Wie beeinträchtigte Kameraden integriert werden können

Inklusion in der Feuerwehr

Achim (NI) – Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Finn-Niklas Gerken aus Achim (Kreis Verden) in der Jugendfeuerwehr (JF). Der jetzt 18-Jährige hat vor einigen Tagen Teil 1 der Truppmannausbildung bestanden und wird demnächst in die Einsatzabteilung übernommen. Das Besondere: Gerken ist querschnittsgelähmt.

Im Rollstuhl bei der Truppmannausbildung: Finn-Niklas Gerken will keine Extrawürste. Foto: Kreisfeuerwehr Verden

2016 ändert sich sein Leben schlagartig

Finn-Niklas Gerken engagierte sich stark in der JF Achim und wurde dort zum Jugendsprecher gewählt. Gleichzeitig war er bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aktiv. Doch im Sommer 2016 sollte sich sein Leben schlagartig verändern: Bei einem Badeunfall stürzt Gerken so schwer, dass er fortan querschnittsgelähmt ist.

Nach einem Jahr Aufenthalt in Krankenhäusern und Rehazentren konnte er seine Arme wieder bewegen. “Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr und meine Betreuer waren während dieser schwierigen Zeit eine große Stütze für mich”, sagt Gerken. Sein Engagement in der JF setzte er fort. 

Mitten drin statt nur dabei: Als einer von 20 Absolventen besteht Gerken (unten links) die Truppmannausbildung. “Finn-Niklas hat die Prüfung mit Bravour gemeistert”, sagt Lehrgangsleiter Marco Meyer (sitzend Mitte links). Foto: Kreisfeuerwehr Verden

Im Rollstuhl bei der Truppmann-Ausbildung

Weil Gerken und seine Kameraden überzeugt waren, dass er sich auch in der Einsatzabteilung einbringen kann, nahm er an der Truppmann 1-Ausbildung teil. “Finn-Niklas hat von Anfang an explizit keine Sonderbehandlung gewünscht”, stellt der Verdener Stadt-Pressewart Dennis Köhler klar. “Bei der Ausbildung und nachher bei der Prüfung hat er alle praktischen Aufgaben durchgeführt. Von Selbstrettung bis zum Aufbauen eines Löschangriffs konnte er alles in seinem Rollstuhl bewältigen. Nur die Leiter konnte er nicht besteigen.”

Gerken absolvierte als einer von 20 Feuerwehranwärtern erfolgreich die Truppmann 1-Ausbildung. “Wir haben damit vollkommenes Neuland betreten und neben vielen organisatorischen Maßnahmen im Vorfeld, wusste ich anfänglich auch nicht so ganz wie wir das bewältigen sollten”, berichtet Lehrgangsleiter Marco Meyer, “doch Finn-Niklas hat mit großem Ehrgeiz viele der geforderte Prüfungsleistungen trotz seines Handycaps mit Bravour gemeistert.”

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Der 18-Jährige will sich nun bei Ausbildungsdiensten und Verwaltungstätigkeiten einbringen. Bei einem Einsatz kann er im Feuerwehrhaus das Funken übernehmen. “Wir wollen langsam schauen, wo und wie Gerken optimal eingesetzt werden kann”, sagt Köhler, “Er gehört eben dazu und ist festes Bestandteil der Gruppe.”

Wehrleiter im Rollstuhl

Dabei ist Gerkens Geschichte keinesfalls ein Einzelfall. Ronny Müller beispielsweise ist nach einem Abszess am Rückenmark ebenfalls im Rollstuhl gelandet. Für seine Kameraden der FF Hohenmölsen (Burgenlandkreis, ST) kein Hindernis, ihn zum Wehrleiter zu ernennen. Oder Thomas Henseler, der bei größeren Lagen im Feuerwehrhaus der FF Asbach (Kreis Neuwied, RP) die Funkeinsatzzentrale leitet.

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