So funktioniert das automatische Notrufsystem

Fahrer eingeschlossen: eCall alarmiert Leitstelle nach Verkehrsunfall

Bonn (NW) – In einem Kreuzungsbereich kollidieren zwei Pkw. Hilfe ist schnell unterwegs. Denn noch bevor Unfallzeugen einen Notruf absetzen können, übernimmt dies automatisch das in einem Unfallfahrzeug verbaute eCall-System. 

Bei diesem Verkehrsunfall in Bonn setzte eCall automatisch einen Notruf ab. Der Rettungsdienst transportierte beide Fahrer ins Krankenhaus.

So passiert am letzten Dienstag in Bonn-Beuel. Nach dem Unfall hatte sich laut Feuerwehr der Fahrer eines Mercedes äußerlich unverletzt, aber sichtbar geschockt selbst aus seinem Pkw befreien. Allerdings war der Fahrer eines Ford in seinem Pkw eingeschlossen. Ein zufällig anwesender Notfallsanitäter betreute ihn bis zum Eintreffen der Feuerwehr.

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Nach einer Erstversorgung durch Rettungsdienstkräfte entfernten Einsatzkräfte der Feuerwehr die Fahrertür mittels hydraulischem Rettungsgerät. Dann befreiten sie denn Fahrer schonend. Beide Patienten kamen an Bord von Rettungswagen in Bonner Krankenhäuser. Im Einsatz waren 18 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst von den Wachen 1 und 2.

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Seit dem 31. März 2018 müssen Hersteller in Europa laut EU-Verordnung das Notrufsystem eCall in neue Pkw- und leichte Nutzfahrzeug-Modelle einbauen, für die sie eine neue Typzulassung beantragen. Das System meldet Unfälle automatisch an die nächstgelegene Rettungsleitstelle. Wir sagen, welche Daten der Feuerwehr dann zur Verfügung stehen und bringen reale Einsatzbeispiele.

eCall: Wie funktioniert die Datenübertragung?

Um nach einem Unfall aus dem betroffenen Fahrzeug heraus einen Notruf per Rufnummer 112 an die nächstgelegenen Rettungsleitstelle abzusetzen, nutzt eCall Mobilfunk und Satellitenortung. Zusätzlich zu einer Sprachverbindung überträgt das eCall-System einen Datensatz mit relevanten Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeugtyp. So kann der Leitstellendisponent umgehend Rettungskräfte an die angegeben Position entsenden. Das System wird automatisch durch im Fahrzeug verbaute Sensoren aktiviert, kann aber auch manuell über einen Notrufknopf ausgelöst werden.

So funktioniert das eCall-Notrufsystem. Bild: obs/ADAC
So funktioniert das eCall-Notrufsystem. Bild: obs/ADAC

Wie werden eCall-Notrufe in der Leitstelle verarbeitet?

Durch sogenannte „Datus Decoder“, die in dem Serverraum des Einsatzleitrechners verbaut sind, werden eingehende eCall-Notrufe an allen Einsatzleitplätzen signalisiert und können von den Disponenten im Einsatzleitsystem entgegengenommen werden. Durch Übernahme der Einsatzdaten aus dem eingehenden Notruf werden die übermittelten Daten in der Einsatzannahmemaske visualisiert und die Unfallstelle auf der Karte des Einsatzleitrechners mit Angabe der Fahrtrichtung dargestellt.

 

Datenübernahme aus dem Notrufsystem eCall: Einsatzannahmemaske des Einsatzleitrechners in der Regionsleitstelle Hannover. Foto: Feuerwehr Hannover
Datenübernahme aus dem Notrufsystem eCall: Einsatzannahmemaske des Einsatzleitrechners in der Regionsleitstelle Hannover. Foto: Feuerwehr Hannover

Welche Daten werden gesendet?

Wird ein eCall automatisch oder manuell ausgelöst, erfolgt die Übermittlung der folgenden Daten einmalig und nur im Zusammenhang mit dem unmittelbar zuvor ereigneten Unfall an die Rettungsleitstelle:

  • Informationen zum Fahrzeugtyp,
  • Antriebsart,
  • Unfallzeitpunkt,
  • Fahrzeugposition,
  • Anzahl der Insassen.

