Jugendfeuerwehr Wettbewerb: Auf die Plätze, fertig, los!

Zwei große Wettbewerbe prägen die Jugendfeuerwehr in Deutschland. Zum einen der Bundeswettbewerb und zum anderen der Internationale Bewerb. Von den über 18.000 Jugendfeuerwehren kennen fast alle den Bundeswettbewerb, auch wenn sich nicht alle daran beteiligen. Er wird in Stadt-, Kreis-, Bezirks- und Landesentscheiden ausgetragen – bis zur Deutschen Meisterschaft. Dieses Jahr steigt dieses Finale im Bundeswettbewerb am 10. September in Falkensee (Brandenburg).

Deutlich weniger populär ist der internationale Wettbewerb. Dabei ist er temporeich und sorgt für Überraschungsmomente. Wir stellen seine beiden spannenden Teile vor.

Internationaler Bewerb im CTIF

Es ertönt ein Pfiff. Neun Jugendfeuerwehrleute sprinten los. Sie stürmen über einen 75 Meter langen Parcours – ziehen Schläuche aus, leeren zwei Kübelspritzen, machen vier Knoten und ordnen Feuerwehrgeräte. Nach zirka 40 Sekunden stehen sie aufgereiht am Ziel, der Gruppenführer hebt den Arm und ruft “Übung beendet”.
Die Rede ist von der Feuerwehrhindernisübung im internationalen Wettbewerb der Jugendfeuerwehren. Wer sie in 40 Sekunden bewältigt, gehört international zu den besten Gruppen in diesem Bewerb. 

“Für mich ist der internationale Jugendfeuerwehrwettbewerb der Jugendfeuerwehrwettbewerb mit der besten Action”, schwärmt Jürgen Kindelberger, Wettbewerbsleiter der Jugendfeuerwehr Rheinland-Pfalz. “Da ist richtig Power drin.” 

“An dem internationalen Wettbewerb können Jugendliche im Alter von zwölf bis 16 Jahren teilnehmen”, erklärt Sabrina Reitz von der Deutschen Jugendfeuerwehr. “Allerdings gelten hier die kompletten Jahrgänge. Berücksichtigt werden können also auch Jugendliche, die erst nach dem Wettbewerb, aber im gleichen Jahr ihren zwölften Geburtstag feiern.”

Reitz erklärt weiter: “In einigen Bundesländern gibt es Landes- und Kreisentscheide im internationalen Bewerb, wie zum Beispiel in Hessen, Niedersachsen und Bayern. Aber es gibt auch Länder, in denen dieser Wettbewerb leider kaum eine Rolle spielt, wie beispielsweise in den Stadtstaaten.”

Genauso wie der Bundeswettbewerb besteht der Internationale Bewerb aus zwei Disziplinen: neben dem Hindernisparcour treten die Jugendlichen noch zu einem Staffellauf an. Die Strecke beträgt auch 400 Meter wie im Bundeswettbewerb. An den Start gehen die Mädchen und Jungen in dem Jugendfeuerwehr-Übungsanzug – allerdings ohne Helm und Handschuhe. Die Teams wählen ihre Schuhe selbst. Es wird aber einheitliches Schuhwerk gefordert. Als Staffelstab dient ein Strahlrohr.

Sebastian Stenzel - Wiesbaden112.de
Kurz vor dem Ziel beim Staffellauf. Foto: Wiesbaden112

Die Aufgaben der einzelnen Teammitglieder:

  • Läufer 1 muss über eine zwei Meter hohe Leiterwand;
  • Läufer 2, 4 und 5 absolvieren eine reine Laufstrecke;
  • Läufer 3 nimmt einen doppelt gerollten C-Schlauch auf und legt ihn in 5 Meter Entfernung wieder ab;
  • Läufer 5 muss unter einer 80 Zentimeter hohe Hochsprungstange hindurch, ohne dass die Stange herunter fällt;
  • Läufer 6 springt über eine 60 Zentimeter hohe Hürde;
  • Läufer 7 führt einen Handfeuerlöscher über fünf Meter mit und stellt ihn auf einer Holzplatte wieder ab;
  • Läufer 9 kuppelt einen C-Schlauch an einen Verteiler, eine weitere C-Länge an diesen Schlauch und zieht die Leitung aus. Beim Ausziehen kuppelt er das Staffel- Strahlrohr an den C-Schlauch. Hinterm Ziel legt er es ab. Das war’s.

Für diesen 400-Meter-Lauf haben die besten deutschen Team zuletzt unter 70 Sekunden gebraucht. Die Mannschaften starten übrigens parallel auf zwei Bahnen. So wird es noch mehr zum Wettlauf.

75 Meter, fünf Aufgaben, drei Hindernisse

Auch bei der Feuerwehrhindernisübung starten in der Regel zwei Teams zeitgleich auf zwei Bahnen. Das erhöht die Spannung enorm. Sie treten im JF-Übungsanzug, diesmal mit Schutzhelm, an. Wieder können sie die Schuhe selbst wählen. Dieser Part ist grundlegend anders als die Löschübung im Bundeswettbewerb. Hier spielt die Feuerwehrdienstvorschrift keine Rolle. Es gilt, als ganze Gruppe den 75-Meter-Parcour zu bewältigen.

