Staatlich anerkannt - trotzdem schwierige Umstände

Eine Feuerwehr für Paraguay

Carlos Pfannl (Paraguay) – Marie-Elena Dubberke, Mitglied der Jugendfeuerwehr Miedelsbach (BW), ist im Oktober 2017 nach Paraguay ausgewandert. Mit im Gepäck: ein ausgemustertes, über 40 Jahre altes TLF und die Idee, dort eine Feuerwehr zu gründen. Das hat die damals 16-jährige Schülerin auch geschafft.

Nachdem die Einheit im April 2018 ihren ersten Brandeinsatz absolviert hatte, fiel allerdings die Fahrzeugpumpe aus. Nun ist das Feuerwehrfahrzeug wieder einsatzfähig und die Feuerwehr zudem staatlich anerkannt worden. Doch die Umstände sind nicht immer leicht.

Das Pumpengehäuse ist nach dem ersten Einsatz der neu gegründeten Wehr aufgeplatzt. Aktuell ist die Feuerwehr nicht mehr einsatzbereit. Foto: Safers e.V.

Wie Maria-Elena Ende August auf Facebook mitteilte, ist die Freiwillige Feuerwehr Carlos Pfannl nun offiziell gegründet und staatlich anerkannt, als nicht-staatlicher Verein. Sie wird eine ehemalige Deutsche Schule als Feuerwehrhaus beziehen.

Bei einem Deutschlandbesuch im September bekam die engagierte Frau von der FF Schorndorf wichtige Einsatzmaterialien wie vier komplette Atemschutzgeräte mit acht Flaschen und vier Atemschutzmasken, sowie einige Ausgehuniformen gespendet. Außerdem spendierte die FF Darmstadt einen Tragkraftspritzenanhänger, inklusive Tragkraftspritze, Schläuche und Strahlrohre sowie 40 Feuerwehruniformen, 150 Caps, Stiefel, Helme und Kleidung für die Jugend, einen Erste-Hilfe Rucksack mit Defibrillator und 1.000 Euro für den Transport nach Paraguay.

Gegenüber der Waiblinger Kreiszeitung kritisierte die jetzt 17-Jährige aber auch den Zustand des öffentlichen Brandschutzes in ihrer neuen Heimat. So gebe es kein Gesetz, was den Ehrenamtlichen erlaube, ihren Arbeitsplatz bei einem Einsatz verlassen zu dürfen. Einige Arbeitgeber verbieten das sogar.

Über Facebook beklagte sie zudem, dass die Feuerwehr nur dann private Grundstücke betreten darf, wenn sie vom Eigentümer alarmiert wird beziehungsweise dessen Erlaubnis bekommt: “Das Problem ist, dass die meisten Besitzer ihr Grundstück selbst anzünden weil sie zu faul sind um zu mähen. Das diese Feuer dann außer Kontrolle geraten könnte, da es seit 4 Wochen nicht geregnet hat, daran denk niemand. Wenn dann die hilflosen Nachbar anrufen, die Angst haben dass das Feuer zu nah ans Haus kommt, kann man höchstens von ihrer Seite aus etwas vorsorgen. Es gibt hier mehrere solche Gesetze die einem die Erste Hilfe ziemlich schwer machen und wofür man auch leicht Angezeigt werden kann.”

Andererseits gebe es große Unterstützung aus der Bevölkerung. Und sogar der Bürgermeister von Independencia habe sich als Feuerwehrmann eingeschrieben. 

Interview mit Marie-Elena

Maria-Elena (links) hat es geschafft: Die Schülerin konnte genügend Spenden sammeln, um ein Feuerwehrfahrzeug zu kaufen. Das 43 Jahre alte Tanklöschfahrzeug war bis 2004 bei der FF Beutelsbach im Einsatz. Maria-Elena nennt es liebevoll den Roten (‚El Rojo‘).

Anmerkung der Redaktion: Das Interview fand Ende September 2017 statt.

FM: Maria-Elena, Ende Oktober 2017 wanderst Du mit Deiner Familie von Miedelsbach nach Paraguay aus. Wieso Paraguay?

Maria-Elena: Mein Vater ist in den 1990er Jahren von Deutschland nach Paraguay ausgewandert. Dort lernte er meine Mutter kennen und ist einige Zeit später mit ihr zurück nach Deutschland gekommen. Meine Mutter ist übrigens selbst im Alter von 8 Jahren mit ihren Eltern aus Deutschland nach Paraguay ausgewandert. Ich bin in Schondorf, Region Stuttgart geboren und in Miedelsbach – einem Ortsteil von Schorndorf – aufgewachsen. Aber es war immer klar, dass meine Familie irgendwann zurück nach Paraguay gehen würde.

FM: Warum möchtest Du dort eine Feuerwehr und Jugendfeuerwehr gründen?

Maria-Elena: Unser neues Zuhause befindet sich in Carlos Pfannl. Das ist eine kleine Gemeinde in der deutschsprachigen Kolonie Independencia, wo insgesamt rund 5.600 Einwohner leben. Die nächste größere Feuerwehr liegt ungefähr 40 Kilometer weit weg in Villarrica. Bei einer Alarmierung in unserer Gemeinde kann also viel Zeit vergehen, bis die Feuerwehr am Einsatzort eintrifft.

Außerdem bin ich seit 6 Jahren in der Jugendfeuerwehr Miedelsbach aktiv. Feuerwehr ist meine Leidenschaft und wenn es an meinem neuen Wohnort weder Feuerwehr noch Jugendfeuerwehr gibt, muss ich sie einfach gründen. Denn ich möchte meine Leidenschaft weiterverfolgen.

Das Feuerwehrwesen in Paraguay

Paraguay liegt im Zentrum Südamerikas. Rund 6,7 Millionen Einwohner leben dort. Die Amtssprachen sind Guaraní und Spanisch. 5 bis 7 Prozent der paraguayischen Bevölkerung sind Einwanderer deutscher Herkunft. Das Feuerwehwesen in Paraguay besteht ausschließlich aus einer zentral organisierten freiwilligen Feuerwehr – der sogenannten Cuerpo de Bomberos Voluntarios del Paraguay (CBVP).

Gegründet wurde die CBVP im Jahr 1978. Einer der Hauptgründe für den Aufbau der CBVP war das stetige Wachstum der Hauptstadt Asunción. Freiwillige Feuerwehrleute aus Chile bildeten die ersten Feuerwehranwärter im Nachbarland aus. Im Lauf der Jahre entwickelte sich die CBVP weiter. Das Einsatzspektrum wurde vielfältiger und die Außenstellen zahlreicher. Die einzelnen Zweigstellen finanzieren sich über Spenden.

Paraguayische Feuerwehrfahrzeuge sind übrigens gelb.

Heute engagieren sich mehr als 4.000 Ehrenamtliche im ganzen Land in der freiwilligen Feuerwehr. Die Grundausbildung findet an der Nationalen Feuerwehr Akademie statt. Sie dauert in der Regel 9 Monate. Es gibt in Paraguay eine zentrale Leitstelle, wo alle Notrufe zusammenlaufen. Die Notrufnummer lautet 132.

FM: Die Gründung einer Feuerwehr auf der anderen Seite der Welt klingt herausfordernd. Wie bist Du dieses Projekt angegangen?

Maria-Elena: Für die Gründung einer Feuerwehr braucht man auf jeden Fall Mitglieder, Ausrüstung, ein Feuerwehrhaus und ein Feuerwehrfahrzeug. Und dafür braucht man wiederum Geld. Anfang September habe ich auf einer Fundraising-Seite damit angefangen, Spenden für das Feuerwehr-Projekt zu sammeln. Dabei haben mich Freunde, Familie und Kameraden tatkräftig unterstützt. Besonders mein JF-Jugendgruppenleiter, Manuel Siegle, hat mir dabei geholfen, das Projekt bekannter zu machen. Er ist quasi zu meinem Social Media Manager geworden. Auch berät er mich, was den Umgang mit den Medien angeht.

FM: Wie weit ist das Projekt seit September vorangekommen?

Maria-Elena: Der erste und wichtigste Schritt ist der Kauf eines Feuerwehrfahrzeuges gewesen. Ich hatte vor einiger Zeit ein ausgemustertes Tanklöschfahrzeug auf dem Hof eines Autohändlers entdeckt. Also versuchte ich dort mein Glück. Das 43-Jahre alte TLF war bis 2004 bei der FF Beutelsbach im Einsatz gewesen. Eigentlich sollte das Fahrzeug 5.900 Euro kosten, aber ich habe den Händler auf 3.750 Euro runterhandeln können.

Am 15. Oktober ist es dann mit diesem Fahrzeug 600 Kilometer nach Antwerpen gegangen in Belgien, wo das Fahrzeug am nächsten Tag verschifft wurde. Kurz zuvor fiel noch der eigentliche Fahrer aus. Aber der Maschinist von der FF Schornbach, Jochen Rapp, ist glücklicherweise kurzfristig eingesprungen. Mein Onkel ist dann mit seinem Auto den ganzen Weg hinter uns hergefahren, damit wir auch wieder zurückkommen. Unterwegs haben wir das Fahrzeug dann ‚El Rojo‘ genannt – der Rote. Denn Feuerwehrfahrzeuge in Paraguay sind eigentlich gelb.

Das vollständige Interview gibt es im Feuerwehr-Magazin 12/2017:

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