Für die Ausbildung

Feuerwehr Übungsidee: Kommunikation und Teamwork

Nicht nur in der Sprechfunker-Ausbildung oder Digitalfunkschulung spielt Kommunikation in der Feuerwehr eine wichtige Rolle. Es kommt insbesondere auf den so genannten Face-to-face-Austausch an – also die direkte Kommunikation ohne technische Hilfsmittel. Diese beherrscht nicht jeder. So haben wir zwei Feuerwehr Übungsideen für einen etwas anderen Dienst vorbereitet.

Tipp: Diese Übungen können auch in der Fahrzeughalle durchgeführt werden und eignen sich so auch für Winterdienste.

Es ist in der Feuerwehr häufig entscheidend, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten oder sie zu finden. Dies ist nur scheinbar ein Widerspruch zum Einsatzgeschehen, bei dem das Prinzip von Befehl und Gehorsam die Kommunikation bestimmt. Niemand wird in Frage stellen, dass es in vielen Situationen notwendig ist, dass eine Führungskraft ganz klar sagt, was gemacht werden muss.

Aber es gibt durchaus auch Einsatzsituationen, in denen eine konstruktive Diskussionskultur von Vorteil sein kann. Ein Beispiele: Maschinenunfälle, bei denen das Fachwissen von Maschinenmechanikern gefragt ist. Oder der Alarm der Brandmeldeanlange im großen Industriekomplex, bei dem Betriebsangehörige wichtige Hilfestellung leisten können. Wäre es nicht fatal, im Notfall auf Fachwissen zu verzichten? Es wäre doch engstirnig, nicht das gesamte Potential der eigenen Mannschaft zu nutzen? Führungspersonen sollen ja nicht zu sinnlosen Diskussionen einladen, sondern kleine Expertenrunden einberufen.

Doch auch solch eine Kommunikation sollte geübt werden. Dabei geht es um weit mehr, als reines feuerwehrtechnisches Wissen. Solche Übungen sind außerdem empfehlenswert für Jugendfeuerwehren.

Stärke und Ausstattung für die Übungen

Die Übungen können gut in einen Ausbildungsdienst integriert werden. Wichtig ist, dass die Teams eine Mischung aus Führungskräften und reinen Mannschaftsfunktionen bilden. Antreten können die Aktiven sowohl in Gruppen als auch in Staffelstärke. Vorher muss folgendes Material bereitgestellt werden: Kübelspritze, sechs Saugschläuche, Kupplungsschlüssel, ein 100-Liter-Fass, Löschgruppenfahrzeug, Besenstiel.

Die Übungsbeschreibung

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Die Kübelspritze steckt im blauen Fass und muss dort wieder raus. Doch die Gruppe darf den Ring aus Saugschläuchen nicht betreten und das Fass nicht umwerfen. Verwendet werden darf alles, was das Fahr-zeug hergibt. Neben Kreativität ist hier Kommunikation in der Gruppe gefragt. Foto: S. Patzelt

In der ersten Übung wird durch eine Staffel oder Gruppe zunächst aus sechs Saugschläuchen ein Ring gekuppelt, in dessen Mitte ein leeres Fass gestellt wird. In dieses Gebinde wird nun eine entleerte Kübelspritze gestellt. Ziel der Mannschaft ist es, mit den auf dem Fahrzeug vorhandenen Geräten die Kübelspritze aus dem Fass zu holen und außerhalb des Ringes abzustellen. Dabei dürfen der Behälter nicht bewegt sowie der Innenkreis nicht betreten und nicht überquert werden.

