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Die größten Busunfälle in Deutschland

Tödliches Ende einer Schwarzwald-Tour: Es ist der 6. September 1992. An diesem Tag fahren 51 Mitglieder des Fichtelbergvereins von Hof (BY) in den Schwarzwald. Mittags, kurz vor 12 Uhr, fährt der Reisebus am Dreieck Bad Dürrheim auf den Autobahnzubringer 864 Richtung Donaueschingen (BW). Der Bus gerät auf den nicht befestigten Seitenstreifen, sofort versucht der Fahrer das Fahrzeug zu kontrollieren. Ohne Erfolg. Der Bus kommt ins Schleudern, kollidiert mit einem Pkw, stürzt um und rutscht über die Leitplanke. Wie mit einem riesigen Messer wird das Fahrzeug seitlich aufgeschlitzt. 20 Menschen sterben, 32 werden teilweise schwer verletzt. Es folgt ein Einsatz, der für die Hilfskräfte zu einer enormen seelischen Belastung wird. Die grausamen Bilder verfolgen sie noch lange.

Dramatische Lage nach Reisebus-Unfall am Autobahndreieck Bad Dürrheim. Foto: Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis

Klaus Vetter, Abteilungskommandant der FF Bad Dürrheim, traf um 12.09 Uhr am Unfallort ein. “Schon auf der Anfahrt war uns durch den Funkverkehr klar, dass uns ein dramatischer Einsatz bevor steht”, schilderte Vetter damals gegenüber dem Feuerwehr-Magazin. “Bei unserem Eintreffen waren bereits mehrere Rettungswagen vor Ort. Die Erkundung ergab, dass die Frontscheibe des Busses eingeschlagen war und zirka acht Personen gerade aus dem Innenraum kletterten. Weitere zehn Personen liefen teilweise völlig kopflos an der Unfalstelle herum.”

Bei weiterer Erkundung entdeckt Vetter im Innenraum zahlreiche Schwerverletzte und Tote. Im Heckbereich waren durch die Leitplankenbefestigungen große Teile des Busses aufgerissen, Sitze mit den Insassen, Gepäckstücken und Wrackteilen zusammengedrückt. “Das war der schlimmste Anblick”, so Klaus Vetter damals. “Wir mussten an dieser Stelle über leblose Menschen hinwegsteigen. Es war furchtbar.”

Busunglück auf der A9: erschütternde Details

Busunglück bei Apen/Remels

Am Morgen des 11. November 2010 kracht ein mit 23 Schülern und fünf Erwachsenen besetzter Bus auf der Autobahn A 28 bei Apen/Remels (NI) in eine Wanderbaustelle. Der Bus erwischt mit der rechten Fahrzeughälfte ein Absicherungsgespann. Von der Windschutzscheibe bis fast zur hinteren Einstiegstür wird der Bus in Kopfhöhe der Insassen aufgeschlitzt. Zwei Erwachsene sterben, neun von den 23 Kindern werden teilweise schwer verletzt – drei Opfer sind eingeklemmt.

13 Tote bei Unfall mit polnischem Reisebus bei Berlin

Es ist der 26. September 2010, gegen 10 Uhr. Eine Pkw-Fahrerin fährt bei Rangsdorf südlich von Berlin auf die Autobahn A 10. Bei strömendem Regen prallt sie dabei gegen einen Reisebus, besetzt mit 47 Urlaubern aus Polen, die auf dem Rückweg aus Spanien sind. Der Bus gerät ins Schleudern und kracht gegen einen Brückenpfeiler. 13 Insassen kommen bei dem schweren Unfall ums Leben, die anderen Passagiere erleiden zum Teil schwere Verletzungen. Auch die Pkw-Fahrerin wird schwer verletzt.

Für den langwierigen Rettungseinsatz rücken insgesamt knapp 300 Helfer an – aus Berlin und Brandenburg. Gerade für die ersteintreffenden Einsatzkräfte bleibt die Lage in Erinnerung. Viele Menschen schreien um Hilfe. Unter den Opfern sind Familien mit Kindern.

Technische Hilfeleistung nach Lkw-Unfällen

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Sprach-Chaos – Busunfall bei Bitterfeld (ST)

Eine Reisegruppe aus Dänemark, darunter viele Kinder und Jugendliche, ist in der Nacht des 13. Februar 2010 mit einem Doppeldecker-Bus auf der Autobahn A 9 Richtung Süden unterwegs. Die Insassen gehören zum Jugendclub Kærnehuset auf der Kopenhagener Insel Amager, sind auf dem Weg zu einem Ski-Ausflug. Kurz nach 1 Uhr gerät der vollbesetzte Bus mit Gepäckanhänger auf der schneebedeckten Fahrbahn ins Schleudern, prallt gegen die massive Mittelleitplanke aus Beton und kippt um. Dann rutscht er noch zirka 30 Meter auf der Betonleitplanke weiter und prallt mit dem Dach voran gegen den Pfeiler einer Schilderbrücke.

