Wiesensteig (BW) – Ein Gefahrgut-Lkw mit rund 40.000 Litern organischen Peroxids ist am Montag auf der A8 bei Wiesensteig (Kreis Göppingen) liegengeblieben. Da das Kühlaggregat ausfiel und sich der Gefahrstoff erhitzte, konnten die Einsatzkräfte eine Explosion zunächst nicht ausschließen. Die Kombination aus Explosionsgefahr, Waldbrandrisiko und einer nicht mehr fahrbereiten Zugmaschine zwang die Behörden, eine Außergewöhnliche Einsatzlage auszurufen und rund 300 Menschen zu evakuieren.
Die Warnung vor einer möglichen Explosion des Gefahrstoffs erreichte auch Anwohner und Verkehrsteilnehmer über entsprechende Warnsysteme. Rund 300 Menschen mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen. (Bild: 7aktuell.de | Hald)
Der Sattelzug blieb am Montagnachmittag um 15:10 Uhr auf der Fahrt von Stuttgart in Richtung Ulm zwischen Mühlhausen im Täle und Hohenstadt liegen, mutmaßlich wegen eines Defekts im Motorraum. Neben dem Kühlaggregat fiel auch die Zugmaschine aus, sodass weder eine eigenständige Weiterfahrt noch ein rascher Abtransport des Peroxid-Aufliegers möglich waren.
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Was die Einsatzlage zusätzlich verschärfte: Nicht nur die Explosionsgefahr bestimmte die Lagebewertung, sondern auch ein erhöhtes Waldbrandrisiko. Die Feuerwehr warnte, dass ein möglicher Brand bei der trockenen Umgebungsvegetation auf angrenzende Wälder hätte übergreifen können. Entsprechend richteten die Einsatzkräfte einen Sperrradius von bis zu 500 Metern rund um den Transporter ein. Um 17:30 Uhr riefen die Behörden die Außergewöhnliche Einsatzlage für die Gemeinden Hohenstadt, Mühlhausen im Täle und Wiesensteig aus.
Die Feuerwehr manövrierte den Gefahrgut-Lkw in einem ersten Schritt auf einen Parkplatz vor dem Lämmerbuckel-Tunnel. Dort versuchten Einsatzkräfte, den Auflieger von außen zu kühlen. Nachdem dies nicht den gewünschten Effekt gebracht hatte, wurde das Fahrzeug im weiteren Verlauf in Richtung Merklingen gezogen. Parallel analysierten Fachleute, darunter Mitarbeiter des Herstellers des Kühlcontainers, die Temperaturentwicklung im Inneren. Kreisbrandmeister Michael Reick des Kreises Göppingen bestätigte gegenüber dem SWR, dass den Herstellermitarbeitern die Reparatur des Kühlaggregats gelang und zudem eine Ersatz-Zugmaschine bereitgestellt werden konnte.
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Neben Feuerwehr und Rettungsdienst waren auch Einheiten des Katastrophenschutzes im Einsatz. In der Feuerwehrleitstelle wurde unter Beteiligung des Landratsamtes ein Krisenstab eingerichtet. Der Kreisbrandmeister übernahm als Einsatzleiter die Führung vor Ort und forderte für eine mögliche Waldbrandbekämpfung weitere Kräfte aus dem Kreis an. Erste Maßnahmen zeigten Wirkung: Im Verlauf des Abends ließ sich der Gefahrenbereich von 500 auf 150 Meter reduzieren. Gegen 20 Uhr traf Landrat Möller am provisorischen Lagezentrum in Hohenstadt ein, Bürgermeisterin Heinrich (Hohenstadt) war ebenfalls vor Ort.
Innerhalb des Sperrradius lagen auch Wohnhäuser und das Albhotel Malakoff. Das Hotel liegt nach Angaben von Inhaber Andreas Pohl rund 400 Meter von der Autobahn entfernt und damit innerhalb des festgelegten Gefahrenbereichs – sämtliche Gäste mussten das Gebäude verlassen. Rund 300 Einwohnerinnen und Einwohner Wiesensteigs wurden per Lautsprecherdurchsage und Sirenensignal zur Evakuierung aufgefordert. Als Notunterkunft diente die Turnhalle in Mühlhausen. Bürgermeisterin Anette Kölle (Wiesensteig) teilte nach Angaben des SWR mit, die Evakuierten hätten noch am Abend in ihre Häuser zurückkehren können.
Gegen 22 Uhr gaben Spezialisten Entwarnung. Nach Angaben der Polizei war die Gefahr einer Explosion durch die Kühlung des Gefahrstoffs beseitigt. Nach 23:30 Uhr setzte der Lkw unter Polizeieskorte seine Fahrt in Richtung Ulm fort und erreichte das geplante Ziel in Günzburg. Die Vollsperrung der A8 an der Anschlussstelle Mühlhausen dauerte bis nach Mitternacht an und führte über Stunden zu kilometerlangen Staus. Landrat Möller dankte abschließend allen Einsatzkräften für ihr engagiertes, kompetentes und besonnenes Vorgehen unter schwierigen Bedingungen.