Feuerwehr Bremen

Einsatzberichte zu den größten Bränden

Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr Bremen mussten in den letzten Jahren immer wieder große Brände bekämpfen – bewiesen dabei, wie wichtig die Zusammenarbeit von BF und FF in der Hansestadt ist. Für besonders große Aufmerksamkeit auch über die Stadtgrenzen hinaus sorgte das Inferno direkt in der Bremer Alstadt. 2015 brannte das Kaufhaus Harms am Wall komplett aus. Hier findet Ihr die Feuerwehr-Magazin-Einsatzberichte.

Inhaltsverzeichnis

2018 – Mega-Yacht in Schwimmdock ausgebrannt
2018 – Nach Carportbrand zwei Wohnhäuser zerstört
2017 – Reetdachhaus in Flammen
2016 – Großbrand auf Bremer Mülldeponie
2015 – Flammeninferno in Bremer Altstadt
2014 – Großfeuer nach Flugzeugabsturz in Bremen
2009 – Lagerhallenkomplex in Vollbrand
2008 – Elf Tage im Einsatz bei Silobrand

2018 – Drei Tote bei Explosion in Bremen-Huchting

Eine Explosion zerstörte ein Wohnhaus in Bremen am frühen Donnerstagmorgen vollständig. Drei Menschen verloren dabei ihr Leben.

Kurz vor 5 Uhr stand am 28. Juni 2018 ein Haus im Bremer Stadtteil Huchting nach der Explosion in Vollbrand. Zwei Nachbarhäuser fingen ebenfalls Feuer. Die alarmierten Einsatzkräfte konnten eine meterhohe Rauchsäule bereits aus einiger Entfernung sehen. Zwar ließen sich die Flammen schnell unter Kontrolle bringen, aber das explodierte Wohnhaus war vollkommen zerstört.

Feuerwehr auf Straße vor zerstörtem Haus
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Bremen kämpften gegen die Flammen und evakuierten die umliegenden Häuser. Foto: NonstopNews

“So eine Explosion, die ein ganzes Haus niederreißt, ist sehr selten”, sagte Michael Richartz, Pressesprecher der Feuerwehr Bremen. Trümmerteile des Hauses flogen teils über große Distanzen und beschädigten umliegende Gebäude und Fahrzeuge. Die Druckwelle der Explosion zerbrach einige Fenster.

Video vom Einsatzort:

In dem bis auf die Grundmauern zerstörten Haus fand die Feuerwehr zwei Leichen gefunden. Vermutlich handelt es sich um die 41-jährige Bewohnerin des Hauses und ihren 7-jährigen Sohn. Im Nachbarhaus wurde eine 70-jährige Frau ebenfalls Opfer der Explosion.

2018 – Nach Carportbrand zwei Wohnhäuser zerstört

Am frühen Morgen des 10. März brach im Stadtteil Horn ein Feuer in einem Carport aus. Die Flammen breiteten sich rasant auf die angrenzenden Wohnhäuser aus.  Ein Doppelhaus wurde zerstört, ein weiteres Haus stark beschädigt.

Gegen 3.30 Uhr wachte ein Bewohner von ungewöhnlichen Geräuschen und bemerkte so den Carportbrand. Er weckte eilig seine Familie und die Nachbarn auf. Kurz darauf ging auch der Notruf bei der Feuerwehr Bremen ein. Weil sich das Carport zwischen zwei Wohngebäuden befand, alarmierte der Disponent in der Leitstelle direkt ein großes Kräfteaufgebot.

Fast zeitgleich trafen die Fahrzeuge der Feuerwache 2 und der Freiwilligen Feuerwehr Lehesterdeich ein. Die Bewohner hatten sich alle rechtzeitig ins Freie gerettet. Doch das Feuer hatte sich bereits ausgebreitet. Es war auf den Dachstuhl eines Doppelhauses übergelaufen. Die Feuerwehr begann sofort mit einem Löschangriff von Außen und Innen.

Kurz darauf trafen weitere Kräfte der Feuerwache 1 ein. Im Einsatzverlauf verstärkten die Freiwilligen Feuerwehren Borgfeld und Oberneuland das Aufgebot vor Ort. Die FF Neustadt rückte später mit dem Verpflegungszug an.

Die Brandbekämpfung stellte sich schwierig dar, weil sich die Flammen unterhalb der Dachpfannen bei beiden betroffen Wohngebäuden ausbreiteten. Die Dächer wurden über eine Drehleiter und mehreren tragbaren Leitern von Einsatzkräften unter Atemschutz abgedeckt, damit gezielt abgelöscht werden konnte.

Erst gegen 9.45 Uhr war das Feuer gelöscht. Es entstand ein geschätzter Schaden von knapp einer halben Million Euro. Direkt nach Abschluss der Löscharbeiten übernahm die Kriminalpolizei Bremen die Ermittlungen zur Brandursache.

2017 – Reetdachhaus in Flammen

Ein Großbrand zerstört ein reetgedecktes Wohnhaus in Bremen. Über 110 Kräfte bekämpften das Feuer. Nicht nur die enorme Brandausbreitung und die nicht ausreichende Wasserversorgung bereiten der Feuerwehr Probleme. Der Einsatz ist zudem belastend, weil der Betroffene ein Feuerwehrkamerad ist.

>>Schwierige Brandbekämpfung: Wenn das Reetdach brennt<<

2016 – Großbrand auf Bremer Mülldeponie

Anfang September 2016 kam es zu einem Großfeuer auf der Mülldeponie in Bremen. Fast 2 Tage waren Berufs- und freiwillige Feuerwehr im Einsatz, um den Brand zu löschen.

2015 – Flammeninferno in Bremer Altstadt

Erfahrene Feuerwehrbeamte trauen ihren Augen nicht: Direkt im Stadtzentrum Bremens steht an einem Mittwochabend ein Kauf-haus in Vollbrand. Flammen breiten sich auf Nachbargebäude aus. Über 160 Einsatzkräfte bekämpfen das Feuer. Hunderte Schaulustige beobachten die Szenen. Eine denkwürdige Nacht in der Hansestadt.

“Seit 25 Jahren bin ich bei der Berufsfeuerwehr Bremen. Aber solch ein Großfeuer in engbebauter Innenstadt mit einer derartig hohen Brandintensität habe ich noch nie erlebt“, betont Michael Steinbrink, Zugführer der Feuer- und Rettungswache (FW) 4. Am Mittwochabend, 6. Mai 2015, gehen um 21.40 Uhr zahlreiche Notrufe in der Bremer Feuerwehr- und Rettungsleitstelle ein. Die Anrufer berichten übereinstimmend, dass Flammen aus dem Kaufhaus Harms in der Altstadt schlagen. Disponent Harald Meyer eröffnet den Einsatz mit dem Stichwort B3, Feuer Gebäudekomplex. Meyer alarmiert ein Großaufgebot an Kräften von Berufs- und freiwilliger Feuerwehr. Bei dem Brandobjekt handelt es sich um ein viergeschossiges Geschäftsgebäude mit ausgebautem Dachgeschoss.

Lage nach Eintreffen beim Brand bei Harms am Wall in der Bremer Altstadt. Foto: Feuerwehr Bremen

Als erstes rücken das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug (HLF) 20/16 und die Drehleiter (DLAK) 23/12 der FW 1 aus. Zugführer auf dem HLF ist Bela Renk. „Dass es etwas Größeres wird, konnten wir bereits bei der Alarmierung an der Stimmlage des Disponenten erahnen“, erzählt der Zugführer. „Den Feuerschein und die starke Rauchentwicklung konnten wir wenige hundert Meter nach dem Ausrücken bereits sehen.“ Als das HLF sich dem Einsatzort in der Straße Am Wall nähert, gibt Renk die erste Rückmeldung: „Gesamtes Dachgeschoss brennt in voller Ausdehnung.“

Fast zeitgleich zum Löschzug 1 treffen das HLF 20/16 und die DLAK 23/12 der Wache 4 ein – mit Zugführer Steinbrink. Sofort bringen die Kräfte beide Drehleitern an der Vorderseite in Stellung und beginnen mit dem Aufbau einer Wasserversorgung. Währenddessen erreicht der Einsatzleitdienst Alexander Zawidzki den Brandort und übernimmt die Einsatzleitung. Im Minutentakt treffen weitere Kräfte der Wache 2 und der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt ein. Während die Neustädter mit ihrem HLF vor dem Gebäude die Wasserversorgung mit aufbauen, fahren das HLF und die DLAK vom Löschzug 2 die Rückseite an.

