Mittwoch, 23. August 2017

Leitstellendisponent bewusstlos geworden

22. März 2011 von  

Leer (NI) – Ein Leitstellendisponent der Leitstelle des Landkreises Leer ist während seiner Nachtschicht bewusstlos an seinem Arbeitsplatz zusammengebrochen. Dadurch war die Leitstelle eine zeitlang „unbesetzt“. Erst nachdem ein Notruf aus dem Kreis Leer bei der Leitstelle im Landkreis Emsland auflief, fiel die Notlage auf.

112 In der Nacht zu Sonntag nahm die Leitstelle im Kreis Emsland einen Notruf aus dem südlichen Teil des Kreises Leer entgegen. Dieser sollte dann an die zuständige Leitstelle in Leer weitergeleitet werden, doch dort nahm niemand ab. Immer wieder versuchten die Emsländer, ihren Kollegen telefonisch zu erreichen, vergebens. Ein dienstfreier Mitarbeiter der emsländischen Leitstelle wurde darauf benachrichtigt, er wohnt im Landkreis Leer. Parallel wurden die Polizei und auch der Rettungsdienst zur Leeraner Leitstelle geschickt. Gemeinsam fand man den Disponenten bewusstlos auf und brachte ihn in ein Krankenhaus. Er hatte einen Schwächeanfall erlitten.

Das während der Nachtschicht nur ein Disponent sein Dienst verrichtet, ist in Leer üblich. Für genau solche Notfälle ist in der Leitstelle ein sogenannter „Totmannknopf“ installiert. Dieser muss regelmäßig von dem Disponenten betätigt werden, ansonsten wird ein Alarm ausgelöst. Der Landkreis Leer teilte in einer Pressemitteilung mit, dass das Sicherheitssystem aber in dieser Nacht deaktiviert war. Die Gründe dafür will der Landkreis in einer bereits eingeleiteten Untersuchung klären. Landrat Bernhard Bramlage hat sofort reagiert und eine Abänderung des Systems angeordnet, so dass eine Deaktivierung zukünftig nicht mehr möglich sei. (Foto: Archiv)

Kommentare

20 Kommentare zu “Leitstellendisponent bewusstlos geworden”
  1. Melanie sagt:

    Einfach nicht überall am Personal sparen wäre die effektivere Lösung… Technik macht Fehler, Menschen auch. Und hier hätte diese fehlerhafte Technik ein Menschenleben kosten können.

    Hoffentlich wachen die Verantwortlichen auf.

    Leitstelle Leer mit nur einem Disponenten besetzt ist ein No-Go…

  2. Sven sagt:

    Ich will nicht spekulieren oder gute Ratschläge geben, aber der Fall zeigt doch recht eindrucksvoll, dass jede Technik ihre Grenzen hat!

    Hier haben alle Beteiligten Glück gehabt. Man sollte zumindest über ein „System“ nachdenken, mit dem eine „menschliche Sicherung“ geschaffen wird!

  3. Peter Lamaack sagt:

    Die unterschiedlichen Rettungsdienstgesetze werden von den jeweiligen Landesregierungen (die alle wiedergewählt werden wollen) stets als „OPTIMAL“ bezeichnet.
    Der Durchschnittswähler reagiert immer besorgt beim Thema „SICHERHEIT“.

    Andererseits zeigt dieser Fall aus NDS eindeutig, daß es hier einfach nur um’s Geld geht.
    Das wiederum kann schlimmstenfalls Menschenleben kosten, auch das eines LS-Disponenten.

    Eine „Totmannschaltung“ ist doch der Beleg für das Risiko.
    Inwieweit sich Arbeitnehmer heute noch darauf einlassen können, eine Schicht ohne Pause, selbst für einen Toilettengang, nicht mehr verlassen zu können, bleibt mir ein Rätsel.
    Ist die Arbeitsplatzsituation in Ostfriesland so erschreckend hoch, daß Beschäftigte im öffentlichen Dienst Arbeitsplatzangst haben müssen, wenn sie auf’s Klo wollen?
    Entweder hat der LS-Platz anstelle eines Disponentensessels ein Camping-WC bzw. eine anmontierte Urinflasche.
    Oder die politische Führung im dortigen Landkreis bzw. in NDS nimmt billigend in Kauf, daß dann halt niemand den eingehenden Notruf bearbeitet.

