Best practise-Beispiel

Frauen in der Feuerwehr

Irchenrieth (BY) – In der Freiwilligen Feuerwehr Irchenrieth (Kreis Neustadt an der Waldnaab) ist eine “Damengruppe” aktiv. Die neuen Feuerwehrfrauen können alleine ein Löschfahrzeug der Irchenriether Wehr besetzen und tun dies auch. Und die Kameradinnen haben auch die Feuerwehrleistungsabzeichen erfolgreich bestanden. 1987 gegründet, hat sich bis heute ein sehr freundschaftlicher Zusammenhalt entwickelt. Auch außerhalb der Dienstzeiten und der Einsätze kommen die Kameradinnen gerne zusammen.

Die Damenfeuerwehr Irchenreith – Beitrag vom Bayerischen Rundfunk:

Als Frau bei der Berufsfeuerwehr

KOLUMNE von Oberbrandmeisterin Kathrin Militzer, BF Hamburg

CePe Lübeck

Mein Weg zur Feuerwehr ist eher etwas ungewöhnlich, aber ich bin immer wieder froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Eigentlich sollte ich 2007 nur einen Sanitäter-Lehrgang machen, um als Polizeibeamtin Hundertschaftssanitäterin werden zu können. Im Laufe meines Praktikums an einer Hamburger Feuer- und Rettungswache war ich dann so begeistert von der Arbeit der Feuerwehr, dass ich mich dazu entschied, mich für diese Laufbahn zu bewerben.

Ich war an einer stark frequentierten Feuer- und Rettungswache in Barmbek eingesetzt. Dort wurde ich mit den unterschiedlichsten Einsätzen konfrontiert. Neben den zahlreichen Rettungsdiensteinsätzen konnte ich auch einen Tag lang den Löschzug begleiten. Dabei habe ich direkt ganz verschiedene Einsätze kennengelernt: neben einem Brandmeldeeinlauf auch eine Türöffnung und mein erstes „richtiges“ Feuer.

Insbesondere das Feuer und die Brandbekämpfung haben mich stark beeindruckt. Dazu die Vielfalt der Einsätze und das familiäre Miteinander unter den Kollegen. Nahezu augenblicklich war mir klar, dass ich den Beruf wechseln muss. So habe ich den Einstellungstest absolviert und bestanden, wobei ich den Sporttest zweimal machen „durfte“. Das aber hat meinen Ehrgeiz erst recht angespornt.

Die Ausbildung als einzige Frau im Lehrgang war richtig klasse. Die Kollegen haben mich voll akzeptiert und wenn die Luft mal knapp wurde, haben die Jungs mich immer mitgezogen.
Als es dann an die erste Wache ging, war der Einstieg im Großen und Ganzen gut. Einige Kollegen sind Frauen gegenüber sofort aufgeschlossen und haben mich direkt als vollwertiges Mitglied angesehen.

Andere mussten erst einmal schauen, ob ich mich auch beweisen kann. Aber das konnte ich: Schon während eines der ersten Einsätze musste ich eine Türöffnung durchführen. Die Kollegen standen hinter mir und wollten nun sehen, ob ich das schaffe. Natürlich war ich aufgeregt und mir war klar, dass ich dieses verdammte Schloss öffnen musste. Und siehe da: Es hat funktioniert!
Heute weiß ich, dass sich auch jeder andere Kollege, der in so einem Fall an vorderster Front steht, unwohl fühlt, wenn es nicht gleich auf Anhieb reibungslos läuft. Es hat also nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Dass man sich als Frau erst einmal behaupten muss, ist meiner Meinung nach völlig normal, wenn man in eine Männerdomäne einsteigt. Andersherum wäre es wahrscheinlich genauso, wenn nicht sogar noch schwieriger.

Meinen Weg habe ich darin gefunden, einfach nahezu identisch mit den Männern zu sein. Ich habe mir zum Beispiel auch nie meine Sachen tragen lassen und immer viel Sport gemeinsam mit den Kollegen gemacht. Ich möchte nicht anders behandelt werden, als die Männer auch. Und so funktioniert das Zusammenleben bei uns im Team super.

