Montag, 26. September 2016

Rettungsspreizer: Vielseitig in der Anwendung

22. Juni 2016 von  

Rettungsspreizer können weit mehr als nur Türen aus Unfallwracks reißen oder ein Armaturenbrett anheben. Wofür diese Geräte noch geeignet sind und was es dabei zu beachten gilt, zeigen wir Ihnen hier. Rettungsspreizer waren die ersten hydraulischen Rettungsgeräte, die zu Beginn der 70er Jahre aus den USA nach Europa eingeführt wurden. Seither sind sie durch neue Materialien und höhere Arbeitsdrücke nicht nur immer leichter, sondern auch immer leistungsfähiger geworden. Arbeiteten die ersten Geräte noch mit Drücken bis 350 bar, sind heute Arbeitsdrücke bis 720 bar üblich. Die Funktionsweise eines Spreizers beruht auf dem Ausfahren eines doppelt wirkenden (in beide Richtungen wird eine Kraft ausgeübt) Hydraulikzylinders. Seine Kräfte werden über Gelenke auf die beiden Arme des Rettungsspreizers übertragen.

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Der Spreizer war das erste hydraulische Rettungsgerät, welches den Feuerwehren an die Hand gegeben wurde. Hier setzt ihn ein Feuerwehrmann ein, um ein eingedrücktes Dach wieder nach außen zu drücken. Foto: Patrick Allinger

Das klassische Anwendungsgebiet des Rettungsspreizers ist das Heraustrennen von Türen an einem Unfallfahrzeug, um einen Zugang zum eingeklemmten Patienten zu schaffen. Außerdem dient er im späteren Verlauf der technischen Hilfeleistung zum Entklemmen, indem mit ihm die in die Fahrgastzelle eingedrungenen Teile der Karosserie – wie etwa das Armaturenbrett – wieder vom Patienten weggedrückt werden. Für diese Aufgabe werden inzwischen in vielen Fällen Rettungszylinder eingesetzt.

Mit dem Spreizer lassen sich Unfallfahrzeuge kurz anheben, um einen stabilen Unterbau unter die Karosserie schieben und das Fahrzeug damit stabilisieren zu können. Allerdings sollte dieses Verfahren vorher geübt werden und nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen. Auch andere Lasten können mit dem Spreizer angehoben werden, etwa, um Raum für das Ansetzen eines kleinen Rettungszylinders oder Hebekissens zu schaffen. Dabei sollte aber auf einige Dinge geachtet werden:

  • Den Rettungsspreizer nicht zu weit ausfahren, sonst droht er zu kippen und die Last kann von den Spreizerspitzen abrutschen. Vor dem Anheben ist die Last gegen Wegrollen/Wegrutschen zu sichern.
  • Wenn das Gerät zum Beispiel auf Sand oder Gras abgestützt wird, muss mit einer Holzbohle das Gewicht auf eine größere Fläche verteilt werden, ansonsten drückt die untere Spitze in den weichen Boden.
  • Lasten immer möglichst schlüssig unterbauen. Dabei niemals unter die Last oder zwischen Last und Unterbau greifen. Auf ausreichende Stabilität achten.
  • Vorsicht vor dem Kippmoment. Wird eine Last einseitig angehoben und wandert dabei ihr Schwerpunkt über die Kante hinaus, auf der sie steht, kippt sie um.
  • Spreizer werden nur von einer Person bedient. Das Truppmitglied unterstützt beim Ansetzen, durch Nachführen des Schlauchs und Unterbauen der angehobenen Last, nicht jedoch bei der Bedienung. Darauf wird auch in den Bedienungsanleitungen hingewiesen.

Die Spreizerspitzen sollten flach, griffig, stabil und sauber sein. Somit können sie auch in kleine Spalten eindringen und rutschen nicht so leicht ab. Enge Spalte werden durch Nachsetzen Stück für Stück erweitert. Auch dadurch kann ein Abrutschen vermieden werden. Auf diese Weise können Türspalte erweitert werden. Schnitte an besonders breiten C- oder D-Säulen – die hinteren Säulen bei Limousinen und Kombis – lassen sich so erweitern, um mit dem Schneidgerät nachsetzen zu können.

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Muss ein Patient schnell gerettet werden, reicht es eventuell schon aus, mit dem Spreizer das Lenkrad samt Armaturenbrett ein Stück nach oben zu drücken. Foto: Weber-Hydraulik

Der Rettungsspreizer sollte zudem so gehalten werden, dass alle zu spreizenden oder abzutrennenden Teile vom Patienten weggeführt werden.

