Produkt: Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei Wald- und Flächenbränden
Sonderheft: Richtiges Vorgehen bei Wald- und Flächenbränden
Alles, was Feuerwehrkräfte über das richtige Vorgehen bei Wald- und Flächenbränden wissen müssen – dieses 100 Seiten starke Sonderheft liefert Antworten!
Großes Risiko von Folgeschäden

5 Beispiele, warum brennende Fahrzeuge gesichert werden müssen

Ein Fahrzeugbrand – egal ob Pkw-Brand oder Lkw-Brand – gehört zu den alltäglichen Einsätzen der Feuerwehr. Das Sichern von brennenden Fahrzeugen gegen ein mögliches Wegrollen wird jedoch vielfach vergessen. Rollt ein brennendes Fahrzeug weg, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen, wie zusätzlichen Sachschäden, Brandausbreitung oder gar Verletzten. Und selbst wenn nicht der schlimmste Fall eintritt: Passiert es während des Löscheinsatzes, könnten der Feuerwehr unangenehme Fragen gestellt werden.

Grundsätzlich gilt: ein brennendes Fahrzeug kann sich – sofern es noch rollbereit ist – immer in Bewegung setzen, auch im flachen Gelände. Das ist in allen Phasen eines Brandes möglich. Beispiele, bei denen nur der Motor brannte und das Fahrzeug losrollte, sind bekannt.

Anzeige

Nachfolgend haben wir fünf Videos zusammengestellt, die zeigen wie wichtig das Sichern bei einem Fahrzeugbrand ist.

Video 1: Nur Sekunden nach dem Eintreffen

Für die Feuerwehr San Diego (Kalifornien) sah es im März 2019 nach einem Routineinsatz aus – ein Abschleppfahrzeug brannte in der Innenstadt. Polizei und Feuerwehr trafen fast zeitgleich ein.

Der Maschinist stellte das Löschfahrzeug in einigen Metern Abstand zum brennenden Fahrzeug quer über zwei Fahrspuren, um die Einsatzstelle zu sichern. Während ein Feuerwehrmann sofort den Löschschlauch ausrollte, rüstete sich sein Kollege mit einem Pressluftatmer aus. Nur rund zehn Sekunden nach dem Eintreffen begann das brennende Fahrzeug loszurollen. Der Maschinist, der noch nach einem Keil griff, war chancenlos. Der Truck prallte gegen das Feuerwehrfahrzeug.

Zwar konnte die Feuerwehr ein Übergreifen des Brandes auf das eigene Fahrzeug verhindern, dennoch gab es einen leichten Sachschaden. Lokale Fernsehsender berichteten über den Vorfall.

Es gab in der Vergangenheit jedoch auch Beispiele, bei denen ein solches Unglück nicht so glimpflich ausging – und am Ende auch das Feuerwehrfahrzeug gleichfalls in Flammen stand.

Video 2: Und plötzlich rollt das Fahrzeug los

Auch die Feuerwehr Anthem (Arizona) erlebte vor einigen Jahren einen ähnlichen Vorfall – allerdings waren die Löscharbeiten schon deutlich länger am Laufen, als sich ein brennender Lieferwagen plötzlich in Gang setzte und gegen ein Löschfahrzeug prallte. Hier konnte der Maschinist das Einsatzfahrzeug anschließend in Sicherheit bringen.

Video 3: Mutig – aber lebensgefährlich

Im irischen Ashbourne versuchten Fahrzeugführer und Atemschutzträger einen in Vollbrand stehenden und losrollenden Pkw zu stoppen – durch Muskelkraft. Das Video eines Augenzeugen aus einem Bus verdeutlicht wie chancenlos ein Mensch ist, ein vielfach schwereres Fahrzeug aufzuhalten, wenn es erstmal rollt. Das Risiko von dem brennenden Fahrzeug überrollt zu werden, wenn ein Feuerwehrmitglied stolpert (z. B. an einem Bordstein) ist erheblich. Obendrein besteht eine Gefahr durch die Flammen selbst.

Video 4: Schussfahrt am Hang

Es gehört zu den berühmten Beispielen in der Feuerwehrausbildung. In Norwegen rollte ein Mercedes während der Brandbekämpfung plötzlich los – mehrere Hundert Meter eine abschüssige Straße entlang, ehe eine Leitplanke den Pkw stoppt. Die Feuerwehr musste dem Brand hinterherfahren. Das Augenzeugenvideo fand weltweit Beachtung.

