Berlin – Angesichts der geopolitischen Lage ist die Nachfrage aus der Politik nach Austausch groß. Vor diesem Hintergrund tagte der Beirat des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin und wählte Nancy Faeser, MdB, zur neuen Vorsitzenden. DFV-Präsident Karl-Heinz Banse zeichnete ihre Vorgängerin Claudia Crawford für 17 Jahre im Amt mit der Goldenen Ehrennadel aus.
Bei der Tagung von Förderkreis und Beirat des Deutschen Feuerwehrverbandes am 16. März 2026 in Berlin: Nancy Faeser (links), Claudia Crawford und DFV-Präsident Karl-Heinz Banse. (Bild: S. Oestreicher)
Crawford, die den Vorsitz seit 2009 innehatte, blickte zurück: Nachwuchswerbung, Integration geflüchteter Menschen, Ausstattungsfragen, europäische Interessenvertretung – das Gremium hat in dieser Zeit ein breites Themenspektrum begleitet. Banse dankte ihr mit knappen Worten: „Du hast uns Türen geöffnet!“
Anzeige
Faeser trete das Amt mit einem klaren Anspruch an. Sie verstehe sich als Anwältin aller Feuerwehren in Deutschland – von der Berufsfeuerwehr über Freiwillige Feuerwehren bis zu Werk-, Betriebs-, Jugend- und Kinderfeuerwehren. Nachwuchsgewinnung, gesellschaftliche Vielfalt, die veränderte Sicherheitslage und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft nennt sie als zentrale Themen. Der Beirat, dem rund 180 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft angehören, soll nach ihrem Willen den Feuerwehren eine starke Stimme im politischen Raum geben.
Auch inhaltlich gab es viel zu besprechen. Banse berichtete, dass die Politik derzeit stark nach Austausch suche. Mit der Bundeswehr wurde jüngst ein gemeinsamer Arbeitskreis gegründet. Weitere Themen: Resilienz, Prävention, die Weiterentwicklung des Deutschen Feuerwehr-Museums in Fulda und die europäische Zusammenarbeit der Feuerwehrverbände im neuen Verband Euffas.
Mathias Bessel, stellvertretender Vorsitzender des Fachausschusses Zivil- und Katastrophenschutz, stellte den Stand beim Fähigkeitsmanagement vor. Die Abkehr von szenarienorientierten hin zu Fähigkeitsmodulen stoße auf hohe Akzeptanz. Bislang seien 40 Fähigkeiten benannt worden, die bei entsprechenden Lagen angefordert werden können – ein System, das nach Bessels Einschätzung kurzfristig fehlende Strukturen im Zivilschutz kompensieren könne.
Oberst im Generalstab Georg von Harling beleuchtete den Brandschutz in der Bundeswehr: Das System müsse an die Erfordernisse der Landes- und Bündnisverteidigung angepasst werden. An die versammelten Vertreterinnen und Vertreter der Industrie und Wirtschaft richtete er einen direkten Appell: Sie sollten sich Gedanken machen, wie sie ihre Beschäftigten schützen und diese Schutzaufgaben erfüllen können.
DSEE-Vorstand Jan Holze dankte dem DFV für die Unterstützung bei der Vermittlung der Stiftungsangebote (kostenfreie Seminare, Beratungen und Mikroförderungen) in die Feuerwehren. DSEE-Mitarbeiterin Nicole Vetter informierte über den vom Bundespräsidenten initiierten „Ehrentag“ für das Ehrenamt am 23. Mai 2026. Für Aktionen rund um dieses Datum können auch Feuerwehren eine Förderung von bis zu 500 Euro beantragen.
Vor der Beiratstagung hatte auch die Mitgliederversammlung des Förderkreises des DFV stattgefunden. Mehr als 140 Einzelpersonen und Firmen unterstützen die Verbandsarbeit. Zu Beginn gedachten die Mitglieder des im Dezember 2025 verstorbenen Gründungsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. Albert Jugel. Förderkreisvorsitzender Dr. Christian von Boetticher betonte die Bedeutung des Gremiums für die Zukunft der Feuerwehren und die Vernetzung der Mitglieder untereinander.