  4. Sven sagt:

    Meines Erachtens kann es nicht Aufgabe eines Gesetzes oder der Landesregierung sein, die minimale oder bestenfalls optimale Personalstärke einer Leitstelle festzulegen.

    Ich finde es schwierig aus der Distanz zu urteilen, ohne das Einsatzaufkommen zu kennen.
    Vielleicht ist dieses nachts zeitweise so gering, dass sich schon ein Disponent „langweilt“ und dann wäre ja zumindest verständlich, warum es keinen zweiten gibt.

    Richtig finde auch ich es nicht – aber unter Umständen wäre vielleicht eine andere Lösung sinnvoller! Etwa eine oder zwei Dienstwohnungen an der Leitstelle.

  5. Armin sagt:

    Abgesehen davon dass die One-Man-Lösung schon rein vom Aspekt des Handlings eines möglichen Großschadensereignisses indiskutabel ist: was macht der arme Kollege wenn er auf Toilette muss? Nimmt er den Anrufer „mit“? Peinlich… Da sind die vom Volk gewählten Würdenträger gefordert, rasch eine adäquate Personallösung umzusetzen.

  6. ERICK H. ZÜHLSDORF sagt:

    Eine für mich – ehemals RS/ehrenamtl.- DiplKfm. nicht nachvollziehbare Tatsache: die Kostenreduktion ist/muß konsequent vollzogen werden.
    Nur, beschlossene Kommunal-Haushalte bedürfen nicht selten der eingehenden Recherchierung.
    Dem Landkreis/Landrat sei geboten, diese und ewvtl. anderen Kostenstellen der wohlwollenden Überprüfung zu unteerziehen!!
    Wie würde die Reaktion auftreten: Gemeindirirektor/Landrat o.ä. benötig´t den Rettungsdienst_ nicht möglich RTWs/NEFs anderweitig eingesetzt; Ersatz nicht möglich!

  7. Stefan sagt:

    Vielleicht sollte man bevor die Technik kritisiert wird, erst einmal abwarten warum sie nicht funktioniert hat.

  8. Peter sagt:

    Ich finde es einfach nur traurig das immer erst was passieren muss,
    damit sich Gedanken gemacht werden.

    Hoffendlich passiert in solchen Momenten den
    „Sparfüchsen“ solcher mieseren nichts.

  9. Edd sagt:

    Ich will ja nichts schlecht reden, aber wer schon mal alleine in der Leitstelle gesessen ist kennt doch dieses Problem.
    Ist man alleine wird mal auch mal müde und schlummert etwas ein da stört doch der Todmannknopf und man wird doch allemal von dem schrillen des Notrufes wach- denkt man.
    Sollte dies nicht klappen gibt es ja noch die Übelkeit und den Schwächeanfall……………..und die Kollegen werden es schon bestätigen.

  10. Ralf sagt:

    So wie es nach neuesten Pressemitteilungen aussieht, lag hier keine Bewustlosigkeit vor sondern ein bemerkenswerter Tiefschlaf. Dem Disponenten kostet das wohl den Job!

  11. Sven sagt:

    @ Ralf: ich habe solche Pressemitteilungen nicht gelesen, aber man sollte einem Notarzt schon zutrauen zwischen Tiefschlaf und Bewußtlosigkeit zu unterscheiden – was nicht heißt, dass es nicht tatsächlich so geewesen sein könnte.

    Sollte der Mann wirklich beim Warten auf den nächsten Notruf eingeschlafen sein und sich nicht etwa nis Bett gelegt haben, wird es dem Kreis schwerfallen, ein dienst- bzw. arbeitsrechtlich relevantes schuldhaftes Fehlverhalten zu beweisen – zumindest wenn das Totmannsystem nicht nachweißlich abgeschaltet wurde, um in Ruhe schlafen zu können.