Bei einem eCall-System gemäß gesetzlicher Vorschrift ist die Erzeugung eines Bewegungsprofils nicht möglich. Grund dafür: Die dort verwendete SIM-Karte bucht sich erst dann in Mobilfunknetz ein, wenn das Auto einen auslösungsrelevanten Unfall hatte, und wählt dann die einheitliche Notrufnummer 112.

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Was ist mit Datenschutz?

Die Bundesregierung weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass laut EU-Verordnung 2015/758 die verarbeiteten Daten ausschließlich an die verantwortliche Rettungsleitstelle übermittelt und nicht an Dritte weitergegeben werden dürfen. Sobald der personenbezogene Datensatz für den Zweck, für den er erhoben wurde, nicht mehr erforderlich ist, wird dieser vollständig gelöscht.

Welchen Nutzen soll eCall bringen?

Mit der flächendeckenden Einführung von eCall erhofft sich die EU-Kommission:

  • eine schnellere medizinische Versorgung der Unfallopfer; die Reaktionszeit nach Verkehrsunfällen kann um bis zu 50 Prozent (ländliche Gebiete) beziehungsweise um bis zu 40 Prozent (Stadtgebiet) verringert werden,
  • eine Verringerung der Zahl der Verkehrstoten europaweit um jährlich etwa 2.500,
  • eine Verringerung der Schwere von Unfallfolgen um bis zu 15 Prozent,
  • eine Verbesserung der Effizienz von Rettungsdiensten.

Die „Verordnung (EU) 2015/758 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2015 über Anforderungen für die Typgenehmigung zur Einführung des auf dem 112-Notruf basierenden bordeigenen eCall-Systems in Fahrzeugen und zur Änderung der Richtlinie 2007/46/EG“ findet Ihr hier als PDF-Download.

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Die Regionsleitstelle Hannover wird gemeinsam von der Landeshauptstadt zusammen mit der Region Hannover betrieben. Sie disponiert die Einsätze der Notfallrettung, des qualifizierten Krankentransportes, des Brandschutzes sowie der Hilfeleistung für 1,2 Millionen Einwohner. Außerdem koordiniert sie im Auftrag des Landes Niedersachsen die landes- beziehungsweise bundesweite Verlegung von Intensivpatienten. Im Jahr kommen so rund 220.000 Einsätze zusammen.

Einsatzbeispiele für eCall

Wie hilfreich eCall sein kann, zeigen fünf Unfälle:

Laut einem Bericht der Stadtverwaltung Krefeld gingen bei der Leitstelle der Feuerwehr am 28.03.2018 zwei automatische eCall-Notrufe ein. Sie meldeten einen Verkehrsunfall von zwei Pkw auf der Kreuzung Charlottering/Werner-Voss-Straße. Die Neuwagen – ein Mercedes E-Klasse und ein Ford Focus – registrierten über verbaute Sensoren den Zusammenstoß. Daraufhin meldeten sie der Leitstelle automatisch die Fahrzeugposition, den Fahrzeugtyp und die Personenanzahl in den Unfallautos.

Beide Notrufe liefen nahezu zeitgleich bei der Feuerwehr auf. Daher konnte die Leitstelle von einem Verkehrsunfall mit mindestens zwei beteiligten Autos ausgehen. Der Disponent alarmierte neben Rettungswagen (RTW) auch ein Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) sowie ein Feuerwehrfahrzeug zur technischen Rettung. “Obwohl sich dieser Unfall an einer großen und belebten Kreuzung ereignete, gingen keine weiteren telefonischen Notrufe bei der Feuerwehr ein”, schreibt die Stadtverwaltung Krefeld.

Bei dem Unfall wurde ein Fahrzeuginsasse verletzt. Er wurde vor Ort vom Notarzt behandelt und per RTW in ein Krankenhaus transportiert.

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In München stießen am 21.07.2018 am frühen Morgen ein Taxi und ein Ford zusammen. Wie die Feuerwehr München berichtet, informierte das eCall-Notrufsystem des Ford die integrierte Leitstelle, dass ein Unfall passiert ist. Dabei übermittelte es auch die GPS-Koordinaten, was den Einsatzkräften das schnelle Auffinden des Unfallorts ermöglichte.

Die Fahrerin des Ford hatte leichte Verletzungen erlitten. Die Besatzung eines RTW transportierte sie ins Krankenhaus.