Die Flammen breiten sich schlagartig aus. Zawidzkis Rückmeldung an die Leitstelle um 21.54 Uhr: „Gebäude steht im Voll-brand, Nachbargebäude zündet durch, weitere FF erforderlich.“ Bereits ausgerückt sind zu diesem Zeitpunkt die Freiwilligen aus Huchting mit ihrem LF. Harald Meyer löst den Alarm auch für die FF Arsten aus. Flammen bedrohen auf Rückseite weitere Gebäude.

Auch auf der Gebäuderückseite schlagen Flammen aus den Fenstern aller Etagen. „Der Brand gewann schlagartig an Intensität“, erzählt Frank Lang, Zugführer der Wache 2. Er hielt hält das nächste anrückende Neustädter LF direkt an. „Wir mussten hinten unbedingt eine dreifache Riegelstellung schaffen: zu beiden angrenzenden Gebäuden, aber auch zur gegen-überliegenden Bebauung. Die Wärmestrahlung war enorm“, berichtet der Zugführer 2.

Die Kräfte brachten bringen einen Monitor und die DLAK mit dem Wenderohr in Stellung. Ein Feuerwehrmann mit Langzeitatmer steigt in den Drehleiterkorb und bediente das Wenderohr. „Außerdem nahmen wir ein C- und ein B-Rohr vor“, beschreibt Lang die ersten Maßnahmen. Vor dem Gebäude laufen gegen 22 Uhr Löschmaßnahmen über die Wenderohre von zwei Drehleitern, einen Monitor und zwei B-Rohre. In den beiden angrenzenden Gebäuden sind insgesamt drei Atemschutztrupps im Innenangriff eingesetzt. Sie versuchen, eine weitere Brandausbreitung zu verhindern. Die Dachstühle der beiden Häuser brennen lichterloh.

Um 22.03 Uhr trifft der Direktionsdienst Ronald Lengfeld ein, drei Minuten später erreicht Amtsleiter Karl-Heinz Knorr den Wall. Der Feuerwehrchef übernimmt die Einsatzleitung.
Gleichzeitig rücken auf der Rückseite die beiden Löschfahrzeuge der FF Huchting an. So kann dort eine zweite Wasserversorgung aufgebaut werden. Die Kameraden nehmen ein weiteres B- und ein C-Rohr vor. Außerdem bereiten sie die Einspeisung für die Drehleiter der Feuerwache 5 vor, welche kurze Zeit später die Einsatzstelle erreicht.

Vier Einsatzabschnitte werden gebildet

Auf der Vorderseite kämpfen sich Einsatzkräfte immer wieder die erhebliche Steigung am Wall hoch. Denn das Brandobjekt befindet sich am höchsten Punkt der Straße – bepackt mit B-Schläuchen und C-Schlauchtragekörben. Hier unterstützen unter anderem die Kameraden der FF Arsten und der FF Strom. Sie erweitern die Wasserversorgung von zwei Seiten. „Trotz des massiven Löscheinsatzes war die Wasserversorgung aus Hydranten zu jedem Zeitpunkt sichergestellt“, erklärt Alexander Zawidzki.

Es bestehen zirka 30 Minuten nach Eintreffen der ersten Kräfte vier Einsatzabschnitte (EA):

  • Der EA 1 umfasst die zentrale Brandbekämpfung des Hauptgebäudes von der Vorderseite – im Außenangriff mit B-Rohren, einem Monitor und über eine DLAK. Ein Innenangriff kann nur – und auch nicht durchgehend – im Erdgeschoss geleistet werden. Abschnittsleiter ist der Einsatzleitdienst Alexander Zawidzki.
  • Bela Renk führt den EA 2. Aufgabe hier sind die Löscharbeiten im Dachbereich und die Riegelstellung zum angrenzenden Gebäude von vorne links.
  • Die Brandbekämpfung im Dachbereich und Riegelstellung zum angrenzenden Gebäude von vorne rechts bilden die Maßnahmen im EA 3. Den Bereich führt Michael Steinbrink.
  • Auf der Rückseite, zunächst der Abschnitt von Frank Lang, bestehen die Aufgaben in der Brandbekämpfung des Hauptgebäudes sowie der Riegelstellung zu allen anderen gefährdeten Objekten.

Die Führung hier übernimmt nach den ersten Maßnahmen der Direktionsdienst Lengfeld.

Der Gerätewagen Atemschutz (GW-A) steht direkt in der Anfangsphase am Einsatzort zur Verfügung. Um 22.24 Uhr erreicht der Einsatzleitwagen (ELW) 2 den Wall. Im Minutentakt folgen die freiwilligen Feuerwehrleute des Fernmeldedienstes. Die Kameraden bringen den ELW mit der Kennung 1/12-1 am Rand des Einsatzortes in Stellung. Sie unterstützen den Einsatzleiter und die anderen Führungskräfte vor allem in der Dokumentation des Einsatzes. Durch die Firma Wesernetz werden das Brandobjekt und die beiden direkten Nachbarhäuser strom- und wasserlos geschaltet. Von der Leitstelle aus werden Rundfunkdurchsagen veranlasst, um die Bevölkerung vor der starken Rauchentwicklung in der Innenstadt zu warnen.

Innensenator live vor Ort

Während die Einsatzkräfte unter großer Belastung die Löscharbeiten vorantreiben, säumen Schaulustige die Böschung zu den Wallanlagen. So wird der Park auf der gegenüberliegenden Seite der Straße Am Wall genannt. Gegen 22.40 Uhr verschafft sich Bremens Innensenator Ulrich Mäurer einen Überblick an der Einsatzstelle. „Als ich den Brandort erreicht habe, war ich von dem Ausmaß des Feuers wirklich geschockt“, betont der Senator. „Ich fand den Einsatz der Feuerwehr umso beeindruckender, weil er trotz des Brandumfangs zielgerichtet und ohne Hektik ablief.“

Stolz stimmt Amtsleiter Knorr zu: „Das war tatsächlich herausragende Feuerwehrarbeit und ein sehr effektives Zusammenwirken von FF und BF.“ Als weitere Unterstützung für den EA 1 treffen um 22.45 Uhr Kameraden der FF Blockland ein. Sie übernehmen ein B-Rohr im Außenangriff.

Trupps der BF und der FF Huchting gehen unter Atemschutz im Erdgeschoss des Brandobjektes vor. Weit können sie nicht eindringen, die Stockwerke über ihnen stehen noch in Flammen. Aber es gelingt ihnen, das Feuer im Erdgeschoss einzudämmen

Im linken Nachbargebäude kontrolliert ein Atemschutztrupp ständig die Wände zum Brandobjekt und steht mit einem C-Rohr bereit, um bei einem Durchbrennen direkt löschen zu können. Angriffstrupps bekämpfen im ständigen Austausch im gleichen Gebäude den Dachstuhlbrand. Die extreme Hitzeentwicklung macht den Trupps zu schaffen. „Viele Personen sind an ihre Grenzen gegangen, einige sogar darüber hinaus“, betont der Feuerwehrchef. „Zahlreiche Kräfte sind drei und vier Mal mit Atemschutz im Innenangriff gewesen.“ Um 23.17 Uhr alarmiert Harald Meyer auf Anforderung der Einsatzleitung die Versorgungseinheit der FF Neustadt. Kameraden der Wehr werden mit einem Streifenwagen der Polizei mit Sonderrechten zurück zum Gerätehaus gebracht. Weitere Helfer fahren von zuhause den Standort an.

