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Werbung auf Einsatzfahrzeugen: Was ist erlaubt - wovon sollten Feuerwehren besser die Finger lassen?
Ungewöhnliche Maßnahme gegen Mitgliederschwund

Gemeinde verstärkt FF durch Pflichtfeuerwehr

Grömitz (SH) – In Grömitz (Kreis Ostholstein) gibt es sechs freiwillige Ortsfeuerwehren – aber zu wenige Aktive. Nun hat der Gemeinderat eine Satzung verabschiedet, die den gleichzeitigen Betrieb von Freiwilliger Feuerwehr und Pflichtfeuerwehr zulässt. Damit sollen die Personalprobleme aufgefangen werden.

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In Grömitz (SH) wird die FF künftig durch eine Pflichtfeuerwehr verstärkt. Symbolfoto: Buchenau

„Drei unserer Ortsfeuerwehren weisen weniger Einsatzkräfte auf als gefordert“, berichtet Gemeindewehrführer Björn Sachau auf Anfrage von feuerwehrmagazin.de. „Die anderen drei erfüllen zwar noch die Mindeststärke, können aber die Tagesverfügbarkeit nicht immer sicherstellen.“ Daher habe der Bürgermeister auf Bitten der Feuerwehr die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr in die Wege geleitet, um die FF zu verstärken.

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Diese Möglichkeit sieht das Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistungen der Feuerwehren (Brandschutzgesetz – BrSchG) Schleswig-Holsteins ausdrücklich vor. Dort heißt es: „Die Gemeinde hat eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen, wenn der abwehrende Brandschutz und die Technische Hilfe aufgrund fehlender freiwillig dienstleistender Personen nicht ausreichend erfüllt werden können. Ist eine freiwillige Feuerwehr vorhanden, kann diese durch eine Pflichtfeuerwehr verstärkt werden.“

„Wir wollten die verbliebenen freiwilligen Kräfte nicht auch noch verlieren, indem wir die FF schließen und dann nur noch eine Pflichtfeuerwehr betreiben“, betont Sachau.

Für eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Pflichtfeuerwehr kommen laut Gesetz alle Bürger vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 50. Lebensjahr in Frage, die dem Feuerwehrdienst gesundheitlich gewachsen sind. „Mit Verabschiedung der Satzung existiert eine rechtliche Grundlage, um geeignete Kandidaten anzuschreiben und zu Gesprächen einzuladen“, sagt der Gemeindewehrführer. „Vorrangig wollen wir die drei Ortswehren aufstocken, die unter der Mindeststärke liegen. Allein dafür benötigen wir rund 50 Kräfte.“

Pflichtfeuerwehren in Deutschland seit 2005

  • 2005: List auf Sylt (SH), Status: Einberufung
  • 2009: Herzberg (BB), Status: Diskussion
  • 2009: Burg in Diethmarschen (SH), Status: Einberufung
  • 2010: Schmilau (SH), Status: Diskussion
  • 2013: Neuenkirchen (MV), Status: Diskussion
  • 2016: Friedrichstadt (SH), Status: Einberufung
  • 2016: Kroppenstedt (ST), Status: Einberufung
  • 2017: Upgant-Schott (NI), Status: Diskussion
  • 2017: Diemarden (NI), Status: Einberufung
  • 2017: Dalldorf (SH), Status: Diskussion
  • 2018: Neumünster-Mitte (SH): Einberufung
  • 2018: Grömitz (SH): Einberufung
Produkt: Feuerwehr-Magazin 6/2019
Feuerwehr-Magazin 6/2019
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Dirk Utermann muss ich Recht geben. MV lebt eigentlich von der Landwirtschaft. Wir waren mal die Kornkammer. Wir im Alt Uecker Randow Kreis haben alle mit mangelndem Personal zu kämpfen. Außerdem fehlt es bei uns in der Gemeinde an Technik, um unsere Aufgabe zu erfüllen. Wir fahren noch Technik aus den 70-er Jahren. Es ist einfach nicht das Geld da für neue Anschaffung. Liegt nicht an der Gemeinde, an der Umlage. Dem Brandschutz und TH wird einfach zu wenig Bedeutung geschenkt. Man reagiert erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
    Pflichtfeuerwehr ist nicht die Lösung, einen Krankschein bekommt man heutzutage schon telefonisch.
    Ich halte noch die Fahne, solange wie geht’s.

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  2. Vermutlich liegt es an der deutlich geringeren Bevölkerungsdichte.

