Mittel zur Lagedarstellung

Überblick verschaffen bei Feuerwehreinsätzen

Egal ob Brand, Verkehrsunfall oder Gefahrstoffaustritt: Ist die Feuerwehr im Einsatz, müssen sich Einheitsführer, Einsatzleitungen und Stäbe einen Überblick über das Einsatzgeschehen verschaffen. Hilfreich sind dabei Produkte für die Lagedarstellung – von der einfachen Schreibfolie bis zu digitalen Stabs- und Führungssystemen. 

Beispiel für eine konventionelle Lagedarstellung mittels magnetischen Whiteboards.
Beispiel für eine konventionelle Lagedarstellung mittels magnetischen Whiteboards. (Bild: Kobra)

Explosion in einem Industriebetrieb, Feuer ist ausgebrochen. Über der Produktionshalle steht schon eine große, schwarze Rauchsäule, die der Wind in Richtung eines Wohngebiets treibt. Die Flammen drohen auf ein Verwaltungsgebäude und ein Waldgebiet überzugreifen. Hinter der Halle befinden sich ein Lager mit Gasflaschen und eine Betriebstankstelle, die durch die enorme Hitze akut gefährdet sind.

Für die Einsatzleitung vor Ort eine komplexe Lage. Um den Einsatz führen zu können, muss sie sich einen Überblick verschaffen: Wie sind Einsatzstelle und Umgebung beschaffen? In welchen Bereichen ist mit welcher Schadenslage und welchen Gefahren zu rechnen? Im Verlauf des Einsatzes kommen weitere Aspekte dazu: Welche Einsatzkräfte sind mit welchen Einsatzmitteln eingesetzt? Wo befinden sich Einsatzabschnitte und Einsatzschwerpunkte? Wo sind Bereitstellungsräume und Sammelstellen eingerichtet?

Führung in Großschadenslagen: Taktische Verbände im Einsatz

Das Fachbuch „Einsatzpraxis: Führung in Großschadenslagen“ von Ecomed dient als Hilfestellung bei der Bewältigung konkreter Planung- und Führungsaufgaben beim Einsatz Taktische Verbände mit einem Schwerpunkt auf überörtlichen Einsätzen.  Es dient zur Begleitung der Ausbildung zum Verbandsführer. Das Buch schließt eine bestehende Lücke zwischen der Ausbildung zum Zugführer und der Einsatzleitung in Führungsstäben.

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Um diese Daten übersichtlich aufzubereiten, empfiehlt die Feuerwehr- Dienstvorschrift (FwDV) 100 „Führung und Leitung im Einsatz – Führungssystem“ eine Lagedarstellung. Eines der wichtigsten Mittel dabei ist die Lagekarte. Laut FwDV 100 ist sie „das verkleinerte Abbild der örtlichen Verhältnisse an der Einsatzstelle mit Darstellung aller wesentlichen Maßnahmen zur Abwehr und Beseitigung der vorhandenen Gefahren und Schäden.“

Einbindung von Luft- und Satellitenbildern

Als Kartenmaterial für großflächige Schadengebiete und Gefahrenbereiche kommen topografische Karten mit einem Maßstab von 1:50 000 oder größer in Frage. Lagekartenmodule digitaler Stabs- und Führungssysteme basieren meist auf Geographischen Informationssystemen (GIS). Diese arbeiten nicht nur offline mit hinterlegtem Kartenmaterial, sondern erlauben auch den Zugriff auf webbasierte, standardisierte Karten- und Geodatendienste. So lassen sich etwa auch Luft- und Satellitenbilder in die Lagedarstellung einbinden.

Bei digitalen Systemen lassen sich auch Luftbilder einbinden.
Bei digitalen Systemen lassen sich auch Luftbilder einbinden. (Bild: Rosenbauer)

Handelt es sich bei den Schadenobjekten um Einzelobjekte, können zur Lagedarstellung außerdem Feuerwehrpläne, Einsatzpläne, Grundrisse und Schnitte verwendet werden. Die FwDV verweist zudem auf die Möglichkeit einer möglichst maßstabsgetreuen Handskizze.

„Eine Lagekarte macht auch bei kleineren Lagen Sinn“, sagt Brandamtmann André Heitkamp. Der Diplom-Wirtschafts-Ingenieur (FH) ist bei der BF Oldenburg (NI) für das Sachgebiet Katastrophenschutz und Einsatzplanung zuständig. Zum Gebrauch einer Lagekarte rät er auf jeden Fall ab Zugstärke (Führungsstufe B, siehe Kasten „Führungsstufen nach FwDV 100“). „Wenn zum Beispiel neue Kräfte eingewiesen werden müssen, gibt die Lagekarte einen schnellen Überblick. Als Grundsatz gilt: Eine schlechte Lagekarte ist besser als gar keine.“

Taktische Zeichen setzen

Um eine Vereinheitlichung der Darstellung zu erreichen, fordert die FwDV 100 die Verwendung von taktischen Zeichen und grafischen Symbole. Damit lassen sich Einheiten, Verbände, Einrichtungen, Personen, Einsatzmaßnahmen, Gefahren und Schäden darstellen. In Anlage 6 der Dienstvorschrift sind die die häufigsten Zeichen aufgeführt.

Beispiel für die Darstellung eines Einsatzabschnitts mit taktischen Zeichen für die eingesetzten Kräfte.
Beispiel für die Darstellung eines Einsatzabschnitts mit taktischen Zeichen für die eingesetzten Kräfte. (Bild: MO Training & Beratung)

Mehr Auswahl bieten die „Empfehlungen für Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz“ (Link zu PDF), erarbeitet von der Ständigen Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz (SKK) und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Viele Feuerwehren basteln sich eigene Lagekarten mit individuellen Symbolen und Einsatzübersichten. „In Oldenburg führen wir auf unserem Einsatzleitwagen 1 zwei so genannte Whiteboards – magnethaftende und beschreibbare weiße Tafeln – mit“, erzählt Heitkamp. „Wir haben uns dafür Taktische Zeichen selbst gefertigt und auf Magnete geklebt.“ So sind beispielsweise alle Feuerwehrfahrzeuge Oldenburgs als Symbol mit Bezeichnung und Funkrufname vorhanden.

„Bei kleineren Lagen setzen wir dieses Zeichen direkt auf die Lagekarte“, erzählt der 46-Jährige. „Bei größeren Lagen wird eine Karte mit vielen Symbolen zu unübersichtlich. Dann empfiehlt sich das Führen von gesonderten Schadenkonten, in denen die Fahrzeuge pro Einsatzabschnitt oder Bereitstellungsraum aufgelistet werden. In unserem Stabsraum setzen wir dafür sowohl ein digitales Stabs- und Führungssystem als auch eine konventionelle Lagedarstellung mit Magnettafeln ein.“

Analog oder digital?

Wer eine fertige Lösung zur Lagedarstellung beschaffen möchte, hat die Auswahl aus einer großen Bandbreite an Produkten. Zu den Analogprodukten zählt die durch statische Aufladung haftende Folie Taktifol. Sie ist schnell angebracht und in erster Linie für die Beschriftung mit Stiften vorgesehen.

Konventionelle Varianten in Form des klassischen Whiteboards bieten beispielsweise Helpi (Einsatz-Koordinations-Board), Holtz/magnetoplan, Kobra (FüSys) sowie MO Training & Beratung (Lagekartensystem LKS) an. Dieses lassen sich mit magnetischen Elementen bestücken und beschriften. 

Häufig sind bei niedrigeren Führungsstufen konventionelle Systeme im Einsatz. Sie erlauben bei entsprechender Fläche und Ausstattung aber auch eine Lagedarstellung größeren Umfangs bis hin zur höchsten Führungsstufe D.

Digitale Lagekarte mit rundherum angeordneten taktischen Symbolen.
Digitale Lagekarte mit rundherum angeordneten taktischen Symbolen. (Bild: Fireboard)

Umgekehrt bieten Hersteller wie Fireboard (Software Fireboard) und Rosenbauer (Emerec Pilot) mittlerweile elektronische Systeme an, die auch für kleinere Lagen (bis Führungsstufe B) gedacht sind. Digitale Produkte von Esri (GIS), Intergraph/Hexagon (Intergraph Planning & Response), Pro DV (TecBOS.Command) und CrisCom (CrisCom Fire Commander) zielen insbesondere auf die Ausstattung von Einsatzleitwagen (ELW) 2 und 3 sowie von Stabsräumen (Führungsstufen C und D).

Live-Übertragung von Feuerwehr-Drohne

Vorteil der elektronischen Systeme ist, dass sich neben den Geodaten auch Live-Video-Übertragungen einbinden lassen – etwa von Drohnen oder Wärmebildkameras. Außerdem erlauben sie die Trennung von Führen und Darstellen einer Lagekarte. So können den unterschiedlichen Funktionen einer Einsatzleitung oder eines Stabs jeweils individuelle Eingabemöglichkeiten zugeordnet werden, um die Daten dann in der zentralen Lagedarstellung zusammenzuführen.

Hier führt der Einsatzleiter der Feuerwehr mit einem digitalen System auf einem Tablet.
Hier führt der Einsatzleiter der Feuerwehr mit Hilfe eines digitalen Systems auf einem Tablet-PC. (Bild: Feuerwehr-Magazin / Rüffer)

Manche Systeme sind mit interaktiven Whiteboards kompatibel, sodass Eintragungen in die Lagekarte wie an konventionellen Tafeln handschriftlich vorgenommen werden können. Auch die Verwendung von Tablet-PCs ist teilweise Ausstattungsoption.

Durch die automatisierte Einsatzdokumentation der Computeranwendungen bietet sich bei einigen Produkten die Möglichkeit, die Entwicklung der Lagekarte im Laufe des Einsatzes als Lagekartenfilm abzuspielen. Dieser Film kann beispielsweise bei Einsatznachbesprechungen, Pressekonferenzen und Schulungen gezeigt werden.

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