45-Meter-Mast von Daimler eingesetzt

In der Bekämpfung des Dachstuhlbrandes stellt sich die direkt vor dem Gebäude stehende DLAK 23/12 als nicht effektiv genug heraus. Nach einer Abstimmung mit dem Einsatzleitdienst und dem Zugführer 1 entscheidet Knorr, die Teleskopmastbühne (TMB) der Werkfeuerwehr Daimler anzufordern. Die TMB mit einer Rettungshöhe von 45 Metern trifft gegen Mitternacht am Einsatzort ein. Sie wird vor dem Gebäude in Stellung gebracht. Dafür müssen die Einsatzkräfte Schlauchleitung umlegen und zeitweise das zweite HLF der Wache 2 versetzen.

Es ist 0.25 Uhr, als Amtsleiter Knorr die Rückmeldung gibt: „Feuer in der Gewalt, Dauer der Brandbekämpfung unbestimmt.“ Die Gefahr einer weiteren Brandausbreitung ist gebannt. Die Brandwände im linken Nachbargebäude halten stand. Weiterhin schlagen immer wieder Flammen aus dem Brandobjekt nach vorne raus. Zunehmend gefährlicher wird der Innenangriff für die Kräfte im Dachgeschoss des linken Komplexes. „Zwischendurch schien es häufig so, dass der Dachstuhlbrand nahezu gelöscht wäre“, erzählt Zugführer Renk. „Doch dann flammte der Bereich immer wieder massiv auf.“

>>Die Feuerwehr Bremen<<

Die Löscharbeiten am Wall werden mit dem gleichen Personalansatz fortgeführt. Zu diesem Zeitpunkt sind über 130 Feuerwehrkräfte vor Ort. Weitere knapp 30 Freiwillige besetzen gleichzeitig zwei BF-Wachen. Bereits kurz nach Brandausbruch sind die FF Lehesterdeich und die FF Seehausen alarmiert worden, um die Feuer- und Rettungswache 1 beziehungsweise 4 zu besetzen. Im weiteren Einsatzverlauf besetzt die FF Osterholz noch die Wache 3.

Im Stadtteil Findorff müssen sich die Lehesterdeicher Zugang zu einer leerstehenden Wohnung in einem vierge-schossigen Mehrfamilienhaus verschaffen. Darin piept ein Rauchmelder. Wie sich herausstellt, hat der Rauchmelder aufgrund der Rauchentwicklung durch den Großbrand ausgelöst. Die Osterholzer müssen während der Wachbesetzung mit der DLK der Wache 3 zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage (BMA) des Einkaufskomplexes Berliner Freiheit im Stadtteil Vahr ausrücken. Am Einsatzort stellen die Kräfte fest, dass die Anlage aufgrund von Wasserdampf ausgelöst hat. Das Gebäude wird belüftet, die BMA wieder betriebsbereit geschaltet.

Am Wall können sich die Feuerwehrleute ab zirka 0.30 Uhr an der Versorgungsstelle mit Bockwürsten sowie kal-ten und warmen Getränken stärken. Zu diesem Zeitpunkt beginnt bereits die Planung der Ablösung für die Einsatzkräfte. Rund zwei Stunden später können die ersten Kräfte die Einsatzstelle verlassen.

Der stundenlange Einsatz erfordert zwei Ablösungen

Gegen 3.05 Uhr werden die Kräfte von Wache 2 durch Beamte der Wache 3 ersetzt. Die Kollegen der Wache 5 tauschen untereinander durch. Die HLF und DLAK bleiben an ihren Positionen stehen und in die Löscharbeiten eingebunden. Etwa zeitgleich rücken frische Kameraden an, um die eingesetzten Freiwilligen abzulösen. Zum Einsatz kommen die Wehren Burgdamm, Oberneuland, Lesumbrok und Grambkermoor. Die Ablösung findet während weiter andauernder Löscharbeiten statt. Nach wie vor wird auch der Dachstuhlbrand im linken Gebäude im Innenangriff bekämpft.

Insgesamt nimmt so auch der Austausch noch zirka 60 Minuten in Anspruch. Mittlerweile hat der frische Einsatzleitdienst Peter Fischer die Gesamteinsatzleitung übernommen. Zunächst entscheidet er, den Kräfteansatz in gleicher Stärke aufrecht zu erhalten. Die Feuerwehrleute setzen die Brandbekämpfung fort. Spürbar geht die Brandintensität zurück. Doch ein Ende ist auch gegen 6.45 Uhr nicht in Sicht. Zum Wachwechsel um 7 Uhr werden die eingesetzten Be-rufsfeuerwehr-Kräfte am Einsatzort ausgetauscht. Um auch die FF-Kameraden erneut ablösen zu können, alarmiert die Leitstelle die Einheiten aus Lehesterdeich und Seehausen. Sie haben erst drei Stunden zuvor die Wachbesetzungen aufgelöst. Doch beide Wehren zählen zu den neun tagesalarmsicheren FF. Dieser Zeitraum reicht von 7 Uhr bis 17 Uhr.

Unter der Führung von Einsatzleitdienst Stefan Warnken werden am Morgen verbleibende Glutnester gelöscht. „Immer wieder war an zwei Stellen des Daches noch Rauchentwicklung zu verzeichnen. Hier mussten die Nachlöscharbeiten weiterhin von einer Drehleiter und dem Gelenkmast erfolgen, weil das Dachgeschoss nicht begehbar war“, erzählt Warnken. „Weitere Glutnester befanden sich in einem schwer zugänglichen Zwischengeschoss und in dem verwinkelten Kellergeschoss. Diese Brandorte konnten nur im Innenangriff direkt angegangen werden.“

Am Vormittag fährt Warnken den Personalansatz runter. Für die FF Lehesterdeich und Seehausen ist gegen 10.45 Uhr Ein-satzende. Die Nachlöscharbeiten werden nun von den Kräften der Wachen 1, 2 und 5 fortgesetzt. Bis in den Nachmittag wechseln sich die Beamten mit HLF und DLAK ab. Um 16.10 Uhr gibt der Zugführer 2 erstmals die Rückmeldung „Feuer aus“, muss sie aber zirka 30 Minuten später revidieren. Kurz nacheinander kommt es im ersten und im zweiten Obergeschoss zu weiteren kleinen Bränden.

Um 17.09 Uhr ist es dann wirklich soweit: Feuer aus, nach 19,5 Stunden. Die Einsatzstelle wird an die Polizei übergeben. Gegen 21.20 Uhr rücken HLF und DLAK der FW 1 nochmal zum Wall aus. Die Kräfte stellen bei einer umfassenden Revision fest, dass die Einsatzstelle tatsächlich kalt ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sind zirka 215 Feuerwehrleute zum Einsatz gekommen.

2014 – Flugzeugabsturz in Bremen – Halle geht in Flammen auf

In Bremen ist im Sommer 2014 ein einmotoriges Kleinflugzeug abgestürzt. Dabei handelte es sich um eine “Saab 91B Safir”. Das Flugzeug stürzte unmittelbar nach dem Start, ganz in der Nähe des Flughafens, auf das Gelände eines Autohauses im Stadtteil Huckelriede. An Bord saßen zwei Menschen. Beide sind bei dem Flugzeugunglück ums Leben gekommen.

Offenbar war die Maschine schon beim Start gegen 12.47 Uhr von der Startbahn 09 in eine Notlage geraten. Per Funk hatte die Besatzung unmittelbar nach dem Abheben eine Notsituation und eine sofortige Rückkehr zum Flughafen angekündigt. Zeugen wollen beobachtet haben, wie das Flugzeug schon beim Aufsteigen unnatürlich getrudelt sei. Die Ermittlungen zur Unfallursache durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung dauern an.