Video 5: Beispiel aus Deutschland

Doch nicht nur Hanglagen sind gefährlich: In Hannover erlebte ein Augenzeuge, wie sich ein brennendes Fahrzeug auf einer flachen Straße wie von Geisterhand in Bewegung setzte. Und durch geparkte Pkw gestoppt wurde.

Welche Möglichkeiten gibt es zum Sichern?

  • Die wohl beste Option ist das Setzen eines Unterlegkeils. Idealerweise an einem Reifen, der noch nicht unmittelbar betroffen ist. Steht das Fahrzeug im Vollbrand, kann eine Schaufel beim Platzieren etwas Sicherheitsabstand ermöglichen.
  • Der Einsatz einer Motorseilwinde ist in bestimmten Situationen denkbar, allerdings müssen Sicherheitsabstände eingehalten werden. Und: Moderne Pkw brennen oftmals vollständig – die Fahrzeugkonstruktion besteht meist aus verschiedenen Kunststoffen. Es besteht ein Risiko, dass das Seil durch das Feuer beschädigt wird.
  • Gleiches gilt auch für den Einsatz eines Mehrzweckzuges, dessen Aufbau allerdings auch umständlicher und zeitintensiver erscheint. 
  • Keine Experimente sollten mit Gegenständen wie Ölbindemittel-Säcken oder Schaummittelkanister gewagt werden. Sie können ihren Halt bei thermischer Belastung durch Aufplatzen verlieren. 
  • Ist eine Sicherung des Fahrzeugs nicht möglich, sollte der Einsatzleiter das Risiko (analog eines Trümmerschattens) berücksichtigten und Absperrmaßnahmen treffen und mit einer plötzlichen Lageveränderung rechnen.
Fahrzeugbrand (Symbolfoto). Foto: Stephan Konjer
Produkt: Download Anleiterbereitschaft
Download Anleiterbereitschaft
Anleiterbereitschaft (ALB) kurz und kompakt erklärt. Wie funktioniert sie?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hallo Peter,

    ja, zur Not tut es auch die “Fußbremse” – selbstverständlich geschützt durch einen Feuerwehrstiefel oder einen Sicherheitsschuh nach mind. Norm S3 (durchtrittsichere Sohle, Kappe aus Stahl statt aus Kunststoff), besser S3. Noch präziser regelt die DIN /EN 20345 die Angelegenheit:

    “Die Schutzkappe der EN 20345 Sicherheitsschuhe muss einer Energie von 200 Joule standhalten. Das bedeutet, die Arbeitsschuhe mit 200 Joule halten einem Gewicht von 20kg aus 1 Meter Fallhöhe stand. Ist die Fallhöhe gleich Null (wie z. B. beim Überfahren), hält eine 200 Joule Zehenkappe ca. 1.500 kg aus. Das heißt, sie sollte auch dann noch schützen, wenn Ihnen beispielsweise ein Kleinwagen (!) über den Fuß rollt.”

    Dass Dir beim Überrollen mit einfachen Turnschuhen nix passiert ist (z. Bsp. kompl. Mittelfuß-Trümmerbruch), ist wahrscheinlich der Stabilität des Schuhs, dem Reifenluftdruck sowie dem Gewicht des KFZ zuzuschreiben – kann gut gehen, kann aber auch z. B. bei minimal anderem Winkel bzw. Überrollfläche/Gewicht mächtig daneben gehen.

    Die Standard-FW-Stiefel wie zum Beispiel von HAIX erfüllen diese Normen selbstverständlich. Besser ist natürlich immer ein stabiler Stahlkeil, habe deshalb immer 1 – 2 Stk. (Belastbarkeit 3,5 to geprüft) im Fz. dabei – letztens noch gebraucht (PKW, Handbremse hatte sich gelöst, rollte rückwärts in den Fahrbahnraum, mit Keil(-en), gesichert, mit POL Halter festgestellt, rausgeklingelt – erledigt).

    Frage beantwortet?

    Kameradschaftliche Grüße,

    Michael P. Klotz
    (Krisenintervention Wetter)

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. @ Peter:
    Zunächst möchte ich darauf hinweißen, das ich niemanden Empfehlen würde einen PKW mit dem Fuß zu stoppen. Es kann es zu schlimmen Verletzungen dadurch kommen. Wenn der PKW z.B. über den Knöchel/ Gelenk rollt etc.