Selbstverständlich lässt sich ein Rettungsspreizer auch in anderen Situationen als einem Verkehrsunfall einsetzen, zum Beispiel beim Spreizen von Geländern, Zäunen, Maschinenteilen, Türen in Gebäuden, Fenstergittern oder beim Anheben von Beton- und Stahlteilen.

Der Rettungsspreizer als Zange

Da der Hydraulikzylinder nicht nur beim Aus-, sondern auch beim Einfahren eine Kraft erzeugt, kann der Spreizer auch zum Quetschen oder Greifen benutzt werden. Die hierbei auftretenden Schließkräfte sind jedoch geringer als die Spreizkraft.

Beim Quetschen sollten Sie darauf achten, dass keine Personen durch abbrechende und umherfliegende Teile gefährdet werden. Nicht vor dem Spreizer aufhalten. Behalten Sie die Arme Ihres Geräts im Auge. Eventuell müssen Sie den Vorgang abbrechen und neu ansetzen, wenn sich die Arme verbiegen. Dies kann vor allem bei Überlastung durch seitlich auftretende Lasten passieren, da der Spreizer diese nur schlecht verkraftet.

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Mit einem Spreizer wird der vordere Kotflügel gequetscht, um an der Tür einen Spalt zu schaffen. Hier kann dann der Spreizer angesetzt werden, um die Tür herauszureißen. Foto: Holmatro

Gequetscht werden können die Holme von Pkw, um sie mit dem Schneidgerät besser umfassen zu können. Rohre lassen sich mit dem Rettungsspreizer zusammendrücken, um zum Beispiel das Austreten von Flüssigkeiten zu verringern oder zu stoppen. Zum Quetschen möglichst immer die Spreizerspitzen verwenden.

Sie können den Spreizer auch als Zange verwenden, um zum Beispiel beim Schaffen des Beinraumfensters das vorher geschnittene Blechteil nach außen zu biegen. Auch Blechkanten an Türen oder der Motorhaube lassen sich damit umbiegen, wenn Sie Spalte zum Ansetzen des Spreizers vergrößern wollen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie den Spreizer immer nur in Spreizrichtung belasten, nie quer dazu. Sie können mit dem Spreizer auch einen Schwelleraufsatz oder ein Rüstholz fixieren, um ein Widerlager für einen Rettungszylinder zu schaffen.

Schälen und Ziehen mit dem Rettungsspreizer

Mit vielen Spreizern ist das Aufschälen von Blechverkleidungen möglich. So lassen sich in die Außenhaut von Bussen, Eisenbahnwaggons oder Flugzeugen Zugangsöffnungen reißen. Die Hersteller bieten vielfach auch einen Schälsatz an, der statt der Spreizerspitzen an den Armen des Geräts befestigt werden kann. Wichtig ist dabei, dass die Spreizerspitze so tief in das Material eindringen kann, dass der Schälbereich erreicht wird.

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Anstelle der Spreizerspitzen können auch diese Kettenschlösser befestigt werden. Mit ihrer Hilfe kann mit einem Spreizer – hier ein elektrisch betriebenes Kombigerät – auch gezogen werden. Foto: Weber-Hydraulik

Durch den Austausch der Spreizerspitzen durch einen Zugaufsatz kann mit einem Rettungsspreizer auch gezogen werden. Die Last wird dabei mittels spezieller Ketten angeschlagen. Zugketten müssen immer stramm gespannt sein und dürfen nur in Zugrichtung belastet werden. Reicht der Zugweg nicht aus, muss die Last mit einer Spannkette gesichert werden, bevor der Spreizer geöffnet und die Zugkette nachgespannt wird.

Achtung: Verstellbare oder Sicherheitslenksäulen mit mehreren Gelenken können bei Zug nach vorne über die Motorhaube schlagartig nach innen in den Fußraum eindringen. Für den dort sitzenden Fahrer kann dies zu schweren Verletzungen an den Beinen und Füßen führen. Das früher gelehrte Ziehen von Lenksäulen mittels Rettungsspreizer und Kettensatz ist daher im Regelfall zu unterlassen. Somit genügt die Beschaffung eines Kettensatzes für besondere Lagen zum Beispiel auf einem Rüstwagen oder dem Abrollbehälter-Rüst.

Soll mit einem Kettensatz an einem Pkw gezogen werden, achten Sie bitte auf folgende Punkte:

  • Im Nahbereich der Ketten besteht erhöhtes Unfallrisiko. Deshalb sollte sich nur unbedingt erforderliches Personal dort aufhalten. Achten Sie auch auf den Schutz des Patienten.
  • Wählen Sie die Anschlagpunkte am Pkw sorgfältig. Achten Sie auf den korrekten Sitz des Kettensatzes. Beobachten Sie die Anschlagpunkte während des Ziehens.
  • Ketten neigen dazu, sich in weiche Materialien, zum Beispiel das Blech der Motorhaube, einzuschneiden. Legen Sie entsprechend Holz, zum Beispiel hölzerne Schlauchbrücken oder Bohlen, unter.

Pflege und Wartung der Rettungsspreizer

Nach jedem Einsatz, aber insbesondere nach ungewöhnlich hohen Belastungen – plötzliche hohe Belastung, Belastung quer zur Spreizrichtung – muss das Gerät einer Sichtkontrolle unterzogen werden. Auch wenn der Spreizer nicht benutzt worden ist, hat diese Sichtung mindestens einmal im Jahr zu erfolgen. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:

  • Schlauchleitungen und Gerät auf Beschädigungen/Verschmutzungen untersuchen.
  • Den Kontakt von Hochdrucköl mit der Haut vermeiden. Handschuhe tragen.
  • Abgenutzte oder beschädigte Spreizerspitzen ersetzen.
  • Alle drei Jahre – oder aber bei Zweifeln an der Betriebssicherheit – ist eine Belastungsprüfung durchzuführen.
  • Hydraulikschläuche sind nach zehn Jahren auszutauschen. Dies gilt auch, wenn sie äußerlich nicht beschädigt scheinen.
  • Bei nicht funktionierender Totmannschaltung, bei gegenläufigen Bewegungen beim Wiederanfahren unter Last sowie bei ungewollten Bewegungen nach Druckabfall muss das Gerät außer Betrieb genommen, repariert oder ersetzt werden.
  • Wird das Gerät im Fahrzeug gelagert, die Spreizerarme zusammenfahren, aber nie vollständig schließen, da sich sonst Spannungen im Material aufbauen.

(Text: Olaf Preuschoff)

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Kommentare

2 Kommentare zu “Rettungsspreizer: Vielseitig in der Anwendung”
  1. stefan_67 sagt:

    Rettungsspreizer können nicht nur bei Verkehrsunfällen eingesetzt werden, sie haben ein viel größeres Einsatzspektrum. Ein Rettungsspreizer kann z. B. bei in Maschinen eingeklemmten Personen wertvolle Hilfe leisten. In Verbindung mit Zugketten können, sofern es geeignete Anschlagpunkte gibt, sogar Roboterarme, die sich nicht mehr (sicher) steuern lassen, bewegt werden, um eingeklemmte Personen zu befreien.

    Der Umgang mit den Zugketten, vor allem die richtige Montage, sollte immer mit geübt werden. In der Praxis werden sie zwar selten gebraucht, aber im Ernstfall sollte trotzdem jeder Handgriff sitzen.

  2. Daniel sagt:

    Hört endlich auf diesen Mist mit dem Anheben von Lasten mit dem Spreizer zu erzählen. Nachher glaubt euch noch einer und tut es wirklich!
    Ihr seid in jedem Artikel so gründlich in euren Hinweisen auf UVV und alle anderen Vorschriften. Eure Artikel kann man mittlerweile mit gutem Gewissen zur Ausbildung lesen. Aber sowohl in eurem Sonderheft, als jetzt auch hier schreibt ihr diesen Schwachsinn rein mit Lasten anheben mit dem Spreizer. Als Krönung dann auch noch mit dem Beispiel beim Unterbauen. Habt ihr das schon mal selbst gemacht? Wir haben das bei uns einmal getestet und waren erschrocken wie wenig Höhe man nur braucht bis das Ding zu wackeln anfängt. Sowas dann zum unterbauen zu empfehlen, wo ja der der unterbaut noch direkt am Spreizer hantieren muss ist schon sehr gewagt, meiner Meinung nach. Und es ist ja nicht so als gäbe es nicht genügend andere Möglichkeiten um Lasten SICHER anzuheben…
    Gruß

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