Sonntag, 29. Mai 2016

Tipps: Beschaffung der Feuerwehr-Helme

Worauf muss bei der Wahl eines Feuerwehr-Helms für den Brandeinsatz in Gebäuden geachtet werden? Was verbirgt sich hinter den Begriffen? Welche Prüfungen für Feuerwehr-Helme gibt es? Was sagen diese aus? Wie sollen Feuerwehr-Helme gelagert und gepflegt werden? Wir klären auf.

Die harmonisierte Europäische Norm DIN EN 443 „Feuerwehrhelme“ ersetzte 1997 die bis dahin gültige deutsche Norm DIN 14940 „Feuerwehrhelm – Anforderung und Prüfung“. Damit ging eine Ära zu Ende. Leistungsanforderungen an den Kopfschutz lösten die festen Größen der alten Norm ab. Detaillierte Normausführungen des persönlichen Kopfschutzes, welche restriktive Material- und Baubeschreibungen festlegten, ließen den Herstellern bis dahin wenig Entwicklungsspielraum für Neuerungen. Der Endanwender hatte eigentlich nur ein Produkt zur Auswahl. Durch die DIN EN 443 entstand für Hersteller und Anwender erstmals die Möglichkeit einer freieren Gestaltung eines Feuerwehr-Helmes.

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Brandeinsätze gelten als die Feuerwehrtätigkeiten mit den größten Gefährdungen für die Kräfte. Das gilt besonders für den Kopfbereich. Mit der Europäischen Norm DIN EN 443 „Feuerwehrhelme“ im Jahr 1997 und der Revision und Neuerscheinung der deutschen Ausgabe sind eine ganze Reihe zusätzlicher Tests und Anforderungen festgeschrieben worden. Foto: Jann

Der Brandeinsatz wird im Aufgabenspektrum der Feuerwehr als Tätigkeit mit den größten Gefährdungen für die Einsatzkraft bewertet. Das gilt auch für den Kopfbereich. Zudem wächst der Anspruch an die Leistungsfähigkeit der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) bei den Feuerwehrleuten. Dabei gilt es stets zu bedenken, dass höchste Leistungsfähigkeiten, die Sicherheit suggerieren, nicht immer den sichersten Schutz darstellen. Temperaturbereiche, die die Helme der Feuerwehr aushalten, können für die Träger womöglich große Gefahren mit sich bringen.

Mit erster Revision der DIN EN 443 und Neuerscheinung der deutschen Ausgabe im Juni 2008 sind Änderungen erfolgt, die sich zwischenzeitlich am Markt etabliert haben. Die Revision wurde aus folgenden Gründen notwendig:

  • Aufnahme der Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung bei Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung (PSA), zum Beispiel nach BGI/GUVI 8675 (Auswahl von persönlicher Schutzausrüstung auf der Basis einer Gefährdungsbeurteilung für Einsätze bei deutschen Feuerwehren), Juli 2008.
  • Anpassung an andere Normen zum Kopfschutz nach Vorgaben des CEN/ TC 158 (Kopfschutz), zum Beispiel Angleichung aufgrund der generellen Einführung von Schutzzonen in anderen Kopfschutznormen.
  • Anpassung anwendungsgerechter Prüfungen auf die unterschiedlichen Schutzzonen und deren Schutzbereiche.
  • Anpassung an den Stand der Technik – im Wesentlichen durch Änderungen der Anforderungen an Prüfungen, um den neuesten Erkenntnissen von Materialeigenschaften insbesondere bei Hitze- und Flammenkontakt Rechnung zu tragen.

Die DIN EN 443:06/2008 ersetzt ohne Übergangsfrist die Vorgängernormen.