    Fakt bleibt aber:

    Kein noch so gutes technisches System kann einen zweiten Menschem 100%ig ausgleichen!

    Sollte das technische System abgeschaltet worden sein, würde das nicht gerade von einer verantwortungsbewußten Arbeitseinstellung zeugen!

  12. Polle sagt:

    Truppweises vorgehen, das sollte auch für Leitstellen gelten. Warum? Ganz einfach, der Totmannschalter kann, wenn er funktioniert, nur Hilfe rufen, eine zweite Person kann sofort helfen. Aber auch hier wird es keine 100% Sicherheit geben. Um in der Dienstwohnung nebenan Alarmzuschlagen bedarf es auch wieder einer technischen Lösung, die wiederum abgeschaltet werden kann.

  13. Peter Lamaack sagt:

    Die arbeitsrechtliche Aussage von ‚Sven‘ kann ich nicht teilen, denn:
    – dem Disponenten ist seine Position bewusst
    – der Disponent kann bei akuter Müdigkeit auf Hilfsmittel zurückgreifen:
    a. Lüften
    b. Bewegung
    Methode b. ist mit Sicherheit absolvierbar, denn wenn eine „Leitstelle“ mit nur einer Person betrieben wird, orientiert sich dies ja an Durchschnittswerten; d.h. es gibt eine durchschnittliche Zahl von Anrufen bzw. Funkgesprächen in der Nachtschicht.

    Entweder schlief dieser Disponent wirklich von „jetzt auf gleich“ in einer Arbeitsposition ein – dann wäre das ein krankhafter Sekundenschlaf und dieser Mitarbeiter in dieser Position ohnehin nicht tragbar.

    Oder aber: der Disponent hat sich eine „bequeme Position“ verschafft, welche den Wechsel von Entspannung zu Tiefschlaf massiv begünstigt.
    Wer die Dienstaufgabe hat, in einem entspannten Zustand wach zu sein, merkt üblicherweise, daß er müde wird.
    Wer hier nicht aktiv entgegenwirkt, handelt fahrlässig.
    Wer dann wirklich in einer verantwortungsvollen Position einschläft, handelt m.E. grob fahrlässig.
    Grobe Fahrlässigkeit kann zur Aufhebung eines Arbeitsvertrages führen.

    Was würden wir wohl von einem Zugführer halten, der die Totmannschaltung deaktiviert und bei 200km/h ein Nickerchen macht?

  14. Sven sagt:

    Ich bin durchaus kritikfähig, möchte aber doch noch mal Stellung nehmen:

    – Niemand kann bezweifeln, dass letztlich der Kreis die Verantwortung für
    die Funktionsfähigkeit der Kreisleitstelle trägt.
    – Ich hatte eingeschränkt, dass sich meine Einschätzung ausschließlich auf
    ein mögliches Einschlafen bzieht!
    – Zweifellos darf ein Arbeitnehmer grundsätzlich nicht wührend sein
    Arbeitszeit schlafen, selbstverständlich auch nicht in der Nachtschicht!

    Hier jedoch sind aus meiner Sicht 2 Besonderheiten zu beachten:

    a) ist die Arbeit phasenweise eventuell sehr monoton (reines warten auf
    einen Notruf, wenn sonst nichts los ist) und es gibt keine Möglichkeit
    sich anderweitig zu beschäftigen bzw. mit jemandem zu reden… (eine
    Nachtschwester kann z.B. einen Rundgang machen, wenn sie müde wird.

    b) Dürfte zumindest ein Teil der Arbeitszeit als „Arbeitsbereitschaft“
    anzusehen… Zwar definierte das Bundesarbeitsgericht dies als
    Zeit „wacher Aufmerksamkeit im Zustand der Entspannung“ wenn man aber
    diese Definition wörtlich nimmt, könnte man sich auf jeder Rettungswache
    die Betten im Ruheraum sparen…

    Was ich damit sagen wollte:

    Der Kreis hat als Arbeitgeber eine (Mit-) Verantwortung für den Betrieb der Leitstelle UND die Einsatzbereitschaft seiner Mitarbeiter!

