Mittwoch, 24. Mai 2017

Berufsfeuerwehr Oberhausen

In Oberhausen (NW) gibt es neben Gasometer und Centro-Einkaufspark noch eine weitere Sehenswürdigkeit: die über 300 Mann starke Berufsfeuerwehr Oberhausen. Die fährt nicht nur 40.000 Einsätze im Jahr, sondern schützt auch noch zahlreiche Großveranstaltungen mit bis zu 1,2 Millionen Besuchern. Unterstützt wird sie von 120 Ehrenamtlichen.

Einer der mit Abstand seltsamsten Einsätze der BF Oberhausen beginnt ganz harmlos an einem Freitagnachmittag im März 2012 in der Fußgängerzone: „Eine 78-jährige Oberhausenerin meldete sich beim Schadstoffmobil der Wirtschaftsbetriebe“, erzählt Wolfgang Tingler, Bereichsleiter Feuerwehr der kreisfreien Großstadt im westlichen Ruhrgebiet. Ihr Mann sei vor kurzem gestorben und nun sei sie beim Aufräumen seines Kellers auf drei alte Marmeladengläser mit einer Flüssigkeit darin gestoßen. Sie könne aber nicht sagen, was sie enthielten. „Dem Mitarbeiter ist beim genaueren Hinsehen fast das Glas aus der Hand gefallen“, so Tingler. Zum Glück nur fast. „Nitroglycerin“ stand auf dem Gefäß – und das stimmte. Woher ihr Mann den hochexplosiven Sprengstoff hatte, konnte die Frau nicht sagen.

„Wir haben dann die Gegend um das Schadstoffmobil weiträumig abgesperrt und uns externe Hilfe geholt. Experten des Landeskriminalamtes legten sicherheitshalber das entsprechende Glas sowie ein zweites, mit einer brennbaren Flüssigkeit gefülltes Gefäß vorsichtig in eine Bombenkugel“, berichtet der Feuerwehrchef weiter. In langsamer Fahrt wurde diese auf ein Brachgelände in der Nähe gebracht. Dort konnten die beiden Gläser dann gesprengt werden. Das dritte Glas enthielt lediglich Industriealkohol.

In seinem Büro plaudert Wolfgang Tinglers über die Feuerwehr, die beinahe sein ganzes Leben geprägt hat. „Ich hab noch drei Jahre vor der Brust“, sagt der gebürtige Bremerhavener und lacht. „1983 bin ich als Referendar der BF Essen in den Feuerwehrdienst eingestiegen. Meine Grundausbildung habe ich hier in Oberhausen machen dürfen, weil zu dem Zeitpunkt kein Lehrgang in Essen angeboten wurde.“ Zwei Jahre später folgte die Staatsprüfung, „nach der ich gefragt wurde, ob ich nicht hier bei der Feuerwehr Oberhausen anfangen wolle. Das habe ich 1985 auch gemacht und bin bereits 1989 mit 33 Jahren Leiter der Feuerwehr geworden“, erzählt der 57-jährige. Kurz nachgerechnet: Wenn Tingler in drei Jahren in Pension geht, ist er über 27 Jahre Leiter der BF Oberhausen gewesen. Das ist in Deutschland vielleicht nicht einmalig, aber dennoch eine bemerkenswerte Leistung.

„1989 hatten wir einen Stamm von 245 Mitarbeitern. Heute, nach der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie in Verbindung mit einer extern durchgeführten Orga-Studie, werden wir unseren Personalstamm auf 302 Mitarbeiter ausbauen. Davon sind dann 287 im Einsatzdienst der BF tätig.“ Im September wird ein Grundlehrgang mit elf eigenen Kräften abgeschlossen. Ein weiterer Grundlehrgang mit 17 eigenen Leuten hat im April die Ausbildung begonnen. „Wir sind dabei, den vermehrten Personalbedarf, der sich aus der Arbeitszeitverordnung ergibt, auszugleichen und werden dies sowohl im mittleren als auch im Führungsdienst 2014 abgeschlossen haben“, sagt Tingler. „Dann kann ich den Brandschutzbedarfsplan, der im November 2012 beschlossen worden ist, umsetzen.“

Wer nichts taugt, fliegt

Unterstützung bekommen die Hauptamtlichen von einer überschaubaren freiwilligen Feuerwehr: vier Züge mit jeweils etwa 30 Mitgliedern in Mitte, Königshardt, Sterk rade und Süd. „Warum komme ich mit solch einer kleinen Anzahl freiwilliger Kräfte aus? Ganz einfach: Das Anforderungsprofil, welches wir an die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren stellen, gleicht fast dem eines Berufsfeuerwehrmannes“, erläutert der Chef. „Die Ehrenamtlichen fordern Fahrzeuge, Ausbildung und Persönliche Schutzausrüstung. Das sollen sie auch bekommen. Aber im Gegenzug fordere ich auch.“

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Berufsfeuerwehr Oberhausen: eDossier

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