Einsatzkräfte schildern ihre Erlebnisse

Ausnahmezustand “Wetter” in Berlin – so lief der Feuerwehreinsatz

Berlin – Der Juni 2017 geht als einer der regenreichsten Monate in die Berliner Geschichte ein. Am 29. Juni fallen innerhalb von 7 Stunden in manchen Stadtteilen bis zu 130 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehren fahren 1.830 Einsätze. Sechs Kräfte in unterschiedlichen Funktionen berichten im Einsatzbericht “Berliner Starkregen” in der Juli-Ausgabe 2018 des Feuerwehr-Magazins, wie sie den Ausnahmezustand „Wetter“ erlebt haben. Einer von Ihnen: Zugführer Daniel Brose. 

„Am Morgen wollte ich normal zur Arbeit nach Falkensee fahren, am Feuerwehrhaus in Staaken musste ich noch ein paar Sachen erledigen. Als ich dort war, wurden wir zu einem Brandmeldealarm weit außerhalb unseres Einsatzgebietes alarmiert“, erinnert sich Daniel Brose. Der 44-jährige Brandinspektor ist seit 2007 Wehrführer der FF Staaken, der westlich gelegensten FF der Berliner Feuerwehr. Falkensee ist die nächste brandenburgische Stadt, in der Brose beruflich als Leiter der Feuerwehr arbeitet.

1.830 Unwetter-Einsätze mussten die Feuerwehren am 29. und 30. Juni 2017 in Berlin fahren. Vielerorts packte die Kanalisation die Regenmassen nicht, so wie hier in Wilmersdorf. Foto: Brose

Einsatzort: Haus des Rundfunks. „Dem Alarmzettel konnte ich entnehmen, dass wir das nächstgelegenste LHF waren. Wir haben alle gesagt, dass wir da eh nicht zum Einsatz kommen, weil es so weit weg ist“, erinnert sich Brose. Vom Feuerwehrhaus in Staaken bis in den Berliner Stadtteil Westend sind es fast 12 Kilometer.

Vor Ort eingetroffen, waren die Staakener das erste Löschfahrzeug an der Einsatzstelle, die Mitarbeiter des rbb (Radio Berlin Brandenburg) standen vor den Türen des Gebäudekomplexes im Regen und warteten auf die Feuerwehr. Der zuständige C-Dienst aus Pankow war noch nicht vor Ort. Auf der Rückseite des Gebäudes traf Brose während seiner Erkundung auf das LHF der Wache Suarez: „Durch einen Regenkanal war aus den Doppelböden Wasser ausgetreten und in einen Senderaum gelangt. In den Doppelböden hatten die Brandmelder ausgelöst.“

Genau dahinter ist der Archivraum des rbb untergebracht. Hier drohte Wasser einzudringen und die wertvollen eingelagerten Unterlagen, Filme und ähnliches, zu zerstören. „Mit allen Tauchpumpen haben wir das Wasser weggepumpt, um den Archivraum zu schützen. Fast 3 Stunden haben wir dort verbracht.“

Spielzeug retten mit der Tauchpumpe

„Kurz danach sind wir zur Unterstützung unseres TLF in die Berliner Straße Ecke Hohenzollerndamm geschickt worden. In einem Spielwarengeschäft in Wilmersdorf arbeitete die dreiköpfige Besatzung des TLF mit der Tauchpumpe gegen das Wasser, das durch einen defekten Abwasseranschluss nicht mehr ablaufen konnte. Unser LHF 2 folgte kurz danach. So waren wir Staakener alle gemeinsam an einer Einsatzstelle“, sagt Brose.

„Durch die zweite Regenwelle am Abend schwappte das Wasser über die Bürgersteige dann wieder in den Keller. Alles Wasser, das wir vorher weggepumpt hatten, lief wieder nach. Überall schwammen Lego-Männchen und Playmobil-Figuren“, sagt Brose. Am Hohenzollerndamm herrschte Weltuntergangsstimmung. „Ich habe noch nie so viel Wasser auf einmal gesehen. Die Kanaldeckel wurden hochgedrückt. Es lief in die U-Bahn­schächte hinein.“

Das Eckhaus, in dem sich der Spielwarenladen befand, war zu diesem Zeitpunkt wegen Arbeiten an der Fassade eingerüstet. „Der Einsatz steigerte sich so weit, dass der Bürgersteig durch die Unterspülungen wegsackte und das Gerüst einzustürzen drohte. Es wäre auf den Hohenzollerndamm gefallen und hätte eine Hauptschlagader der Stadt lahmgelegt. Mit Hilfe des THW haben wir das Gerüst sichern können“, erklärt der Wehrführer.

Durch den stundenlangen Einsatz bei Regen im Freien oder in überfluteten Gebäuden durchnässt die komplette Schutzkleidung der Kräfte von den Feuerwehren und vom THW. Foto: THW

„Wir waren alle klitschnass. Da es auch keine Poolkleidung mehr gab, hat unser MTF bei jedem zuhause in der Nacht Unterwäsche und Socken eingesammelt und die Kleidung zur Einsatzstelle gebracht. Mit trockenen Füßen war es nur noch halb so schlimm“, erzählt Brose. Ein benachbartes serbisches Restaurant versorgte die Staakener Freiwilligen nachts mit Cevapcici. „Extra für uns hat der Wirt das Restaurant wieder geöffnet und gekocht.“

Um 2 Uhr beendeten die Staakener den Einsatz, um eine Stunde später in Spandau einen Keller leer zu pumpen. „Auf dem Rückweg nach Hause sind wir mit unserem LHF 1 auf dem Falkenseer Platz mit einem Motorschaden liegengeblieben. Der Technische Dienst hat uns dann abgeschleppt und gegen 6 Uhr haben wir endlich unsere Feuerwache erreicht“, erzählt der 44-Jährige. „Am Morgen mussten wir dann unsere Wehr bei der Leitstelle abmelden, haben gemeinsam gefrühstückt und die Einsatzkleidung auf Ständern in der Halle zum Trocknen aufgehängt.“ Nach einer knapp 4-stündigen Pause übernahmen die Staakener neue Einsätze.

Den kompletten Einsatzbericht mit den Schilderungen von Lagedienst Uwe Kubusch, B-Dienst Per Kleist, dem Ständigen Vertreter des Landesbeauftragten der FF Sven Griesbach, Erkunder Michael Pawellek und dem Ortsbeauftragten des THW Ortsverbandes Lichtenberg Stephan Dannigkeit findet Ihr in der Juli-Ausgabe 2018 des Feuerwehr-Magazins. Ab Freitag im Handel erhältlich. 

Hier kann das Heft, als gedruckt Ausgabe oder als Download, aber auch ganz bequem schon heute bestellt werden. 

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