Sonntag, 26. März 2017

Flächenbrand: Tipps für die Einsatz-Taktik

13. September 2016 von  

Feuer auf einem Getreide- oder Stoppelfeld – viele Feuerwehrleute unterschätzen die Gefahr von Flächenbränden. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Unfälle mit ausgebrannten Einsatzfahrzeugen, verletzten oder sogar getöteten Kameraden. Jan Südmersen hat Tipps zusammengestellt, auf was die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung von Flächenbränden geachtet werden muss.

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Brandbekämpfung auf einem brennenden Getreidefeld. Die Kameraden gehen ein hohes Risiko ein. Wenn wie hier die Flammen höher als anderthalb Meter sind, ist der Einsatz von Feuerpatschen zu gefährlich. Nicht zu unterschätzen ist auch die enorme Hitzestrahlung des Feuers! Foto: Jann

Es ist nicht der Sachwert, der immerhin je nach Feldgröße und Getreideart mehrere tausend Euro betragen kann, sondern die teilweise massive Eigengefährdung, die von Feldbränden ausgehen kann. So hat es immer wieder kleinere und größere Unfälle bei der Bekämpfung von Flächenbränden gegeben. Einsatzkräfte sollten grundsätzlich eins bedenken: Bei dieser Einsatzart geht es darum, lediglich einen Sachwert, bzw. bei Stoppelfeldbränden „nur“ die Umwelt zu schützen. Es ist unverantwortlich, Leben und Gesundheit der eigenen Kameraden zu gefährden. Sicherheit ist oberstes Gebot!

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Schnellangriff vom Fahrzeug gerissen und Wasser marsch! So wie hier gehen viele Feuerwehren vor. Besser ist jedoch der Einsatz von Verteiler und Rollschläuchen. Die lassen sich im Notfall abkuppeln und zurücklassen, falls das Fahrzeug flüchten muss. Foto: Nimtz

Was aber macht diese Brände so gefährlich? Vegetationsbrände werden maßgeblich von drei Faktoren beeinflusst: Eigenschaften der Vegetation, Wetter und Gelände. Je geringer der Gehalt von Feuchtigkeit in einer Pflanze, desto schneller verbrennt sie, da das Wasser die Pflanze von innen kühlt und es erst verdampfen muss, bevor die brennbaren Bestandteile Feuer fangen. Getreideernten werden naturgemäß dann eingebracht, wenn das Feld nach einer langen Sonnenperiode ausgetrocknet ist – und dann zumeist am späten Nachmittag, wo die Sonne die Taufeuchte beseitigt hat.

Dazu kommt die große Oberfläche – dicht stehendes, hohes Getreide an langen, dünnen Stielen stellt eine enorm große Oberfläche dar. Je größer die Oberfläche eines Brandgutes, desto schneller verläuft seine Verbrennung.

Eine besondere und niemals zu unterschätzende Gefahr ist der Einfluss von Wind auf das Brandverhalten. Zieht eine Gewitterfront auf, können plötzlich Sturmböen und Fallwinde auftreten. Windböen können zum einen Feuersaum mit hohen Geschwindigkeiten vorantreiben und Einsatzkräfte zum schnellen Rückzug zwingen. Außerdem haben sie einen direkten Einfluss auf die Längen der Flammen und damit auf die Sicherheit und die Taktik der Einsatzkräfte. Bei einer Flammenlänge (Höhe) über anderthalb Meter sollte nicht mehr frontal angegriffen werden – das Feuer könnte die Kräfte überrollen!

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Immer einen Fuß auf verbrannter Erde

Die sicherste Möglichkeit, diese Brände zu bekämpfen, ist das Aufrollen der Flanken in Richtung Feuersaum von einem gesicherten Ankerpunkt aus – meistens der Rand des Feldes. Die einfache Faustformel: Immer einen Fuß auf verbrannter Erde halten! Dies bedeutet, dass immer eine schnelle Flucht in den verbrannten und damit sicheren Bereich möglich sein sollte.

