Berlin – Nach einem Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal ist die Stromversorgung in Teilen des Berliner Südwestens seit Samstag unterbrochen. Zehntausende Haushalte waren und sind betroffen, die Feuerwehr koordiniert gemeinsam mit THW, Polizei, Hilfsorganisationen und Bundeswehr umfangreiche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Notversorgung.
Einsatzkräfte betreiben in der Nacht Notstromaggregate im Berliner Südwesten, um die Versorgung kritischer Infrastruktur während des großflächigen Stromausfalls sicherzustellen.
Auslöser des Stromausfalls war ein Brand an Hoch- und Mittelspannungskabeln nahe des Heizkraftwerks Lichterfelde. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelt es sich um einen vorsätzlichen Brandanschlag; ein Bekennerschreiben wird dem Staatsschutz zufolge als authentisch bewertet. Infolge der Schäden rief das Land Berlin eine Großschadenslage aus.
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Die Feuerwehr Berlin richtete eine örtliche Einsatzleitung auf der Feuerwache Zehlendorf ein und koordiniert von dort aus die Maßnahmen mit allen beteiligten Stellen. Ein Schwerpunkt liegt auf umfangreichen Erkundungen: Allein an einem Tag führten Einsatzkräfte rund 100 Kontrollen durch, insbesondere in Pflegeeinrichtungen und bei pflegebedürftigen Personen. Ziel ist es, Hilfe- und Unterstützungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Verlegungen zu organisieren.
Nach Angaben von Henry Moschner, diensthabender Pressedienst der Berliner Feuerwehr, stellt sich der Stromausfall als sehr dynamische Lage dar, die die Einsatzkräfte voraussichtlich noch mehrere Tage beschäftigen wird. Die zeitliche Dimension mache zusätzliche organisatorische Maßnahmen erforderlich, um frühzeitig vor die Lage zu kommen.
Parallel dazu unterstützt das Technische Hilfswerk mit Notstromaggregaten die Versorgung kritischer Infrastruktur. Nach Angaben des THW waren seit Beginn des Stromausfalls insgesamt mehr als 550 Einsatzkräfte aus 27 Ortsverbänden im Einsatz. Neben Krankenhäusern, Pflege- und Betreuungseinrichtungen wurden auch eine Tierklinik sowie Einspeisepunkte der S-Bahn mit Notstrom versorgt.
Michael Ritter, Zugführer im THW-Ortsverband Herzberg und Einsatzleiter in der Turnhalle der Dreilinden-Grundschule, erklärte, das THW unterstütze die Maßnahmen vor Ort vor allem mit der Einspeisung von Notstrom. In Notunterkünften würden Strom, Licht, Warmwasser und Heizung sichergestellt sowie Feldbetten für mehrere hundert Personen aufgebaut. Eine Stromausfalllage in dieser Größenordnung sei nicht alltäglich und werde üblicherweise nur in Übungen vorbereitet.
THW-Einsatzkräfte überwachen und steuern in der Nacht eine mobile Netzersatzanlage, um während des großflächigen Stromausfalls im Berliner Südwesten die Notstromversorgung sicherzustellen. (Bild: THW | Hofmann)
Nach Angaben der Berliner Feuerwehr wurde die Erreichbarkeit des Notrufs im betroffenen Gebiet inzwischen durch eine Basisversorgung der Deutschen Telekom im Freien wiederhergestellt. Zur Stabilisierung der Lage wurden in den betroffenen Ortsteilen Anlaufstellen und Wärmepunkte eingerichtet, darunter das Rathaus Zehlendorf sowie verschiedene Sporthallen. Dort können sich Betroffene aufwärmen, Verpflegung erhalten und mobile Geräte laden. Das THW baute zudem in Turnhallen Feldbetten auf und speiste Warmwasser, Licht und Heizung ein.
Übersicht der Betreuungsstellen (Bild: Berliner Feuerwehr)
Die technische Wiederherstellung der Stromversorgung läuft unter Hochdruck. Am Umspannwerk Dahlem sowie an einer provisorischen Einspeisung am S-Bahnhof Mexikoplatz arbeiten Netzbetreiber, Feuerwehr, THW und überörtliche Kräfte teils auch nachts. Unterstützung kommt aus mehreren Bundesländern: Feuerwehren aus Nordrhein-Westfalen brachten zusätzliche Netzersatzanlagen nach Berlin, die Bundeswehr unterstützt unter anderem mit Tankfahrzeugen zur Versorgung der Generatoren mit Kraftstoff. Auch Feuerwehren aus Mönchengladbach und aus dem Kreis Lippe entsandten Energiemodule und Einsatzkräfte in die Hauptstadt.
Übersicht der Notrufannahmestellen und Notunterkünfte (Bild: Berliner Feuerwehr)
Aufgrund der anhaltenden Lage sagte die Berliner Feuerwehr zudem den presseöffentlichen Auftakttermin zum Jubiläumsjahr „175 Jahre Berliner Feuerwehr“ am 5. Januar 2026 im Roten Rathaus ab. Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit der Senatskanzlei und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.
Nach aktueller Einschätzung der Einsatzleitung wird die vollständige Wiederversorgung schrittweise erfolgen; einzelne Bereiche könnten noch bis Donnerstag ohne Strom bleiben. Die Feuerwehr appelliert an die Bevölkerung, beim Einsatz von Kerzen und gasbetriebenen Geräten äußerste Vorsicht walten zu lassen, um Brände oder Kohlenmonoxid-Vergiftungen zu vermeiden.