5. an Thomas,

    ich schließe mich der Meinung an;

    einfach logisch !

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  6. Der Bauer ( egal wo )
    hat nur eins im Kopf

    DAS ZEUG muss auf den Acker !

    Egal in welcher Stadt oder Ort.
    DAS ist das Problem.

    Zweites Problem : keine Berufs-FW ! ? !

    m.M.n.
    GlückAuf

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  7. Landwirte sollen Ihre Fahrzeuge genau so kennzeichnen wie
    Gefahrgut- Lkw mit orangen Tafeln (wie Tankzüge) .
    Ich denke der Landwirt hat sich nicht richtig verhalten und den
    Hilfskräften nicht informiert, was er im Tank hat.

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