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Eine Feuerwehr mit ungewöhnlicher Organisation: Die FF Itzehoe setzt
Wie beeinträchtigte Kameraden integriert werden können

Helfer mit Handycap: Inklusion in der Feuerwehr

Sollen und können Menschen mit Behinderungen sich bei der Feuerwehr engagieren? Gar in die Einsatzabteilung übernommen werden? Dieser Frage stellen sich immer wieder einzelne Feuerwehren. Was Teil­neh­me­r einer Fachtagung diskutieren und in welchen Fällen Inklusion bis in die Einsatzabteilung gelungen ist.

“Wir Feu­er­wehr­leu­te ha­ben das sc­höns­te, not­wen­digs­te und ge­fähr­lichs­te Hob­by der Welt. Gleich­zei­tig spie­geln wir die Pro­b­le­me der Ge­sell­schaft wi­der”, sagt Tho­mas Voß, Lan­des­ju­gend­feu­er­wehr­wart in Sachsen-Anhalt. Er in­i­ti­ier­te und organisierte die Fach­ta­gung “Chan­cen, Her­aus­for­de­run­gen, Mög­lich­kei­ten und Gren­zen der In­k­lu­si­on” im In­sti­tut für Brand- und Ka­tastro­phen­schutz in He­y­roths­ber­ge.

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Dabei ging es unter anderem um die viel­fäl­ti­gen Mög­lich­kei­ten, Men­schen mit ei­ner Be­hin­de­rung ganz selbst­ver­ständ­lich am All­tag teil­ha­ben zu las­sen. Und die Teilnehmer sprachen auch über den Ver­si­che­rungs­schutz. Dieser unterscheidet nicht zwi­schen Men­schen mit oder oh­ne Be­hin­de­rung.

Wehrleiter im Rollstuhl

Vor Ort war Ron­ny Mül­ler, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Ho­hen­möl­sen (Burgenlandkreis, ST). Nach einem Abszess am Rückenmark ist er auf einen Rollstuhl als Fortbewegungsmittel angewiesen. Für sei­ne Ka­me­ra­den kein Hinderungsgrund, ihn zum Wehr­lei­ter zu wähl­en. “In­k­lu­si­on heißt für mich vor al­lem, Bar­rie­ren in den Köp­fen ab­zu­bau­en, auch im ei­ge­nen”, sagte der 44-Jäh­ri­ge auf der Fachtagung.

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Der 5-jäh­ri­ge Le­on Stand­ke aus Bie­re-Ei­cken­dorf (Salzlandkreis) ist ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen. Diesen zie­ren Au­to­gram­me von Feu­er­wehr­leu­ten aus ganz Deut­sch­land. Denn Le­on ist nicht nur ein gro­ßer Fan der Kin­der­feu­er­wehr des Or­tes, son­dern wird an sei­nem 6. Ge­burts­tag im kom­men­den Mo­nat ihr of­fi­zi­el­les Mit­g­lied.

Rollstuhlfahrer besteht Truppmann-Ausbildung

Seit seinem zehnten Lebensjahr ist Finn-Niklas Gerken aus Achim (Kreis Verden) in der Jugendfeuerwehr. Der jetzt 18-Jährige hat 2018 Teil 1 der Truppmannausbildung bestanden und wurde in die aktive Wehr aufgenommen. Das Besondere: Gerken ist querschnittsgelähmt.

Im Rollstuhl bei der Truppmannausbildung: Finn-Niklas Gerken will keine Extrawürste. Foto: Kreisfeuerwehr Verden

Finn-Niklas Gerken engagierte sich stark in der JF Achim und wurde dort zum Jugendsprecher gewählt. Gleichzeitig war er bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aktiv. Doch im Sommer 2016 sollte sich sein Leben schlagartig verändern: Bei einem Badeunfall stürzt Gerken so schwer, dass er fortan querschnittsgelähmt ist.

Nach einem Jahr Aufenthalt in Krankenhäusern und Rehazentren konnte er seine Arme wieder bewegen. “Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr und meine Betreuer waren während dieser schwierigen Zeit eine große Stütze für mich”, sagt Gerken. Sein Engagement in der JF setzte er fort. 

