Donnerstag, 30. März 2017

7 Fakten zum Zugunglück Bad Aibling heute vor einem Jahr

9. Februar 2017 von  

Bad Aibling (BY) – Es gibt Einsatzszenen, die Rettungskräften für immer in Erinnerung bleiben. Dazu zählt mit Sicherheit das Zugunglück in Bad Aibling (Kreis Rosenheim) am 9. Februar 2016. Auf der eingleisigen Zugstrecke zwischen München und Rosenheim stoßen zwei Regionalzüge frontal zusammen. 12 Menschen sterben in den Trümmern, über 100 werden zu Teil schwer verletzt.

1. Die erste Alarmierung der Rettungskräfte ist umfangreich

Die Feuerwehren Bad Aibling und Kolbermoor werden um 6.52 Uhr alarmiert. Zeitgleich werden „Besondere Führungskräfte“ der Kreisbrandinspektion, der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) sowie das THW Bad Aibling alarmiert. „Verkehrsunfall – Zug“ mit dem Zusatz „Zug gegen Zug“ lautet die Meldung der Integrierten Leitstelle (ILS) Rosenheim. Der Rettungsdienst wird mit dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) 1 alarmiert. Für diese Stufe sind Einsatzmittel für zehn bis 25 Verletzte vorgesehen.

2. Der Unfallort ist mit Fahrzeugen nicht zu erreichen

Die Bahnstrecke verläuft zwischen dem Ortsende Bad Aibling und Kolbermoor fast ausschließlich durch unwegsames Gelände. Südlich verläuft parallel der Mangfallkanal, im Norden beginnt ein Waldstück. Zwischen Kanal und dem Gleiskörper befindet sich eine etwa 4 Meter tiefe, teilweise dicht bewachsene Senke. Auf der Dammkrone des Mangfallkanals verläuft ein durchgehender, etwa 3 Meter breiter, geschotterter Weg.

Bad Aibling

Zwischen dem Bahndamm und dem einzigen, schmalen Zufahrtsweg liegt eine rund 4 Meter tiefe Senke. Diese erschwert den Rettungskräften zusätzlich die Arbeit. Foto: FF Bad Aibling

3. Kräften droht Gefahr durch Oberleitung

Einsatzleiter Wolfram Höfler weist seine Mannschaft darauf hin, dass die Oberleitung nicht geerdet ist. Um den Verletzten so schnell wie möglich helfen zu können, stellt er den Kräften frei, die Arbeiten am und im Zug zu beginnen.

4. Alarmstichwort wird auf MANV 2 erhöht

Da sich schnell abzeichnet, dass mehr als 25 Personen betroffen sind, lässt Höfler die Alarmstufe für den Rettungsdienst auf MANV 2 (25 bis 50 Verletzte) erhöhen.

Eingesetzte Kräfte beim Zugunglück in Bad Aibling:

  • FF Bad Aibling: 2 KdoW, ELW 1, HLF 20, LF 16/12, RW 2, DLK 23-12, TLF 24/50, V-LKW, MTW.
  • FF Bad Aibling-Berbling: TSF.
  • FF Bad Aibling-Harthausen: TSF.
  • FFBad Aibling-Mietraching: LF Kats, LF 8/6.
  • FF Bad Aibling-Willing: LF 8/6, V-LKW.
  • FF Au: MZF, LF 16/12, V-LKW, MTW.
  • FF Bad Feilnbach: MZF, HLF 20, LF 8/6.
  • FF Beyharting: MTW, LF 16.
  • FF Feldkirchen-Westerham: MTW.
  • FF Großkarolinenfeld: MZF, HLF 20, V-LKW.
  • FF Jarezöd: TSF.
  • FF Kolbermoor: KdoW, HLF 20, TLF 16/25, RW, KLAF, SW 2000 (1. Hilfeleistungssatz Bahn).
  • FF Kolbermoor-Pullach: MTW, LF 8/6.
  • FF Leonhardspfunzen: MTW.
  • FF Rosenheim: KdoW, LF 16/12, RW, V-LKW, 2 MTW, G-MTW, (2. Hilfeleistungssatz Bahn).
  • FF Rosenheim-Pang: MTW, LF 16/12.
  • FF Stephanskirchen: ELW 2, MTW.
  • THW OV Rosenheim und Bad Aibling: 50 Helfer mit 8 Fahrzeugen.
  • ILS Rosenheim: 9 Disponenten und 2 Mitar-beitern in der Verwaltung

Insgesamt waren die Feuerwehren mit etwa 270 Kräften im Einsatz. Vom Rettungsdienst (BRK, JUH, MHD), Wasser- und Bergwacht waren weitere 250 Kräfte mit 175 Fahrzeugen vor Ort. Außerdem 17 Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung, ADAC, Bundespolizei, Bundeswehr und aus Österreich.
Die Angaben beziehen sich nur auf den Faschings-Dienstag.

5. Boote von Wasserwacht, DLRG und THW sind im Einsatz

Weil Rettungswagen den Schotterweg nicht anfahren können, besteht die Möglichkeit, Patienten über den Kanal zu transportieren. Um ein mehrmaliges Umlagern der Verletzten zu vermeiden, wird diese Idee verworfen. Die Einsatzkräfte nutzen die Boote vor Ort zum Materialtransport.

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6. RTH fliegen die Patienten zur Sammelstelle

Die schwer Verletzten werden in Schleifkorbtragen mit Hilfe von Seilwinden per Rettungshubschrauber zur Verletzten-Sammelstelle in Bad Aibling geflogen.

7. Handy-Spiel führte zur Katastrophe

Weil der zuständige Fahrdienstleiter durch ein Handy-Spiel abgelenkt war, hat er mehrere Fehler bei der Steuerung des Zugbetriebs gemacht. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung in zwölf Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung in 85 Fällen zu 3,5 Jahren Haft verurteilt.

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Bild1_eDossier2016_Bad Aibling

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