Gefahr durch Hitze: Vorsicht beim Einsatz!

Bremen – Tipps für den Einsatz bei großer Hitze: Die aktuell herrschenden hohen Temperaturen können eine enorm kreislaufbelastende Situation darstellen, die beim Feuerwehreinsatz gefährlich werden kann. Wir geben 9 Tipps  für das richtige Verhalten von Einsatzkräften.

Feuerwehr_Einsatz_Hitze
Bei Sommerhitze in voller Montur zum Einsatz – das schlaucht. Symbolfoto: T. Jann
  • Trinken Sie fortwährend ausreichend Wasser beziehungsweise geeignete (zucker-/alkoholfreie) Getränke – ein Einsatz kann jederzeit kommen!
  • Wichtig für Führungskräfte: Stellen Sie sicher, dass auf den Einsatzfahrzeugen ihrer Wehr für alle Kameraden ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung steht (evtl. in Kühlboxen, aber nicht zu kalt).
  • Parken Sie den Privat-Pkw in der (Tief-) Garage bzw. sonstwie im Schatten. Wenn möglich Lüftungsschlitze öffnen, damit sich der Wagen nicht zu sehr aufheizt. Im Einsatzfall erst die Stauwärme entweichen lassen, dann einsteigen und losfahren. Kostet ein paar Sekunden – aber mit einem Kreislaufkollaps können Sie auch nicht mehr helfen!
  • Hören Sie auf ihren Körper: Wer ohnehin schon unter Schwindelgefühl und Kreislaufschwäche leidet, bzw. sonstwie “nicht fit” ist, darf keinesfalls an einem Einsatz teilnehmen. Deshalb dann am besten bei der Wehrführung abmelden, zur Not den Funkmelder ignorieren und besser einen Arzt aufsuchen!
  • Vierlagige Einsatzbekleidung nur so lange tragen, wie unbedingt notwendig. Sowie eine “Marscherleichterung” möglich ist, sollte diese angeordnet werden. Jacke erst an der Einsatzstelle schließen!
  • Atemschutzgeräteträger in Bereitstellung sollten sich sitzend im Schatten aufhalten können. Auch sonst gilt: Schattensuchen (wenn möglich) ist kein Zeichen von Schwäche!
  • Fordern Sie frühzeitig den Rettungsdienst zur Eigensicherung an, sofern dieser nicht automatisch mitalarmiert wurde. Atemschutzträger sind während und nach dem Einsatz medizinisch zu überwachen!
  • Auch wenn es vermeintlich “cool aussieht” – kein Wasser über den Kopf schütten und damit die Einsatzbekleidung durchnässen – diese ist nass nicht mehr für den Einsatz geeignet!
  • Wechselkleidung bereithalten!

Ihr habt weitere Tipps, Anmerkungen, Ergänzungen? Nutzt einfach die Kommentarfunktion unter diesem Artikel!

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Eigenschutz bei Hitze: Jacke aus, viel trinken

Dr. Jan Heinisch, Vorsitzender des Verband der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen: “Meines Erachtens prüft eine gute Führungskraft bei solch außergewöhnlichen Wetterbedingungen immer alle Erleichterungsmöglichkeiten – schon aus der Verantwortung der Mannschaft gegenüber. Wenn es Unfallverhütungsvorschrift und Einsatzgeschehen zulassen: Warum sich dagegen aussprechen?”

Arne Sicks, Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Salzgitter (NI): “Marscherleichterung zu befehlen, obliegt dem Einsatzleiter. Bei Rettungsmaßnahmen nach Verkehrsunfällen müssen die Einsatzkräfte, die direkt an einem verunfallten Pkw arbeiten, natürlich die notwendige Persönliche Schutzausrüstung tragen. Und wenn die Feuerwehr über keine ,leichten Jacken‘ verfügt, fällt die Wahl auf die schweren Überjacken. Aber für die Kameraden in der zweiten Reihe wäre es eine große Erleichterung, ihre Jacken abzulegen, dann gilt aber das Tragen von Warnwesten als obligatorisch. Außerdem sollten Personen, die nicht ins direkte Einsatzgeschehen eingebunden sind, Schatten aufsuchen. Im Vorfeld ist es ratsam, immer ausreichend Getränke in den Fahrzeugen zu verstauen. Dies sollte bei Einsatzfahrzeugen mit Atemschutzgeräten auch unabhängig von der Wetterlage passieren.”

Friedhelm Schmidt, Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Korbach (HE): “Die Auswahl von Persönlicher Schutzausrüstung bei Einsätzen und Übungen basiert auf einer Gefährdungsbeurteilung. Gerade bei den derzeit hohen Außentemperaturen wäre es mehr als unangemessen, wenn beispielsweise ein Feuerwehrmann bei der Beseitigung einer Ölspur die komplette Feuerschutzkleidung tragen würde. Bei dieser Art Einsatz ist es ausreichend, wenn er über einem T-Shirt die entsprechende Warnkleidung trägt. Die Einsatzleiter haben bei der Anordnung der PSA auch eine Fürsorgepflicht. Es ist nach meiner festen Überzeugung unangemessen, gerade in der heißen Jahreszeit, mehr Schutzkleidung tragen zu lassen, als unbedingt für den jeweiligen Einsatz erforderlich ist.”

Ein Tipp aus der Redaktion des Feuerwehr-Magazins lautet noch, in den Sommermonaten Sonnencreme in die Hygienebox des Einsatzfahrzeuges zu legen. Wenn bei lang andauernden Einsätzen in der prallen Sonne die Jacken abgelegt werden, ist die Haut nicht geschützt.