Brand nach einem Flugzeugabsturz in Bremen. Foto: Nonstopnews
Brand nach einem Flugzeugabsturz in Bremen. Foto: Nonstopnews

Nach dem Absturz, der auch vom Tower aus beobachtet worden war, gerieten das Flugzeug und eine Lagerhalle mit Autoreifen sowie abgestellte Pkw in Brand. Das Ausmaß des Unglücks hätte noch schlimmer sein können: Nur wenige Meter neben dem Absturzort befindet sich eine dichte Wohnbebauung. Eine bis in die Bremer Innenstadt sichtbare Rauchwolke stieg an der Unglücksstelle auf, mehrere Explosionen sollen zu hören gewesen sein.

Die Flughafenfeuerwehr rückte mit je zwei Flughafenlöschfahrzeugen und Führungsfahrzeugen aus und traf als erste Einheit am Unglücksort ein. Die Kräfte begannen sofort mit einer umfassenden Brandbekämpfung.

Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst in Bremen

Von der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle wurden Einsatzkräfte aller sechs Berufsfeuerwehrwachen und die freiwilligen Feuerwehren aus Neustadt und Seehausen zur Einsatzstelle entsandt. Der Fernmeldedienst der freiwilligen Feuerwehr nahm mit einem Einsatzleitwagen eine technische Einsatzleitung in Betrieb um den Einsatz vor Ort zu koordinieren. Die Einsatzleitung übernahm der Amtsleiter der Feuerwehr Bremen. Zeitgleich wurde auch ein Großaufgebot des Rettungsdienstes alarmiert um die zunächst unklare Zahl an Verletzten gegebenenfalls versorgen zu können. Dazu gehörten der Organisatorische Leiter Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr, der Leitende Notarzt und Rettungsmittel aller Hilfsorganisationen in Bremen.

Die weiterführende Brandbekämpfung fand über mehrere Schaumrohre, unter anderem über zwei Drehleitern, statt. Um 14.31 Uhr meldete der Einsatzleiter das “Feuer in der Gewalt” und um 14.58 Uhr “Feuer aus”. Durch die Hitzeeinwirkung drohte das Lagergebäude nach Einschätzung eines Statikers einzustürzen.

Insgesamt waren 120 Einsatzkräfte mit 49 Fahrzeugen direkt am Einsatz beteiligt. Zur Sicherstellung der Gefahrenabwehr im Stadtgebiet wurden die freiwilligen Feuerwehren aus Lehesterdeich und Blumenthal zur Besetzung der Berufsfeuerwehrwachen 1, 2, 5 und 6 alarmiert. Die alarmierten Rettungsmittel wurden zentral auf der Feuerwache 1 vorgehalten. Die Polizei brachte 150 Beamte zum Einsatz, die das Areal unter anderem auch großräumig absperrten.

2011 – Über 500 Einsätze nach Starkregen

Am 4. August 2011 flutete Starkregen die Hansestadt Bremen: Bis zu 45 Liter Wasser pro Quadratmeter in der Stunde konnten die Kanäle nicht verkraften. Die Feuerwehr rückte zu über 500 Einsätzen aus. Auch das Technische Hilfswerk leistete Unterstützung.

Kein Durchkommen mehr. Foto: NonstopnewsAls einige freiwillige Feuerwehren gegen 7.25 Uhr alarmiert wurden, ahnte vermutlich keiner der Aktiven, dass sie etwa zehn Stunden im Einsatz sein würden. Zunächst rückten Kräfte der so genannten “tagesalarmsicheren Wehren” und ein Großaufgebot der Berufsfeuerwehr aus. Es galt Keller auszupumpen und Unterführungen zu räumen. Besonders stark betroffen waren der Innenstadtbereich sowie die Stadtteile Findorff, Walle, Schwachausen, Östliche Vorstadt und Neustadt.

Die FF Lehesterdeich musste ihre erste Einsatzfahrt zu einem vollgelaufenen Keller unterbrechen. In einer Unterführung in der Parkallee waren drei Fahrzeuge von Wasser eingeschlossen. Die jeweiligen Fahrer konnten die Pkw mit Unterstützung der Einsatzkräfte verlassen.

Auch andere Einsatzfahrten der Wehren stellten sich schwierig dar. In fast jeder Unterführung stand das Wasser meterhoch. Die Lehesterdeicher wählten dann einen anderen Weg in die Innenstadt. Sie pumpten am Vormittag unter anderem Wasser aus dem Keller des Amtssitzes der Senatorin für Finanzen. Hier war Wasser in die Fahrstuhlschächte und den Paternoster gelaufen.

Keine Pause für Einsatzkräfte

Die Telefone in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle standen nicht mehr still. Ohne Pause disponierten die Beamten Einsätze und gewährten auch den Kräften maximal 30 Sekunden zum Verschnaufen zwischen dem Status “Einsatzbereit” und “Einsatzauftrag übernommen”. Während bei Aufträgen zum Kellerpumpen in der Vergangenheit zumeist zehn Zentimeter hohe Wasserstände gemessen worden waren, hatten die Einsatzkräfte es am Donnerstag häufig mit Wasserständen von 20 bis 30 Zentimeter zu tun.

Auch die Hauptfeuerwache Am Wandrahm war betroffen. Hier mussten ebenfalls Kellerräume mit Tauchpumpen und Wassersaugern ausgepumpt werden.

Als “punktuelles Phänomen” bezeichnete ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes die starken Regengüsse zentral über der Hansestadt. “So etwas habe ich noch nie erlebt”, betonte Feuerwehr-Sprecher Michael Richartz. “Es handelte sich nach unseren ersten Erkenntnissen um die höchste Zahl von Einsätzen im gleichen Zeitraum, die wir je hatten.” Erst am späten Abend, gegen 23 Uhr, entspannte sich die Lage. (Foto: Nonstopnews)

2009 – Lagerhallenkomplex in Vollbrand

Das Einsatzstichwort lautet zunächst „brennende Einrichtungsgegenstände“. Doch letztlich zerstört der Brand einen Hallenkomplex von 400 mal 200 Meter Größe. Die Bremer Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Wir berichten, wie es zu der ungeheuren Brandausbreitung gekommen ist.

Es ist Montag, der 26. Oktober 2009. Bei Nieselregen und leichtem Wind. Zwischen 9.45 Uhr und 10 Uhr werden die Wehren Blockland, Lehesterdeich, Neustadt, Schönebeck sowie der Fernmeldedienst zu einem Einsatz in den Industriehafen alarmiert. Schon während der Alarmfahrt sehen die Kräfte, dass es sich nicht um einen alltäglichen Brand handelt. Eine riesige Rauchwolke steigt über dem Hafengebiet hoch.

Um 9.32 Uhr ist der erste Notruf in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle Bremen eingegangen. Ein Mitarbeiter des holzverarbeitenden Betriebes Finnforest hat einen Brand von Einrichtungsgegenständen gemeldet. Daraufhin entsendet der Disponent ein Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) der Feuerwache 5 gemäß dem Einsatzstichwort „b1“. In den folgenden Minuten erreichen die Leitstelle rund 70 weitere Notrufe. Zudem meldet der Fahrzeugführer des HLF kurz nach dem Ausrücken eine starke Rauchentwicklung und fordert umfangreiche Verstärkung an.
Beim Eintreffen der ersten Kräfte brennt bereits ein Brandabschnitt eines 400 mal 100 Meter großen Hallenkomplexes. Getreide, Holzpellets, zwei Traktoren sowie eine Mischanlage stehen in Flammen. Das Tonnendach fängt Feuer.

