Aschaffenburg (BY) – Rund 350 Einsätze haben die Feuerwehren im Kreis Aschaffenburg am 1. Juli 2026 bewältigt. Etwa 300 Alarmierungen standen im Zusammenhang mit Starkregen und Gewittern in der Nacht zu Mittwoch. Zusätzlich arbeitete das Technische Hilfswerk im Raum Aschaffenburg 16 Einsatzstellen ab, darunter einen Sicherungseinsatz an einem Felshang.
Ein Feuerwehrfahrzeug vor einer überfluteten Unterführung: Im Kreis Aschaffenburg bewältigten die Feuerwehren am 1. Juli rund 350 Einsätze. (Bild: Hettler)
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Starkregen trifft mehrere Gemeinden
Ausgelöst hatte die Lage vor allem ein schweres Unwetter mit Starkregen und teils kräftigen Gewittern in der Nacht zu Mittwoch. Nach Angaben der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg ging der erste Alarm um 3:41 Uhr ein. In den folgenden Stunden kamen rund 300 Unwettereinsätze zusammen.
Besonders betroffen waren Waldaschaff, Bessenbach, Haibach, Mainaschaff, Stockstadt und Großostheim. Weitere Einsatzstellen meldeten unter anderem die Freiwilligen Feuerwehren Hösbach, Hösbach-Bahnhof, Hörstein und Rothenbuch.
Die Feuerwehr rückte vor allem zu Wasser in Gebäuden aus. Hinzu kamen umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und Kanaldeckel, die der Starkregen aus ihren Schächten gedrückt hatte.
Landkreislöschzüge helfen in belasteten Bereichen
Um die örtlichen Wehren zu entlasten, entsandte die Kreisbrandinspektion zusätzliche Einheiten. In Stockstadt arbeiteten Kräfte des Landkreislöschzugs 1 mit den Feuerwehren Alzenau und Michelbach-Kälberau. Nach Haibach rückte der Landkreislöschzug 5 mit den Feuerwehren Schöllkrippen und Kleinkahl aus.
Dort setzte die Feuerwehr auch den bei der Feuerwehr Schimborn stationierten Gerätewagen Logistik 2 ein. Das Fahrzeug ist mit einem staatseigenen Hochwassermodul ausgerüstet. Dazu gehören acht Flutboxen mit jeweils einer Kellerentwässerungspumpe und einem Druckschlauch sowie ein leistungsstarker Wassersauger auf einer Gitterbox.
Auch die Feuerwehr Aschaffenburg erhielt Hilfe aus dem Kreis. Der Landkreislöschzug 11 mit den Feuerwehren Glattbach und Johannesberg sowie der Landkreislöschzug 7 mit den Feuerwehren Laufach und Sailauf wurden zur Unterstützung in das Stadtgebiet geschickt.
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Auch das Technische Hilfswerk war im Raum Aschaffenburg im Einsatz. Insgesamt arbeiteten 40 THW-Kräfte 16 Einsatzstellen ab. Bereits am frühen Morgen wurde das THW alarmiert, weil ein Bewohner sein Haus wegen Hochwasser nicht mehr selbstständig verlassen konnte. Einsatzkräfte des THW Aschaffenburg befreiten ihn aus dem Gebäude.
Das THW Obernburg war mit zehn Kräften im Einsatz. Der Schwerpunkt lag auf dem Auspumpen von Kellern. Dafür kam die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen mit Hochleistungspumpen zum Einsatz.
Besonders aufwendig war ein Einsatz im Aschaffenburger Stadtteil Gailbach. Dort hatte ein entwurzelter Baum an einem steilen Felshang Felsbrocken gelöst, die auf eine Straße und ein Wohngebiet abzurutschen drohten. Das THW Aschaffenburg sicherte die Brocken und trug sie kontrolliert ab. Wegen des Geländes mussten die Einsatzkräfte mit Absturzsicherung arbeiten, sich über Leitern Zugang verschaffen und schweres Gerät wie Abbruchhammer und Trennschleifer mit Leinen gegen Abrutschen sichern. Unterstützt wurden die 21 Kräfte des THW Aschaffenburg dabei von neun Einsatzkräften des THW Miltenberg.
Nicht nur Unwetterschäden
Neben den wetterbedingten Lagen mussten die Feuerwehren weitere Einsätze übernehmen. In Johannesberg kam es während des Unwetters zu einem Verkehrsunfall. In Bessenbach löste eine Brandmeldeanlage aus, die nach Angaben der Kreisbrandinspektion durch das Unwetter verursacht wurde.
