Montag, 29. Mai 2017

Feuerwehr-Fahrzeug der Zukunft

Leonding (Österreich) – In der Vergangenheit hat es immer mal wieder Ansätze gegeben, das Feuerwehr-Fahrzeug der Zukunft zu entwickeln. Genannt seien hier die Orbit-Studie von 1978, Kombinationsfahrzeuge wie das FRAP von Magirus und die L20FA von Metz oder der Falcon von Rosenbauer (1986). Durchschlagenden Erfolg hatte keine dieser Lösungen. Als erster Hersteller seit langem wagte sich Rosenbauer jetzt wieder an die Thematik heran. Anläßlich des 150-jährigen Bestehnens wurde die Studie Concept Fire Truck, kurz CFT, päsentiert. Neun Punkte haben die Entwicklung maßgeblich beeinflusst.

Im Jahr 1986 präsentierte Rosenbauer den Falcon. Das Fahrzeug war auf einem Niederrahmenfahrgestell von Titan aufgebaut und dadurch relativ niedrig. Etwa 30 Stück verkaufte Rosenbauer vom Falcon. Einige laufen noch heute. Foto: Hegemann

Im Jahr 1986 präsentierte Rosenbauer den Falcon. Das Fahrzeug war auf einem Niederrahmenfahrgestell von Titan aufgebaut und dadurch relativ niedrig. Etwa 30 Stück verkaufte Rosenbauer vom Falcon. Einige laufen noch heute. Foto: Hegemann

Punkt 1: die Urbanisierung. Immer mehr Menschen leben in Ballungsgebieten. Es werden also kompakte und wendige Fahrzeuge benötigt. Die Lösung: Das CFT ist nur 2,30 Meter breit und besitz eine Allradlenkung.

Punkt 2: das Umweltbewusstsein. Die Schadstoff- und Lärmbelastung muss reduziert werden. Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren drohen zukünftig Fahrverbote in innerstädtischen Bereichen. Rosenbauers Lösung: das CFT besitzt einen Elektroantrieb.  An den beiden Achsen sitzen Elektromotoren, die jeweils zwei Räder antreiben. Ein zusätzlicher Verbrennungsmotor (zumindest in der aktuellen Studie) springt automatisch an, wenn die Akkumulatoren einen kritischen Ladezustand erreichen. So sind auch stundenlange Einsätze möglich.

Punkt 3: die Arbeitssicherheit. Durch den Verzicht auf Geräteraumklappen und den Dachaufstieg werden Unfälle reduziert. An der Einsatzstelle angekommen, senkt sich das Fahrzeug auf Knopfdruck in den so genannten Operation Mode. Das Fahrgestell fährt dann soweit runter, das nur noch wenige Zentimeter Platz zwischen Auftrittskante und Fahrbahn bleiben. Sämtliches Gerät kann dann direkt vom Boden aus entnommen werden.

Concept Fire Truck nennt sich diese Studie von Rosenbauer. So könnte das Feuerwehr-Fahrzeug der Zukunft eventuell aussehen. Foto: Rosenbauer

Concept Fire Truck nennt sich diese Studie von Rosenbauer. So könnte das Feuerwehr-Fahrzeug der Zukunft eventuell aussehen. Foto: Rosenbauer

Punkt 4: die Fahrsicherheit. Niedriger Schwerpunkt, Kabine als Sicherheitszelle ausgeführt, optimale Achslastverteilung, Fahrassistenzsysteme, ESP und Rollover-Warnung. All diese Maßnahmen sollen das Unfallrisiko beim CFT signifikant senken.

Punkt 5: Gender Shift. Darunter wird die Auflösung der klassischen Geschlechterrollen verstanden. Immer mehr Frauen üben Berufe aus oder sind in Bereichen aktiv, die früher von Männern dominiert wurden. Rosenbauers Antwort: geringe Entnahmehöhen, eine Heckklappe, die sich auf Bodenniveau öffnet, Material- und Gerätetransport durch Maschinen (Raupenmanipulator).

Punkt 6: die demographische Entwicklung. Die Einsatzkräfte werden im Durchschnitt älter. Auch hierbei helfen die geringen Entnahmehöhen, der Material- und Gerätetransport durch Maschinen (Raupenmanipulator) und die Heckgeräteraum-Lösung am CFT.

Zwei Elektromotoren treiben das CFT an. Ein zusätzlicher Verbrennungsmotor (zumindest in der Studie) füllt die Batterien bei einem kritischen Ladezustand wieder auf. Eine weitere Besonderheit: Das Fahrzeug senkt sich an der Einsatzstelle ab. So lässt sich die Ausrüstung ganz einfach entnehmen. Foto: Hegemann

Zwei Elektromotoren treiben das CFT an. Ein zusätzlicher Verbrennungsmotor (zumindest in der Studie) füllt die Batterien bei einem kritischen Ladezustand wieder auf. Eine weitere Besonderheit: Das Fahrzeug senkt sich an der Einsatzstelle ab. So lässt sich die Ausrüstung ganz einfach entnehmen. Foto: Hegemann

Punkt 7: die Kommunikation. Geräumiger Mannschaftsraum, die Integration von Fahrerhaus und Kabine und eine neue Sitzordnung (Konferenztisch) sollen ganz neue Kommunikationsmöglichkeiten schaffen. Dazu gehört auch das große Zentraldisplay in der Kabine. So werden alle Kräfte mit wichtigen Informationen zum Einsatz versorgt – und zwar schon während der Anfahrt.

Punkt 8: die Vielseitigkeit. Das CFT kann sowohl Feuerwehrfahrzeug als auch als Rettungsfahrzeug genutzt werden.

Punkt 9: die Konnektivität. Immer mehr Geräte sind miteinander vernetzt. Die Lösung: Auf Displays am CFT werden beispielsweise eingehende Funksprüche oder Infos zum Einsatz angezeigt.

Sehr ausführlich stellen wir das CFT und die dahinterstehenden Überlegungen in der Dezember-Ausgabe des Feuerwehr-Magazins vor. Hier kann das Heft direkt bestellt werden.

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