Darauf ist bei der Beschaffung des Feuerwehr-Helms zu achten

Es wird empfohlen, zukünftig mit einer Beurteilung der Gefährdungen gegen den Kopf im Innenangriff zu beginnen und daraus abgeleitete Anforderungen an den Feuerwehr-Helm zu ermitteln. Eine Bedarfsanalyse, zum Beispiel nach Funktionsaufgaben von Einsatzkräften in einer Einheit, schließt sich an. Ein mögliches Ergebnis kann sein: Nicht mehr alle Einsatzkräfte tragen den gleichen Helm. Oder Feuerwehrleute mit Mehrfachfunktionen erhalten sogar verschiedene Helme. Eine geeignete Dokumentation gibt zudem Sicherheit und Transparenz gegenüber Aufsichtsbehörden, zum Beispiel bei einem Unfall.

Die DIN EN 443 beinhaltet viele umfassende Informationen, die sowohl an Hersteller und Prüfinstitute als auch den Anwender gerichtet sind. Der geringste Teil gibt dem Anwender Wahlmöglichkeiten, dennoch ist das systematische Verständnis der Norminhalte von Interesse. Folgende wesentliche Norminhalte sollten Beschaffer kennen:

  • Die Norm sieht grundsätzlich nur zwei Typen an Feuerwehr-Helmen vor. Sie legt Mindestanforderungen an Feuerwehr-Helme fest, die die obere Kopfhälfte des Trägers schützen sollen. Das heißt, es sind durchaus auch höhere Anforderungen bei der Beschaffung denkbar.
  • Im Wesentlichen bietet der Helm Schutz gegen Auswirkungen von Stößen, Durchdringung sowie Einfluss von Feuer bei der Brandbekämpfung (Wärme, Temperatur sowie Flammeneinwirkung) für die Einsatzkraft der Feuerwehr.
  • Die Norm bezieht sich grundsätzlich auf den Fall oder die Aufgaben der Brandbekämpfung in Gebäuden und anderen baulichen Anlagen (wie Industrieanlagen, Tunnel, Schiffe). Für Aufgaben der Waldbrandbekämpfung wird derzeit ein eigener Helm genormt.
  • Die Norm legt Anforderungen an Nacken- und Teile des Gesichts- beziehungsweise Augenschutzes fest.
  • Der Feuerwehr-Helm kann bis zu fünf Schutzzonen in seinem Schutzbereich abdecken.
  • Die Schutzzone 3a umfasst den Schutz der Nackenpartie und deckt den zu schützenden Bereich zwischen Helmschale und Schutzbekleidung ab. Bedeutende Werkstoffe des Nackenschutzes sind textile flexible Gewebestoffe. Der Nackenschutz ist verpflichtender Bestandteil der Ausstattung eines Feuerwehr-Helms.
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Bei den Helmtypen wird in Typ A (mindestens Schutzzone 1a) und Typ B (Schutzzone 1a und 1b) unterschieden. Häufig wird auch vom sogenannten Halbschalenhelm oder Vollschalenhelm gesprochen.

Die Zuordnung zum Typ A- oder Typ B-Helm obliegt dem Hersteller in Verbindung mit den zertifizierten Prüfinstituten. Zu erkennen ist der Helmtyp an seiner Kennzeichnung. Eine rein visuelle Einstufung ist in der Regel nicht möglich.

Prüfgrundsätze und Prüfungen der Norm für Feuerwehr-Helme

Die Leistungskriterien der in der Norm vorgeschriebenen Prüfungen variieren in Abhängigkeit der Schutzzonen. Eine Prüfung ist nicht bestanden, wenn ein in der Norm festgelegter Leistungswert nicht eingehalten wird (zum Beispiel Überschreitung eines maximalen Leistungswertes bei der Prüfung der Stoßdämpfung größer als 15 kN). Es wird unterschieden in Pflichtprüfungen und optionale Prüfungen. Die Mindestschutzzone, die Zone 1a, eines Feuerwehr-Helmes muss alle Pflichtprüfungen voll erfüllen. Die Prüfungen werden ansonsten nur an den vollständig vorhandenen Schutzzonen durchgeführt.

