Streit um gemeinsames Feuerwehrhaus

Konflikt spitzt sich zu: Margrethausen lehnt Umzug weiter ab

Albstadt (BW) – Der Streit um ein gemeinsames Feuerwehrhaus für Margrethausen, Laufen und Lautlingen (Zollernalbkreis) spitzt sich weiter zu. In der Hauptversammlung hat die Feuerwehrabteilung Margrethausen ihre Ablehnung eines Umzugs nach Lautlingen erneut bekräftigt. Abteilungskommandant André Stierle kündigte an, dass die 33 Funkmeldeempfänger der Abteilung am Tag eines Umzugs in den Spinden bleiben würden.

Symbolfoto: Michael Rüffer

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Hintergrund: Beschluss vom April 2025

Hintergrund ist die seit längerem diskutierte Zukunft der Feuerwehrhäuser im Ausrückbereich West. Die Stadtverwaltung legte dem Gemeinderat im Frühjahr 2025 drei Varianten vor: Neubau für jede Abteilung einzeln, Zusammenlegung von Lautlingen und Laufen, oder ein gemeinsames Gebäude für alle drei. In den Vorberatungen votierten die Ortschaftsräte Margrethausen und Laufen jeweils einstimmig dagegen; der Ortschaftsrat Lautlingen empfahl die Zusammenlegung einstimmig. Am 10. April 2025 entschied der Gemeinderat für Alternative III.

Die Drucksache 035/2025 führt an allen drei Standorten bauliche und funktionale Defizite auf, darunter fehlende DIN-Konformität, unzureichende Sozial- und Hygienebereiche, fehlende Übungsflächen sowie problematische An- und Ausfahrtsituationen. Die bisherigen Räume im Kloster Margrethausen sollen laut Beschlussvorschlag einer anderweitigen Nutzung zugeführt werden.

Ein Gutachten vom August 2024 hatte zuvor festgestellt, dass weder für Laufen noch für Lautlingen (und analog auch nicht für Margrethausen) ein Rechtsanspruch auf ein Feuerwehrhaus auf eigener Gemarkung besteht. Festgehalten ist jedoch auch: Die Abteilungen bleiben personell getrennte Organisationseinheiten und behalten jeweils eigene Abteilungskommandanten.

Kostenseitig beziffert die Gebäudebestandsoptimierung (GBO) Alternative I (drei separate Neubauten) auf rund 7,9 Millionen Euro, Alternative III auf rund 6 Millionen Euro. Hinzu kämen laut GBO deutlich geringere Unterhaltskosten über den Abschreibungszeitraum von 50 Jahren. Die GBO sieht bei Alternative III zudem eine Reduzierung des Fahrzeugpools von derzeit sieben auf vier Fahrzeuge vor.

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Stierle: Entscheidung über unsere Köpfe hinweg

Für die Feuerwehr Margrethausen wiegt vor allem das Verfahren schwer. Stierle warf der Stadt vor, die Entscheidung „über die Köpfe der Abteilung und des Ortschaftsrats hinweg“ getroffen zu haben. Laut einer Petition, die schließlich 570 Unterschriften sammelte, wurde der Plan erst drei Tage vor der Gemeinderatssitzung in einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung vorgestellt, ohne Vorabinformation und nach Darstellung der Initiatoren auf unvollständiger Faktenlage. Die Petition selbst kam in der Sitzung laut einem Update der Initiatoren nicht zur Sprache.

Neben der grundsätzlichen Ablehnung benannte Stierle konkrete Punkte, bei denen sich die Abteilung benachteiligt sieht: fehlende Zutrittskontrolle am Gerätehaus, ein ausstehendes Display-Update, keine Wärmebildkamera, keine Weste für den Gruppenführer. Persönliche Konsequenzen zieht er ebenfalls: Er gibt seinen Sitz im Albstadtausschuss ab und fährt sein Engagement für die Feuerwehr insgesamt zurück. Schriftführer Thomas Ganter ergänzte: „Unsere Kameradschaft wird irgendwo und irgendwie fortgeführt, aber dem Feuerwehrhaus in Lautlingen werden wir kein Leben einhauchen.“

Dass der Konflikt nicht nur Margrethausen betrifft, zeigt auch die Entwicklung in Laufen. In der Hauptversammlung der dortigen Abteilung sagte Abteilungskommandant Andreas Schweizer nach einem Bericht von Schwäbische.de aus Februar 2026, die Meinungen aus Laufen und Margrethausen hätten im Verfahren kein Gehör gefunden. Zudem erklärte er, einzelne Ratsmitglieder hätten diese Positionen „fast schon lächerlich verspottet“. Nach dem Beschluss für das gemeinsame Feuerwehrhaus trat der langjährige Laufener Abteilungskommandant Matthias Dapp am 17. April 2025 zurück. Neuwahlen fanden Ende Oktober statt.

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Stadt verweist auf Schutzziele und Fahrproben

Die Stadtverwaltung hält dagegen. Oberbürgermeister Roland Tralmer erklärte gegenüber der Schwäbischen Zeitung, die Sicherheit sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet. Stadtbrandmeister Thomas Daus verwies auf Fahrproben, die die Verwaltung zur Überprüfung der Schutzziele durchführen ließ: Ein HLF 20, das vom geplanten Standort in Lautlingen ausrückt, erreichte demnach Laufen in 3:15 Minuten und Margrethausen in 3:50 Minuten – unter Worst-Case-Bedingungen mit Schneefall und maximal 80 km/h. In der Drucksache heißt es, die Feuerwehr solle in 90 Prozent der Fälle zehn Minuten nach Alarmierung am Einsatzort eintreffen. Außerdem unterstütze die Abteilung Lautlingen Laufen und Margrethausen bereits heute im Tagesgeschäft, unter anderem weil im Ausrückbereich West immer wieder Atemschutzgeräteträger fehlen.

Tralmer lud die Abteilung ausdrücklich ein, sich an Planung und Gestaltung des Neubaus zu beteiligen. Er brachte zudem die Möglichkeit ins Spiel, freiwerdende Räume im Kloster weiterhin für Feuerwehrzwecke zu nutzen. Albstadts Erster Bürgermeister Roland Schmidt bat in der Versammlung um eine Zusammenarbeit, die von Nachsicht und Milde geprägt sei. Gemeinderat Ulrich Deufel appellierte direkt: „Ich kann euch verstehen, aber bitte kehrt zum Gespräch mit der Stadt zurück.“

Auf Facebook schrieb Tralmer bereits im April 2025, er halte einen Austritt von Feuerwehrleuten wegen des geplanten Neubaus für kaum glaubhaft. Zugleich betonte er, die Stadt wolle trotz Sparzwangs einen Millionenbetrag in das neue Feuerwehrhaus investieren und die bestmögliche Ausrüstung für alle drei Abteilungen bereitstellen.

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Wie es weitergeht

Beide Seiten halten bislang an ihren Positionen fest. Die Stadtverwaltung betont, den Grundsatzbeschluss umzusetzen. Die Abteilung Margrethausen hält an ihrer Weigerung fest. Ob die Einladung zur Mitgestaltung des Neubaus die Situation verändert, ist offen.

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