Vor 25 Jahren

First Responder bei Feuerwehren: So ging es los

Bremen – First-Responder-Gruppen, Ersthelfer oder Erste-Hilfe-Trupps von Feuerwehren haben schon vielen Menschen das Leben gerettet. Durch diese Kräfte kann der therapiefreie Intervall deutlich verkürzt werden. Vor ziemlich genau 25 Jahren setzte eine hitzige Diskussion über das System ein. Auslöser waren Beiträge des Bayerischen Rundfunks und regionaler Tageszeitungen über einen First Responder-Einsatz. Wir erinnern uns an die Geburtsstunde. 

Dieses Foto entstand 1993 am Rande der Aufnahmen des Bayerischen Rundfunks. Stehend von links: Die Initiatoren Gerhard Nadler und Nikolaus Jocham; knieend die drei Feuerwehr-Ersthelfer, die für Fernsehen und Pressefotografen die Reanimation demonstrierten. Foto: Feuerwehr Helfendorf

Professor Jürgen Doeblin, Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, hatte am 2. November 1993 zu einer Pressekonferenz nach Aying (Kreis München) eingeladen. Dort stellte er ein Konzept zur Verkürzung des therapiefreien Intervalls durch Feuerwehr-Ersthelfer vor. Das Konzept war von Gerhard Nadler (heute Professor für Rettungswesen an der Hochschule für Gesundheit und Sport) und Nikolaus Jocham (heute Notarzt und Arzt auf Kreuzfahrtschiffen) entwickelt worden. Damals waren beide nebenamtlich im Rettungsdienst in München tätig.   

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Am 2. November wurde den Journalisten von Fernsehen und regionalen Tageszeitungen ein Erste-Hilfe-Trupp-Einsatz vorgeführt: Ein Reanimationsphantom lag „leblos“ vor der Brauereigaststätte, zuerst kam ein Mannschaftstransportwagen (MTW) der Freiwilligen Feuerwehr, drei Helfer stiegen aus und begannen mit der Basis-HLW (Herz-Druckmas­sage sowie Beatmung mit Sauerstoffzufuhr). Der Fahrer des MTW fuhr unterdessen zum Ortseingang, um den Rettungswagen (RTW) in Empfang zu nehmen und auf dem kürzesten Weg zum Einsatzort zu lotsen. Nach etwa 5 Minuten kamen MTW und RTW zusammen an, die RTW-Besatzung übernahm die Reanimation.

Anfangs extrem viele Kritiker

Am Abend des 2. November berichtete das BR-Fernsehen in der Abendschau und in diversen Nachrichtensendungen über das Konzept und ein angedachtes Modellprojekt. In den folgenden Tagen und Monaten kam es zu hitzigen Diskussionen. Während viele Freiwillige Feuerwehren das System begrüßten, sprachen sich diverse Funktionsträger von der Feuerwehr auf der überörtlichen Ebene und Funktionäre von Hilfsorganisationen dagegen aus. Als Gegenargumente wurden hohe Kosten, hoher Ausbildungsaufwand und hohe zusätzliche Belastung der Einsatzkräfte genannt. Von Seite der Hilfsorganisationen wurden die Beeinträchtigung der bewährten Aufgabenteilung zwischen Feuerwehr und Hilfsorganisationen sowie rechtliche Bedenken angeführt.

Rund ein Jahr benötigten die Wegbereiter und Initiatoren der ersten Projekte, hierzu zählen neben Nadler und Jocham auch die Notärzte Dr. Andreas Dauber und Dr. Peter Rupp sowie Max Eichner (FF Oberschleißheim) und Hans Hüfner (FF Unterschleißheim), bis die zuständigen Stellen grünes Licht zum Start von zwei Modellprojekten im Großraum München gaben. Im Herbst 1994 startete schließlich das Modellprojekt im nördlichen Landkreis München bei den Feuerwehren Aschheim, Oberschleißheim und Unterschleißheim. Im Frühjahr 1995 folgte das Modellprojekt bei der Feuerwehr Helfendorf im südlichen Landkreis München. Beide Projekte verliefen erfolgreich.

Heute gibt es vor allem in den Flächenländern Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen zahlreiche First Responder-Einheiten bei Freiwilligen Feuerwehren. „Und auch in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin ist das System etabliert“, sagt Prof. Dr. Nadler. Konkrete Zahlen über die Anzahl solcher Gruppen und ihre Einsätze fehlen allerdings weitgehend. 

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