Folgende Prüfungen sind in der DIN EN 443 hinzugekommen:

  1. Prüfung der Wirksamkeit der Trageinrichtung. Theoretisch ist eine Trageeinrichtung des Helmes ohne Kinnriemen nach Norm vorstellbar. Eine sichere statisch-dynamische Dreipunktbefestigung kann derzeit jedoch nur mit einem Kinnriemen erreicht werden. Komfortelemente wie Kinnschalen können den einfachen Kinnriemen in der Trageergonomie verbessern.
  2. Prüfung der Resistenz gegen heiße Festkörper für die Zone 1a und 1b, mit einer 900 Grad Celsius heißen Stahlkugel für sieben Sekunden auf der Helmschale.
  3. Prüfung des Schutzes bei Schmelzmetallen für die Zone 1a und 1b mit 150 Gramm Eisen, welches auf rund 1 500 Grad Celsius erhitzt wurde.
  4. Prüfung des Schutzes bei Schmelzmetallen für die Zone 3 a und 3b mit Aluminium (rund 600 Grad Celsius heiß). Für deutsche Baustandards sind flüssige Schmelzmetalle bei Wohnungsbränden eher bei Aluminiumoder Zinkbaustoffen denkbar und realistisch.
  5. Flammenbeständigkeit (flame engulfment test) mit einer totalen Beflammung von 950 Grad Celsius für zehn Sekunden. Mit diesem Test soll eine Flash-over- Bedingung abgebildet werden. Daraus ist abzuleiten, dass ein Feuerwehr-Helm nur mit einer Feuerschutzhaube verwendet werden sollte.
  6. Prüfung der Stoßdämpfung und Durchdringungsprüfung bei erwärmter Helmschale direkt nach dem Strahlungswärmetest.

Für den Anwender sind für die Beschaffung zunächst die optionalen Prüfungen bei der Auswahl der PSA Kopfschutz von Bedeutung. Der Anwender muss auf Basis der Gefährdungsbeurteilung festlegen, welche optionalen Prüfungen der Feuerwehr-Helm zudem erfüllen sollte.

Die Norm sieht vier optionale Prüfungen vor:

  1. Vorbehandlungen bei tiefen Temperaturen bis zu -40 Grad Celsius (vorher war für Deutschland die Prüfung bei -30 Grad Celsius empfohlen).
  2. Elektrische Eigenschaften (E 2). Prüfung der Isolierung eines nassen Helmes – Leckstrom zwischen Außenund Innenseite der Helmschale.
  3. Prüfung der Isolierung der Helmoberfläche (E 3) – Leckstrom zwischen zwei Punkten auf der Helmoberfläche (Oberflächenisolierung). Die optionalen elektrischen Prüfungen spielen für das Stromnetz bei Niedervoltspannungen bis 400 Volt eher eine untergeordnete Rolle. Sicherungsautomaten, zum Beispiel bei Fehlerströmen, reagieren schnell und stellen Spannungsfreiheit her, so dass der Kontakt mit spannungsführenden Leitungen in Deutschland als unwahrscheinlich gilt.
  4. Beständigkeit gegen Kontakt mit flüssigen Chemikalien – unterschiedliche flüssige Prüfchemikalien (wie NHeptan oder Butan-1-o). Diese Prüfung stellt nach Ansicht vieler Experten eher einen Materialtest dar. Für bestimmte Thermoplaste können Lösungsmittel quellend oder lösend einwirken.
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Direkt nach dem Strahlungswärmetest (20 Minuten mit 250 Grad Celsius) wird die Haltbarkeit des Helmmaterials geprüft. Getestet wird die Stoßdämpfung mit einer 5 kg schweren Metallkugel aus rund 2,5 m Höhe.

Bei gleichem Aussehen und gleicher Form verschiedener Feuerwehr-Helme können sehr unterschiedliche Leistungskriterien erfüllt und unterschiedliche Werkstoffe verbaut sein. Ein Beispiel hierfür ist der Wandel der Helmschale aus ursprünglich Aluminium-Druckguss über duroplastische Helmschalen (beispielsweise aus Textil-Phenol-Harz) hin zu glasfaserverstärkten Plasten mit jeweiliger Lackierung in Leuchtfarbe und gleicher Helmschalenform. Die Vorlage der Baumusterprüfbescheinigung zu einem Feuerwehr-Helm sollte bei Unsicherheiten deshalb unbedingt mit herangezogen werden.