Die Feuerwehrübungen in sechs eDossiers

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Bei der zweiten Übung wechseln die Kräfte gedanklich in andere Rollen: Sie sehen sich nun mit der Entschärfung einer brisanten Rohrbombe konfrontiert. Ein Besenstiel symbolisiert hierbei die Rohrbombe und muss vom Team gemeinsam entschärft werden. Zu Beginn der Übung strecken alle Teammitglieder zwei Finger auf Brusthöhe aus, auf denen die Sprengkörper ruht – also locker aufliegt. Die Finger dürfen den Besenstiel dabei nicht von oben greifen und dieser darf auch nicht zwischen den Fingern festgeklemmt werden. Die wichtigste Regel lautet, dass keiner der Feuerwehrmänner den Kontakt zur Bombe verlieren darf. Geschieht dies, so ist die Mission gescheitert. Um nun den gefährlichen Sprengkörper unschädlich zu machen, muss der Besenstiel lediglich gemeinsam auf dem Boden abgelegt werden.

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Rollenwechsel – der Besen wird bei dieser Übung zur “Rohrbombe” und muss entschärft werden. Die Gruppe muss das Objekt dafür gemeinsam zu Boden führen. Foto: S. Patzelt

Was sich in der Theorie so einfach anhört, wird in der Praxis allerdings ein Problem werden. Denn anstatt nach unten in Richtung Boden zu kommen, wird der Besen vermutlich zunächst immer höher wandern. Wahrscheinlich sogar soweit, dass einige aufgrund ihrer Körpergröße schnell den Kontakt verlieren. Warum dies so ist und wie das Team zu einer gemeinsamen Lösung kommt, soll hier allerdings noch nicht verraten werden. Nur so viel – Kommunikation ist alles! Um diese Übung noch etwas brisanter zu machen, sollte der Übungsleiter immer wieder darauf hinweisen, dass wirklich keiner den Kontakt zur Bombe verliert.

Eigenschutz nicht vergessen

Alle Teilnehmer tragen vollständige leichte Persönliche Schutzausrüstung (PSA), so wie sie etwa auch für die Technische Hilfeleistung getragen wird. Bei der zweiten Übung sollte auf das Tragen von Handschuhen verzichtet werden. Die restliche PSA wird jedoch anbehalten, um die Aufgabe nicht zu leicht zu gestalten.

Das Übungsziel

Die Teilnehmer sollen erkennen, dass es Situationen in der Feuerwehrarbeit geben kann, in denen es wichtig ist, sämtliche Kompetenzen und Ideen des Teams einzubringen und abzurufen. Die Bergung der Kübelspritze erfordert keine Einzelleistung, sondern eine gemeinsame Leistung des Teams, bei der alle Mitglieder Ideen einbringen sollen und jeder über den gemeinsamen Plan informiert ist.

Bei der zweiten Übung soll deutlich werden, dass es Situationen gibt, in denen ein Einzelner Befehle erteilt, die zwingend erforderlich sind, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Vorgeschlagen und geschrieben wurde diese Feuerwehr Übungsidee von unserem Autor Dr. Steffen Patzelt, Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich (RP).

Es sieht ganz einfach aus, aber das täuscht, denn der Besen wandert bei dieser Übung anfangs häufig nach oben. Foto: S. Patzelt

Feuerwehrübungen: Vorschläge und Beispiele als Downloads

Wer eine Feuerwehrübung planen soll, hat es oft nicht einfach: Das Fahrzeug oder das Thema stehen fest – aber die Ideen für die Praxis müssen erst mal in den Sinn kommen. Wer also liefert die Ideen für Feuerwehrübungen? Vorschläge und viele Anregungen bietet die Feuerwehr-Magazin-Reihe “Kleine Übungen” – die bequem zum sofortigen Download verfügbar ist.

Das besondere: Die Übungen sind mit wenig Aufwand realisierbar – sie sind von Feuerwehr-Praktikern geschrieben und bei Feuerwehren erprobt und für gut befunden. In jedem Teil sind bis zu zwölf Übungen enthalten, zu völlig unterschiedlichen Themengebieten. Die Übungen sind so gestaltet, dass sie mit wenig Aufwand an die örtlichen Gegebenheiten jeder Feuerwehr angepasst werden können.