66 Menschen sind verletzt, zehn von ihnen schwer. Für drei Opfer kommt jede Hilfe zu spät. Die Feuerwehren aus Bitterfeld-Wolfen, Dessau-Roßlau und Umgebung sehen sich einem enormen Chaos gegenüber. Sprachprobleme erschweren den Einsatz.

Sturz in die Wupper – Busunfall in Radevormwald (NW)

Der 22. September 2009 ist ein sonniger Spätsommertag im Oberbergischen Kreis (NW). Den Mitarbeitern der Kreis-Feuerwehr- und Rettungsleitstelle “Florian Oberberg” in Marienheide-Kotthausen (nahe Gummersbach) meldet um 11.49 Uhr ein aufgeregter Anrufer: “Am Wuppermarkt ist ein Bus in die Wupper gestürzt!” Um was für einen Bus es sich handelt, kann der Leitstellendisponent nicht in Erfahrung bringen.

Es handelt sich um einen Linienbus, der bei Radevormwald in die Wupper gestürzt ist. Fünf Menschen sterben, sieben weitere werden verletzt. Eine große Herausforderung ist für die Retter, die Böschung hinunter an das Wrack zu gelangen. Neben dem technischen Einsatz beschäftigen vor allem das mediale Interesse und die Anfragen vieler Angehöriger die Einsatzkräfte.

Eingesetzte Kräfte beim Busunfall Radevormwald

Freiwillige Feuerwehr Radevormwald (LZ I + II) mit 77 Kräften aus folgenden Einheiten:
Löscheinheit Stadtmitte: LF 16/12, LF 16-TS, DLK 23-12, GW-Öl, GW-Wasserrettung, Lkw, KTW, NAW und RW 1.
Löscheinheit Herbeck: LF 8/6, GW-Gefahrgut und MTW.
Löscheinheit Herkingrade: ELW1 und TLF 16/25.
Löscheinheit Önkfeld: LF 8/6 und MTW.
Löscheinheit Remlingrade: TSF.
Berufsfeuerwehr Remscheid: 23 Kräfte mit ELW 1, drei NEF, sechs RTW, KTW und GW-San.
Berufsfeuerwehr Wuppertal: 20 Kräfte mit zwei ELW, zwei RTW, RW, HLF 20/16 und FwK 40.
Rettungsdienst Oberbergischer Kreis:
Rettungswache Hückeswagen: zwei Kräfte mit RTW.
Rettungswache Wipperfürth: vier Kräfte mit NEF, und KTW.
Leitender Notarzt: 1 Kraft.
Rettungsdienst Ennepe-Ruhr-Kreis: vier Kräfte mit NEF und RTW.
RTH Christoph 3: drei Kräfte.
RTH Christoph 9: drei Kräfte.
Berufsfeuerwehr Köln: Tauchergruppe und Christoph Rheinland mit zehn Kräften.
DLRG: 54 Kräfte der Ortsgruppe Oberbergischer Kreis und Ortsgruppe Rheinisch-Bergischer Kreis.
Deutsches Rotes Kreuz: 41 Kräfte mit zwei RTW, Besetzung Per-sonenauskunftsstelle des Ober-bergischen Kreises, Betreuungs- und Transporteinheit.
Malteser Hilfsdienst: zwei Kräfte mit RTW.
Notfallseelsorger: 21 Kräfte u. a. mit einem Fahrzeug der Feuerwehr Remscheid und Privat-Pkw.

Feuerfalle Reisebus – 20 Tote auf der Autobahn A 2 bei Garbsen (NI)

Am 4. November 2008 befindet sich der Bus eines Hannoverschen Reiseunternehmens auf dem Rückweg Richtung Hannover von einer Tagesfahrt ins Münsterland. Auf der Autobahn A 2, kurz hinter der Auffahrt Garbsen, stellt einer der – überwiegend älteren – Fahrgäste plötzlich Brandgeruch fest. Nach dem Öffnen der Toilettentür kommt es vermutlich in Sekundenbruchteilen zu einer Durchzündung. Der hintere Teil des Busses steht schlagartig in Flammen. Eine Frau ruft panisch “Feuer, Feuer!”. Der Fahrer reagiert sofort und bringt den Bus auf dem Standstreifen zum Stehen.

Zwölf Mitreisende aus dem vorderen Bereich des Busses retten sich, teilweise schwer verletzt, ins Freie. Der Busfahrer versucht noch, zu den anderen Reisenden zu gelangen. Doch Hitze und Qualm breiten sich so schnell aus, dass er nichts mehr ausrichten kann. Innerhalb von 2 Minuten kann der Bus nicht mehr betreten werden. In diesen Momenten wird klar: Längst nicht alle Insassen haben es ins Freie geschafft.