Großbrand im Hafen. Foto: Feuerwehr Bremen

Andreas Köhler von der Feuerwehr Burgdamm arbeitet zu der Zeit im Hafengebiet und beobachtet die Brandausbreitung. „Ich habe zuerst im Augenwinkel eine leichte Rauchentwicklung gesehen und hörte von weitem ein Löschfahrzeug anrücken“, berichtet Köhler. „Binnen zwei Minuten entstand eine riesige Rauchwolke und Flammen schlugen aus der Halle.“

Alarmierungen im Minutentakt

Gleich nach der Rückmeldung vom erstausgerückten HLF hat die Leit-stelle den Einsatzleitdienst (ELD), ein weiteres HLF, ein Tanklöschfahrzeug TLF 24/50, eine Drehleiter, einen Gerätewagen-Atemschutz, ein Feuerlöschboot sowie einen Rettungswagen alarmiert. Unmittelbar danach wird auch der Direktionsdienst verständigt.

Im Minutentakt gehen weitere Alarmierungen raus an:

  • ein TLF 24/50;
  • das Wasserfördersystem;
  • zwei Drehleitern;
  • einen Rettungswagen;
  • einen Abrollbehälter Schlauch.

Die freiwilligen Feuerwehren rücken im ersten Abmarsch mit fünf Löschgruppenfahrzeugen (LF), dem Lehesterdeicher Anhänger mit Schaum-Wasser-Werfer sowie mehreren Personen des Fernmeldedienstes aus. An der Einsatzstelle übernehmen die Fernmelder die Technische Einsatzleitung, die von Feuerwache 2 angerückt ist. Um 9.52 Uhr bestätigt Ulrich Fincke, als Einsatzleitdienst vor Ort, in seiner Rückmeldung: „Es brennen drei Hallen in voller Ausdehnung.“ Nur sechs Minuten später meldet er: „Feuerüberschlag über eine Brandwand hinweg, weitere Ausbreitung möglich.“

„Begünstigt durch den starken Südwest-Wind breitet sich das Feuer sehr rasch über das Dach bis zum Bereich A1 aus“, berichtet Rolf Büsching, der als Direktionsdienst um 9.59 Uhr die Einsatzleitung übernimmt. „Ganz wichtig war es anfangs, das Übergreifen des Feuers auf ein an-grenzendes Bürogebäude und eine weitere Lagerhalle zu verhindern.“

Ein Innenangriff ist aufgrund der Einsturzgefahr schon nicht mehr möglich. Die Kräfte der Feuerwache 5 haben einen Außenangriff mit zwei Monitoren und zwei Hilfsmonitoren eingeleitet sowie mit einem Wenderohr über eine Drehleiter eine Riegelstellung zu einer Brandwand aufgebaut. Die nachrückenden Einsatzkräfte kühlen zunächst einen 2.500-Liter-Dieseltank in unmittelbarer Nähe der Hallen.

Gefahrguteinsatz in Bremen: Fünf Verletzte, über 100 Kräfte

Die freiwilligen Feuerwehren Lehesterdeich und Blockland unterstützen die BF beim Aufbau einer Wasserversorgung und verstärken die Riegelstellung zu nebenstehenden Gebäuden. „Es war beeindruckend, wie die brennenden Teerpappenteile durch die Luft flogen“, beschreibt Heiko Lürssen, Wehrführer der FF Lehesterdeich, seinen ersten Eindruck. „Wie ein abbrennendes Feuerwerk“

Zur Löschwasserversorgung dient zunächst das städtische Hydrantennetz. Kurz nach 10 Uhr bringt die FF Neustadt das Wasserfördersystem in Stellung – bestehend aus einem Motorpumpenaggregat, einer hydraulischen Tauchpumpe mit Schwimmkörper sowie F-Druckschläuchen und entsprechenden Armaturen. Dadurch wird die Einsatzstelle mit 5.000 Liter Wasser in der Minute bei 8 bar versorgt. Über drei B-Stern-Verteiler mit je fünf Abgängen speist das Wasserfördersystem Monitore und Tanklöschfahrzeuge ein. Trotz der umfassenden Löschmaßnahmen kann die Feuerwehr eine Brandausbreitung nicht verhindern. „Das Feuer breitet sich über die Dachkonstruktion aus“, erzählt Büsching. „Die Brandwände sind fast ohne Wirkung.“

Bahndamm in Flammen

Zudem gerät durch den Funkenflug die Böschung eines nahe gelegenen Bahndammes in Brand. Umgehend veranlasst der benachrichtigte Notfallmanager der Deutschen Bahn die Sperrung der Gleise für die Dauer der Löscharbeiten – auch aufgrund der Sichtbehinderung durch den Brandrauch. Speziell dafür alarmiert die Leitstelle die FF Schönebeck aus Bremen-Nord mit dem Einsatzstichwort „Böschungsbrand“. Dieses Feuer jedoch löscht die FF Lehesterdeich, sodass die Schönebecker direkt mit in den Großeinsatz eingebunden werden können. Fast ohne Unterbrechung muss die Leitstelle weitere Einsatzkräfte und -mittel zur Louis-Krages-Straße entsenden. Darunter sind unter anderem:

  • Kräfte der FF Timmersloh und Blumenthal mit zwei Tanklöschfahrzeugen und zwei Löschfahrzeugen;
  • die Versorgungsgruppe der FF Neustadt mit dem Gerätewagen-Versorgung und dem Abrollbehälter-Betreuung;
  • Kameraden der FF Neustadt mit einem Abrollbehälter-Schaummittel;
  • der Fachberater GSG (Gefährliche Stoffe und Güter) mit dem Einsatzleitwagen Umweltschutz;
  • die ABC-Einheiten Blumenthal und Neustadt mit zwei Messfahrzeugen.

Auch Bremens Leitender Branddirektor Karl-Heinz Knorr verschafft sich frühzeitig vor Ort einen Überblick über die Lage.

Wasser aus allen Rohren

Um 11.05 Uhr trifft das Bremer Feuerlöschboot ein. Nach dem Aufbau der B-Schlauchleitungen fördern die Pumpen des Bootes 15.000 Liter Wasser pro Minute an und in die Einsatzstelle. Das Löschboot speist alleine sechs Monitore: zwei feste Monitore auf dem Boot, zwei mobile Monitore sowie zwei TLF-Monitore. Damit sind jetzt ein C-Rohr, sieben B-Rohre, zwei Hilfsmonitore, sechs Monitore, drei Drehleiterwenderohre sowie vier TLF-Monitore für den massiven Löschwassereinsatz und die Riegelstellung zu den nebenstehenden Gebäuden eingesetzt.
„Die Löschfahrzeuge waren fast ausverkauft“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Richartz. Vorsorglich hat die Einsatzleitung bereits gegen 10 Uhr den Abrollbehälter-Schlauch von Feuerwache 6 und somit weitere 2.000 Meter Schlauchmaterial an die Einsatzstelle beordert.

Für die bessere Aufgabenverteilung hat die Feuerwehr Bremen drei Einsatzabschnitte gebildet. Den Brandabschnitt „Wasserseitig“ übernimmt der Einsatzleitdienst, den Brandabschnitt „Landseitig“ der Direktionsdienst. Zusätzlich leitet der Fachberater GSG den Bereich „Messen“. Die FF Blumenthal und Neustadt sowie die BF führen Messungen bezüglich der Schadstoffbelastung des Brandrauches durch – an der Einsatzstelle und im Stadtteil Gröpelingen. „Wir haben an einer Stelle eine erhöhte Konzentration an Salzsäure nachgewiesen, die über dem zulässi-gen Wert an Arbeitsplätzen lag“, berichtet Feuerwehr-Chef Knorr gegenüber Radio Bremen. „Wir wollten einfach niemanden einem Risiko aussetzen.“ Die Polizei fährt daraufhin durch die Wohngebiete und fordert die Bewohner auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auch Radio-Meldungen weisen auf die Schadstoffbelastung hin.