Was die Kennzeichnung des Feuerwehr-Helms alles verrät

Ein Feuerwehr-Helm fällt unter die Kategorie einer komplexen PSA, die gegen hohe Gefahren oder ernste Gesundheitsschäden schützen soll. Daher ist nach Artikel 9 Richtlinie 89/686/ EWG (PSA-Richtlinie) das Verfahren zur Zertifizierung eines Feuerwehr-Helmes als EG-Baumusterprüfung durch zugelassene Prüfstellen anzuwenden. Hierzu gehört auch eine Kontrolle und Überwachung der laufenden Produktion zu einem zertifizierten Feuerwehr-Helm (EG-Produktionskonformitätserklärung).

Die CE-Kennzeichnung mit Angabe einer gemeldeten Stelle für die Prokuktionsüberwachung ist bei Feuerwehr-Helmen mit der Kennzeichnung verpflichtend. Die Kennzeichnung ist gut sichtbar, lesbar und eindeutig, haltbar sowie dauerhaft an der PSA und deren Komponenten anzubringen. Die Mindestkennzeichnung umfasst für den Feuerwehr-Helm:

  • CE-Kennzeichnung (CE-Zeichen), vierstellige Kenn-Nummer der gemeldeten Stelle der Produktionsüberwachung.
  • Zertifizierungs-Nummer und Jahr der europäischen Norm: EN 443:XXXX.
  • Name oder Zeichen des Herstellers.
  • Herstellungsjahr
  • Helmtyp A oder B.
  • Modell (Herstellerbezeichnung).
  • Größe oder Größenbereich (in cm).
  • Klassifizierung der niedrigen Temperaturen:
    • * bei -10 Grad Celsius,
    • ** bei -20 Grad Celsius,
    • *** bei -30 Grad Celsius,
    • **** bei -40 Grad Celsius
  • E 1 – 440 V, 1,2 mA (Pflichtprüfung).
  • Optional E 2 und E 3. (E 2 – Leckstrom zwischen Außen- und Innenseite der Helmschale (feuchter Helm), E 3 – Leckstrom zwischen zwei Punkten auf der Helmoberfläche (Oberflächenisolierung)).

Die Klassifizierung der elektrischen Eigenschaften führt im Allgemeinen zum Ausschluss metallischer Helmschalen sowie metallischer Befestigungselemente. Metallverschlusselemente haben gegenüber Kunststoffverschlüssen allerdings den Vorteil, dass sie in der Regel länger halten. Metallfaserdurchwirkte Gewebe oder metallbeschichtete Gewebe können nicht verwendet werden.

Angaben zum Material der Helmschale können anhand von Buchstaben- Kombinationen entnommen werden. Für thermoplastische Kunststoffe stehen PE (Polyethylen), PP (Polypropylen), ABS (Acrylnitril-Butadien- Styrol), PC (Polycarbonat, Material der Visierscheiben) und PA (Polyamid). Bei duroplastischen Kunststoffen finden sich UP (ungesättigte Polyesterharze), PF (Phenol-Formaldehyd-Harze), GF (Glasfaserverstärkt) oder SF (Faserverstärkt) auf dem Schild.

Baugruppen und Bestandteile mit erheblicher Bedeutung für die Sicherheit müssen gekennzeichnet sein. Hinzu kommen spezielle Kennzeichnungen für zum Beispiel integrale Bestandteile des Feuerwehr-Helmes. Die bedeutendste Kennzeichnung ist die der Gesichtsvisiere oder des Augenschutzes.

