Warnsysteme im Praxistest

Sirenen, Apps, Cell Broadcast: So läuft der Warntag am 12. März 2026

Berlin (BE) – Am 12. März 2026 testen mehrere Bundesländer ihre Warnsysteme. Der Termin ergänzt den bundesweiten Warntag, den das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für den 10. September 2026 terminiert hat, und rückt dabei die Warnabläufe in Ländern, Leitstellen und Kommunen in den Fokus. Für Feuerwehren ist der Tag besonders relevant: Über Leitstellen, Sirenen und kommunale Warnstrukturen sind sie maßgeblich an der Warnung der Bevölkerung beteiligt und ordnen Warnlagen vor Ort kommunikativ ein.

Am 12. März 2026 testen mehrere Bundesländer ihre Warnsysteme. (Bild: Feuerwehren Hattersheim)

Der Warntag ist weit mehr als ein Sirenentest. Bund, Länder und Kommunen nutzen ihn, um Warnsysteme unter Praxisbedingungen zu erproben, Abläufe zu überprüfen und die Bevölkerung mit Signalen, Warnmeldungen und Verhaltenstipps vertraut zu machen. Wer Warnungen richtig einordnen kann, reagiert im Ernstfall schneller und sicherer. Für Feuerwehren macht der Aktionstag sichtbar, wie technische Warnmittel, Leitstellenarbeit und lokale Kommunikation ineinandergreifen.

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MoWaS: Zentrales Element der Warnung

Zentrales Element der Warnung ist das Modulare Warnsystem, kurz MoWaS. Über MoWaS werden Warnmeldungen an angeschlossene Warnmultiplikatoren und Kanäle (Rundfunk, App-Server und weitere Endanwendungen) ausgespielt. Ergänzt wird das System durch Sirenen, Warn-Apps und Cell Broadcast: Sirenen sorgen für Aufmerksamkeit, Warn-Apps liefern zusätzliche Informationen und Handlungsempfehlungen, Cell Broadcast erreicht empfangsfähige Mobiltelefone direkt, ganz ohne installierte App. Die Verantwortung verteilt sich organisatorisch vom BBK über die Innenministerien der Länder bis zu den Katastrophenschutzbehörden vor Ort. Für die Feuerwehren bedeutet das nicht nur die technische Mitwirkung an der Warnung, sondern auch die Aufgabe, Warnsignale vor Ort einzuordnen, offizielle Informationswege bekannt zu machen und die Bevölkerung kommunikativ zu begleiten.

Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen startet der landesweite Warntag am 12. März 2026 in vielen Kommunen um 11 Uhr. Je nach Standort kommen Sirenen, Warn-Apps, Cell Broadcast, digitale Anzeigetafeln, Internet, soziale Medien und Hörfunk zum Einsatz. Mehrere Städte und Kreise rücken 2026 zusätzlich den Selbstschutz in den Mittelpunkt: Der Warntag soll nicht nur die Technik prüfen, sondern auch zeigen, wie Menschen im Ernstfall richtig reagieren und wo sie verlässliche Informationen finden.

Eine Sirene in Essen (NW). (Bild: Feuerwehr Essen)

Wie stark die Feuerwehr in die Warnung eingebunden ist, zeigen konkrete Beispiele. In Essen lösen Stadt und Feuerwehr um 11 Uhr die Sirenen aus. Ergänzend setzt die Feuerwehr auf soziale Medien, die städtische Internetseite und Warnfahrzeuge mit mobilen Lautsprechern. In Leverkusen löst die Leitstelle der Feuerwehr die Sirenen aus, dazu kommen Warn-Apps, Cell Broadcast und die Direkteinsprache ins Lokalradio. In Köln koordiniert die Feuerwehr die Auslösung aller Warnmittel und überprüft deren Funktion.