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Ein Angriffstrupp nähert sich vom verbrannten, sicheren Bereich der Flanke eines Flächenbrandes. Die Verwendung von Pressluftatmern ist allerdings im Regelfall nicht sinnvoll und stellt eine enorme Belastung bei sommerlichen Einsätzen dar. Foto: Nimtz

Getreidefelder sind zumeist in ebenem Gelände angelegt. Sind sie es nicht, stellt die Hanglage ein weiteres Problem dar: An Hängen verlaufen Ve-getationsbränden besonders schnell. Brände in Hanglagen führen jedes Jahr in den besonders von Waldbränden geplagten Ländern zu tödlichen Unfällen bei der Brandbekämpfung – so war das zum Beispiel auch der maßgebliche Grund für den Tod von 14 kroatischen Feuerwehrmännern im Sommer 2007.

Wärmeisolierende Schutzkleidung nach EN 469 ist für Vegetationsbrände im Sommer nicht oder nur kurzfristig sinnvoll. Ein brennendes Getreidefeld mit HuPF-Überbekleidung und gegebenenfalls umluftunabhängigem Atemschutzgerät anzugehen, ist zuviel des Guten – im Gegenteil, hier wird die PSA zur besonderen, auch lebensgefährlichen Belastung. Idealerweise sollte eine spezielle Schutzausrüstung so aussehen:

  • Möglichst leichter Feuerwehr-Schutzhelm
  • Feuerschutzhaube
  • Dichtschließende Schutzbrille
  • Partikelfilter-Einwegmaske
  • Einlagiger, schwer entflammbarer Feuerwehr-Schutzanzug
  • Gut sitzende Feuerwehr-Schutzschuhe (Schnürstiefel)
  • Atemschutzanschluss mit Feuerwehrfilter als Fluchtgerät
  • Feldflasche o. ä.

Dies ist bei vielen Feuerwehren im Erstangriff nicht realisierbar, aber es empfiehlt sich, entsprechende Ausrüstung zumindest auf nachrückenden Fahrzeugen nachzuführen.

Auch wenn die Brandbekämpfung eine schweißtreibende Angelegenheit ist, haben nackte Oberkörper und vorsätzliche benässte Schutzausrüstung im Einsatz nichts verloren. Die vermeintliche Linderung führt zu einer höheren Gefährdung des Körpers. Es ist frühzeitig und ausreichend für Kaltgetränke zu sorgen (ein Liter pro Stunde und Feuerwehrangehörigen).

Flächenbrand: Zeit für die Erkundung

Obwohl die Rauchsäule eines brennenden Getreidefeldes optisch sehr imposant sein kann, sollte sich der Einsatzleiter die Zeit für eine umfassende Erkundung nehmen. Folgende Punkte gilt es zu beachten:

  • Wie ist die Windrichtung?
  • Wie stark ist der Wind, welche Flammenlängen sind vorhanden?
  • Was liegt in der Hauptausbreitungsrichtung?
  • Feld abgeerntet oder nicht?
  • Landwirt/Erntegeräte vor Ort?
  • Nächste Wasserentnahmestelle?

Da insbesondere im Ersteinsatz immer zu wenige Feuerwehrkräfte vor Ort sind, müssen taktische Prioritäten gesetzt werden:

  1. Sicherheit und Gesundheit aller Einsatzkräfte
  2. Verhinderung der Ausbreitung auf Gebäude oder Sachwerte
  3. Verhinderung der Ausbreitung auf leicht brennbare Vegetation (z. B. Nadelgehölz am Feldrand)
  4. Eindämmung des Brandes auf dem Feld.

Allgemein empfehlen sich folgende Sicherheitsregeln: An jedem Einsatzabschnitt sollte ein unabhängiger Beobachter stehen, der bei plötzlichen Wetteränderungen (Wind) oder Brandinseln das eingesetzte Personal warnt. Um bei einer Lageänderung auch unter schwierigen Verhältnissen eine schnelle Räumung des gefährdeten Bereichs durchführen zu können, sollte ein eindeutiges Rückzugssignal vereinbart werden.