Über die Kennzeichnung hinausgehende notwendige Informationen können den Herstellerinformationen in der Sprache des Landes entnommen werden. Aussagen zu folgenden Punkten sind vorgeschrieben:

  • Zubehör und dessen Austauschmöglichkeiten.
  • Name, Anschrift und Warenzeichen des Herstellers.
  • Erreichbarkeit des Herstellers.
  • Typnummer, Identifizierungsnummer oder Modellnummer.
  • Größenbereiche und Einstellmöglichkeiten.
  • Einsatzeinschränkungen und Gefahren.
  • Größenauswahl, Gewicht, Passform und Einstellung, Gebrauch, Reinigung und Desinfektion, Instandhaltung und Wartung, Lagerung und Transport, Alterung (Lebensdauererwartung).
  • Länge der Lebens- und Nutzungsdauer.
  • Geeignetes Zubehör und zweckmäßige Ersatzteile.
  • Warnhinweise wie die Aussage: „Der Helm nimmt Energie eines Schlages … auf. Selbst wenn diese Beschädigung nicht gleich sichtbar ist, ist jeder Helm, der einem starken Aufprall aufgesetzt war, zu ersetzen.“

Beim Kauf sollten die Helmschale und das Haltesystem in den Größenverhältnissen aufeinander abgestimmt werden können. Das Haltesystem muss mindestens eine Verstellbarkeit für die Kopfumfänge von 51 bis 64 Zentimeter abdecken. Eine reine Katalogauswahl eines Feuerwehr-Helms ist nicht ratsam. Ein Abwägungsprozess muss immer stattfinden, da niemals alle Schutzziele zu 100 Prozent durch die PSA abgedeckt werden können. Neben der reinen Betrachtung der Schutzfunktion sollten folgende Aspekte beachten werden:

  1. Verstellen muss einfach und individuell ohne Werkzeug möglich sein.
  2. Bauteile, die im Kontakt mit dem Träger stehen, dürfen keine scharfen Kanten oder Rauhigkeiten aufweisen.
  3. Hautberührende Bauteile dürfen keine Hautreizungen oder Gesundheitsschädigungen verursachen. Klassisches Rindspaltleder – zum Beispiel als Stirnband – ist aus hygienischen Gründen und wegen der schlechten Reinigungsfähigkeit nicht zu empfehlen. Schweißabsorbierende und maschinenwaschbare Werkstoffe bieten sich inzwischen als Alternative an.
  4. Alle Teile des Helmes sollten aus alterungsresistenten Werkstoffen bestehen, die durch Sonne, Schweiß und Ähnliches nicht angegriffen werden.
  5. Eine Reinigungsfestigkeit nach Gebrauchsanweisung muss gegeben sein.
  6. Verschiedenste Atemschutzmasken und Brillen müssen ohne Störeinfluss verwendet werden können.
  7. Die Anbringung auswechselbarer Teile oder Zubehör darf kein Nachteil zu den Anforderungen der Norm bringen.
  8. Das Trageempfinden, gewonnen durch persönliche Tests verschiedener Probanden, berücksichtigen.
  9. Aussehen und damit Akzeptanz der Helme bei den Feuerwehrleuten.

Des Weiteren ist darauf Wert zu legen, dass die empfohlenen Reinigungsmittel keine Hautreizungen verursachen. Auch der Gesichtsschutz, der mit dem Helm geliefert wird, muss der EN 14458 genügen. Gesichts- und Nackenschutz, zum Beispiel durch so genannte Hollandtücher, (siehe Marktübersicht in FM 6/2009), müssen den Prüfungen der Zone 3a genügen. Das Zubehör für die Zone 3b muss in allen Punkten die Prüfungen der Norm an den Feuerwehr-Helm genügen.

