Feuerwehr profitiert von Datenübertragung an die Leitstelle

Notrufsystem eCall wird Pflichtausstattung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge

Hannover – Ab dem 31. März 2018 müssen Hersteller in Europa laut EU-Verordnung das Notrufsystem eCall in neue Pkw- und leichte Nutzfahrzeug-Modelle einbauen, für die sie eine Typzulassung beantragen. Das System meldet Unfälle automatisch an die nächstgelegene Rettungsleitstelle. Welche Daten der Feuerwehr dann zur Verfügung stehen, führte die Regionsleitstelle Hannover vor.

Nach Datenübernahme aus dem eCall-Notruf: Darstellung der Unfallstelle (siehe Pfeil) mit Angabe der Fahrtrichtung in der Karte des Einsatzleitrechners. Foto: Feuerwehr Hannover
Nach Datenübernahme aus dem eCall-Notruf: Darstellung der Unfallstelle (siehe roter Pfeil) mit Angabe der Fahrtrichtung in der Karte des Einsatzleitrechners. Foto: Feuerwehr Hannover

Das Land Niedersachsen hatte sich 2015 erfolgreich für die Umsetzung des EU-weiten Notrufsystems eCall beworben und die Umsetzung in elf EU-Ländern in Abstimmung mit der Bundesregierung und den deutschen Bundesländern koordiniert. Die Kosten des Projekts lagen bei 30 Millionen Euro, die zur Hälfte aus EU-Fördermitteln finanziert wurden, wie die Feuerwehr Hannover in einer Pressemitteilung schreibt.

„Die Landeshauptstadt und die Region Hannover haben gemeinsam zirka 90.000 Euro in ihre bestehende Notrufabfragetechnik investiert und die Regionsleitstelle Hannover eCall-fähig gemacht“, berichtete Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok bei einer Besichtigung der Regionsleitstelle zusammen mit Niedersachsens Verkehrs- und Digitalisierungsminister Dr. Bernd Althusmann und der Regionsdezernentin für öffentliche Sicherheit und Gesundheit Cora Hermenau.

Wie funktioniert die Datenübertragung?

Um nach einem Unfall aus dem betroffenen Fahrzeug heraus einen Notruf per Rufnummer 112 an die nächstgelegenen Rettungsleitstelle abzusetzen, nutzt eCall Mobilfunk und Satellitenortung. Zusätzlich zu einer Sprachverbindung überträgt das eCall-System einen Datensatz mit relevanten Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeugtyp. So kann der Leitstellendisponent umgehend Rettungskräfte an die angegeben Position entsenden. Das System wird automatisch durch im Fahrzeug verbaute Sensoren aktiviert, kann aber auch manuell über einen Notrufknopf ausgelöst werden.

Wie werden eCall-Notrufe in der Leitstelle verarbeitet?

Durch sogenannte „Datus Decoder“, die in dem Serverraum des Einsatzleitrechners verbaut sind, werden eingehende eCall-Notrufe an allen Einsatzleitplätzen signalisiert und können von den Disponenten im Einsatzleitsystem entgegengenommen werden. Durch Übernahme der Einsatzdaten aus dem eingehenden Notruf werden die übermittelten Daten in der Einsatzannahmemaske visualisiert und die Unfallstelle auf der Karte des Einsatzleitrechners mit Angabe der Fahrtrichtung dargestellt.

 

Datenübernahme aus dem Notrufsystem eCall: Einsatzannahmemaske des Einsatzleitrechners in der Regionsleitstelle Hannover. Foto: Feuerwehr Hannover
Datenübernahme aus dem Notrufsystem eCall: Einsatzannahmemaske des Einsatzleitrechners in der Regionsleitstelle Hannover. Foto: Feuerwehr Hannover

 

Welche Daten werden gesendet?

Wird ein eCall automatisch oder manuell ausgelöst, erfolgt die Übermittlung der folgenden Daten einmalig und nur im Zusammenhang mit dem unmittelbar zuvor ereigneten Unfall an die Rettungsleitstelle:

  • Informationen zum Fahrzeugtyp,
  • Antriebsart,
  • Unfallzeitpunkt,
  • Fahrzeugposition,
  • Anzahl der Insassen.

Bei einem eCall-System gemäß gesetzlicher Vorschrift ist die Erzeugung eines Bewegungsprofils nicht möglich. Grund dafür: Die dort verwendete SIM-Karte bucht sich erst dann in Mobilfunknetz ein, wenn das Auto einen auslösungsrelevanten Unfall hatte, und wählt dann die einheitliche Notrufnummer 112.

Welchen Nutzen soll eCall bringen?

Mit der flächendeckenden Einführung von eCall erhofft sich die EU-Kommission:

  • eine schnellere medizinische Versorgung der Unfallopfer; die Reaktionszeit nach Verkehrsunfällen kann um bis zu 50 Prozent (ländliche Gebiete) beziehungsweise um bis zu 40 Prozent (Stadtgebiet) verringert werden,
  • eine Verringerung der Zahl der Verkehrstoten europaweit um jährlich etwa 2.500,
  • eine Verringerung der Schwere von Unfallfolgen um bis zu 15 Prozent,
  • eine Verbesserung der Effizienz von Rettungsdiensten.

Die „Verordnung (EU) 2015/758 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2015 über Anforderungen für die Typgenehmigung zur Einführung des auf dem 112-Notruf basierenden bordeigenen eCall-Systems in Fahrzeugen und zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG“ findet Ihr hier als PDF-Download.

Regionsleitstelle Hannover
Die Regionsleitstelle Hannover wird gemeinsam von der Landeshauptstadt zusammen mit der Region Hannover betrieben. Sie disponiert die Einsätze der Notfallrettung, des qualifizierten Krankentransportes, des Brandschutzes sowie der Hilfeleistung für 1,2 Millionen Einwohner. Außerdem koordiniert sie im Auftrag des Landes Niedersachsen die landes- beziehungsweise bundesweite Verlegung von Intensivpatienten. Im Jahr kommen so rund 220.000 Einsätze zusammen.

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