Um an sein Handy zu gelangen, durchschlägt der 51-jährige Busfahrer schließlich mit bloßer Faust die Seitenscheibe des Busses. Sein Notruf läuft um 20.34 Uhr bei der Regionsleitstelle Hannover auf. In derselben Minute lösen die Leitstellen-Disponenten das Alarmstichwort “BVA 2” aus (Brand Verkehrsmittel außerhalb geschlossener Ortschaft, Stufe 2). Der Alarmierungszeitpunkt ist günstig: Die zuständigen Feuerwehren Garbsen und Schloss Ricklingen sind gerade mit ihrem Übungsdienst beschäftigt und können sofort ausrücken.

6 Minuten nach dem Alarm trifft ein Tanklöschfahrzeug (TLF) 16/25 am Einsatzort ein. Zu diesem Zeitpunkt brennt der gesamte Fahrgastraum des Busses in voller Ausdehnung. Die dramatische Rückmeldung des TLF-Staffelführers: “Bus in Vollbrand, laut Busfahrer noch Personen in Bus.” Ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst rückt ein, im Minutentakt erreichen weitere Kräfte und Einsatzmittel die Einsatzstelle. Doch für 20 Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Bei den Opfern handelt es sich um ein 13-jähriges Mädchen, 13 Frauen und sechs Männer im Alter von 43 bis 80 Jahren.

Insgesamt waren zirka 230 Kräfte mit 63 Fahrzeugen an der Einsatzstelle. Rund 120 weitere Kräfte standen an den Bereitstellungsräumen abrufbereit.

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Verhängnisvolle Kettenreaktion – Busunglück bei Bernburg (ST)

Am 18. Juni 2007 starten 48 Mitglieder des landwirtschaftlichen Ortsvereins in Hopsten (NW, Kreis Steinfurt) in Richtung Dresden. Gegen 13.40 Uhr nähert sich der Bus einer Unfallstelle auf der Autobahn 14 bei Bernburg. Hier wird der Verkehr in Richtung Dresden einspurig vorbeigeführt, es kommt zu einem Stau. Der Busfahrer erinnert sich später: “Ich bin ganz langsam ans Stauende herangefahren, habe fast gestanden.” Plötzlich gibt es einen riesigen Knall. Der Bus lässt sich nicht mehr lenken, wird über die Leitplanke geschoben und stürzt eine etwa 8 Meter tiefe Böschung hinunter. Auf dem Dach bleibt der Dreiachser liegen.

Der Fahrer eines Baufahrzeugs hat das Stauende übersehen. Eine Zeitung berichtet später, er habe gerade nach einer Wasserflasche gegriffen. Im Polizei-bericht steht “Unachtsamkeit” als Unfallursache. Fast ungebremst prallt der Lkw hinten links auf den Bus und katapultiert ihn über die Leitplanke.

Um 13.46 Uhr geht der erste Notruf über Handy bei der Integrierten Leitstelle in Bernburg ein. “Weitere Notrufe folgen in den nächsten Minuten”, berichtet Gereon Schelhas, damals der zuständige Amtsleiter der Kreisverwaltung Bernburg. Schon der erste Anru-fer meldet: “Unfall mit Bus auf der A 14, zirka 50 Verletzte.” Um 13.48 Uhr alarmiert der zuständige Disponent die Schwerpunktfeuerwehr Bernburg sowie die Stützpunktfeuerwehr Alsleben und die Feuerwehr mit Grundausstattung Plötzkau. In den ersten Minuten nach der Alarmierung rücken bereits über 50 Kameraden in Richtung Autobahn aus.

Ihnen bietet sich beim Eintreffen eine schreckliches Szene. Der Bus liegt auf dem Dach, Menschen schreien um Hilfe und die Helfer haben Mühe, die Böschung hinunter zum Bus vorzudringen. Bei diesem Busunfall kommen 13 Reisende ums Leben, 39 Menschen teilweise schwer verletzt.

Weitere verheerende Busunglücke

24. August 2003: Ein Bus stürzt von der A 9 bei Weißenfels. Vier Insassen sterben, 19 werden verletzt.
24. August 2003: Ein Bus stürzt von der A 9 bei Weißenfels. Vier Insassen sterben, 19 werden verletzt.
10. Januar 2003: Drei Tote und 45 Verletzte, so die Bilanz eines Unfalls auf der Inntalautobahn in Bayern. Ein vollbesetzter Reisebus war von zwei Lkw gerammt worden.
21. Juli 2002: Nördlich von Berlin rast ein Bus in ein Stauende. Sechs Businsassen, darunter fünf Kinder, sterben.
30. November 1999: Bei Altlandsberg (BB) fährt ein Schul-bus gegen einen Baum. Vier Kinder und der Fahrer sterben bei dem Unfall.
12. Februar 1996: Auf glatter Fahrbahn kommt ein Reisebus bei Winterberg (NW) von der Straße ab und stürzt einen Hang hinab. Bilanz: sieben Tote.
4. März 1995: Auf der A 3 bei Helmstedt (BY) rast ein Lkw in ein Stauende und schiebt einen Kleinbus zusammen. Sieben Tote.

 

Buchkritik: “Für immer im Kopf”

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