Feuerwehr-Überhosen im Praxistest

Sondertests: umstritten, aber sehr anschaulich

Bremen – Es gibt nicht mehr viele Redaktionen, die Produkte testen. Der Aufwand ist enorm, egal ob im Labor oder in der Praxis getestet wird. Und auch die Auswahl der Testkriterien sorgt regelmäßig für Gesprächsstoff. Viele Redaktionen scheuen auch die Diskussionen mit Herstellern, deren Produkte womöglich nicht so gut abgeschnitten haben. Das Feuerwehr-Magazin stellt sich dem. Mitte des Jahres haben wir 10 in Deutschland häufig getragene Feuerwehr-Überhosen von 10 verschiedenen Herstellern einen Tag lang in der Praxis getestet. Die Ergebnisse haben uns überrascht.

Überraschung beim Eifalltest: Beim Sturz aus einem Meter Höhe auf das Kniepolster ging ein Ei zu Bruch. Foto: Hegemann

Im Labor haben alle unsere zehn Testkandidaten sehr gute Werte erzielt. Anhand der ausgewiesenen Leistungsstufen für Wärmeübergang (X), Wasserdichtheit (Y) und Wasserdampfdurchgangswiderstand (Z) lässt sich sehr einfach feststellen, wie gut die Hosen abgeschnitten haben. Die Leistungsstufe 2 muss bei allen Kriterien erreicht werden, soll die Hose bei der Brandbekämpfung im Innenangriff getragen werden. Unsere zehn Testkandidaten sind uneingeschränkt für den Innenangriff zugelassen. Über den Tragekomfort sagen diese Ergebnisse allerdings so gut wie nichts aus. Deshalb haben wir die Hosen einen Tag in möglichst realistischen Situationen getragen: beim Leitersteigen, beim Gehen, im Seitenkriechgang, auf der Atemschutzübungsstrecke, beim Knien und beim Treppenlauf.

Zusätzlich haben wir nach Möglichkeiten gesucht, die Ergebnisse möglichst anschaulich darzustellen. Wie lassen sich Schmutzanhaftungen zeigen? Wie die Schutzwirkung eines Kniepolsters veranschaulichen? Und wie die Saugfähigkeit des Obermaterials der Hosen zeigen? So entstand die Idee zu vier Sondertests. Die Ergebnisse der Sondertests wurden notiert. Sie sind aber nicht in die Gesamtnote der Hosen eingeflossen.

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Der Eierfalltest

Beim Eifalltest ließen wir ein rohes Ei aus einem Meter mittig auf ein Kniepolster fallen. Die Hosen lagen dabei Seite an Seite auf jeweils dem gleichen Untergrund. Für jede Hose wurde ein neues Ei genommen. Die Höhe haben wir mit dem Zollstock ausgemessen. neun Eier überstanden diesen Test unbeschadet. Manche Eier sprangen nach dem Aufprall auf das Polster regelrecht wieder zurück. Bei einer Hose allerdings zerbrach das Ei beim Aufprall. Bei dieser Hose hatten die Tester im vorausgegangenen Praxistest das Knien auf verschiedenen Untergründen auch sehr schlecht bewertet. Veranschaulichung gelungen.

Der Öl-Aufsaugtest

Auf jeder Hose haben wir im Bereich der Oberschenkel und des Beckens 100 Milliliter Speiseöl ausgebracht. Wir wollten wissen, ob das Öl gut abperlt oder vom Oberstoff aufgesaugt wird. Unserer Meinung nach sollte die Oberfläche so ausgeführt sein, dass möglichst wenig Flüssigkeit ins Material eindringt. Es zeigte sich übrigens, dass die Hosen-Modelle, die viel Speiseöl aufgenommen haben, auch am meisten Wasser aufsaugten. Dies hat für den Träger den großen Nachteil, dass die Überhosen dadurch deutlich schwerer wurden. Der Tragekomfort für die Feuerwehrleute litt enorm. Für den Öl-Aufsaugtest und den Nässetest haben haben wir übrigens jeweils zwei verschiedene Exemplare des gleichen Modells verwendet.

Die Hose links hat sehr viel Speiseöl aufgenommen. An der Oberfläche der Hose rechts ist deutlich mehr abgelaufen. Foto: Hegemann

Der Mehltest

Außerdem haben wir die Träger mit 50 Gramm Mehl „beschossen“ und geprüft, wie rückstandslos es sich im Luftstrahl eines Belüfters ausklopfen lässt. Das weiße Mehlpulver sieht man sehr gut auf den Hosen. Wir hätten mögliche Verschmutzungen auch mit Ruß oder Sägespäne darstellen können. Aber Mehl ließ sich am einfachsten Händeln.

Unser Mehltest sollte zeigen, wie gut “Schmutz” an der Oberfläche der Hosen haften bleibt und wie gut es sich wieder entfernen lässt. Foto: Hegemann

Der Nässetest

Letzte Station war ein Nässetest. Weil es hierbei zu von uns nicht erwarteten Feuchtigkeitsproblemen kam, haben wir den Nässetest eine Woche später bei der FF Nienburg an der Weser noch einmal wiederholt. Jede Hose wurde mit Sprühstrahl (200 Liter pro Minute) für 15 Sekunden aus 5 Meter Entfernung besprüht. Der Träger dreht sich in der Zeit einmal um die eigene Achse. Anschließend wurde gefühlt und geguckt, ob die Hose an der Innenseite feucht geworden ist. Wir sind der Meinung: Eine Überhose für den Innenangriff darf dabei unter gar keinen Umständen innen feucht werden. Im Innenangriff kann es immer mal vorkommen, dass ein Trupp plötzlich Wasser abbekommt, beispielsweise durch ein Wenderohr einer Drehleiter oder einen anderen Angriffstrupp.

Beim Nässetest wurden die Hosen aus fünf Meter Entfernung für 15 Sekunden mit 200 l/min bewässert, Dabei sollte innen nichts feucht werden.

Der komplette Testbericht “Überhosen im Praxistest” findet sich in der September-Ausgabe 2017 des Feuerwehr-Magazins. Diese Woche ist die Ausgabe noch im Handel erhältlich. Hier kann das gedruckte Heft oder die digitale Ausgabe auch ganz bequem bestellt werden.  

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