    SOLLTE der Mitarbeiter tatsächlich in einer Weise gehandelt haben, die man als Verstoß gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten werten kann, so kann dies grundsätzlich zur Kündigung berechtigen – das ist richtig und auch gut so!

    Der Vergleich mit dem Zugführer taugt m.E. nicht, weil es ein gravierender Unterschied ist, ob ich mich mit 200 Km/h fortbewege oder ob ich in einer Leitstelle auf Notrufe warte – zumal dies natürlich auch nicht als Arbeitsbereitshaft gesehen werden kann. (Es geht mir nicht um die Bedeutung der Aufgabe!)

    Ich kann und will mir nicht vorstellen, dass eine Leitstellendisponent, der alleine in der Leitstelle ist, eine Sicherheitssystem abschaltet, Anzeichen von extremer Müdigkeit ignoriert und dann so tief einschläft, dass selbst mehrere Anrufe ihn nicht zu wecken vermögen!

    M.E. gebietet es der Respekt einen Schwächeanfall hier nicht auszuschließen!!!

  15. Michael Klöpper sagt:

    Hier der Link zu einem Nachtragsbericht in der Ostfriesen-Zeitung:

    http://www.oz-online.de/index.php?id=542&did=39013

  16. Sven sagt:

    nach dem Bericht könnte der Mann unter dem Einfluß eines neuen Medikaments gestanden haben… das würde zumindest den Tiefschlaf erklären…

    Wenn es so war wäre es zweifellos völlig verantwortungslos!

    Macht fast den Eindruck, als sei da einiges ganz grunsätzlich schiefgelaufen!

  17. Bernd sagt:

    Meiner Meinung nach darf eine Person nicht eine Leitstelle besetzen.
    Was wäre passiert wenn der Kamerad einen Herz-Kreislauf Ausfall gehabt hätte.
    Wie wir alle wissen können nach 3-5 Minuten bleibende Hirnschäden bleiben.
    Wie soll man das den Angehörigen erklären?Wir haben kein Geld??

  18. Sven sagt:

    Bernd ich gebe dir Recht – glaube aber, dass diese Argumentation nicht überzeugen kann. Passender ist wohl die einfache Frage: Was wäre wenn ws in dieser Zeit viele Notrufe gegeben hätte? Sagt man dann tut uns Leid Feuerwehr und Rettungsdienst konnten nicht erreicht und eingesetzt werden, weil uns ein zweiter Mann in der Leitstelle zu teuer war?

  19. LtS am Rhein sagt:

    Ich bin Beamter einer Berufsfeuerwehr, u. a. bin ich auch in der dortigen Leitstelle tätig. Um 06:00 Uhr Morgens geht mein Wecker. Die 24 Stunden werden zwischen 3 Mitarbeitern aufgeteilt. Nachts ist grundsätzlich nur eine Person am Platz. Ja, man kann am Nachmittag auch 2-3 Stunden „ruhen“, so man die Nachtschicht hat. Mir gelingt das selten, so das ich wenn ich dann den Kollegen wecke gute 21 Stunden „wach“ hinter mir habe, und auch mir ist es schon passiert das irgendwo zwischen 2:00 und 3:00 Uhr 15 Minute fehlen…
    Aber viel schlimmer sind die Situationen wo du einen Notruf abarbeitest, der 2. klingelt und auch noch die Polizei bimmelt. Das kommt oft vor. Ich kann mich nicht zerteilen, einer bleibt halt auf der Strecke. Das ist bekannt und wird toleriert. Weil es statistisch eher selten vorkommen sollte.
    Ich mach mir über sowas keinen Kopf mehr, ich fackel ämlich nicht ab weil keiner ran geht.

  20. sven sagt:

    @ Lts: Du gibst aber zu dass die Situation eine andere ist? Bei dir ist noh mindestens ein Kollege da!

Kommentare

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