Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, SFSW

Ideale Bedingungen für die Feuerwehr-Ausbildung

Würzburg (BY) – Drei Feuerwehrschulen gibt es in Bayern. Alle drei werden derzeit massiv ausgebaut. Der Freistaat lässt sich die Ausbildungsstätten für die überwiegend freiwilligen Feuerwehrleute gewaltige Summen kosten. Fast 80 Millionen Euro kostet alleine der Ausbau der SFSW, wie die Staatliche Feuerwehrschule in Würzburg abgekürzt wird. Wir kamen beim Besuch der Schule aus dem Staunen nicht mehr raus. 

Die neue Übungshalle an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg ist 77 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 32 Meter hoch. Foto: Hegemann

Gigantische Übungshalle erinnert an Kathedrale

Das absolute Highlight ist die Feuerwehr-Übungshalle. Das 77 Meter lange, 40 Meter breite und bis zu 31 Meter hohe Gebäude ermöglicht einen ganzjährigen und witterungsunabhängigen Übungsbetrieb. In der Halle sind die Fassaden und einige Räume alle Gebäudetypen nach der Landesbauordnung Bayerns nachempfunden: ein komplett eingerichtetes Einfamilienhaus (kann beispielsweise für die Erkundung sogar umrundet werden), ein Hochaus (neun Stockwerke, Balkone, Lift, Wohnungen, Treppenhaus, Schleusen, Belüftungsanlagen, Müllschacht), ein Mehrfamilienhaus, ein Supermarkt, ein Altenheim/Krankenhaus und eine Spedition mit Warenlager, Laderampe und Gleisanschluss. Im Untergeschoss befinden sich diverse Übungskeller, eine Tiefgarage und ein Kanalsystem. Angesichts der Ausmaße der Übungshalle kann schon fast von einer “Kathedrale” für die Feuerwehrausbildung gesprochen werden.

Ein Novum an einer Feuerwehrschule in Deutschland ist der Übungshafen am Main. Hier kann ohne Störung durch den Schiffsverkehr die Ausbildung der Bootsführer durchgeführt werden. Der Hafen wurde für die Schule 2013/14 komplett neu angelegt. Eine 72 Meter lange Mole grenzt das Hafenbecken vom Main ab. Das Schulgelände liegt nur 500 Meter entfernt.

Etwa 500 Meter vom Schulgelände der SFSW entfernt entstand 2013/14 dieser Übungshafen am Main. Foto: SFSW

Brandübungshaus zu 100% ausgelastet

Bereits seit 2000 bietet die SFSW die Heißausbildung an. Das Brandübungshaus (das erste in Bayern) ist ganzjährig in Betrieb. Bis zu 1.300 Feuerwehrleute werden hier pro Jahr geschult. Damit liegt die Auslastung der Anlage bei 100 Prozent. Für die Ausbildung setzt die Schule regelmäßig auch externe Trainer ein.

Zu einer modernen Ausbildung gehören auch realistische Darstellungsmöglichkeiten. Hier bewegen sich die Lehrgangsteilnehmer an einer virtuellen Einsatzstelle. Foto: Hegemann

In einem eigenen Sachgebiet werden durch vier Mitarbeiter die Lehr- und Lernmittel für die bayerischen Feuerwehren erstellt, auf aktuellem Stand gehalten und verschickt. Eine vergleichbare Stelle gibt es an keiner anderen Feuerwehrschule in Deutschland.

Warum der Frontalunterricht abgeschafft wurde

Die SFSW legt großen Wert auf eine möglichst praxisnahe Ausbildung, die handlungs- und kompetenzorientiert durchgeführt wird. Die Lehrkräfte werden deshalb von reinen Wissensvermittlern zu Lernbegleitern, Moderatoren und Coaches weitergebildet. „Man muss den Leuten heutzutage kein Wissen mehr beibringen, sondern Können und Kompetenz“, sagen die beiden Schulleiter Dr. Roland Demke und Michael Bräuer. „Frontalunterricht wie im Mittelalter ist nicht mehr zeitgemäß und führt nicht zum gewünschten Erfolg.“ Die Würzburger verzichten deshalb weitgehend darauf. „Kompetenz- und Handlungsorientierung“ lauten die neuen Schlagworte. „Natürlich vermitteln wir auch Wissen“, beruhigen Dr. Demke und Bräuer, „aber anders als früher, begleitend, thematisch passend und in Teileinheiten.“

Ein elfseitiges Portrait der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg und die weiteren Ausbaupläne bringen wir in der Oktober-Ausgabe des Feuerwehr-Magazins. Hier kann das Heft ganz bequem Online bestellt werden.

Alle fünf Gebäudetypen nach der bayerischen Landesbauordnung sind in der Übungshalle nachgebildet. Links das Einfamilienhaus, mittig die Fassade eines Hochhauses und links ein Mehrfamilienhaus. Foto: Hegemann
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