Zur Erkundung abgehoben

Gegen Mittag zeigt der massive Löschwassereinsatz seine Wirkung. Um 12.53 Uhr ist das „Feuer in der Gewalt“. Kurz danach bekommt ELD Ulrich Fincke einen besonderen Blick über die Einsatzstelle. Er hebt mit dem ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 6 ab und betrachtet die Einsatzstelle von oben. „Aus der Luft war das ganze Ausmaß des Brandes zu erkennen“, erzählt Fincke. „Die Hallendächer liegen in Schutt und Asche. In der ersten Halle konnte ich deutlich zwei große Brandherde erkennen.“ Der Erkundungsflug führt ihn bis weit über Bremens nordöstliche Grenze hinaus. „Der Rauch zog fast bis Neu St. Jürgen“, sagt Fincke. Das liegt über 20 Kilometer weit entfernt vom Einsatzort. Wegen des Brandrauches informiert die Bremer Leitstelle die Kollegen des Landkreises Osterholz (NI).

Erst am frühen Nachmittag nimmt die Rauchentwicklung ab. Die Feuer-wehr bekommt den Brand mehr und mehr in Griff. Die Riegelstellung zu den Nachbargebäuden kann reduziert werden.
Zwei Statiker vom Bauordnungsamt geben vor Ort ihre Einschätzung ab, welche Gebäudeteile weiterhin einsturzgefährdet sind. Die Rückmeldung lautet: die Stirnwand Wasserseite muss um vier Meter abgetragen und die Doppel-T-Träger in dem Bereich müssen entfernt werden.

Ohne FF ging es nicht

Mit firmeneigenen Radladern und Geräten des Technischen Hilfswerks wird das Brandgut umgeschichtet und durch Feuerwehrkräfte gezielt ab-gelöscht. Als erste Ablösung bei den freiwilligen Feuerwehren rückt die FF Farge gegen 16.30 Uhr an.

Für die fortführenden Löscharbeiten kommen die Wehren Grambkermoor, Lesumbrok, Huchting, Strom und Borgfeld zum Einsatz. Zusätzlich besetzen rund um die Uhr mindestens zwei Fernmelder die Technische Einsatzleitung. Die FF Schönebeck löst am frühen Abend die FF Neustadt beim Wasserfördersystem ab. Dafür bleibt die Versorgungseinheit der Neustädter bis in die Nacht an der Einsatzstelle und gibt Suppe, Würstchen und Getränke an die Kräfte aus.

Die Feuerwehr Bremen

„Im anfänglichen Einsatzverlauf sind direkt sechs Feuerwehren mit Löschfahrzeugen, Wasserwerfern und Tanklöschfahrzeugen eingesetzt worden“, betont FF-Bereichsführer Marcus Schleef. „Im Verlaufe des Einsatzes unterstützten weitere neun Wehren die Arbeit vor Ort und nahmen diverse Sonderaufgaben wahr: Fernmeldedienst, Wasserfördersystem, Versorgung, Schadstoff-Messungen.“

Um 4.05 Uhr in der Nacht zum Dienstag gibt der Einsatzleitdienst dann die Rückmeldung „Feuer aus“. Am nächsten Morgen beginnen die Abbrucharbeiten, mit Unterstützung eines Longfront Baggers der Firma Heit-mann. Immer begleitet von einer Brandwacht, bestehend aus einer HLF-Besatzung der Berufsfeuerwehr und mindestens einer Staffel einer FF. Zunächst ist die FF Vegesack im Einsatz, als Ablösung rücken erneut die Lehesterdeicher an. Die Kräfte kommen auch tatsächlich noch mal zum Einsatz. Gegen 14 Uhr flackern vier Glutnester auf, die mit drei C-Rohren schnell abgelöscht werden.

Direktionsdienst Rolf Büsching kann die Leitstelle schließlich um 17 Uhr informieren, dass die Einsatzstelle „kalt“ ist. Die Mannschaft vor Ort nimmt Geräte und Material zurück und räumt nach und nach das Gelände. Die FF Huchting erhält noch einen Spezialauftrag. Die Kameraden bestücken gemeinsam mit Kräften der Feuerwache 4 das Feuerlöschboot mit Material, um dessen Einsatzbereitschaft wieder herzustellen.

Die Überprüfung der Einsatzstelle übernehmen die Kräfte von Feuerwache 5. Bei einer Kontrolle um 21.29 Uhr müssen sie noch mal ein C-Rohr zum Löschen eines Glutnestes vornehmen. Das Prozedere wiederholen die Feuerwehrbeamten dann noch mal am folgenden Tag gegen 19 Uhr. Zwischendurch begleitet die Feuerwehr die Abrissarbeiten. Am Mittwoch um 22.16 Uhr meldet der Zugführer von Wache 5 den Einsatzabschluss.

Drei Feuerwehrleute leicht verletzt

Der Einsatz war sowohl personell, mit insgesamt etwa 300 Einsatzkräften über zweieinhalb Tage verteilt, als auch vom Material her sehr umfangreich. Neben den bereits aufgeführten Pumpen, Monitoren und Rohren setzte die Feuerwehr große Mengen an Gerätschaften ein:

  • zehn F-Schläuche;
  • 250 B-Schläuche;
  • 53 C-Schläuche;
  • 15 Verteiler;
  • 80 Atemschutzgeräte.

Bei dem Einsatz erlitt ein Feuerwehrbeamter eine leichte Rauchgasvergiftung und eine Kameradin der FF Lehesterdeich eine Bänderdehnung. Beide mussten mit Rettungswagen in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht werden.

Trotz aller Umstände sprach Pressesprecher Michael Richartz in Bezug auf den Großeinsatz von „Glück im Unglück“. „Wenn die Hallen komplett befüllt gewesen wären, hätten wir da tagelang was von gehabt“, so Richartz. „Auch der Schutz der Nebengebäude wäre ein großes Problem geworden.“ Aber auch so entstand ein Schaden von rund 14 Millionen Euro. „Die Brandlast in den Hallen war dennoch sehr hoch. In Kombination mit dem Wind breitete sich das Feuer rasend schnell aus“, ergänzt Richartz. „Aber die Gefahr für die Einsatzkräfte und umliegende Gebäude hätte eben noch weitaus größer sein können.“

2008 – Elf Tage im Einsatz bei Silobrand

Feuer in einem Kraftwerk in Bremen. Ein Schwelbrand und mehrere Explosionen zerstören ein Kohlesilo. Immer wieder tauchen neue Probleme auf. So dauert der Einsatz elf Tage.

Es ist Sonntag, der 12. Oktober 2008. Um 10.44 Uhr läuft in der Schaltwarte des Kraftwerkes im Bremer Stadtteil Hastedt die Brandmeldeanlage auf: Rauchentwicklung oberhalb von Kohlesilo 4. Das Personal der swb AG (vormals Stadtwerke Bremen) erkundet und meldet der Feuerwehr Bremen um 10.56 Uhr einen „Schwelbrand im Kohlesilo“. Das bedeutet für die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle: Einsatzeröffnung unter Einsatzstichwort „B2“, unklare Feuermeldung. Die Beamten alarmieren den Löschzug der BF-Wache 2, bestehend aus zwei Hilfeleistungslöschfahrzeugen und einer Drehleiter, den Einsatzleitdienst (ELD), einen Rettungswagen, den Gerätewagen-Atemschutz und die FF Bremen-Arsten.

Der Löschzug der Feuerwache 2 trifft um 11.03 Uhr an der Einsatzstelle ein, unmittelbar gefolgt vom ELD. Die erste Rückmeldung lautet: Rauchentwicklung im Bereich der Kohleverteilungseinrichtungen oberhalb der Silos 1 bis 4, Schwelbrand im Silo 4. Darin lagern nach Angaben des Kraftwerkbetreibers 2.677 Tonnen Kohle. Das entspricht rund 220 voll beladenen Güterwaggons. Das Silo hat einen Durchmesser von rund 17 Metern und ist 32 Meter hoch.

