Neustrelitz (MV) – Seit Mittwochnachmittag breitet sich auf einem ehemaligen russischen Truppenübungsplatz zwischen Neustrelitz und Peckatel (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) ein Waldbrand aus. Bis Donnerstagmittag wuchs die betroffene Fläche nach Angaben des stellvertretenden Gemeindewehrführers der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz, Jörg Westphal, auf 90 Hektar an. Wegen der Kampfmittelbelastung kann die Feuerwehr den Brand nicht direkt bekämpfen und versucht stattdessen, die weitere Ausbreitung mit Riegelstellungen und Spezialtechnik zu verhindern.
Wegen der Kampfmittelbelastung musste die Feuerwehr den Brand aus sicherer Entfernung bekämpfen. (Bild: 7aktuell.de | Neumann/Woitow)
Das Polizeipräsidium Neubrandenburg hatte den Ödlandbrand am Mittwoch um 16.42 Uhr erstmals gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Feuer bereits auf mehr als 42 Hektar ausgebreitet. Die Polizei sperrte die B193 zwischen Peckatel und Neustrelitz und sicherte den Brandbereich gegen unbefugtes Betreten. Vorsorglich informierten die Behörden ein Krankenhaus über die Lage. Außerdem brachten sie Mitarbeiter einer nahegelegenen Werkstatt für Menschen mit Behinderung aus dem Umfeld des Brandes in Sicherheit. Das weitere Vorgehen stimmten Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Munitionsbergungsdienst gemeinsam ab.
Anzeige
Im Laufe des Abends wuchs die Brandfläche zunächst auf mehr als 70 Hektar an. Nach der Lagebewertung am Donnerstagmorgen sprach Landrat Thomas Müller von rund 82 Hektar. Wenige Stunden später bezifferte der stellvertretende Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz, Jörg Westphal, die Abbrandfläche bereits auf rund 90 Hektar. Das Feuer ziehe derzeit in nordwestliche Richtung. Weil der Deutsche Wetterdienst eine stabile Windrichtung prognostiziert habe, könne die Feuerwehr ihre Maßnahmen besser planen als noch am Vortag, als ständig wechselnde Winde ein Umgruppieren der Kräfte erforderlich gemacht hätten.
Nicht die Größe der Brandfläche bestimmt jedoch die Einsatztaktik, sondern die Kampfmittelbelastung des ehemaligen Übungsgeländes. Dort wird unter anderem panzerbrechende Munition vermutet. Deshalb müssen die Einsatzkräfte einen Sicherheitsabstand von 1.000 Metern zum Brandherd einhalten. Ein unmittelbarer Löschangriff ist ausgeschlossen.
Bereits am Mittwochabend hatte Westphal auf diese besondere Lage hingewiesen. Wegen der Munitionsbelastung könne die Feuerwehr den Brandherd nicht direkt angreifen. Stattdessen müsse sie das Feuer von außen kontrollieren und dessen Ausbreitung verhindern. Am Donnerstag erklärte der stellvertretende Gemeindewehrführer, Ziel sei es, die aufgebauten Verteidigungslinien zu halten und ein Überschreiten der Brandfront zu verhindern.
Leichte Jacken – Fachbeitrag zur Schutzkleidung für die Vegetationsbrandbekämpfung. Risiken falscher PSA, Anforderungen an leichte Jacken sowie eine umfassende Marktübersicht mit aktuellen Modellen, Normen und Herstellerangaben.
Die Feuerwehr errichtet dafür Riegelstellungen und Wassertrassen, um angrenzende Bereiche zu schützen. Zur Lageerkundung setzt die Einsatzleitung Drohnen ein, die fortlaufend ein aktuelles Lagebild liefern. Während der Nacht profitierte die Feuerwehr von der fehlenden Thermik. Mit steigenden Temperaturen und angekündigtem Wind rechnete die Einsatzleitung am Donnerstag jedoch damit, dass sich das Feuer erneut stärker ausbreiten könnte.
Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit einer 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung, auf die sich die Brandfront zubewegt. Nach Angaben Westphals schützt die Feuerwehr diesen Bereich bereits seit Mittwochabend mit einer rund 640 Meter langen Linie aus Kreisregnern, die dauerhaft Wasser abgibt. Gleichzeitig bauen die Einsatzkräfte eine zweite Verteidigungslinie auf. Ziel sei es, das Feuer in einen begrenzten Bereich zu lenken. Sollte der Wind drehen, hoffen die Einsatzkräfte, dass sich die Flammen auf bereits abgebrannten Flächen selbst stoppen.
Neben den klassischen Löschfahrzeugen kommt weitere Spezialtechnik zum Einsatz. Nach Angaben des Landrats arbeiten die Einsatzkräfte mit zwei ferngesteuerten Löschrobotern – einer stammt vom Kreis, der andere von der Freiwilligen Feuerwehr Wesenberg. Hinzu kommen Kreisregner und Sprühschläuche, die auch dann weiter Wasser abgeben können, wenn Einsatzkräfte sich aus Sicherheitsgründen zurückziehen müssen. Weitere Regnersysteme werden aus benachbarten Kreisen beschafft.
Darüber hinaus prüft die Einsatzleitung weitere Möglichkeiten zur Brandbekämpfung. So soll ein Löschcontainer eingesetzt werden, der von einem Harvester transportiert werden kann. Auch der Einsatz eines Löschpanzers wurde bewertet. Nach Angaben des Landrats bietet jedoch selbst dessen Panzerung keinen ausreichenden Schutz gegen die im Boden vermutete panzerbrechende Munition. Ebenso wird der Einsatz eines Löschhubschraubers geprüft. Wegen des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands von 1.000 Metern wäre dessen Löschwirkung jedoch erheblich eingeschränkt.
Zu Beginn des Einsatzes stand zunächst die Erkundung der Lage im Vordergrund. Mithilfe von Drohnen verschaffte sich die Einsatzleitung einen Überblick über die Ausbreitung des Feuers und alarmierte anschließend weitere Kräfte nach. Neben den örtlichen Feuerwehren kamen Katastrophenschutzeinheiten sowie Sanitäts-, Betreuungs- und Versorgungskräfte zum Einsatz. Rund 160 Feuerwehrkräfte sind derzeit vor Ort. Um die Belastung bei den voraussichtlich mehrtägigen Löscharbeiten zu begrenzen, werden die Mannschaften kontinuierlich ausgetauscht.
Zusätzlich erschweren die sommerlichen Temperaturen den Einsatz. Nach Angaben Westphals werden die Einsatzkräfte engmaschig mit Getränken versorgt und die Bekleidung an die Hitze angepasst.
Unterstützung kommt auch aus der Region. So teilte die Freiwillige Feuerwehr Neubrandenburg Oststadt in den sozialen Medien mit, dass sie mit einem Tanklöschfahrzeug Waldbrand (TLF-WB) zur Einsatzstelle ausgerückt ist.
Nach Einschätzung des Landrats wird der Einsatz noch mehrere Tage andauern. Vorrang habe weiterhin, die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Ein direkter Angriff auf den Brandherd bleibt ausgeschlossen, solange die Gefahr durch die Kampfmittel besteht.