GFMC stellt Forderungen an Politik

Bundesweite Strategie für Waldbrandbekämpfung gefordert

Hamburg/Freiburg – Wie kann die Zukunft der Waldbrandbekämpfung in Deutschland aussehen? Diese Frage beschäftigt derzeit die deutschen Medien und die Politik. In einem Papier an den Bundestag, das dem ARD-Politikmagazin “Report Mainz” nach eigenen Angaben exklusiv vorliegt, schreibt das “Global Fire Monitoring Center” (GFMC), die zuständigen Stellen hätten insgesamt unzureichende Kapazitäten für die Bekämpfung von Wald- und Landschaftsbränden vorgesehen.

“Im Hinblick auf Ausrüstung, Ausbildung, taktisches Wissen bei der Bekämpfung von Landschaftsbränden sind wir nicht richtig aufgestellt”, so der GFMC-Leiter Johann Goldammer im Interview mit “Report Mainz”. Auch die Tagesthemen im Ersten hatten die Recherchen aufgegriffen und am Wochenende darüber berichtet (Video-Beitrag siehe unten).

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Bei den meisten Feuerwehren fehle eine spezifische Ausstattung, nur wenige verfügten etwa über geländegängige Fahrzeuge und leichte Schutzkleidung, mit der Feuerwehrleute bei hohen Außentemperaturen über längere Zeit eingesetzt werden könnten, heißt es seitens des GFMC. Außerdem seien die Feuerwehren in Deutschland nicht ausreichend für Wald- und Landschaftsbrände ausgebildet. Denn die Bekämpfung von Waldbränden werde an Feuerwehrschulen nur marginal behandelt. “Wir brauchen das taktische Training, wie ein Waldbrand sicher und effektiv bekämpft werden kann”, so Goldammer, der weltweit Regierungen und auch die Vereinten Nationen im Kampf gegen Wald- und Landschaftsbrände berät.

Löschgruppenfahrzeug Feuerwehr IFA W50
Beim Waldbrand in Lübtheen (MV) kamen unter anderem auch IFA W50-Fahrzeuge zum Einsatz. Fahrzeuge “die aussehen, als kämen sie aus dem Spritzenhaus vom Räuber Hotzenplotz” meinte Tagesthemen-Moderatorin Caren Miosga. (Bild: Matthias Köhlbrandt)

Das GFMC fordert, dass der Bund stärker aktiv wird. Denn Katastrophenschutz ist Aufgabe der Bundesländer, Waldbrandbekämpfung die der Kommunen. “Wir sehen in der Bedrohung der Umwelt und der Gesellschaft eine Herausforderung, die wir nicht den Gemeinden, Kreisen und Bundesländern überlassen sollten”, so Goldammer. Nötig sei eine bundesweite Strategie.

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Das Global Fire Monitoring Center (GFMC) ist eine Einrichtung des Max-Planck-Instituts für Chemie der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft auf dem Campus der Universität Freiburg. GFMC ist seit 2005 ein assoziertes Institut der Universität der Vereinten Nationen (UNU).

 

Bundesinnenminister Horst Seehofer räumte gegenüber “Report Mainz” ein, Deutschland sei nicht gut genug vorbereitet: “Wir werden in den nächsten Monaten eine Strategie entwickeln, dass wir die verschiedenen Beteiligten mit ihren Verantwortlichkeiten so zusammenführen, dass wir in absehbarer Zeit sagen können, wir sind hier als Bundesrepublik Deutschland gut. Ich habe ausdrücklich gesagt: Wir sind noch nicht gut genug.”

Die Sendung “Report Mainz” zum Thema wird am 9. Juli 2019 um 21.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sehr geehrter Herr Baumann, in Kroatien sind die Löschflugzeuge sicher sinnvoll. Die Vegetation ist aber dort eine andere und die vielen “Auftankmöglichkeiten” (Meer) fordern ja dort gerade den Einsatz von Löschflugzeugen heraus.
    In Deutschland ist das eine ganz andere Situation. Durch eine dichte Besiedlung fällt ein Brand viel schneller auf. Durch das dichte Netz an Feuerwehren ist ein Einsatz viel schneller möglich. Durch die Waldbewirtschaftung gibt es viele Waldwege über die man in den Wald fahren und relativ nahe dann an die Einsatzstellen fahren kann (munitionsbelastete Gebiete mal ausgenommen). Es gibt in Deutschland sehr wenige Gewässer die zu einer Wasseraufnahme von Löschflugzeugen geeignet sind. Wenn aber ein Löschflugzeug erst 30 – 60 Minuten fliegen muss, um dann wieder auftanken zu können, macht das einsatztaktisch keinen Sinn. Besser ist das System mit Hubschraubern und Außenlastbehältern, die aus vielen Gewässern in der Nähe Wasser entnehmen können und zielgerichtet auf die Brandherde ausbringen können. Eine Kombination dieser mit der Bodenbrandbekämpfung ist in Deutschland sicherlich sinnvoller und effektiver.

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  2. Jahreslanges Versagen aller zuständigen Stellen wirkt sich jetzt aus. Ehemals vorhandenes Material und vor allem Fachwissen ist weg. Hubschauber sind genügend vorhanden. Man muss sie nur anfordern. Canadair C-445 sind für D ungeeignet. Wenn der Bund tätig werden soll, müssen die Länder ihm die Zuständigkeit erst einmal einräumen. Ob das passiert. Resultat des Lamentierens wird sein: Der Bund soll den Ländern das Geld geben.

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  3. Ich bin hier gerade in Kroatien im Urlaub und habe schon zwei Vegetationsbrände in Kiefernwald und Karstmaccia beobachtet. Innerhalb von Minuten war die fliegende Feuerwehr mit 3 Canadair C445 da und hat je 6100 Liter feintropfiges Wasser präzise auf die Brandausbreitungszone abgeworfen . Auch in Gebieten, die noch vermient sind. Warum hat Deutschland keine Löschflugzeuge???

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  4. Panik!
    Man muß sich nur vor Augen führen, daß der Brand in Alt Jabel nur deshalb so groß war, weil man ihn, wegen der Munitionsbelastung, nicht vernünftig bekämpfen konnte.
    In einem Wald ohne diese Altlasten würde man entsprechend konsequenter vorgehen und das Thema wäre nie ein Thema geworden.

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  5. Es wird höchste Zeit für bundesweite Maßnahmen, denn die “alten Waldbrandhasen” sind mittlerweile so alt,das wie nicht mehr zur Verfügung stehen.

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