An der Startlinie ist in der Mitte eine C-Kupplung fest montiert, daneben liegen vier doppelt gerollte C-Schläuche in Schlauchträgern. Das erste Hindernis ist ein Graben, 1,8 Meter breit. Diesen gilt es, zu überspringen. Tipp: Gerade für kleine Jugendfeuerwehr-Leute ist es wichtig, ihn gerade zu überqueren, um die Sprungweite auf ein Minimum zu verkürzen.

Dann gilt es, eine 70 Zentimeter hohe Hürde zu überspringen. Sie ist zwei Meter breit und die Jugendlichen dürfen ihre Beine nicht um die Hürde herum schwingen. Nächstes Hindernis ist der rote Kriechtunnel, der auch zur Löschübung (A-Teil) im Bundeswettbewerb gehört. Er ist 6 Meter lang, 60 Zentimeter breit und 80 Zentimeter hoch. Tipp: Auch wenn er Kriechtunnel heißt, sollten die Jugendlichen trainieren, in gebückter Haltung durchzulaufen. Das geht deutlich schneller.
Aus dem Tunnel raus geht es ein paar Meter weiter über das Laufbrett – 2 Meter lang, nur 20 Zentimeter breit. Hinter dem Laufbrett teilt sich die Bahn quasi. Links und rechts stehen zwei Kübelspritzen und zwei Wasserwände.

Direkt dahinter befindet sich links eine Geräteablage. Darauf liegen sich Sammelstück, Verteiler, Kupplungsschlüssel, C-Schlauch, Saugkorb, CM-Strahlrohr und Schlauchbinder. Auf einem Gestell gilt es, vier Geräte zu den auswechselbaren Abbildungen zu sortieren. Rechts befindet sich ein Knotengestell, wo ebenfalls die Bilder der zu fertigenden Knoten nach jedem Lauf ausgetauscht werden. Die vier Aufgaben: Mastwurf, ganzer und halber Schlag am Strahlrohr, Zimmermannsstich sowie Kreuz-knoten. Dann haben es die Jugendlichen geschafft. Hinter den Holzgestellen verläuft die Ziellinie.

Alle stürmen durch den Kriechtunnel

So, und nun geht’s los. Die Jugendlichen stellen sich in einer Zweier-Reihe an der Startlinie auf. Sie tragen statt Funktionszeichen Leibchen mit Startnummern. Nach dem Befehl “Zum Angriff” ertönt ein Pfiff, der Startschuss. Startnummer 1 läuft als Gruppenführer bis zu den Spritzwänden durch und bleibt zunächst zwischen ihnen stehen. Er geht erst weiter zum Ziel, wenn die Aufgabe an den Kübelspritzen geschafft ist.

Alexander Woerl [2014]
An zwei Kübelspritzen müssen sich die Jugendlichen in dem Parcours betätigen. Foto: Wiesbaden112

Die Läufer 2 bis 5 sprinten durch bis zu den Kübelspritzen. Zwei Kameraden pumpen, zwei ziehen die Schläuche aus und spritzen. Sie zielen das Wasser durch das Loch in der Wasserwand. Wenn sich fünf Liter in dem Eimer hinter der Wand befinden, ertönt ein Signalton. Die nächste Station für die vier Starter: die Geräteablage. Jeder platziert ein Gerät zu dem passenden Bild auf dem Holzgestell.

Ab dem Start verlegen die Läufer 6 bis 9 eine Schlauchstafette über den Graben, durch den Tunnel und neben der Hürde. Dann laufen sie zum Knotengestell und fertigen die Knoten an, wie auf den Abbildungen gefordert.

Sind alle Aufgaben erfüllt, stellt sich die Gruppe hinter der Ziellinie auf. Startnummer 1 ruft “Übung beendet” und hebt dabei deutlich erkennbar einen Arm. Bei den “Weltmeisterschaften” 2015 im internationalen Bewerb in Opole (Polen) brauchte die JF Dabel 41,88 Sekunden für die Hindernisübung – mit fünf Fehlerpunkten. In bemerkenswerten 36,48 Sekunden schaffte die JF Oberneukirchen ihre Übung, musste allerdings 30 Fehlerpunkte hinnehmen. So landeten die beiden besten deutschen Teams auf den Plätzen 13 und 15.

“Der nächste Bundesentscheid im internationalen Bewerb findet übrigens im Rahmen der Deutschen Feuerwehrmeisterschaften vom 27. bis 31. Juli 2016 in Rostock statt“, informiert DJF-Sprecherin Reitz. Sie startet einen Aufruf: “Nehmt zur Qualifikation an Euren Landeswettbewerben teil oder meldet Euch bei Eurer Landesjugendleitung, wenn es bei Euch keinen Landesentscheid gibt.”

Informationen der Deutschen Jugendfeuerwehr:

Die Internetseite www.jugendfeuerwehr.de bietet in ihrem Servicebereich alle wichtigen Informationen. Von den Bestimmungen des Bewerbs, wie Stärke der Gruppe, Altersbegrenzung und die verschiedenen Disziplinen bis hin zu den aktuellen Änderungen des Weltfeuerwehrverbandes CTIF, ist hier alles zum Download bereitgestellt. 

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