Mitten drin statt nur dabei: Als einer von 20 Absolventen besteht Gerken (unten links) die Truppmannausbildung. “Finn-Niklas hat die Prüfung mit Bravour gemeistert”, sagt Lehrgangsleiter Marco Meyer (sitzend Mitte links). Foto: Kreisfeuerwehr Verden

Im Rollstuhl bei der Truppmann-Ausbildung

Weil Gerken und seine Kameraden überzeugt waren, dass er sich auch in der Einsatzabteilung einbringen kann, nahm er an der Truppmann 1-Ausbildung teil. “Finn-Niklas hat von Anfang an explizit keine Sonderbehandlung gewünscht”, stellt der Verdener Stadt-Pressewart Dennis Köhler klar. “Bei der Ausbildung und nachher bei der Prüfung hat er alle praktischen Aufgaben durchgeführt. Von Selbstrettung bis zum Aufbauen eines Löschangriffs konnte er alles in seinem Rollstuhl bewältigen. Nur die Leiter konnte er nicht besteigen.”

Gerken absolvierte als einer von 20 Feuerwehranwärtern erfolgreich die Truppmann 1-Ausbildung. “Wir haben damit vollkommenes Neuland betreten und neben vielen organisatorischen Maßnahmen im Vorfeld, wusste ich anfänglich auch nicht so ganz wie wir das bewältigen sollten”, berichtet Lehrgangsleiter Marco Meyer, “doch Finn-Niklas hat mit großem Ehrgeiz viele der geforderte Prüfungsleistungen trotz seines Handycaps mit Bravour gemeistert.”

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Der junge Erwachsene will sich nun bei Ausbildungsdiensten und Verwaltungstätigkeiten einbringen. Bei einem Einsatz kann er im Feuerwehrhaus das Funken übernehmen. “Wir wollen langsam schauen, wo und wie Gerken optimal eingesetzt werden kann”, sagt Köhler, “Er gehört eben dazu und ist festes Bestandteil der Gruppe.”

Mit Handycap beim Einsatz

Dabei ist Gerkens Geschichte keinesfalls ein Einzelfall. Seit 2010 ist beispielsweise Olaf Müller, aktives Mitglied der FF Rondeshagen (SH, Herzogtum Lauenburg). Er ist geistig behindert, aber sehr geschickt im handwerklichen Bereich. Und er rückt mit zu Einsätzen aus, ist sogar ausgebildeter Truppführer. Müller kann zum Beispiel nicht lesen und schreiben, benötigt ein ruhiges und überschaubares Umfeld und feste Strukturen in den Tagesabläufen. Spricht eigentlich alles nicht für den Einsatzdienst in der Feuerwehr. Aber Müller ist dennoch bei allen Einsätzen dabei. Zugegeben, es handelt sich pro Jahr nur um durchschnittlich zehn Alarmierungen. Trotzdem ist seine Zuverlässigkeit für die FF Rondeshagen Gold wert.

Bei Einsätzen fungiert er in der Regel als Truppmann, hat einen erfahrenen Kameraden an seiner Seite. Führungskräfte achten darauf, dass er nicht im unmittelbaren Gefahrenbereich arbeitet oder bei psychisch belastenden Einsätzen, wie Verkehrsunfällen mit Personenschaden, mitwirkt. “Wir können mittlerweile damit umgehen, dass wir bei der Zusammenarbeit mit ihm besonders aufmerksam sein müssen”, sagt der ehemalige Wehrführer Andree Eggert in einem Interview mit dem Feuerwehr-Magazin. “Aber es lohnt sich, er ist auch als Einsatzkraft inzwischen eine große Hilfe.”

Auch Thomas Henseler ist im aktiven Dienst. Er leitet bei größeren Lagen im Feuerwehrhaus der FF Asbach (Kreis Neuwied, RP) die Funkeinsatzzentrale.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Wenn es Rollstuhlfahrer zur Feuerwehr schaffen, dann sollte es auch im Rettungsdienst gehen.
    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ich die komlpette Ausbildung zum Rettungssanitäter als Rollstuhlfahrer machen kann.

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