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  3. Hier in hamburg sind die grundstückspreise so hoch, dass die “neuen” Einwohner meinen, einen Anspruch auf Hilfe zu haben. Aber nicht selber sich dafür bereit erklären. Keiner, der gerne mehr als 600000 Euro für sein Eigenheim bezahlt hat,sieht sich in der Pflicht, nachts für einen angeklickten Baum oder brennenden Mülleimer auf zu drehen. Man erwartet es von anderen. Ausserdem hat hamburg ja eine bf. Die kommt bestimmt. Das die bf aber auch über massiven personalmangel leidet, will der neuhamburger nicht wissen. Und leider werden es immer mehr von diesen Menschen, die nur an sich denken. Dann ist ja an jeden gedacht. Das spiegelt dich auch beim parken wieder. Mein Auto gehört vor meinem Haus. Wenn andere nicht durch kommen,ebenso die Rettung, ist mir doch egal, Hauptsache mich kann man noch retten.es ist schade, aber leider tatsache

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  4. Ja und nein… zumindest sind die Gründe von Ort zu Ort verschieden.

    Auf der Insel Sylt ist es beispielsweise so, dass sehr viele Gebäude lediglich als Urlaubs- und Wochenendhäuser genutzt werden, oft von gut betuchten Hamburgern. Und andere sind Saisonarbeiter. D.h., dass sich im Verhältnis zu der Menge an Wohnraum zu wenig Menschen dauerhaft auf der Insel aufhalten bzw. dort durchgehend leben und damit für den Feuerwehrdienst zur Verfügung stehen. Dem entgegen steht dann wiederum ein erhöhter Feuerwehrbedarf aufgrund der Insellage (Hilfe vom Festland nur zeitverzögert möglich) und der hohen Anzahl an Touristen/Urlaubern und Tagesgästen.

    Im Hamburger Umland ist es dann wiederum so, dass sehr viele Menschen in Hamburg arbeiten und somit aufgrund längerer Fahrtwege und der katastrophalen Verkehrssituation in und um Hamburg tagsüber nicht zur Verfügung stehen.

    In den neuen Bundesländern dürfte die dort besonders herrschenden Landflucht und Überalterung eine große Rolle spielen.

    In Burg/Dithmarschen wiederum ist es in Folge eines Massenaustritts nach Differenzen zwischen Feuerwehr(angehörigen) und Kommune gekommen. Hat in diesem Fall also nichts mit der geographischen Lage zu tun.

    Zudem muss man auch berücksichtigen, dass andere Länder im Gegensatz zu den norddeutschen Bundesländern den Begriff “Pflichtfeuerwehr” bzw. die PF als eigenständige Organisationsform gar nicht kennen. Z.B. in Baden-Württemberg gibt es in der Gesetzgebung zwar die Möglichkeit, Menschen zum Feuerwehrdienst zu verpflichten – der Begriff “Pflichtfeuerwehr” kommt in den Gesetzen aber nicht vor.

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  5. Gleich den glauben an die Menschheit zu verlieren ist vlt auch nicht der richtige Weg. Da finde ich die Gründe von @Ronny Meyer doch eher Ausschlaggebend.

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  6. Infrastruktur, demographischer Wandel, Wirtschaftsgefälle, gesellschaftlicher Wandel, sozialkultureller Wandel.

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  7. Mir scheint, als wenn es in der heutigen Zeit immer mehr an Menschlichkeit und soziales Engagement fehlt. Jeder ist sich selbst nur noch der Nächste und die anderen sind einem egal. Passiert allerdings etwas und keiner kommt zur Hilfe, ist das Geschrei wieder groß. “Da muss die Politik doch was machen!” , “Warum kommt mir keiner helfen?” , “Das geht so nicht…” !
    Meine Jugendfeuerwehrzeit liegt nun 20 Jahre zurück. Ich erinnere mich noch sehr gern an diese Zeit denn wir hatten immer Spaß am Dienst. Selbst unter Freunden sowie in der Schule wurde man eigentlich immer “”besser”” angesehen. Dies scheint heute, in der Zeit von Smartphone und Internet, nicht mehr wichtig zu sein. Die Menschheit verliert zunehmend ihre Menschlichkeit und macht sich, zum Leid der Gemeinschaft, von Smartphones & co abhängig…Leider

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  8. Es fällt auf, dass sich alle diese Orte in den nördlichen Bundesländer befinden.

    Gibt es da Gründe dafür? Zufall?

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