Bereits 82 Folgen in der Serie “Kleine Übungen” erschienen

Die Vorschläge sind immer nach dem gleichen Schema aufgebaut: 1. Eine kurze Einleitung. 2. Stärke und Ausstattung. Wie viel Personal wird für die Übung benötigt? Mit welchen Einsatzmitteln kann geübt werden? 3. Übungsablauf: Was ist geschehen? Welche Situation finden die Einsatzkräfte vor? Wie soll die Übung ablaufen? Welche Befehle gibt der Einsatzleiter? 4. Eigenschutz: Auf welche Schutzmaßnahmen (nach UVV Feuerwehr) muss bei dieser Übung geachtet werden? 5. Übungsziel: Was soll mit dieser Ausbildungseinheit erreicht werden?

Eine neue Übungsidee findet Ihr in jedem zweiten Feuerwehr-Magazin. In der Ausgabe 7/2018 veröffentlichten wir bereits Feuerwehrübung Nr. 82. 

Im neusten eDossier “Kleine Übungen 6” finden sich beispielsweise folgende Lagen: Löschschaum zurückhalten, Brandraumgeometrie, eine Methode der Unfallrettung aus Pkw, Löschübung am Hohlstrahlrohr bei Nullsicht, progressiver Löschangriff vei Flächenbränden, Personenrettung bei Pfählungsverletzungen, handwerkliches Können, Arbeiten mit Mehrzweckzug und noch einige mehr.

Die Feuerwehrübungen in sechs eDossiers

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Herr der Ringe – eine kleine Übung für die Feuerwehr

Die Befreiung von Personen aus Sonderlagen nimmt für die Feuerwehren mitunter interessante Formen an. So ist die Entfernung von Ringen an diversen Körperteilen längst kein Einzelfall mehr. Das lässt sich nicht gut üben? Wir finden schon. Und es ist wichtig, es zu üben. Denn es ist eine brisante Aufgabe.

Diese Übung simuliert die mechanische Entfernung von Metallringen beispielsweise an einer Hand. Da die Gefahr besteht, dass beim Durchtrennen mit dem Mini-Trennschleifer der Patient verletzt wird, üben wir mit einer Handattrappe.

Kein Spielchen sondern eine ernsthafte Übung: Ringe von den Fingern mittels Mini-Trennschleifer entfernen. Dieses Einsatzszenario kommt immer wieder vor und erfordert etwas Praxiserfahrung. Foto: Dr. Patzelt

Zur Vorbereitung wird Gelatinepulver aus dem Supermarkt deutlich überdosiert in heißem Wasser aufgelöst. Nach einer kurzen Abkühlphase füllt Ihr diese Masse in einen Einmalhandschuh. Dieser wird mit zuvor bereits passend gesägten und sauber entgrateten Metallringen (zum Beispiel aus Stahl- oder Kupferrohren) oder Unterlegscheiben versehen und dann so zugeknotet, dass die Ringe fest auf den Fingern sitzen. Um die Verfestigung der Gelatine zu beschleunigen, kann der vorbereitete Handschuh auch im Kühlschrank gelagert werden.
Die hier geübte mechanische Entfernung kommt dann zum Einsatz, wenn alle anderen Tricks und Hausmittel (zum Beispiel kaltes Wasser oder Vaseline) nicht zum Erfolg geführt haben.

Stärke und Ausstattung

Für diese kleine Übung werden nur wenige Geräte benötigt, sodass Ihr sie sowohl in den Winterdienst im Feuerwehrhaus als auch mit einer sehr kleinen Gruppen einplanen und durchführen kann. Da der Arbeitsbereich an der Handattrappe sehr klein ist, sollte die Teilnehmerzahl ohnehin nicht zu groß sein. Wenn immer nur zwei Einsatzkräfte aktiv am Patienten arbeiten, dann be-steht unter Umständen schnell die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit der restlichen Teilnehmer abnimmt und es zu Störungen kommt.

Wichtigstes Werkzeug ist der so genannte Dremel, eine Art Mini-Trennschleifer. Als Patientenschutz eignen sich beispielsweise Stiele von Löffeln oder auch Holzspatel. Zum Kühlen könnt Ihr eine Kochsalzinfusion mit abgeschnittenem Infusionssystem, eine Spritzflasche, wie man sie aus dem Chemieunterricht kennt, oder einfach eine kleine Schüssel (Nierenschale) mit Wasser und einem Schwamm (Mullbinde) nutzen.