„Eine Selbsterwärmung von Kohle in einem Silo ist nichts Ungewöhnliches“, erklärt Oliver Iden, als Direktionsdienst der Feuerwehr Bremen und später Gesamteinsatzleiter vor Ort. „Eingelagerte Kohle neigt unter bestimmten Lagerungs- und weiteren äußeren Einflüssen zur Selbsterwärmung. Bei Erreichen hoher Temperaturen kann ein Schwelbrand entstehen. Der zeitliche Verlauf des Erwärmungsprozesses hängt hierbei von vielen Faktoren ab – unter anderem die Zusammensetzung der eingelagerten Kohle.“

Mehrere Trupps mit Atemschutzgeräten und C-Rohren bauen eine Riegelstellung im Be-reich der Kohleverteilbänder auf. Zur Schwelbrandbekämpfung aktiviert die Feuerwehr die ortsfeste Schaumlöschanlage, so wie es die betrieblichen Notfallplanungen vorse-hen. Diese beschäumt die Kohle im Silo 4. Parallel führt die Feuerwehr kontinuierlich Schadstoff-Messungen im Umfeld des Kohlesilos durch. Die Werte weisen auf keinerlei bedenkliche Schadstoffe oder eine explosionsfähige Atmosphäre hin.

Brennendes Silo wird geleert

Um 17 Uhr beginnt die Entleerung des brennenden Silos. Mittels Extromaten, einem speziellen Siloaustragesystem, und Auslauftrichter gelangen bis zu 180 Tonnen pro Stunde auf den mit einer Sprühwasserlöschanlage versehenen Förderbändern ins Freie. „Wir entleeren das Silo bis wir die im Siloinneren vermuteten Schwelbrandnester er-reichen, um diese Kohle dann ebenfalls kontrolliert austragen zu können. Die Kohle wird dann an einem Zwischenlagerplatz abgelöscht“, beschreibt Iden den Vorgang. Diese Vorgehensweise ist bereits bei ähnlichen Ereignissen in der Vergangenheit sicher durchgeführt worden.

Im Laufe des Sonntags beginnt die Rotation der BF-Löschzüge und der eingesetzten freiwilligen Feuerwehren, da über den gesamten Zeitraum der Siloentleerung eine Brandwache notwendig ist. In den folgenden Tagen werden die Kräfte vor Ort alle sechs bis acht Stunden abgelöst. Rund um die Uhr sind durchschnittlich 26 Feuerwehrleute vor Ort – mindestens ein Löschzug der BF und eine Staffel einer freiwilligen Feuer-wehr. Zudem der Direktionsdienst und der Einsatzleitdienst. „Auch wenn die tatsächlich anwesende Stärke je nach aktueller Lage schwankte, bedeutete dies eine sehr gro-ße personelle und organisatorische Herausforderung. Alle 18 Wachabteilungen der Berufsfeuerwehr, 19 von 20 freiwilligen Feuerwehren und der Fernmeldedienst waren in diesen Einsatz eingebunden“, berichtet Karl-Heinz Knorr, Bremens Leitender Branddirektor. Bis zum Montagmorgen (13. Oktober) deutet nichts darauf hin, dass sich die Lage im weiteren Einsatzverlauf verschärfen könnte.

Mehrere Explosionen verschärfen die Lage

Am Montagmorgen kommt es um 7.15 Uhr plötzlich zu einer Explosion. Die Einsatzkräfte gehen in Deckung. „Wir hörten ein lautes dumpfes Grollen. Danach war die komplette Silodecke weg“, berichtet Jens Spriewald von der FF Bremen-Blumenthal. Die Freiwilligen sind kurz vorher gegen 7 Uhr im Kraftwerk eingetroffen. Ihre Aufgabe lautet, als Ablösung für einrückende Einsatzkräfte gemeinsam mit dem Löschzug der Feuerwache 2 den Kohleaustrag zu überwachen.

Sämtliche Kohleverteilbänder und die Schaumlöschanlage oberhalb des Silos werden durch die Explosionsdruckwelle zerstört. Trümmerteile beschädigen auch die nebenste-hende Kohleförderanlage. Grund der Explosion: Durch den fortgeschrittenen Schwelbrand haben sich Schwelgase im Freiraum oberhalb der Kohleschicht angesammelt, angereichert und vollkommen unbemerkt eine Ex-Atmosphäre geschaffen. Das Problem: Die Feuerwehr hat bis dahin nicht einschätzen können, welche Brandintensität im Inneren des Silos vorgeherrscht hat.

Die Explosion zieht keinen Folgebrand nach sich. Dennoch werden Einsatzkräfte nach-gefordert, um vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen zu treffen:

  • Kühlmaßnahmen der Außenwände durch drei Wasserwerfer,
  • erweiterte messtechnische Überwachung unter Einsatz mehrerer CO- und Ex/Ox-Messgeräte und
  • Aufbau einer umfassenden Löschwasserversorgung.

Kurz nach der Explosion alarmiert die Leitstelle auch den Fernmeldedienst der Feuerwehr Bremen, bestehend aus Aktiven der freiwilligen Feuerwehren. Die Kameraden stellen vor Ort die technische Einsatzbereitschaft des Einsatzleitwagens 2 für die Einrichtung der Technischen Einsatzleitung her.

Die Verantwortlichen der Feuerwehr Bremen bilden mit den Anlagenzuständigen der swb einen Krisenstab. „Die Explosion war für uns ein Knackpunkt im Einsatzverlauf“, berichtet Marlene Odenbach, swb-Pressesprecherin. Die Verantwortlichen entscheiden sich unter Einsatz eines Abrissbaggers, eine Entleerungs- und Expansionsöffnung zu schaffen. So kann zum einen die Kohle abgetragen und in kleineren Mengen abgelöscht werden. Des Weiteren dient die Öffnung auch als Gegenmaßnahme zur Wärmeausdehnung. Vor dem Einsatz des Baggers fahren swb-Kräfte zur Überwindung der Höhenunterschiede mit Radladern eine zirka sechs Meter hohe Rampe auf. Die Feuerwehr entleert zunächst über den Extromat weiterhin das Silo.

Einsatzleiter Iden erklärt, warum die Feuerwehr den Schwelbrand nicht mit Löschwasser bekämpft: „Uns erschien das Risiko zu groß. Wir wollten nicht mit Löschmitteln experimentieren. Gerade der Einsatz von Löschwasser erzeugt in Silos mit brennender Kohle gefährliche Reaktionen.“

In der Nacht zum Dienstag wird das Förderband durch den dauerhaften Betrieb und die thermische Belastung zerstört. Einsatzkräfte löschen den hier entstandenen Brand. Gegen 4.30 Uhr trifft der Spezialbagger ein und wird in Stellung gebracht. Dann der nächste Rückschlag. Um 12 Uhr kommt es wieder zu einer starken Explosion. Diesmal ist unterhalb des Silos eine Ex-Atmosphäre entstanden. Unterhalb des Schaumteppiches hat sich die Pyrolysegasentwicklung fortgesetzt. „Aufgrund der Druckverhältnisse konnten die Pyrolysegase nicht mehr nach oben entweichen, sondern strömten entgegen der natürlichen Abströmrichtung durch die Kohleschicht nach unten und traten unbemerkt durch die Extromatenöffnung aus“, erklärt Oliver Iden. „Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Wasseranteil aus dem Schaum zusätzlich zu einer Wassergasentstehung geführt hat.“ Trümmerteile stürzen herab und zerstören unter anderem einen Überflurhydranten. Dadurch wird die Löschwasserversorgung lahm gelegt, weil der Hydrant nicht separat abgeschiebert werden kann. Die Einsatzkräfte verlegen die Schlauchleitungen zum bereits nachgeforderten Feuerlöschboot. Ab jetzt kommt das Löschwasser aus der Weser. Die Feuerwehrleute haben großes Glück – niemand wird verletzt.

Dienstag, 14 Uhr. Die swb entschließt sich nach Beratung mit der Feuerwehr, den Kraftwerkblock 15 komplett abzuschalten. Erhöhte CO-Werte führen dazu, dass der betroffene Kraftwerkblock geräumt und abgeschaltet werden muss. „Hierdurch entstanden keine Auswirkungen für die Energieversorgung der Stadt“, versichert Odenbach. „Wir haben in der Zwischenzeit die ausbleibende Energie von anderen Anbietern dazugekauft.“

Ex-Gefahr in Silo 1

Die Lage spitzt sich zu. In Silo 1 lagern weitere 3.400 Tonnen der gleichen Liefe-rung wie in Nummer 4. Messtechnische Prüfungen bestätigen den Verdacht, dass auch in Silo 1 eine erhöhte Schwelbrandgefahr besteht. Zudem befinden sich in Silo 2 noch einmal 3.400 Tonnen und in Silo 3 weitere 1.200 Tonnen Steinkohle mit einer Zündtempe-ratur von ca. 250 Grad Celsius. Für die Feuerwehr ist jetzt klar: Wir müssen alle Silos zunächst gegen die Wärmestrahlung schützen und dann leeren. In den Übergangsbe-reichen bauen die Einsatzkräfte Sandsackbarrieren als Dämmschutz gegen Durchzündungen auf. Zur Entleerung werden provisorische Bandförderstrecken unterhalb der Silos eingerichtet.

Wegen der sich anbahnenden Ex-Gefahr wird durch Förderschläuche von oben Argon-Gas in Silo 1 geleitet. Durch die sogenannte Inertisierung verhindert die Feuerwehr den befürchteten Schwelbrandverlauf. „Argon ist schwerer als Luft, durchdringt das Silo nach unten hin und verhindert somit, dass sich oberhalb des Silos eine zündfähige Schwelgas-Luftgemisch bildet“, erläutert Iden.

In den folgenden fünf Tagen stellt sich die Einsatzlage sehr komplex da:

  • Der Abrissbagger schafft die Entleerungsöffnung in Silo 4. Dies ist sehr zeitintensiv.
  • Unter kontinuierlicher Beigabe von Argon genießt die Entleerung von Silo 1 oberste Priorität.
  • Nach dem gleichen Prinzip wird auch die Kohle aus den Silos 2 und 3 ausgefahren, um eine Schwelbrandenstehung durch die Wärmestrahlung aus Silo 4 zu vermeiden.

Ein „Longarm-Bagger“ setzt den Kohleaustrag aus Silo 4 fort. Zwei Monitore kühlen zusätzlich von unten die Außenwände. Die ausgetragene Kohle wird an dem Zwischenla-gerplatz mit Straßenwalzen gewalzt und mit Wasser abgelöscht. Mittlerweile dauert der Einsatz schon eine ganze Woche. „Für die Freiwilligen wurde der Einsatz mit zunehmen-der Dauer logistisch problematisch“, sagt Marcus Schleef, Bereichsführer für die FF in Bremen. „Nur acht Wehren sind in der Tagesalarmierung, sprich von 7 bis 17 Uhr verfügbar. So wurde die Rotation am Tage zu einer ständigen Absprache innerhalb der Feuerwehr, aber auch mit den Arbeitgebern. Zudem sicherten die Fernmelder den Betrieb der TEL – trotz Personalmangels rund um die Uhr mindestens zu zweit.“

Jetzt hilft nur der massive Löschwassereinsatz

Am zweiten Montag, acht Tage nach Einsatzbeginn, werden durch den Bagger gegen 18 Uhr große Schwelbrandnester freigelegt. Aufgrund der Sauerstoffzufuhr nimmt die Brandintensität zu. Das ist der „point-of-no-return“, die direkte Konfrontation mit dem Schwelbrand. Zu dem Zeitpunkt befinden sich noch rund 700 Tonnen Steinkohle im Silo 4. Sofort werden die Baggerarbeiten gestoppt. Der Einsatzleiter entscheidet sich für einen massiven Löschwassereinsatz und fordert Verstärkung an. Unter anderem den Abrollbehälter-Wasserförderung. Dieses Wasserfördersystem besteht aus einem Duocontainersystem. Der eine Container beinhaltet die Pumpe während in dem anderen die not-wendigen Gerätschaften und Schläuche zur Wasserförderung gelagert sind. Durch F-Druckschläuche werden 5.000 Liter Wasser in der Minute bei 4,5 bar bis hin zur Einsatzstelle gefördert. Zur Wasserentnahme aus der Weser dient eine hydraulische Tauch-pumpe mit Schwimmkörper. In der Nacht bedient nun die FF Neustadt diese Einheit. Am frühen Morgen löst die FF Schönebeck die Neustädter ab.

Jetzt gilt es: Brandbekämpfung mit Wasser im maximalen Umfang. Über fünfzig Feuerwehrleute sind im Einsatz. Dafür setzen die Kräfte zwei Wasserwerfer auf Tanklöschfahrzeug (TLF) 24/50, einen Wasserwerfer auf TLF 20/40, drei Wasserwerferanhänger und zwei Monitore ein. Der Teleskopmast der Werkfeuerwehr Mercedes-Benz rückt an und löscht von oben mit einem weiteren Monitor. Zeitweise fließen 20.800 Liter Löschwasser in der Minute – gefördert durch Feuerlöschboot und Wasserfördersystem.

Es kommt bis kurz vor Mitternacht immer wieder zu Wassergas- und Schwelgasverpuffun-gen. Doch die Löschmaßnahmen greifen und die Brandintensität geht gegen 23 Uhr zu-rück. Große Mengen Löschwasser dringen durch die Kohleschicht und bilden unterhalb ein Wasserpolster. Das Wasser kühlt die schwelende, erhitzte Kohle von unten. Das von oben durchsickernde Löschwasser entzieht dem Brand durch Verdampfen die Wärmeenergie. Um 1.10 Uhr ist das „Feuer in der Gewalt“, es sind keine offenen Flammen mehr erkenn-bar, die Dampfentwicklung geht zurück.

Die Feuerwehr Bremen

Am Dienstagmorgen werden die Baggerarbeiten fortgesetzt. Zwischenzeitlich unterbrechen die Feuerwehrleute den Kohleaustrag mit Löschwassereinsätzen. Das ganze in einem Zwei-Stunden-Modus. Keine Zwischenfälle mehr, Aufatmen bei Oliver Iden und den Ver-antwortlichen der swb. Am Mittwoch, dem 22. Oktober, nach rund 243,5 Einsatzstunden heißt es endlich: „Feuer aus!“
Elf Tage im Einsatz. Das schweißt zusammen. Marlene Odenbach spricht von einer „partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ von swb und Feuerwehr. Ein Beispiel dafür: Die Verpflegung der Einsatzkräfte. In den ersten beiden Tagen kommt der Versorgungszug der FF Neustadt zum Einsatz. Danach sorgt die swb für Getränke und Essen.

„Wir haben in der Tat viel Erfahrung gewonnen und dabei bei den Explosionen auch das nötige Quentchen Glück gehabt: Trotz erheblicher Sachschäden gab es keine verletzten Einsatzkräfte bei Feuerwehr und swb! Gemessen daran sind Materialverluste nachrangig und verkraftbar, auch wenn sie sich auf rund 50.000 Euro summieren“, lautet die Bilanz von Bremens Feuerwehrchef Karl-Heinz Knorr. Der Schaden für die swb beträgt schätzungsweise sechs bis acht Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für den Zukauf von Ressourcen nach Abschalten des Kraftwerkblockes.

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