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Auch Getreidefelder finden sich mitunter in Hanglagen. Brände sind hier besonders tückisch, da die Ausbreitung wesentlich schneller vonstatten geht als auf ebener Fläche.

Eine Verbindung zur Einsatzleitung und innerhalb der Einheit ist bei Flächenbränden äußerst wichtig. Besteht sie nicht, ist die Gefahr groß, von plötzlichen Lageänderungen überrascht zu werden.

Jeder Einsatzabschnitt muss über einen vorher ausgesuchten Rettungsweg verfügen. Dieser Rettungsweg muss allen Einsatzkräften bekannt sein, sollte möglichst brandlastarm sein und zu einer Sicherheitszone führen.

Eine Sicherheitszone ist ein Bereich, in dem die Einsatzkräfte ohne weitere Schutzmaßnahmen vor einem Feuer in Sicherheit sind und ein Feuersaum die Einsatzkräfte nicht gefährdet. Dies kann beispielsweise eine Straße, ein felsiges Gebiet oder ein Gewässer sein.

Löschfahrzeug in Fluchtrichtung

Die Verhinderung der Ausbreitung auf Gebäude oder Sachwerte erfordert in den meisten Fällen den Einsatz eines wasserführenden Fahrzeugs. Hier gilt es, ein oder zwei Schlauchleitungen am Objekt bereitzulegen und Entstehungsbrände abzulöschen. Eine Bekämpfung des Feuersaumes ist nicht ratsam, so lange nicht sicher ist, dass das Objekt gehalten werden kann. Das Löschfahrzeug muss in „Fluchtrichtung“ geparkt und die ausgelegten Schläuche schnell abgekuppelt werden können (deshalb keinen Schnellangriff einsetzen!). Übrigens: Gebäude mit einem großen Garten und entsprechenden Grünanlagen sind relativ sicher vor einer Brandausbreitung.

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Ein Frontalangriff gegen die Windrichtung, der aus der unverbrannten Fläche heraus gestartet wird, ist lebensgefährlich. Mit rasanter Geschwindigkeit kann die Flammenwand über Einsatzkräfte und Fahrzeuge hinwegrollen. Unfälle dieser Art enden nicht selten tödlich

Die Verhinderung der Ausbreitung auf andere leicht brennbare Vegetation – insbesondere in Nadelwäldern – sollte besonderen Vorrang haben, da Brände dort mit sehr hohem Aufwand bekämpft werden müssen. Läuft das Feuer auf einen Laubwald zu oder einen Weg, so reicht es, hier z. B. einen Trupp mit Kleinlöschgerät einzusetzen, um ein durch Funkenflug entstandene Brandinseln abzulöschen – das Feuer wird sich hier in den meisten Fällen „tot laufen“.

Nach einer umfassenden Erkundung und Festlegung der wichtigsten Ziele, stellt sich die aus dem Führungskreislauf bekannte Frage: „Welche Möglichkeiten zur Abwehr der Gefahr bestehen?“ Grundsätzlich stehen folgende Optionen zur Verfügung:

Defensiv: Feuer laufen lassen

Wenn sich das Feuer auf einen Grünstreifen, einen Weg oder ein Gewässer zu bewegt und in der Kürze der Zeit ein koordinierter und schlagkräftiger Löschangriff nicht mehr bewerkstelligt werden kann: Lassen Sie das Feuer in diese Bereiche laufen und überwachen den Bereich in der Windrichtung. Wenn Brandinseln entstehen, müssen diese abgelöscht werden.

Defensiv: Wundstreifen anlegen

Wenn der Landwirt noch mit einem geeigneten Gerät vor Ort ist, kann in ausreichender Entfernung zur Feuerfront ein „Wundstreifen“ (durch Umpflügen) angelegt und verbreitert werden. Dieser Streifen beginnt stets an einem Ankerpunkt – etwa einem Weg oder Grünstreifen. Der Einsatzleiter muss darauf achten, dass der Sicherheitsabstand groß genug ist – er/sie ist für die Sicherheit des Fahrzeugführers verantwortlich! Auch dieser Wundstreifen sollte durch eine Raumüberwachung gesichert werden.