Auch andere Kommunen unterstreichen die operative Rolle der Feuerwehr. In Düsseldorf löst die Feuerwehr alle Sirenen aus, testet gemeinsam mit Antenne Düsseldorf die Direkteinsprache ins Lokalradio und bittet die Bevölkerung um Rückmeldungen zur Wahrnehmung der Warnung. Im Kreis Mettmann gibt die Feuerwehr Heiligenhaus bekannt, dass die Leitstelle die Sirenensignale auslöst und der Kreis das Programm von Radio Neandertal testweise für eigene Durchsagen unterbrechen kann. Bottrop weist darauf hin, dass in sirenenfreien Bereichen im Gefahrenfall Lautsprecherfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr warnen würden.

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Hessen

In Hessen beginnt der landesweite Warntag am 12. März 2026 bereits um 10 Uhr, die Entwarnung ist für 10:30 Uhr vorgesehen. Das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz hat den Termin auf den zweiten Donnerstag im März festgelegt. Eingesetzt werden Sirenen, Cell Broadcast, Warn-Apps und Rundfunk – ausgelöst über die hessischen Leitstellen. Neu in 2026: Erstmals ist auch eine Entwarnung über Cell Broadcast vorgesehen.

Im Rheingau-Taunus-Kreis heulen um 10 Uhr die Sirenen, gleichzeitig gehen Warnmeldungen über MoWaS an Radio- und Fernsehsender sowie per Cell Broadcast auf Smartphones. Im Ernstfall sollen weiterführende Informationen über die Notfallseite rtk112.de, den WhatsApp-Kanal der Gefahrenabwehr, Radio, Fahrzeugdurchsagen und die offiziellen Social-Media-Kanäle der Feuerwehr verbreitet werden. Die Freiwillige Feuerwehr Rüdesheim weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass Notrufleitungen für echte Notfälle freigehalten werden sollen.

In Frankfurt am Main wird die Testwarnung gegen 10 Uhr über MoWaS an Warnmultiplikatoren wie Fernsehen, Radio, Warn-Apps und Cell Broadcast verschickt. Zusätzlich löst die Zentrale Leitstelle der Feuerwehr Frankfurt die Sirenen in den Industrieparks Fechenheim und Höchst aus. Die Feuerwehr weist darauf hin, dass es in Frankfurt bislang noch kein flächendeckendes Sirenennetz gibt und dessen stadtweiter Aufbau beschlossen ist.

Der Main-Taunus-Kreis beschreibt den Warntag ausdrücklich als Test von Landes-, Leitstellen- und Kommunalwarnmitteln. Rund 100 Sirenen stehen bereit. In Hattersheim werden neben acht stationären Sirenen erneut mobile Warn- und Kommunikationsanlagen eingesetzt. Erstmals soll dort auch eine Feuerwehr-Drohne mit Lautsprechersystem getestet werden, um praktische Erkenntnisse zu Reichweite, Verständlichkeit und Einsatzmöglichkeit luftgestützter Warnmittel zu gewinnen.

Die Hightech-Drohne der Feuerwehr kann mit unterschiedlichen Anbauteilen ausgestattet werden, zum Beispiel mit einem Lautsprecher. (Bild: Feuerwehren Hattersheim)

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz führt am 12. März 2026 seinen zweiten landesweiten Warntag durch. Der Test startet um 10 Uhr, die Entwarnung ist für 10:45 Uhr geplant. Zum Einsatz kommen Warn-Apps wie Katwarn und Nina, Cell Broadcast und Sirenen. Innenminister Michael Ebling betont anlässlich des Warntages: „Warnsysteme müssen dann funktionieren, wenn es darauf ankommt. Genau deshalb testen wir sie regelmäßig und unter möglichst realistischen Bedingungen.“

Erstmals wird in Rheinland-Pfalz 2026 auch eine Entwarnung über Cell Broadcast versendet. Die technische Umsetzung erfolgte durch das BBK. Sie wurde von einer intensiven Testphase mit den Mobilfunknetzbetreibern begleitet.

