Staatliche Feuerwehrschule Würzburg modernisiert

Deutschlands größte Feuerwehr-Übungshalle

Würzburg (BY) – Sie ist 77 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 31 Meter hoch: die Übungshalle an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. 21 Millionen Euro hat sich der Freistatt Bayern alleine dieses Bauwerk kosten lassen. Wir stellen die Besonderheiten der Halle vor.

Nebel und Lichteffekte lassen den Eindruck entstehen, das es in den Gebäuden in der Halle brennen würde. Foto: SFSW

Die größte Feuerwehr-Übungshalle Deutschlands kommt komplett ohne Stützen aus. Großflächige Glasfassaden sorgen für Tageslicht ähnliche Lichtverhältnisse im Inneren. Das Dachflächenwasser wird in einer Zisterne im Keller gesammelt und als Löschwasser genutzt. Im Untergeschoss sind für die Ausbildung diverse Kellerräume, eine Kanalisation und eine Tiefgarage samt Zufahrt eingebaut. Der Wäschekeller kann für Übungen sogar komplett geflutet werden.

Der Wäschekeller lässt sich für realistische Übungen fluten. Foto: Hegemann

In der Halle selbst sind in einem Haus-in-Haus-System alle fünf Gebäudetypen der bayerischen Landesbauordnung errichtet worden. Neben einem kompletten Einfamilienhaus (kann für die Erkundung sogar umrundet werden) steht ein Hochhaus. „Neun Stockwerke hoch, mit Wohnungen, Balkonen, Treppenhaus, Lift, Schleusen, Brandmelde- und Belüftungsanlagen, Fluren sowie einem beheizbaren Müllschacht“, erklärt Schulleiter Dr. Roland Demke.

Witterungsunabhängig kann an vielen Stellen in der 77 Meter langen und 40 breiten Halle gleichzeitig geübt werden. Foto: Hegemann

Mehrfamilienhaus mit Supermarkt im Erdgeschoss

Direkt im Anschluss folgt ein Mehrfamilienhaus mit fünf Etagen. Im Erdgeschoß gibt es einen Supermarkt, eine Fahrschule und eine Gaststätte. Außerdem befindet sich hier der Empfang für den Bereich, der je nach Lage ein Krankenhaus, ein Altenheim oder ein Hotel darstellen kann. In den oberen Stockwerken sind Arztpraxen, unterschiedliche Büros, Aufenthalts- und Wohnräume sowie die Zimmer des Kran­ken­hauses-Hotels-Altenheims eingerichtet. „Die Raumaufteilung bei diesen drei Nutzungsarten unterscheidet sich kaum“, erklärt Michael Bräuer, der stellvertretende Leiter der SFSW. „Je nachdem, was gerade benötigt wird, müssen wir nur die Schilder am Portal wechseln.“

Schulleiter Dr. Roland Demke fungiert für dieses Foto als Kassierer im Supermarkt. Foto: Hegemann

An den unterschiedlichsten Stellen im Ge­bäude sind Wärmeplatten verbaut. So lassen sich heiße Wände, Decken oder Türen darstellen. Ausgerüstet mit Wärmebildkameras müssen die vorrückenden Kräfte dann die Brandstellen lokalisieren.  Auf der anderen Seite der Halle ist noch ein Speditionsgebäude mit Hochregallager, Büro, Laderampe und Gleisanschluss errichtet. In der Nachbarschaft befindet sich außerdem eine Baugrube.

Das Schild Klinikum kann mit wenigen Handgriffen gegen Altenheim oder Hotel getauscht werden. Die Raumaufteilung ist jeweils ja sehr ähnlich. Foto: Hegemann

Wenn Dummys plötzlich bewusstlos werden

Besonders stolz sind die Würzburger auf die verschiedenen Möglichkeiten zur Lagedarstellung. Dank computergesteuerter Technik können Feuer und Brandrauch simuliert werden. Auch Geräusche lassen sich einspielen. „Im Zusammenspiel mit dem Disco-Nebel wirken die Lichteffekte wie echt“, erklärt Bräuer. Die Simulationstechnik haben die Mitarbeiter der Schule übrigens selbst entwickelt. „Für die Verrauchung der einzelnen Bereiche haben wir uns bewusst für handelsübliche Nebelmaschinen entschieden“, erklärt Dr. Demke. „Die Geräte sind günstig, klein und handlich. Und sie lassen sich bei Defekten innerhalb weniger Minuten austauschen.“

Wenn Sie nicht benötigt werden, warten die Dummys in solchen Schränken auf ihren nächsten Einsatz. Foto: Hegemann

Der Clou ist, wenn plötzlich Gestalten hinter den Fenstern oder auf den Balkonen der Brandwohnungen, Büros oder Krankenzimmer auftauchen und um Hilfe schreien. Die menschengroßen Dummys lassen sich über Tablets von den Ausbildern steuern. Ihre Köpfe hängen an Laufschienen unter der Decke. Und die „Bewohner“ können sogar mit den anrückenden Kräften kommunizieren. Jeder Dummy ist mit Mikrophon und Lautsprecher ausgestattet. So hört der Ausbilder beispielsweise die Anweisungen einer Drehleiterbesatzung und kann entsprechend antworten, schreien oder husten. 40 solcher Dummys sind in den Gebäuden an verschiedenen Stellen installiert.

Der Dummy ist aus seinem Schrank im Bildhintergrund ans Geländer des Balkons gefahren. Dort kommuniziert der Ausbilder über das eingebaute Mikrofon und den Lautsprecher mit der Besatzung des Drehleiterkorbes. Im Hintergrund ist auch ein Element zu sehen, dass die brandtypischen Lichteffekte erzeugt. Foto: Hegemann

Ganzjähriger Übungsbetrieb in der Halle

Und wenn der Ausbilder den Stresspegel der Übenden noch weiter erhöhen will, lässt er den Dummy zusammenbrechen. Auf Knopfdruck am Tablet löst sich der Magnet am Kopf der Puppe und sie sackt zusammen. „Da kann man echt vergessen, dass es sich nur um eine Übung handelt“, sagt Lehrgangsteilnehmer Daniel Borchert von der FF Wüstenstein.

Dank der speziellen Dachkonstruktion kann an der Fassade des Hochhauses mit einer auf 30 Meter Länge ausgefahrenen Drehleiter geübt werden. Foto: Hegemann

Dank der Höhe von bis zu 31 Metern kann in der Halle mit einer voll ausgefahrenen Drehleiter geübt werden. “Und das ganzjährig ohne auf Witterungseinflüsse Rücksicht nehmen zu müssen”, erklärt Dr. Demke.

Die Feuerwehr-Übungshalle ist nur ein von vielen Highlights an der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Wir stellen die SFSW deshalb in der Oktober-Ausgabe 2017 des Fuerwehr-Magazin auf elf Seiten ausführlich vor. Hier kann das Heft in digitaler oder gedruckter Form ganz bequem Online bestellt werden.

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