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Defensiv: Schaumsperre anlegen

Sofern es nicht zu windig und die Vegetation nicht zu hoch ist, kann eine Mittelschaumsperre angelegt werden, um das Bodenfeuer aufzuhalten. Dazu wird mit einem Mittelschaumrohr eine mindestens 50 Zentimeter breite Sperre angelegt. Auch hier gilt: Überwachen der in Windrichtung liegenden Flächen.

Offensiv: Angriff mit Feuerpatschen

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Überschaubares Feuer: Flammen dieser Größe können im Regelfall problemlos mit Feuerpatschen bekämpft werden. Eine vollständige Schutzkleidung (einlagig reicht) ist erforderlich, da das Feuer durch Wind schnell aufflammen kann. Foto: Jann

Limitierender Faktor für den Einsatz von Feuerpatschen ist die Flammenlänge: Wenn die Flammen höher als 1,50 Meter sind, wird die Einsatzkraft zu stark gefährdet. Selbst wenn man es zuließe, ist ein längerer Einsatz durch die Wärmestrahlung äußerst belastend. Hier bietet es sich an, die Feuerpatsche in Kombination mit Schlauchleitung und Rückenspritzen zu benutzen.

Wenn Feuerpatschen eingesetzt werden, dann am besten im Verbund. Dabei wird mit der Patsche nicht wie mit einem Hammer weit ausgeholt, sondern maximal 30 bis 50 Zentimeter angehoben und auf den Boden gedrückt, da der Löscheffekt weniger aus dem Wegschlagen der Flamme besteht, sondern beim Aufdrücken auf den Boden durch die Trennung Brennstoff und Umluft. Tipp: Mehrere Feuerpatschen gleichzeitig und rhythmisch einsetzen.

Offensiv: Angriff mit Sandwurf/Übererden

Wenn kein Löschmittel zur Verfügung steht, kann mittels Sandwurf aus dem verbrannten Bereich heraus ein kleinerer Feuersaum bekämpft und ggf. „übererdet“ werden – auch in Kombination mit Feuerpatschen.

Offensiv: Angriff mit TLF

Unglück im Einsatz: Ein Löschgruppenfahrzeug ist von den Flammen erfasst worden und nahezu völlig ausgebrannt. Foto: Bartsch

Unglück im Einsatz: Ein Löschgruppenfahrzeug ist von den Flammen erfasst worden und nahezu völlig ausgebrannt. Foto: Bartsch

Die beste und effektivste Möglichkeit ist immer der Angriff mit einem „Pump-and-Roll“ fähigen Tanklöschfahrzeug (TLF), wie dem TLF 8-W aus Niedersachsen, den WTLF aus Brandenburg – oder jedem TSF-W. Beginnend an einem Ankerpunkt wird der Feuersaum abgelöscht. Dies ist besonders effektiv, wenn zwei Fahrzeuge im Tandembetrieb hintereinander fahren: Das TLF bekämpft den Großteil des Feuers, die Besatzung eines LF führt mit Feuerpatschen, Spaten und Strahlrohr die Nachlöscharbeiten durch. Ein Überfahren eines brennenden Feuersaumes an sich sollte vermieden werden.

Zur Eigensicherung sollte es immer möglich sein, ein weiteres Rohr vorzunehmen. Eine Löschwasserreserve von 200 bis 400 Litern muss deshalb bleiben – niemals den Tank bis zum letzten Tropfen leeren.

Text: Jan Südmersen

Kommentare

1 Kommentar zu “Flächenbrand: Tipps für die Einsatz-Taktik”
  1. Tim R. sagt:

    Sehr hilfreiche Tipps!

    In unserem Stadtgebiet gibt es 42% Waldflächen und viele Felder und wiesen.
    Wir sind mit mehreren TLF2000, TLF3000 mit Gruppenkabienen und mehreren TLF4000 gut vorbereitet.

Kommentare

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