Die landesweite Probewarnung wird durch das Lagezentrum Bevölkerungsschutz im Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (LfBK) über MoWaS ausgelöst. Dabei werden grundsätzlich alle angeschlossenen Warnmittel und Warnmultiplikatoren angesprochen. Parallel dazu können kommunale Aufgabenträger Warnmittel, die nicht direkt an MoWaS angeschlossen sind, manuell auslösen.

In Speyer bringt der Brand- und Katastrophenschutz zwischen 10 und 10:45 Uhr zusätzlich die Sirenen im gesamten Stadtgebiet zum Einsatz; an zwei Standorten werden außerdem mobile Warngeräte getestet. Werkssirenen beteiligter Unternehmen ergänzen das Szenario.

Im Kreis Bad Kreuznach werden die Sirenen ebenfalls ausgelöst. Unter anderem dort wird zugleich die Bedeutung der unterschiedlichen Tonfolgen erläutert: Der einminütige auf- und abschwellende Ton signalisiert die Warnung der Bevölkerung, der einminütige Dauerton die Entwarnung. Davon zu unterscheiden ist der Feuerwehr-Alarm mit drei kurzen Dauertönen – er richtet sich ausschließlich an die Feuerwehr. Der Kreis weist außerdem darauf hin, dass digitale Sirenen die bisherigen analogen Feuerwehr-Sirenen inzwischen fast vollständig abgelöst haben.

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Bayern

Auch Bayern führt am zweiten Donnerstag im März einen landesweiten Probealarm durch. 2026 erproben Land und Kommunen ihre Warnsysteme ab 11 Uhr, die Entwarnung folgt um 11:30 Uhr. Im Kreis München kommen Warn-Apps, Cell Broadcast, Katastrophenschutzsirenen und mobile Sirenen zum Einsatz. Ausgelöst werden die Warnungen zentral durch das Bayerische Melde- und Lagezentrum des Innenministeriums. Im Kreis München ist erstmals auch eine Entwarnung über Cell Broadcast vorgesehen.

In mehreren Kommunen des Kreises werden Katastrophenschutzsirenen aktiviert, in Unterschleißheim kommt eine mobile Sirene zum Einsatz. Parallel informiert das Landratsamt über seinen WhatsApp-Kanal „Sicher im Landkreis München“ über aktuelle Warnungen in Krisen- und Katastrophenfällen. Damit werden klassische Warnmittel und digitale Informationswege parallel genutzt.

Praxisnutzen für Feuerwehren

Für Feuerwehren ist der Warntag nicht nur ein technischer Test, sondern auch ein konkreter Anlass für Bürgerinformation. Viele Wehren und Behörden kündigen den Probealarm frühzeitig über Websites, soziale Medien, WhatsApp-Kanäle und lokale Infoseiten an. Begleitend wird empfohlen, Warn-Apps aktuell zu halten, Cell-Broadcast-Einstellungen zu prüfen, Nachbarn zu informieren und offizielle Informationskanäle zu nutzen. Wiederholt wird auch betont, dass die Notrufnummern 110 und 112 nicht mit Rückfragen blockiert werden dürfen.

Genau hier liegt für Feuerwehren ein greifbarer Nutzen: Sie können den Warntag nutzen, um die Bedeutung der Sirenensignale zu erklären, auf lokale Warnwege hinzuweisen und klarzumachen, wo im Ernstfall verlässliche Informationen zu finden sind. Kennen Bürgerinnen und Bürger diese Abläufe, entlastet das im Ereignisfall Leitstellen und Einsatzkräfte spürbar.

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Ausblick

Der nächste bundesweite Warntag ist für den 10. September 2026 geplant. Die Landeswarntage im März ergänzen diesen Termin, weil sie Warnabläufe in Ländern, Leitstellen und Kommunen gezielt unter Praxisbedingungen erproben. Für Feuerwehren bleibt die Warnung der Bevölkerung damit eine Daueraufgabe, die regelmäßig eingeübt werden muss.

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