    Habe auf die schnelle nichts gefunden was direkt für Feuerwehrstiefel gilt.

    Für normale Sicherheitsschuhe gilt die Norm EN ISO 20345.
    Diese sagt das die Schutzkappe eine Energie von 200 Joule aushalten muss. Deswegen kann man nicht pauschal sagen, wie viel Kilogramm ein Schuh aushält. (Ist abhängig von der Fläche, Geschwindigkeit und Masse) Um es sich besser vorzustellen, wären das ca. ein 20kg Gewicht aus 1m Höhe. Wenn ein Gewicht statisch auf der Kappe steht, sind das ca. 1500 kg.
    Also ich würde sagen einen normalen PKW sollte so ein Schuh locker aushalten.

    Vergleich aus meinem Leben: Meine Tante ist mir mit ihrem VW Polo vor 4 Jahren beim losfahren über den Fuß gefahren (Turnschuh) und ich hatte keinerlei Verletzung. Tat auch nur wenig weh.

    Zum Thema Unterlegkeile:
    Bei einem brennendem PKW sind brennbare Materialien weniger geeignet.
    Würde da in einer Notsituation eher zu Holzkeilen greifen, da Kunststoff (Thermoplast) bei Hitze schnell Weiche wird. Holz brennt zwar aber bleibt noch einige Zeit hart. Jedoch sollte beides nur eine Notlösung sein. Und so Schnell wie möglich ersetzt werden.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Wie immer brillanter Beitrag! Die eingesetzten Medien könnten als Vorlage für eine interne Schulung dienen.

    Ich kenne bei Fahrzeugbränden im Zuge der Lageerkundung nachfolgend kurz skizziertes Vorgehen:

    – Beim Eintreffen Rettungsmittel für – möglichst schnell – abgesperrtem Parkraum sorgen – sowohl in ausreichendem Sicherheitsabstand bei kontinuierlich sichergestellter Leistungsbereitschaft (Zugriff zum Einsatzmittel von allen Seiten, Berücksichtigung von Schlauchlängen für Schnellangriff, etc.);
    – Schnell-Check: Personen in oder am (unter) dem betroffenen Fahrzeug vorhanden? Ggf. Nachfordern weiterer Rettungsmittel (RTW/NEF);
    – Absicherung der Brandstelle durch Verkeilen, falls möglich Abklemmen der Stromversorgung (Autobatterie);
    weil alle nachfolgenden Maßnahmen (Personenrettung ggf. -bergung, Löscharbeiten, Dekont-Maßnahmen, ff.) nur bei sprichwörtlich gesicherter Lage auch für die Einsatzkräfte ohne Eigengefährdung sicher durchgeführt können.

    Die Verantwortung tragen (je nach Verfügbarkeit vor Ort) der jeweils ranghöchste bzw. erfahrenste Kamerad (Trupp-/Zugführer, etc.) später ggf. KdoW/Einsatzleitung.

    Und gerade diese wichtigen Vorarbeiten werden von Laien und Zivilpersonen manchmal als “pomadiges Herangehen” wahrgenommen (“Warum löschen die denn noch nicht schon wie wild?”), ist aber im Sinne eines letztendlich wirklich erfolgversprechenden Einsatzes und bei berücksichtigter Eigensicherung wohl alternativlos.

    (Michael P. Klotz, Krisenintervention)

    Hinweis: Die Webseite wird gerade umgebaut!

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Hab ich es richtig gesehen, bei dem letzten Video von Hannover?
    Er hat sein Feuerwehrstiefel genutzt?!
    Jetzt interessiert mich natürlich, wie gut die meisten Feuerwehrstiefel für sowas geeignet sind?!
    Leichtes rollen.
    Ist der Fuss wirklich sicher und bis zu wieviel Kg Gewicht hält so ein Feuerwehrstiefel, zb. Haix aus, damit der Fuss nicht gequetscht wird?
    War halt nur eine Notlösung, bzw. Schnellstlösung bis ein Keil vorhanden ist.
    Wie sieht es mit dem Unterbaukeilen aus, die sind ja zb. aus hartem Kunststoff oder Holz, brennen diese sofort mit?!
    Deswegen lieber direkt ein Fahrzeugkeil vom LF etc.
    Diese sind meist nicht leicht und schnell zugänglich.
    Glaub sogar teilweise bei HLFs auf den Dächern verlastet.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren