Frauen in der Feuerwehr

Internationaler Weltfrauentag

Viele Feuerwehren haben den heutigen Internationalen Weltfrauentag genutzt, um Frauen aus ihren Reihen vorzustellen. Wir haben ein paar Beispiele für Euch zusammengestellt.

Die Botschaft zum Weltfrauentag der Feuerwehr Bremen lautet: “Wir möchten keinen Sonderstatus”

Tanja Schmitz, Frauenbeauftragte der Feuerwehr Bremen; Foto: Feuerwehr Bremen / Warnke

Zum Internationalen Weltfrauentag senden die Frauenbeauftragten der Feuerwehr Bremen Tanja Schmitz und Ann-Christin Paul gemeinsam die klare Botschaft: “Gleichstellung bedeutet für uns, dass wir keinen Sonderstatus möchten. Wir wollen wie alle anderen Feuerwehrangehörigen behandelt werden, mit unseren Stärken und unseren Schwächen!”

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Von rund 685 Mitarbeitenden der Berufsfeuerwehr Bremen sind rund 7,5 Prozent weiblich, von den 655 Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren sind etwa 9,5 Prozent weiblich – in den Jugendfeuerwehren liegt der Mädchenanteil aktuell bei 250 Mitgliedern bei knapp 20 Prozent.

“Mädchen und junge Frauen für den Beruf der Feuerwehrfrau oder das Ehrenamt in der Feuerwehr zu begeistern, muss als Prozess begriffen werden”, erklärt Ann-Christin Paul. “Es kommt beispielsweise auf die Bildsprache an. Das beginnt im Kindesalter damit, dass in Büchern und anderen Darstellungen nicht nur Feuerwehrmänner abgebildet werden.”

Ann-Christin Paul, stellvertretende Frauenbeauftragte der Feuerwehr Bremen; Foto: Feuerwehr Bremen / Warnke

Schmitz und Paul betonen, den Schritt zur Feuerwehr niemals bereut zu haben. Beide fühlen sich bei der Feuerwehr Bremen wohl. Dennoch wünscht sich Tanja Schmitz beispielsweise mehr Frauen in Führungspositionen. “Ich bin davon überzeugt, dass sich dann die Grundeinstellung und die Kultur in der gesamten Organisation verändern.”

Mit unterschiedlichen Beiträgen in den sozialen Netzwerken stellt die Feuerwehr Bremen rund um den Weltfrauentag die Akteurinnen aus ihren Reihen vor.

 

 

 

 

Immer mehr Frauen im THW

Bonn. Alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helferinnen und Helfer sind wichtig für eine erfolgreiche Arbeit im Technischen Hilfswerk (THW). Darunter sind immer mehr Frauen, die sich für technische Hilfe im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe begeistern und engagieren. Im vergangenen Jahr verzeichnete das THW einen Anstieg von Frauen und Mädchen im Ehrenamt und Hauptamt.

Symbolfoto: Das THW bei einem Unwettereinsatz. (Bild: THW)

„Traditionell ist der Anteil von Männern in technisch ausgerichteten Organisationen sehr hoch. Deshalb sollte nicht nur der 110. Weltfrauentag ein Anlass sein, über die Gleichstellung der Geschlechter und bestehende Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Wir wünschen uns mehr Frauen im THW“, sagt THW-Präsident Gerd Friedsam.

Gestiegen ist vergangenes Jahr die Anzahl von Frauen im Ehrenamt und Hauptamt, die den gesetzlichen Auftrag des THW erfüllen und für die ehrenamtlich getragene Bundesanstalt einstehen. Auch die schwierige Situation und veränderte Ausbildungsbedingungen durch das Corona-Virus konnten den Anstieg von Frauen und Mädchen im THW nicht stoppen.

„Der Anstieg des Frauenanteils auf mehr als 15 Prozent im THW-Ehrenamt und 39,8 Prozent im Hauptamt sind ein Gewinn fürs THW und ein Zeichen für unsere gelebten Werte – jede und jeder ist im THW herzlich willkommen“, betont Friedsam. Aktuell sind 12.632 der rund 80.000 Ehrenamtlichen und 724 der 1.818 Hauptamtlichen im THW Frauen und Mädchen.

In den vergangenen Jahren arbeitet das THW kontinuierlich an der Förderung von Frauen und Mädchen, wie mit einem Helferinnentag, der sich speziell an Frauen und Mädchen im THW richtete.

Das THW ist die ehrenamtliche Einsatzorganisation des Bundes. Das Engagement der bundesweit knapp 80.000 Freiwilligen, davon die Hälfte Einsatzkräfte, ist die Grundlage für die Arbeit des THW im Bevölkerungsschutz. Mit seinem Fachwissen und den vielfältigen Erfahrungen ist das THW gefragter Unterstützer für Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und andere.

Das THW wird zudem im Auftrag der Bundesregierung weltweit eingesetzt. Dazu gehören unter anderem technische und logistische Hilfeleistungen im Rahmen des Katastrophenschutzverfahrens der Europäischen Union sowie im Auftrag von UN-Organisationen.

Feuerwehr Glinde: Es geht auch ohne gendergerechte Sprache

Bei der Feuerwehr Glinde (Kreis Stormarn, SH) sind 19 Frauen aktiv. “Das sind im Bereich Einsatz- und Reserveabteilung immerhin mehr als 22 Prozent im Verhältnis zur Zahl der Mitglieder”, berichtet André Rheinsberg, stellvertretender Gemeindewehrführer, stolz. Dabei befinden sich einige der Frauen auch in verantwortlichen Führungspositionen.

Frauenpower bei der FF Glinde: Derzeit sind 19 Kameradinnen bei der Wehr im Kreis Stormarn (SH) aktiv. Foto: Feuerwehr Glinde

Eine von ihnen ist die Gruppenführerin Bianka Bohn. “Bei uns ist das Verhältnis zu den männlichen Kameraden total gut”, berichtet sie, “denn in unserer Wehr spielt es überhaupt keine Rolle, ob auf dem Löschfahrzeug ein Mann oder eine Frau am Lenkrad sitzt, als Fahrzeugführerin oder unter Atemschutz tätig ist.”

In Glinde herrscht bei der Feuerwehr schon seit Jahrzehnten Gleichberechtigung. Nachdem Anfang 1990 in einer Jahreshauptversammlung der Beschluss gefasst wurde, Frauen die Möglichkeit zum Eintritt zu eröffnen, durfte sich die Wehr noch im gleichen Jahr über die ersten Kameradinnen freuen.

“Wir Feuerwehrfrauen legen allerdings keinen besonderen Wert darauf, explizit mit ‚Feuerwehrkameradinnen‘ angesprochen zu werden”, sagt Bianka Bohn und stellt fest: “Bei der Glinder Feuerwehr kommen wir auch ohne gendergerechte Sprache klar. Vor allem dann, wenn es darum geht, in Not geratene Menschen und Lebewesen zu retten, Brände zu löschen, Hab‘ und Gut zu bergen oder die Umwelt zu schützen.”

Bis in die Ehrenabteilung hat es in Glinde aber noch keine Feuerwehrfrau geschafft. Hier sind die 16 “altgedienten” Feuerwehrmänner noch unter sich. Doch das könnte sich ändern, wenn die 19 Frauen aus der Einsatzabteilung herauswachsen.

Als Frau bei der Berufsfeuerwehr

KOLUMNE von Kathrin Militzer, BF Hamburg

(Bild: CePe Lübeck)

Mein Weg zur Feuerwehr ist eher etwas ungewöhnlich, aber ich bin immer wieder froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Eigentlich sollte ich 2007 nur einen Sanitäter-Lehrgang machen, um als Polizeibeamtin Hundertschaftssanitäterin werden zu können. Im Laufe meines Praktikums an einer Hamburger Feuer- und Rettungswache war ich dann so begeistert von der Arbeit der Feuerwehr, dass ich mich dazu entschied, mich für diese Laufbahn zu bewerben.

Ich war an einer stark frequentierten Feuer- und Rettungswache in Barmbek eingesetzt. Dort wurde ich mit den unterschiedlichsten Einsätzen konfrontiert. Neben den zahlreichen Rettungsdiensteinsätzen konnte ich auch einen Tag lang den Löschzug begleiten. Dabei habe ich direkt ganz verschiedene Einsätze kennengelernt: neben einem Brandmeldeeinlauf auch eine Türöffnung und mein erstes „richtiges“ Feuer.

Insbesondere das Feuer und die Brandbekämpfung haben mich stark beeindruckt. Dazu die Vielfalt der Einsätze und das familiäre Miteinander unter den Kollegen. Nahezu augenblicklich war mir klar, dass ich den Beruf wechseln muss. So habe ich den Einstellungstest absolviert und bestanden, wobei ich den Sporttest zweimal machen „durfte“. Das aber hat meinen Ehrgeiz erst recht angespornt.

Die Ausbildung als einzige Frau im Lehrgang war richtig klasse. Die Kollegen haben mich voll akzeptiert und wenn die Luft mal knapp wurde, haben die Jungs mich immer mitgezogen.
Als es dann an die erste Wache ging, war der Einstieg im Großen und Ganzen gut. Einige Kollegen sind Frauen gegenüber sofort aufgeschlossen und haben mich direkt als vollwertiges Mitglied angesehen.

Andere mussten erst einmal schauen, ob ich mich auch beweisen kann. Aber das konnte ich: Schon während eines der ersten Einsätze musste ich eine Türöffnung durchführen. Die Kollegen standen hinter mir und wollten nun sehen, ob ich das schaffe. Natürlich war ich aufgeregt und mir war klar, dass ich dieses verdammte Schloss öffnen musste. Und siehe da: Es hat funktioniert!
Heute weiß ich, dass sich auch jeder andere Kollege, der in so einem Fall an vorderster Front steht, unwohl fühlt, wenn es nicht gleich auf Anhieb reibungslos läuft. Es hat also nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Dass man sich als Frau erst einmal behaupten muss, ist meiner Meinung nach völlig normal, wenn man in eine Männerdomäne einsteigt. Andersherum wäre es wahrscheinlich genauso, wenn nicht sogar noch schwieriger.

Meinen Weg habe ich darin gefunden, einfach nahezu identisch mit den Männern zu sein. Ich habe mir zum Beispiel auch nie meine Sachen tragen lassen und immer viel Sport gemeinsam mit den Kollegen gemacht. Ich möchte nicht anders behandelt werden, als die Männer auch. Und so funktioniert das Zusammenleben bei uns im Team super.

Alles in allem habe ich mich bisher an jeder Wache, an der ich meinen Dienst gemacht habe, sehr wohl gefühlt. Das Wachleben mit so vielen Männern auf einem Haufen ist recht entspannt. Natürlich gibt es auch dort die eine oder andere Reiberei, aber das ist in der nächsten Sekunde oft auch schon wieder Schnee von gestern.

Zugegeben, es ist nicht immer leicht, mit den Kollegen mitzuhalten. Das ist schon rein anatomisch schwer leistbar. Ich mache Sport und halte mich fit, aber im Vergleich zu einem Kollegen, der zwei Köpfe größer ist als ich, 30 Kilogramm mehr wiegt und Oberarme wie Obelix hat, habe ich die deutlich schlechteren Karten.

Das Gute aber ist: Wir arbeiten immer alle zusammen und man steht vor keiner Situation allein. Und man/frau kann durchaus auch über sich hinauswachsen!

Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kommt häufig die Frage, wie ich belastende Einsätze verkraften oder verarbeiten kann, denn man bekommt Dinge zu sehen, die sich andere Menschen gar nicht vorstellen können. Ich kann da natürlich nur von mir persönlich ausgehen. Die meisten Einsätze betrachte ich tatsächlich als reine Arbeit, es ist mein Job. Über einige Einsätze (vor allem im Rettungsdienst) denkt man noch einmal kurz nach, aber in der Regel „verfolgen“ diese Einsätze mich nicht.

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