Neuer Multistar für Oststeinbek

Oststeinbek (SH) – Der Samstagnachmittag war für die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oststeinbek (Kreis Stormarn) ein ganz besonderer Tag: Der in die Jahre gekommene Rüstwagen RW 2 auf Mercedes-Fahrgestell Typ 1222 von 1986 konnte durch einen Iveco Magirus Multistar abgelöst werden. Ebenfalls ungewöhnlich für Deutschland: Der HURW (Hubrettungs-Rüstwagen) ist auf einem Scania P270 mit 18 Tonnen zulässiger Gesamtmasse aufgebaut.

Die Feuerwehr Oststeinbek im Kreis Stormarn stellte einen Iveco Magirus Multistar in Dienst. Foto: Christian Nimtz
Die Feuerwehr Oststeinbek im Kreis Stormarn stellte einen Iveco Magirus Multistar in Dienst. Foto: Christian Nimtz

In der Scania-Kabine hat eine Staffel (1/5) Platz, zwei Sitzplätze sind mit Halterungen für Pressluftatmer ausgestattet. Eingebaut sind unter anderem eine Rotzler-Treibmatic-Winde mit 50 kN Zugkraft sowie ein 20-kVA-Stromerezuger. Als Hubrettungssatz steht ein hydraulischer Gelenkmast der Firma Klaas mit einer Arbeitshöhe von 31 Metern und einer maximalen waagerechten Reichweite von 17,2 Metern zur Verfügung. Ausgestattet ist er mit einem Rettungskorb RK 270CS von Magirus mit Bodenklappe. Der Mast erlaubt auch Unterflur-Einsätze bis zu 12 Metern. Über eine feste Steigleitung kann der Korb mit Wasser versorgt werden, wobei das Wasser über einen vom Boden aus fernsteuerbaren Werfer abgegeben werden kann.

Aufgebaut ist der neue HURW auf einem Scania P270. Foto: Christian Nimtz

Der Wert des neue Fahrzeugs beträgt rund 650.000 Euro, welche die Gemeinde alleine finanzieren musste. Neben dem alten Rüstwagen ging mit der Neubeschaffung auch eine Anhängeleiter AL 18 außer Dienst. Wir werden den neuen Multistar HURW der FF Oststeinbek in einem der kommenden Hefte ausführlich vorstellen.

10 Kommentare zu “Neuer Multistar für Oststeinbek”
  1. mediasupport

    Ein wirklich spannendes Fahrzeugkonzept. Aber nicht jede Gemeinde kann es sich leisten, ein nicht genormtes Fahrzeug ohne Landeszuschüsse anzuschaffen. Der Multistar ist umstritten. Hintergründe unter: http://www.bergedorf.tv/blaulicht

  2. Hallo,

    nichts davon ist “spannend” oder “neu”.

    Es steht aber zu vermuten, dass das Fahrzeug in den Eckdaten weder die Normbeladung des RW, noch die der Fw-Zufahrten/-aufstellflächen erfüllt. Nichts davon wurde auch nur im Ansatz im “Blaulicht-Film” thematisiert. Entweder weils nicht bekannt war, oder weil mans ignoriert hat.

    Aber die “Norm” hat ja auch keine Ahnung, was “modern” ist…

    Interessant wäre, wie es um die Ausrückestärke der Fw bestellt ist, weil man ja offensichtlich zum Wohnungsbrand oder direkt zum VU mit mind. 2 x 1/5 direkt ausrücken können muss (Erstangriffsfahrzeug + HuRW), vom Rest mal ganz zu schweigen…

    Gruß
    UC

  3. mediasupport

    Cimolino, für die Zuschauer von bergedorf.tv dürften die Infos dort “spannend und neu” sein. Für Feuerwehrexperten sicher nicht. Wer sich für technische Eckdaten oder Beladung interessiert, der ist mit dem FW-Magazin-Steckbrief über das Fahrzeug sicher besser bedient. Die Abkürzungen sind für “Tante Lisa”, die immerhin mit Ihren Steuern diesen 680.000 Euro teueren Boliden finanziert hat, aber völlig unverständliches Fachchinesisch. Also: Alles an seinem Platz, entsprechend der Zielgruppe.

    Wenn allerdings die Norm nicht modern ist, wäre dies schon sehr bedenklich. Zumindest, wenn mit modern “auf dem aktuellen Stand der Technik” gemeint ist und nicht eine “modische Marotte”.

    Viele der im Videobeitrag genannten Argumente erscheinen mir sehr nachvollziehbar. Das FW-Magazin wird dem hoffentlich in dem angekündigten Artikel aus fachlicher Sicht auf den Zahn fühlen und nicht nur das technische Datenblatt des Herstellers abdrucken.

  4. lalülala

    Lieber Ulli Cimolino,
    natürlich haben Sie Recht, mit Ihren grundsätzlichen Anmerkungen, und man kann über diese Multistar-Fahrzeuge wirklich trefflich streiten und diskutieren (z.B. warum gibt es nur so wenige, wenn sie doch so toll sind? – und dann kann man wirklich eine ganze Palette an Fragen aufführen) aber wie auch mediasupport schon sagt: der Film hat halt einen ganz anderen Hintergrund und ist halt nicht für “Feuerwehr’s” gedacht/gemacht.
    Österliche Grüße

  5. @ mediasupport oder lalülala,

    da sag ich doch munter trallalala …

    Denn wie schrieb Mediasupport (wer auch immer das ist) auf DIESER Seite, die alles andere “nicht für Feuerwehrs gedacht/gemacht” ist: (“Unterstreichungen” in Form von _ _ durch mich)

    “mediasupport sagt:
    1. April 2010 um 08:44
    Ein wirklich _spannendes Fahrzeugkonzept._ Aber nicht jede Gemeinde kann es sich leisten, ein nicht genormtes Fahrzeug ohne Landeszuschüsse anzuschaffen. Der Multistar ist umstritten. _Hintergründe_ unter:..”

    Weder ist das “spannend”, noch gibts “Hintergründe”, die Leser einer Fachzeitschrift (ja auch das FwMag zählt da durchaus zu!) wirklich weiterbringen…

    Ergo, Ziel(gruppe) verfehlt…

  6. mediasupport

    Cimolino. Für so manchen Feuerwehr-Experten kann es allerdings sehr spannend sein und neue Hintergründe aufzeigen, einmal einen Blick über den Tellerrand der Fachwelt hinaus zu werfen. Besonders sollte man sich damit beschäftigen, wie diejendigen die Feuerwehr-Arbeit sehen, die sie letztlich finanzieren: Otto-Normal-Verbraucher mit seinen Steuergeldern. Wenn die Fachwelt nur in internen Fachsimpeleien schmort, ist dies brandgefährlich. Aber auch in der Fachwelt, scheint die Einschätzung des Multistar-Fahrzeugkonzeptes ja keineswegs so klar und eindeutig, wie Du es formulierst. Immerhin hat die Wehr in Oststeinbek das Teil ja angeschafft. Und dies zumindest sind doch alles “Feuerwehrs”, oder? LG

  7. Hallo Mediasupport (wer auch immer das ist, und über welche Kenntnisse der auch immer verfügt),

    ich find es wenig erbaulich, wenn argumentativ mal das eine, mal das andere Pferd geritten wird.

    Zum Thema “Feuerwehr-Experten”: Ausreichend Vergleiche bzw. Unterlagen zum Thema Hubrettungsgeräte (speziell Vergleich Drehleiter mit Gelenk-/Teleskopmast gibts an mehreren Landesfeuerwehrschulen (z.B. Regensburg, Münster).
    Einschlägige Fachliteratur zu den Fahrzeugen und deren Anforderungen kann ich gern empfehlen: http://www.einsatzpraxis.org/de/home/buecher/einsatzfahrzeuge_-_typen.html

    Man erspare mir die Diskussion, was “Experten” (sind das die, die alle 3 – 30 Jahre je ein Fahrzeug kaufen, davon ggf. also 20 – 30 Jahre ein Hubrettungsgerät o.ä.?) in der Fw-Welt schon so alles gekauft und begründet haben.

    Insofern bleibe ich bei meiner Auffassung, dass ich von der “Fachwelt” eine kritische Diskussion v.a. von den Abweichungen erwarte, die ggf. schon das Erreichen der Einsatzstelle unmöglich machen (Abmessungen, Gewichte usw.).
    Der der das bezahlt, sollte ggf. auch darüber informiert werden, welche Grenzen dann für das Gekaufte gelten…

  8. lalülala

    Lieber Ulli Cimolino,
    schön wenn Sie mein Nick-Name zu Wortspielen angeregt hat.
    Aber wenn Sie richtig gelesen hätten, hätten Sie gesehen, dass ich inhaltlich ja schon ganz dicht bei Ihnen bin.
    In meinem Landkreis haben wir letzten Endes die Beschaffung eines solchen “Multifunktionstalents” letzten Endes auch von der Feuerwehrseite (FF) aus “abgesetzt” und sind bei der guten alten Drehleiter geblieben.
    Ich bleibe aber dabei, dass der Film(link) eben nicht für die inhaltliche Diskussion bei Feuerwehrs , sondern zumindest nach meinem Anschein von irgendeinem Lokal-TV für den normalen Zuschauer gedacht war. Und das ist halt eine andere Zielgruppe, die ganz anders angesprochen wird.

    Damit trägt der Filmschnipsel nicht direkt, sondern nur im Rahmen unseres Blogs zur weiteren fachlichen Diskussion bei, aber er liefert halt entsprechende bewegte Bilder zum Thema.

    Ach so – und eins muss ich dann doch noch los werden.
    Natürlich haben Sie mit Ihren kritischen Anmerkungen zur Expertise bei einer alle Jubeljahre anfallenden Beschaffung Recht und man sollte sich vor Ort wirklich überlegen, wie man sich technisches und vergaberechtliches Know-How sichert.
    Aber mir fallen natürlich doch auch einige schöne Dinge ein, bei denen uns dann Profikollegen mit ebenfalls, nun ja, seltsamen Konzepten zu überzeugen versuchten. Sie erinnern sich sicher noch an den Frankfurter “Janus-Faun” oder die Duisburger “groß-größer-am größten”-Fahrzeuge, mit dem Folgethema “NALL” – die sind zwar mittlerweile Historie aber auch die Neuzeit bietet glaube ich genügend Gesprächs- und Diskussionsbedarf, wenn man sich nur mal das Thema ELW-Konzepte, egal auf welcher Ebene (1,2 oder 3 – oder doch 5(?)) anschaut.
    Und ganz gräßlich wird es dann bei dem Thema “Norm” und Vereinfachung – das ist dann wohl der Widerspruch in sich …

    In diesem Sinne, sonnige Grüße aus Saarbrücken nach Düsseldorf
    Tony Bender
    (damit Sie wissen – wer oder was lalülala ist – habe ich mir aus einem alten Seyfried-Comic, dem Schnitt durch einen Streifenwagen, geliehen)

  9. Hallo Herr Bender,

    fein, das liest sich schon anders.

    Zu den Beschaffungen: Das stimmt, aber die Zeit der “Experimentalbeschaffungen” bei den größeren Feuerwehren ist m.W. größtenteils vorbei. Es wird überwiegend nach Norm oder normnah gekauft, man scheut aufgrund sehr leidvoller (und SEHR teurer) Erfahrungen (manche sagen auch “viel Lehrgeld wurde bezahlt”) eigene Entwicklungen, wo immer das vermeidbar ist.
    Allerdings in bei vielen FFs nun genau der gegenteilige Trend zu erkennen. Je offener die Normen werden und je weniger Einschränkungen es auch über die Aufsichtsbehörden (Zuschussbindungen) gibt, umso exotischer und “wilder” werden die Entwicklungen…
    Beispiele aus letzterer Zeit?
    – Hubrettungsfahrzeuge > 16 t findet man v.a. bei der FF…
    – HLF > 16 t findet man v.a. bei der FF (BF DU hat m.W. den letzten Dreiachser gekauft und der hat wenigstens eine Achslast < 10 t, wenn auch die zGM jenseits der Gewichtsgrenze von 16 t für Fw-Zufahrten etc. liegt)
    – TSF nun in der Diskussion bis 4,75 t (gern ohne PA und dafür mit Höchstdrucklöschanlagen, aber halt "passend zum Fw-Führerschein")
    – TSF-W problemlos nach wie vor bis über 8 oder gar 10 t (!)
    – StLF bis an die 14 t (Hessen hat dazu eine Landesrichtlinie z.B. StLF 20/25….)
    – TLF mit Doka, Gruppenkabine (und ich weiß nicht welcher Gewichtsverteilung)
    – TLF 20/40-SL mit Gewichten von über 18 bis jenseits 20 t!
    – HLF 10/10 o.ä. mit weit über 12 t zGM (faktisch LF 16/12 oder sogar HLF 20/16 – nur mit anderem Typenschild…)
    – HLF mit immer größeren Wassertanks (und ich weiß nicht welcher Gewichtsverteilung)
    – HLF mit Seilwinde, Druckzumischung oder gar DLS UND fest eingebautem Generator
    – RW mit 3 Achsen und Ladekran
    uvm…. (alles Beschaffungen, die ich in den letzten paar Monaten für _FFs_ irgendwo gesehen habe oder die ernsthaft diskutiert werden…)

    Das schafft die Fw in der jetzigen Struktur auf Dauer bei den kommenden Problemen schneller ab, als uns allen lieb sein kann!

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