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Fast alle Hersteller bieten ihre Helme inzwischen in unterschiedlichen Farben an. Die BF Ratingen nutzt diese Möglichkeit beispielsweise, um Funktionen kenntlich zu machen. Die Mannschaftsgrade tragen Leuchtgelb, die Zugführer Rot, Verbandsführer Weiß. Foto: Hegemann

Viele Hersteller bieten nicht durch die Norm geregelte Zusatzeinrichtungen für ihre Helme an. Dazu gehören beispielsweise Reflexstreifen zur Funktionskennzeichnung, unterschiedliche Helmschalenfarben, Gesichtsvisier integral oder adaptiv, nur Augenschutz, Augenschutzbrille, Helmlampe integral, Helmlampe mit Lampenhalterung adaptiv, Kantenschutz, Funkgarnituren, Zusatzpolsterung, Komfortpolsterung, Gehörschutz, Wappen/Abzeichen, Kopfweiteneinstellung von außen, Helm-Masken-Schloss, Helmschutzüberzug, Gesichts- und Nackenschutz aus Textil oder Leder sowie Gesichts- und Nackenschutz mit aluminiumbedampften Geweben.

Zusatzeinrichtungen und Zubehör, bei denen ein Einfluss auf die Sicherheit und Schutzfunktion des Feuerwehr-Helmes zu erwarten ist, müssen gemeinsam mit dem Helm geprüft und nach der Europäischen Richtlinie zertifiziert sein. Die durch so genannte Kreuztests für sämtliche Zusatzeinrichtungen und Zubehör mit dem jeweiligen Helmtyp nach Prüfungen nach DIN EN 443 zugelassenen Zubehörteile sind bedenkenlos verwendbar.

Bei Helmkennzeichnungen mit Klebefolien wird empfohlen, diese direkt mit dem Helm zu bestellen. Ansonsten sollte eine Unbedenklichkeit des Herstellers für verwendete Klebefolien eingeholt werden. Anbauteile sollten auf ein Minimum begrenzt bleiben und im Vorfeld festgelegt werden. So ist beim Wunsch, Helmlampen und Sprechgarnituren nutzen zu wollen, auf geeignete Halterungen und ergonomische Gewichtsverteilung zu achten. Überlegungen sollten dazu unbedingt im Vorfeld der Beschaffung angestellt werden!

Helme müssen regelmäßig gepflegt und gereinigt werden. Bei der Aushändigung des neuen Helmes und in der Folge in regelmäßigen Abständen sind die Träger darin zu schulen. Feuerwehr-Helme sollten unbedingt geschützt vor UV-Strahlen und in normal klimatisierten Räumen aufbewahrt werden.

Welcher Helmtyp ist besser?

Welcher Helmtyp als „besser“ bei der Innenbrandbekämpfung zu bewerten ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Ein häufiges Argument für einen Typ A-Helm bei der Innenbrandbekämpfung ist, dass das Hörvermögen nicht so stark eingeschränkt wird wie bei einem Typ B-Helm. Da die Unfallstatistiken bei Benutzung eines Typ A-Helmes keine signifikant erhöhten Unfallzahlen aufweisen, werden diese Helme bisher in Deutschland häufiger beschafft.

Feuerwehr-Helme halten nicht ewig

Mit der neu gestalteten DIN EN 443 sind viele Verbesserungen zum Schutz des Trägers eines Feuerwehr-Helmes eingeführt worden. Der Gestaltungsspielraum bei Kauf eines Feuerwehr-Helms ist größer, aber damit auch komplexer geworden. Die Eigenverantwortung in der Beschaffung ist durch die Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung erhöht. Diese Eigenverantwortung sollte jeder als Chance sehen.

Die Qualität und Schutzfunktion der am Markt befindlichen Feuerwehr-Helme haben sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Wenn jetzt noch das Bewusstsein verankert wird, dass trotz aller Innovation ein Feuerwehr-Helm nicht ein Leben lang hält, sondern nach besonderen Beanspruchungen vorzeitig ausgesondert werden muss, da er seine Schutzfunktion erfüllt hat, dann sind wir einen weiteren bedeutenden Schritt vorwärts gekommen.

(Text: Jan-Erik Hegemann und Dipl.-Ing. Gottfried Wingler-Scholz, Member of CEN TC 158 WG 3 Feuerwehrhelmnormung, BF Bochum)

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