Notruftaste in einem BMW – per “eCall” wird der Fahrer mit einer Sicherheitsleitstelle verbunden. Foto: BMW

Über einen Alleinunfall am 29.09.2018 berichtet der Wiesbadener Kurier. Demnach kam der Fahrer eines Mercedes Cabrio auf der Bundesstraße 455 in Wiesbaden nach rechts von der Straße ab.

Nach dem Touchieren der Leitplanke verlor das Fahrzeug das rechte Vorderrad und blieb im Straßengraben liegen. Beide Insassen wurden bei dem Unfall verletzt.

Das eCall-System des Mercedes meldete das Ereignis. Ob eine Person eingeklemmt ist, war zunächst nicht klar. Daraufhin alarmierte der Leitstellen-Disponent zwei Freiwillige Feuerwehren, den Rüstzug der BF und den Rettungsdienst.

Einsatzkräfte mussten einen der beiden Insassen aus dem Fahrzeug befreien. Die Verletzten brachte der Rettungsdienst zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus.

Am 21. März 2021 um 2.25 Uhr verunglückte ein 22-Jähriger Autofahrer auf der Strecke zwischen Priesendorf (Kreis Bamberg) und Kirchaich (Kreis Haßberge). Problem: Zeugen und damit auch potenzielle Ersthelfer für den schwerverletzten Fahrer gab es keine.

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, war der Mann mit seinem Pkw von der Straße abgekommen und hatte sich überschlagen. Laut nordbayern.de kam das Fahrzeug mehr als 100 Meter entfernt zum Stehen.

Das eingebaute elektronische Notrufsystem eCall setzte automatisch eine Meldung ab. Anhand der übermittelten Koordinaten konnte die Feuerwehr die schlecht einsehbare Unfallstelle finden.

Die Einsatzkräfte befreiten den Fahrer und übergaben ihn dem Rettungsdienst. Dadurch wurde dem Unfallopfer möglicherweise das Leben gerettet.

eCall hat die Feuerwehr Mönchengladbach in der Nacht zum 1. November 2021 zu einem nächtlichen Verkehrsunfall mit einem Pkw alarmiert. Eine Frau war aus noch unbekannter Ursache frontal gegen einen Baum gefahren und lebensgefährlich verletzt worden.

In Mönchengladbach hat das automatische Notrufsystem eCall die Feuerwehr zu einer bewusstlosen Autofahrerin gelotst, die bei einem Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt wurde. (Symbolfoto).

Nach Angaben der Feuerwehr saß die Fahrerin beim Eintreffen bewusstlos in ihrem Fahrzeug. Einsatzkräfte befreiten sie mit hydraulischem Rettungsgerät. Im Anschluss an eine notfallmedizinische Versorgung vor Ort transportierte sie der Rettungsdienst in ein Mönchengladbacher Notfallkrankenhaus.

Im Einsatz waren der Lösch- und Hilfeleistungszug der Feuer- und Rettungswache III (Rheydt), der Rüstwagen (RW) des Technik- und Logistikzentrums (Holt), ein Rettungswagen (RTW), ein Notarzt-Einsatzfahrzeug (NEF) sowie der Führungsdienst der Berufsfeuerwehr.

Lassen sich Fahrzeuge nachrüsten?

Eine Verpflichtung, seinen Gebrauchtwagen nachrüsten zu lassen, besteht zwar nicht. Doch laut Schätzungen der EU-Kommission können durch den Einsatz von eCall jährlich bis zu 2.500 Menschenleben gerettet werden.

Es existieren bereits technische Lösungen zum Nachrüsten. So bietet Bosch in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein eCall-System an, das in den Zigarettenanzünder gesteckt wird. Der so genannte Unfallmeldestecker erkennt durch Sensoren einen Unfall und sendet Informationen an eine Smartphone-App. Diese setzt dann den Notruf ab. Auch ein manuelles Auslösen ist per App möglich.

Video des ADAC zur Erklärung des eCall-Systems

Probleme rund um eCall

München – Das seit 2018 gesetzlich vorgeschriebene automatische Notrufsystem eCall in Fahrzeugen soll bei Unfällen automatisch Hilfe holen. Doch wie BR24 unter Berufung auf den ADAC berichtet, könnte das bereits in Fahrzeugen installierte System durch den Abbau des 3G-Netzes bald gar nicht mehr funktionieren. Der Automobilclub kritisiert zudem zahlreiche Mängel bei der Einführung und Umsetzung von eCall.

Nach Datenübernahme aus dem eCall-Notruf: Darstellung der Unfallstelle (siehe Pfeil) mit Angabe der Fahrtrichtung in der Karte des Einsatzleitrechners. Foto: Feuerwehr Hannover
Nach Datenübernahme aus dem eCall-Notruf: Darstellung der Unfallstelle (siehe roter Pfeil) mit Angabe der Fahrtrichtung in der Karte des Einsatzleitrechners. Foto: Feuerwehr Hannover

eCall funktioniert demnach zurzeit über die Netzstandards 2G und 3G. Diese sollen allerdings – beginnend ab 2021 – schrittweise durch 4G- und 5G-Netze ersetzt werden.

Updates auf die neuen Technologien für bereits verbaute Systeme mit SIM-Karten alten Standards seien nicht ohne Weiteres möglich. So müssten komplett neue Steuergeräte in den Autos verbaut werden.

Daher fordert unter anderem der ADAC eine Aufrechterhaltung der 2G-/3G-Netze. Damit soll sichergestellt werden, dass zurzeit mit eCall ausgestattete Fahrzeuge während ihrer gesamten Lebensdauer über die automatische Notruffunktion verfügen.

ADAC spricht von “Tricks der Autohersteller”

Die Umstellung der Netzstandards sind nicht die einzigen Probleme, die eine großflächige Einführung und reibungslose sowie effiziente Funktion von eCall behindern. Nach Angaben des ADAC umgehen viele Autohersteller die gesetzliche Forderung nach Einbau in Modelle mit neuer Typgenehmigung, indem sie bei einer Modelländerung einfach die bestehende Genehmigung fortschreiben.

Deshalb besäßen viele Fahrzeuge keinen “echten” eCall mit direktem 112-Notruf, sondern einen Hersteller-Notruf, der in einem Callcenter des Autoherstellers oder bei einem Dienstleister lande. Als weiteren Trick der Autohersteller bezeichnet der ADAC den parallelen Einbau von eCall und einem eigenen System, das prominenter platziert sei.

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Nach Erfahrungen aus eigenen Crashtests und von Leitstellen in Deutschland soll es bei Hersteller-Notrufen immer wieder zu Verzögerungen kommen. Teilweise seien Call-Center im Ausland aufgeschaltet, mit denen die Verständigung schwierig sei oder die bereits ab 20 Uhr nicht mehr besetzt seien. Auch ein Wirrwar an Formaten bei der Datenübertragung führe zu Problemen bei der Abarbeitung eines Notrufs.

Laut BR24 sind in Bayern im Jahr 2019 allein in den Leitstellen des BRK 80 Auto-Notrufe eingegangen. Davon sollen knapp über die Hälfte durch den staatlichen eCall ausgelöst worden sein.

Zu den Forderungen, die der ADAC an Gesetzgeber und Hersteller richtet, zählen daher auch der verbindliche 112-eCall für alle Neufahrzeuge, eine leicht durchzuführende Umstellung von herstellerspezifischen Notruf-Systemen auf 112-eCall und die standardmäßige Voreinstellung von 112-eCall bei Autos mit zwei parallelen Systemen.

Hier geht’s zu den Originalbeiträgen:

Fehlalarme durch eCall: Was kommt da auf die Feuerwehren zu?

Schmallenberg (NW) – Die Feuerwehr in Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) ist mehrfach mit dem Stichwort “eCall, eingeklemmte Person” zu Einsätzen alarmiert worden. Wie die Westfalenpost/WP.de berichtet, handelte es sich dabei allerdings jedes Mal um einen Fehlalarm. Ursache seien vermutlich technische Defekte des automatischen Notrufsystems gewesen. Ein Pressesprecher der Feuerwehr gebe zu bedenken, dass diese Fehlalarme künftig zu einem Problem werden könnten, da eine Zunahme solche Fälle zu erwarten sei.

Hier geht’s zum Originalbeitrag: “eCall-Fehlalarme werden zum Problem für die Feuerwehr” (WP.de, 6. März 2019)

 

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