Großschadenslage im Kreis Düren

Waldbrand in Hürtgenwald: Gey evakuiert – Hunderte Kräfte im Einsatz

Hürtgenwald (NW) – Ein Waldbrand hat sich in der Gemeinde Hürtgenwald, Kreis Düren, auf rund 300 Hektar ausgebreitet. Der Ortsteil Gey ist vollständig evakuiert, mehr als 200 Einsatzkräfte waren am Freitagmorgen vor Ort. Neben zahlreichen Feuerwehren unterstützen unter anderem Hubschrauber, Bundeswehr und Hilfsorganisationen die Brandbekämpfung.

Rauchwolke und Einsatzfahrzeuge
Eine weithin sichtbare Rauchentwicklung über dem Waldbrandgebiet bei Hürtgenwald. Im Vordergrund stehen Einsatzfahrzeuge und weitere Kräfte auf einer Freifläche. (Bild: Schüller)

Der Kreis Düren hatte in der Nacht seinen Krisenstab einberufen. Nach Angaben des Kreises breitet sich der Brand abhängig von der Windrichtung weiterhin dynamisch aus. Am Morgen unterstützten bereits Hubschrauber die Löscharbeiten aus der Luft, weitere Luftfahrzeuge waren angefordert beziehungsweise auf dem Weg in das Einsatzgebiet. Landwirte und Mitarbeiter des Forsts beteiligen sich ebenfalls an den Maßnahmen.

Anzeige

Die Entwicklung hatte am Donnerstagnachmittag begonnen. Gemeinde und Freiwillige Feuerwehr Hürtgenwald meldeten zunächst einen Waldbrand auf rund 25 Hektar zwischen Großhau und Gey und riefen wegen der Gefahrenlage die Großschadenslage aus. Bis Freitagmorgen war die betroffene Fläche nach Angaben des Kreises auf rund 300 Hektar angewachsen.

In der Nacht näherte sich das Feuer dem Ortsteil Gey. Landrat Dr. Ralf Nolten berichtete gegenüber dem WDR von einem Kronenfeuer, bei dem sich das Feuer schnell ausbreitete und seine Richtung änderte. Dabei handle es sich um einen Wipfelbrand, bei dem sich das Feuer über die Baumkronen ausbreitet und dadurch schnell die Richtung wechseln kann. Für Gey wurde um 4:01 Uhr über das Modulare Warnsystem die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ ausgegeben und die sofortige Evakuierung angeordnet.

PDF-Download: Download: Leichte Jacken

Leichte Jacken – Fachbeitrag zur Schutzkleidung für die Vegetationsbrandbekämpfung. Risiken falscher PSA, Anforderungen an leichte Jacken sowie eine umfassende Marktübersicht mit aktuellen Modellen, Normen und Herstellerangaben.

3,90 €
AGB

Die Räumung war am Morgen abgeschlossen, mehr als 2.000 Menschen waren betroffen. Auch ein Pflegeheim wurde evakuiert. Die zunächst eingerichteten Anlaufstellen in Straß wurden später aufgegeben. Der Kreis Düren ließ die dort aufgenommenen Evakuierten mit Bussen zur Förderschule Athenée Royal in Düren bringen.

Landrat Dr. Ralf Nolten rechnet damit, dass die Löscharbeiten noch mehrere Tage dauern werden. Weitere Evakuierungen seien nach seiner Einschätzung zunächst nicht erforderlich. Aktuell seien keine Menschen in Gefahr.

Feuerwehr spricht von „Red Flag Day“

Die Wetterbedingungen erschweren die Brandbekämpfung erheblich. Ein Sprecher der Feuerwehr bezeichnete die Lage gegenüber dem WDR am Freitagmorgen als „Red Flag Day“. Als Gründe nannte er die wechselnden Winde und die niedrige Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich zu den rund 200 bereits eingesetzten Kräften seien weitere 150 Feuerwehrleute angefordert worden.

Im Boden vorhandene Munition aus dem Zweiten Weltkrieg stellt eine weitere Gefahr dar. Nach Angaben der Feuerwehr war es bereits zu Explosionen gekommen. Am Freitagmorgen war die Brandbekämpfung nach Angaben der Feuerwehr zeitweise nur aus der Luft möglich.

Feuerschein und Flammen im Wald
Flammen im Waldgebiet bei Hürtgenwald. Der Brand hatte sich bis Freitagmorgen auf rund 300 Hektar ausgebreitet. (Bild: Feuerwehr Bonn)

Im Waldgebiet wurden Schneisen angelegt, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen. Nach Angaben des Kreises Düren sind seit dem späten Vormittag zudem Wasserwerfer im Einsatz, die das Feuer von der Seite eindämmen. Hubschrauber setzen die Brandbekämpfung aus der Luft fort. Auch die Bundeswehr unterstützt den Einsatz: Am Morgen waren zwei Panzer der Bundeswehr sowie mehrere Hubschrauber in die Maßnahmen eingebunden beziehungsweise auf dem Weg ins Einsatzgebiet.

Auch die Einsatzlogistik wirkt sich auf den Verkehr aus. Die Autobahn GmbH des Bundes teilt mit, dass seit Freitagvormittag die Ausfahrten der A4 an den Anschlussstellen Düren und Langerwehe gesperrt sind. Sie werden wegen des Waldbrands als Rettungszufahrten für die Einsatzkräfte benötigt. Die A4 zwischen Düren und Langerwehe sowie die Auffahrten an beiden Anschlussstellen bleiben geöffnet. Wie lange die Sperrungen dauern, ist derzeit nicht absehbar.