Tipps zur Bekämpfung von Flächen- und Waldbränden

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13 Kommentare zu “Gefahr durch Hitze: Vorsicht beim Einsatz!”
  1. Ulrich Cimolino

    PKW und Einsatzfahrzeuge mit heißen Auspuffanlagen bzw. Abgasstrahl zum Boden nicht auf brennbaren Flächen parken!

    Feuerwehrschutzanzüge für die Brandbekämpfung im Innenangriff (DIN EN 469 bzw. HuPF 1 und 4) sind grundsätzlich KEINE geeignete PSA für den Aussenangriff bei diesen Temperaturen! (Ausnahme natürlich wenn weitere Schadstoffe in der Luft sind, bzw. ein Innenangriff ggf. doch notwendig wird, oder als SiTr…)

  2. Ergänzung:

    Eimer, Kübel oder Transportboxen mit (kaltem) Wasser füllen. Das Wasser kann zum kühlen der Hände und Unterarme benutzt werden. Dies hilft dem Körper beim abkühlen!

  3. Michael

    Sonnenmilch kann auch sehr nützlich sein. Notfalls die “dünne” Einsatzjacke als Sonnenschutz geöffnet anbehalten und den Kragen hochstellen.

    Ist jemadem bekannt, dass er bei starkem Sonnenlicht Probleme mit den Augen bekommt, sollte er sich eine Sonnenbrille in seiner PSA bereit halten.

    Je nach Einsatzgebiet, insbesondere in Moorgebieten, ist “Insekten-Vertreibungsmittel” wie Autan oder No-Bite sehr hilfreich.
    In dem Zusammenhang sollte man auch die Gefahr durch Zecken erwähnen und die Kameraden darauf hinweisen, dass sie sich nach dem Einsatz absuchen und die Zecken gegebenenfalls entfern / entfernen lassen.

    Die Führungskräfte haben bei dieser Witterung darauf zu achten, dass die Mannschaft regelmäßig Pausen macht. Auch sollte die Führung sich eher als üblich um Kräfte zur ablösung der “verbrauchten” Einsatzkräfte kümmern.

  4. Hubert

    Sag ich mal Danke für die vielen Tipps,oft denkt man im Einsatz selbst nicht dran dann ist es gut wenn der Gruppenführer oder Einsatzleiter dies tut.Werde es an die Kameraden weitergeben und selbst auch darauf achten das die Tipps umgesetzt werden. Gruß Hubert. FFW Kinding Altmühltal A9

  5. Marcus Grüner

    Immer einen kühlen Kopf bewahren. Also Helm ab sobald möglich und basecaps auf wenn möglich.

  6. Mal keine Ergänzung, sondern eine generelle Frage:
    Es ist ja die Rede von ,,ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung steht (evtl. in Kühlboxen, aber nicht zu kalt).,,
    Aber welches Wasser? Mineralwasser ,,normal,, sprich mit Kohlensäure, oder Medium oder gar naturell, also ohne Kohlensäure.
    ich denke selbst da gehen doch die Meinungen auseinander.
    Wir selber haben auf jedem Fahrzeug einen kleinen Kasten Mineralwasser mit Kohlensäure a 0,5 l.

  7. Sebastian Decke

    Ich wurde sagen ohne Kohlensäure oder wenn dann mit wenig

  8. Johannes

    Ich bevorzuge Mineralwasser ( Medium ) da dieses besser verträglicher
    ist als Wasser mit Kohlensäure. Denn das Wasser mit Kohlensäure bläht den Bauch auf.
    Was ich aber auch besser finde ist folgendes.
    Kleine PET-Flaschen ( 0,5 l ) sind besser zum Transport geeignet
    und so hat auch jeder seine eigene Flasche. Glasflaschen vermeiden,
    denn sollten die mal fallen hat man gleich eine Gefahrenquelle mehr
    an der Einsatzstelle.

  9. Martin

    Mit wenig Kohlensäure find ich ok. Wem das zu viel ist, kann die Kohlensäure auch dann noch “rausschütteln”.

    Ansonsten Kopfbedeckung tragen und Sonnenmich kann auch nicht schaden. Wir hatten vor ein paar Jahren eine Personensuche bei dem Wetter und da kamen einige mit Sonnenbrand an den Ohren und auf der Nase nach hause!

  10. Einen hätte ich noch, aus eigener, unangenehmer Erfahrung:

    Steigen die Temperaturen auf Werte um 35°C und mehr besteht das Problem, dass, vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit, der Körper kühler ist als die Außenluft und daher der Körper praktisch keine Energie (Wärme) mehr an die Umgebung abgeben kann. Auch schwitzen hilft dann nur noch bedingt.

    Daher ist in diesen Temperaturbereichen extrem Vorsicht geboten.

    Passt auf euch auf!

  11. Traubenzucker mit haben bei evtl Schwindel kann das helfen

  12. @ Bernd
    Salzwasser. So bekommt der Körper das Salz wieder, das er davor ausgeschwitzt hat. Das lernt man aber auch schon in der schule (zumindest wenn mann schulsani ist)

    Ergänzung: bei Hitzeerschöpfung (oder Anzeichen dafür) 1l stilles Wasser auf ein Teelöffel Salz.

  13. Dominik

    Auch nicht vergessen; keine heißen gerichte essen! Ehr auf Obst und leichte kost zurückgreifen.

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