Alles in allem habe ich mich bisher an jeder Wache, an der ich meinen Dienst gemacht habe, sehr wohl gefühlt. Das Wachleben mit so vielen Männern auf einem Haufen ist recht entspannt. Natürlich gibt es auch dort die eine oder andere Reiberei, aber das ist in der nächsten Sekunde oft auch schon wieder Schnee von gestern.

Zugegeben, es ist nicht immer leicht, mit den Kollegen mitzuhalten. Das ist schon rein anatomisch schwer leistbar. Ich mache Sport und halte mich fit, aber im Vergleich zu einem Kollegen, der zwei Köpfe größer ist als ich, 30 Kilogramm mehr wiegt und Oberarme wie Obelix hat, habe ich die deutlich schlechteren Karten.

Das Gute aber ist: Wir arbeiten immer alle zusammen und man steht vor keiner Situation allein. Und man/frau kann durchaus auch über sich hinauswachsen!

Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kommt häufig die Frage, wie ich belastende Einsätze verkraften oder verarbeiten kann, denn man bekommt Dinge zu sehen, die sich andere Menschen gar nicht vorstellen können. Ich kann da natürlich nur von mir persönlich ausgehen. Die meisten Einsätze betrachte ich tatsächlich als reine Arbeit, es ist mein Job. Über einige Einsätze (vor allem im Rettungsdienst) denkt man noch einmal kurz nach, aber in der Regel „verfolgen“ diese Einsätze mich nicht.

Brandinspektorin bei der Feuerwehr Oldenburg

Foto: Christian Patzelt

Nur Gutes zu berichten hat auch Mariella Canella. Die Wirtschaftsinformatikerin hat bei der Berufsfeuerwehr Hamburg angefangen und wechselte 2012 zur Feuerwehr Delmenhorst (NI). Dort übernahm sie die Leitung des Rettungsdienstes. “Die Kollegialität hier hat mir den Einstieg sehr leicht gemacht. Keine Sprüche, keine Vorbehalte der männlichen Kollegen”, betonte sie in der Feuerwehr-Magazin-Reportage über die Feuerwehr Delmenhort in Ausgabe 4/2016. Sie erklärte auch ihren Wechsel von einer großen BF nach Delmenhorst: “Diese Feuerwehr ist von der Größe super, weil man in einigen Bereichen die Chance hat, selbst zu schalten und zu walten.” Im Herbst zog es Canella weiter nach Oldenburg (NI). Keine Entscheidung gegen Delmenhorst, sondern für Oldenburg. Auch aus privaten Gründen. Hier ist die Brandinspektorin nun im Vorbeugenden Brandschutz und im Einsatzleitdienst tätig.

Seitdem ich selbst Mutter bin, haben Einsätze mit Kindern einen anderen Charakter für mich bekommen. Vor allem, wenn solche Einsätze nicht so gut ausgehen und es Kinder betrifft, die so alt wie meine eigenen sind. Allerdings geht das wahrscheinlich an keinem Kollegen spurlos vorbei, egal wie alt und erfahren er ist. Es gibt Einsätze, die mich berühren oder nachdenklich machen. Aber genau das macht diesen Beruf unter anderem für mich aus: Nicht alltägliche Situationen zu erleben und zu bewältigen.

Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich den Schritt des Wechsels von der Polizei zur Feuerwehr wieder gehen würde. Das kann ich mit einem ganz klaren JA beantworten. Ich würde mich wieder so entscheiden, denn es ist immer wieder spannend und interessant, sich der nicht alltäglichen Herausforderung zu stellen! Einen Wunsch hätte ich aber noch: Weibliche Verstärkung bei uns in Hamburg und für die Kolleginnen in den anderen Berufsfeuerwehren. Traut Euch Mädels, es lohnt sich!

Frauenanteil der Feuerwehr Böbingen steigt

Sag mir, wo die Feuerwehrfrauen sind?

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