Übungsablauf

Aus der Teilnehmergruppe werden jeweils Zweierteams (Trupps) gebildet. Hier bietet sich eine gute Chance, generationenübergreifend Teams aus jungen und älteren Kameraden zu bilden. Jedes Team hat die Aufgabe, einen der Ringe zu entfernen. Hierzu sollte erwähnt werden, dass vor einer mechanischen Entfernung beziehungsweise Zerstörung des Rings schon Versuche zur Kühlung unter fließend kaltem Wasser oder durch Einsatz von Spülmittel gescheitert sein sollten.

Mit einer Spritzflasche oder einer Infusion kann eine einfache aber effektive Kühlung durchgeführt werden. Foto: Dr. Patzelt

Eine schnelle, aber schonende Zerstörung und Befreiung kann dann sogar medizinisch indiziert sein. Nachdem sich die Üben-den mit der Handhabung des Mini-Trennschleifers vertraut gemacht haben, werden die Aufgaben für den ersten Trennschnitt festgelegt. Ein Teammitglied arbeitet mit dem Trenngerät, während der Teampartner mit Löffelstielen oder anderen Materialen die Hand vor der Trennscheibe sichert. Ihm kommt auch die Aufgabe zu, während der Schneidarbeiten die Hand zu fixieren sowie das Schnittgut bei Bedarf zu kühlen.
Zur vollständigen Befreiung sind meist zwei Schnitte notwendig, weil sich der Ring nach dem ersten Schnitt nicht aufbiegen lässt. So wechseln die Aufgaben im Team bei der Durchführung des finalen Schnittes.

Eigenschutz

Die Einsatzkräfte tragen eine leichte Schutzkleidung, wie sie teilweise speziell für die Technische Hilfeleistung vorgehalten wird. Auf den Einsatz des Helmes kann verzichtet werden. Die jeweils aktiv am Patienten arbeitenden Einsatzkräfte tragen Schutzhandschuhe sowie zusätzlichen Augenschutz.

Übungsziel

Die Teilnehmer lernen den praktischen Umgang mit dem Mini-Trennschleifer und erproben den Einsatz bei unterschiedlichen Werkstoffen. Dabei steht ihr Handeln unter dem Grundsatz des Patientenschutzes. Ziel ist es deshalb, dass der Einmalhandschuh unbeschädigt bleibt. Die Kameraden werden sensibilisiert, hochkonzentriert und millimetergenau zu arbeiten.

Vorgeschlagen und geschrieben wurde diese Feuerwehr Übungsidee von unserem Autor Dr. Steffen Patzelt, Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehr Wittlich (RP).

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Da sind tolle Ideen dabei! Kann ich gut für unsere Feuerwehr (Stützpunkt mit drei Fahrzeugen) umsetzen! Danke für den Tipp! Gruß aus Südniedersachsen, Flo.

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  2. ich habe mir mal eines der Teile gezogen – echt brauchbar! tx!

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  3. Die Übungen sind echt super. Vielleicht könnt ihr auch die Übersicht die im aktuellen Heft abgedruckt ist irgendwo hier online stellen und auch aktualisieren wenn welche dazukommen.

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  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich kann die angebotenen eDossiers “Kleine Übungen” nicht in den Warenkorb senden. Wie kann ich die Dossiers 1 bis 6 erhalten?

    Mit freundlichenm Grüßen
    André Rosemeyer

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  5. Hallo Herr Rosemeyer,
    bitte prüfen Sie, ob in Ihrem Browser die Cookies für unsere Shopseite aktiviert sind und ob evtl das Ausschalten eines Adblockers für Besserung sorgt. Falls nicht, melden Sie sich bitte per Mail unter redaktion[at]feuerwehrmagazin.de

    Vielen Dank und freundliche Grüße

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