Die Drehleiter der Feuerwehr Haibach wurde außerdem zu einem gemeldeten Zimmerbrand in die Stadt Aschaffenburg alarmiert. Die Fahrt konnte abgebrochen werden, weil die ersteintreffenden Kräfte die Lage schnell unter Kontrolle hatten. In Stockstadt übernahm die Feuerwehr bei einem First-Responder-Einsatz bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Erstversorgung. In Mainaschaff stellte sich eine gemeldete Rauchentwicklung als Wasserdampf aus einer Heizungsanlage heraus.
Auch nach der Unwetternacht blieb es für die Feuerwehren im Kreis unruhig. Um 12:16 Uhr alarmierte die Leitstelle die Freiwillige Feuerwehr Kleinostheim zu einer Wasserrettung auf dem Main. Gemeldet war ein gekentertes Segelboot mit einer Person an Bord. Wasserwacht Mainparksee und Wasserschutzpolizei übten zufällig in der Nähe, brachen die Übung ab, richteten das Boot wieder auf und schleppten es mit dem unverletzten Bootsführer ans Ufer. Die Feuerwehr Kleinostheim war bereits ausgerückt, musste aber nicht mehr tätig werden.
Wenig später meldete die Leitstelle einen Lkw-Brand auf der BAB 45 in Fahrtrichtung Gießen. Zwischen den Anschlussstellen Karlstein und Alzenau-Mitte stellten die Feuerwehren Hörstein, Alzenau und Karlstein jedoch einen Pannen-Lkw fest. Ein Brand lag nicht vor.
In Mömbris rückten die Feuerwehren Mömbris, Niedersteinbach und Schimborn gegen 12:51 Uhr zu einem gemeldeten Dachstuhlbrand an einem Industriegebäude aus. Vor Ort brannte ein Kabel einer Photovoltaikanlage, das Strom zum Wechselrichter führte. Ein Trupp unter Atemschutz löschte über die Drehleiter mit einem C-Rohr. Ein weiterer Atemschutztrupp kontrollierte das Gebäude von innen. Ein Feuerwehrmann verletzte sich leicht und kam nach der Erstversorgung in ein Krankenhaus. Rund 30 Kräfte waren im Einsatz.
Akkus brennen nach Überflutung
Am Nachmittag folgte in Haibach ein Einsatz in einem Gewerbebetrieb. Gegen 15:46 Uhr waren dort zwei Pakete mit Akkus in Brand geraten. Nach ersten Erkenntnissen war eine Produktionshalle während der Unwetterlage am Morgen überflutet worden. Danach kam es zum thermischen Durchgehen der Akkus.
Die Feuerwehr löschte die Pakete ab und brachte sie anschließend in ein Wasserbad, um eine weitere Reaktion zu verhindern. 30 Einsatzkräfte mit sechs Fahrzeugen waren vor Ort. Verletzt wurde niemand.
In Kleinostheim wurde die Feuerwehr um 16:32 Uhr zu einem eingeschlossenen Kleinkind in einem Pkw alarmiert. Noch während des Ausrückens meldete die Leitstelle, dass das Kind bereits befreit war. Die Feuerwehr brach den Einsatz ab.
Um 17:09 Uhr alarmierte die Leitstelle die Feuerwehren Kahl und Karlstein zu einem Zimmerbrand in den Kahler Burgweg. Dort brannte ein Raum im Erdgeschoss. Unter der Leitung von Kommandant Alexander Reuß löschte die Feuerwehr mit drei Trupps unter Atemschutz und einem C-Rohr.
Anschließend kontrollierten die Kräfte die Brandstelle mit einer Wärmebildkamera. Um letzte Glutnester zu erreichen, brachten sie Brandgut unter Atemschutz ins Freie und löschten dort nach. Ein Hochleistungslüfter beförderte die Brandgase aus dem Gebäude. Rund 28 Kräfte mit sieben Fahrzeugen waren beteiligt.
Weitere medizinische Einsätze übernahmen am frühen Abend die Feuerwehrsanitäter der Freiwilligen Feuerwehr Sailauf sowie die First Responder der Freiwilligen Feuerwehr Bessenbach. Sie versorgten Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beziehungsweise Notarztes.
Alle Einsätze im Kreis abgearbeitet
Nach Angaben des Landratsamtes konnten sämtliche Einsätze im Kreis Aschaffenburg abgearbeitet werden. Kreisbrandrat Frank Wissel ordnete den 1. Juli 2026 als einen der einsatzreichsten Tage in der Geschichte der Feuerwehren im Kreis ein.
Sein Dank galt den Einsatzkräften, die vom nächtlichen Unwetter bis in die Abendstunden stark gebunden waren. Ausdrücklich bezog Wissel auch Arbeitgeber, Familien und Angehörige ein. Viele ehrenamtliche Kräfte hätten Schlaf, Freizeit und Zeit mit der Familie zurückgestellt, um Hilfe zu leisten.