Brüssel (Belgien) – Die Europäische Kommission stellt eine neue Strategie zum integrierten Waldbrandrisikomanagement vor. Sie verbindet Prävention, Vorsorge, Reaktion und Erholung und reagiert damit auf die wachsende Waldbrandgefahr in Europa. Für die Feuerwehr relevant sind unter anderem zusätzliche Luftfahrzeuge, die Vorpositionierung von Einsatzkräften und neue Vorhaben zum Gesundheitsschutz.
Symbolbild: European Union – 2018
Mit dem neuen Ansatz möchte die Europäische Kommission einen Rahmen schaffen, den nationale und regionale Behörden sowie weitere Beteiligte umsetzen können. Die Strategie enthält Leitlinien, Beispiele und Empfehlungen, um Waldbrände besser zu verhindern, die Vorsorge zu stärken, Einsätze zu unterstützen und die Erholung nach Bränden zu verbessern.
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Nach Einschätzung der EU-Kommission nimmt der Handlungsdruck zu. Für 2025 bezeichnet sie die zurückliegende Waldbrandsaison als die schwerste seit Beginn der Aufzeichnungen. Mehr als eine Million Hektar brannten in Europa. Als Gründe nennt die Behörde den sich verschärfenden Klimawandel und weitere Treiber.
Einen Schwerpunkt setzt Brüssel auf die Prävention. Die Europäische Kommission plant, ökosystembasierte Maßnahmen zur Waldbrandverhütung stärker zu unterstützen. Ziel sind feuerresistente Landschaften, die durch Naturschutz und die Wiederherstellung der Natur gefördert werden sollen. Gleichzeitig hat die Behörde einen Leitfaden zu Natura-2000-Gebieten und Klimawandel angenommen. Darin geht es um klimaangepasste Planung, um Maßnahmen zur Verringerung des Waldbrandrisikos und um Spielräume für Mitgliedstaaten, in Notlagen wie Waldbränden schnell zu reagieren.
Für die langfristige Planung kündigt die EU-Kommission zudem aktualisierte Leitlinien zur Risikobewertung an. Diese sollen die Mitgliedstaaten in ihre nationale Berichterstattung einbinden können.
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Auch die Bevölkerung soll stärker in die Vorsorge einbezogen werden. Die Europäische Umweltagentur kommt in einer aktuellen Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der befragten Bürger wegen Waldbränden besorgt ist. Die EU-Kommission setzt deshalb darauf, das Risikobewusstsein zu stärken und die Vorbereitung auf Waldbrände stärker in die Ausbildung von Bildungspersonal, in EU-Jugendprogramme sowie in Austausch- und Freiwilligenangebote zu integrieren. Dazu hat sie ein eigenes Europäisches Bürgerforum organisiert.
Für die Feuerwehr und den Bevölkerungsschutz nennt die Europäische Kommission mehrere konkrete Punkte. So sollen Feuerwehrleute weiter in Risikogebieten vorpositioniert und der Austausch von Brandbekämpfungsexperten gefördert werden. Hinzu kommen Informationen zu speziellen Fördermöglichkeiten, die Weiterentwicklung des von Copernicus unterstützten Europäischen Waldbrandinformationssystems sowie Verbesserungen bei Frühwarn- und Brandüberwachungsinstrumenten. Ergänzend arbeitet die Behörde an standardisierten Risikomodellen für ganz Europa und an KI-gestützten Modellierungswerkzeugen für Entscheidungen.
Auch bei den Einsatzmitteln ist ein Ausbau vorgesehen: Die EU-Kommission plant, die rescEU-Flotte um zwölf Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber zu erweitern. Der erste Hubschrauber wurde im Januar 2026 nach Rumänien geliefert und soll in der Waldbrandsaison 2026 bereitstehen. Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Krisenvorsorge und -management, verweist darauf, dass Waldbrände keine Grenzen kennen. Entsprechend müsse auch die europäische Reaktion grenzüberschreitend organisiert sein.
Zusätzlich arbeitet Brüssel an einem europäischen Zentrum für die Brandbekämpfung in Zypern. Dort sollen Ausbildung, Übungen und saisonale Bereitschaft gebündelt werden. Das Zentrum soll sowohl auf Waldbrandnotfälle reagieren als auch dem Kapazitätsaufbau dienen.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Gesundheit von Einsatzkräften. Die Europäische Kommission beabsichtigt, Daten zu erheben, um langfristige Gesundheitsrisiken für Feuerwehrleute besser zu verstehen und sie mit der Belastung durch gefährliche Bedingungen und toxische Stoffe zu verknüpfen. Parallel dazu soll der Austausch über bewährte Methoden der Wiederherstellung nach Bränden gestärkt werden.
Zur Verankerung der Maßnahmen kündigt die EU-Kommission einen Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zum integrierten Waldbrandrisikomanagement an. Die Umsetzung soll gemeinsam mit Mitgliedstaaten, Regionen, der Bevölkerungsschutzgemeinschaft, Landbewirtschaftern und weiteren Beteiligten vorangetrieben werden.
Zeitlich fällt der Vorstoß der EU-Kommission in den Beginn der Waldbrandsaison 2026. In Deutschland stellte der Deutsche Wetterdienst bereits Anfang März in ersten Regionen mittlere Waldbrandgefahr fest.