Fernab der Autobahn hat der Brand auch in der Stadt Düren Folgen. Um 10:40 Uhr warnte der Kreis für mehrere Stadtteile vor Geruchsbelästigung und Rauchniederschlag. Gesundheitliche Beeinträchtigungen könnten dort nicht ausgeschlossen werden.

EU-Waldbrandmodul bereits in der ersten Nacht eingesetzt

Bereits am Donnerstagnachmittag hatte der Kreis Düren zusätzliche Spezialkräfte angefordert. Dabei kam auch ein für Vegetationsbrände vorgesehenes EU-Waldbrandmodul zum Einsatz. Die Einheit bestand bei diesem Einsatz aus 32 Kräften mit zwölf Fahrzeugen der Feuerwehren Bonn, Königswinter, Düsseldorf und Leverkusen.

Fahrzeuge des EU-Waldbrandmoduls im Wald
Das EU-Waldbrandmodul mit Fahrzeugen im Einsatzgebiet bei Hürtgenwald. Die speziell für Vegetationsbrandbekämpfung geschulten Kräfte waren mit zwölf Fahrzeugen und 32 Einsatzkräften im Kreis Düren eingesetzt. (Bild: Feuerwehr Bonn)

Nach dem Eintreffen wurden die Kräfte in das Schadensgebiet entsandt. Ihr Auftrag bestand nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf darin, das Feuer im Flankenbereich zu bekämpfen und damit eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Dabei kamen unter anderem Handwerkzeuge und geländegängige Tanklöschfahrzeuge zum Einsatz.

Gegen Mitternacht lösten weitere, vom Kreis Düren angeforderte Einheiten das Waldbrandmodul ab. Die Düsseldorfer Kräfte kehrten anschließend am frühen Freitagmorgen zurück.

Wegen der weiterhin anhaltenden Brände forderte der Kreis Düren im Laufe des frühen Morgens außerdem die Feuerwehrbereitschaft 4 an. Dabei handelt es sich um ein Landeskonzept für die überörtliche Hilfe mit Einheiten der Feuerwehren Düsseldorf, des Kreises Mettmann und des Rhein-Kreises Neuss. Die Kräfte sammelten sich in Düsseldorf und befanden sich am Freitagmorgen auf dem Weg in den Kreis Düren.

Mobiles Wasserbecken
Landwirte unterstützen die Löschwasserversorgung im Kreis Düren. Über ein mobiles Wasserbecken wird Löschwasser für die Einsatzkräfte bereitgestellt. (Bild: Freiwillige Feuerwehr Stadt Nideggen)

Weitere Unterstützung kommt aus Köln. Die Feuerwehr Köln hat nach eigenen Angaben rund 70 Einsatzkräfte mit 18 Fahrzeugen nach Hürtgenwald entsandt. Dazu zählen eine Führungskomponente, ein LF KatSchutz, Waldbrandkomponenten, ein LF Logistik, eine Drohne sowie geländefähige Erkundungsfahrzeuge, die dort erstmals eingesetzt werden. Die Führungskomponente unterstützt die örtliche Einsatzleitung bei der Lagebeurteilung. Seit der Nacht arbeiten die Kölner Kräfte im Abschnitt Gey und errichten dort Riegelstellungen, um eine weitere Ausbreitung des Feuers in Richtung des Ortes zu verhindern. Die Ablösung der Kräfte organisiert die Bezirksregierung Köln.

Auch die Feuerwehr Nideggen war in die überörtliche Hilfe eingebunden. Die Löschgruppe Berg wurde am Donnerstagnachmittag zum Waldbrand in Hürtgenwald alarmiert. Wegen mehrerer gleichzeitiger Waldbrände im Kreis Düren ließ die Feuerwehr Nideggen vorsorglich sämtliche Gerätehäuser sowie die Feuerwehreinsatzzentrale besetzen. Ein Löschzug stand für weitere Anforderungen bereit, zusätzliche Kräfte standen für den Grundschutz im Stadtgebiet in Bereitschaft.

Sonderhefte-Paket: Einsatzwissen Naturgefahren & Fahrzeuge

Vier Sonderhefte mit 448 Seiten Praxiswissen für Vegetationsbrand, Hochwasser und Unwetter plus Fahrzeugtechnik für den Waldbrand. Nur 19,90 € statt 44,30 €, limitiert bis 30.08.2026.

19,90 €
Lieferzeit: 2-3 Werktage
AGB

Die Ursache des Waldbrands war am Freitagmorgen weiterhin unklar. Die Bevölkerung soll das Einsatzgebiet weiterhin meiden und Zufahrtswege für die Einsatzkräfte freihalten. Innenminister Herbert Reul und Forstministerin Silke Gorißen appellierten angesichts mehrerer Waldbrände in Nordrhein-Westfalen zudem, Wälder nicht zu betreten und bei Rauch oder Feuer den Notruf 112 zu wählen.


Stand dieser Meldung: 14. August 2026, 11:48 Uhr. Dieser Beitrag wird nicht als Liveticker fortgeführt. Aktuelle Informationen veröffentlicht der Kreis Düren fortlaufend.


Weitere Beiträge zur Vegetationsbrandbekämpfung

KI soll Rauch im Tennenloher Forst frühzeitig erkennen

NRW-Waldbrandmodul beendet Einsatz in Spanien

NRW-Waldbrandmodul: So lief der Einsatz in den Niederlanden

Löschen vom Himmel als letzte Chance

Zweiter Fire Fighter für Waldbrände in NRW einsatzbereit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert