Die älteste BF der Welt

Die Berufsfeuerwehr Wien und ihre Besonderheiten

Wien (Österreich) – Die Berufsfeuerwehr Wien ist die größte Feuerwehr Österreichs. Wir haben die BF im Feuerwehr-Magazin 12/2018 in einer großen Reportage vorgestellt und erklären Euch hier ein paar ihrer Besonderheiten. 

Berufsfeuerwehr Wien
Gruppenfoto der BF Wien 2018 vor Schloss Schönbrunn. Foto: Sven Buchenau

Sammlung historischer Feuerwehrfahrzeuge

In der Hauptfeuerwache Floridsdorf ist eine große Sammlung historischer Feuerwehrfahrzeuge untergebracht – in einer Tiefgarage unter der Wache. Absolutes Highlight ist ein Elektromobil von 1903. Der Elektromotor wird über zwölf 12-Volt-Batterien mit 144 Volt Spannung versorgt. Die Kraft wird über Ketten auf die Räder übertragen. Die so genannte automobile Gasspritze besitzt einen genieteten 500-Liter-Wassertank.

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In Flaschen mitgeführte Kohlensäure diente als Treibmittel, um das Löschwasser in die Schläuche zu drücken. Das Elektromobil bietet vier Einsatzkräften Platz und führt eine Holzleiter mit. 

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Moderne Bootsflotte für die Donau

Wegen der Nähe zur Donau befindet sich in der Hauptfeuerwache Leopoldstadt einer von insgesamt drei Wasserstützpunkten der Berufsfeuerwehr Wien. Zu den Gefahrenschwerpunkten für die Taucher und Wasserretter der BF gehören drei Häfen und ein Wasserkraftwerk entlang der Donau.

Mehrzweckboot
MZB der Berufsfeuerwehr Wien mit 60 km/h auf der Donau. Foto: Sven Buchenau

Im Osten gibt es ein großes Tanklager. Die Beschickung erfolgt über Land und auf dem Wasser. 2016 hat die BF den größten schwimmenden Wasserstützpunkt der Feuerwehr saniert. In dem überdachten Anleger liegen Arbeitsboote sowie Mehrzweckboote (MZB).

Die knapp 10 Meter langen MZB mit integrierter Löschpumpe und Wasserwerfer fahren bis zu 60 Kilometer pro Stunde schnell. Ex-geschütztes MZB mit Überdruckkabine gehört ebenfalls zur Flotte. Damit können die Feuerwehrleute bei geschlossener Kabine auch durch Gas- beziehungsweise Rauchwolken fahren, sollte dies nötig sein. 

Wache Rathaus gehört zur Berufsfeuerwehr

Eine Besonderheit der BF Wien ist die 1927 gegründete Wache Rathaus. Der Grund waren Unruhen im selben Jahr, bei denen der Justizpalast angezündet und die Feuerwehr bei ihren Löscharbeiten behindert sowie sabotiert wurde. Weil das Rathaus besser geschützt sein sollte, installierte der Wiener Gemeinderat die Feuerwache Rathaus mit Brandschutz- und Sicherheitsaufgaben. Sie gehört inklusive Personal zur Berufsfeuerwehr Wien.

Die Zentrale ist 24 Stunden besetzt. Doch die Wache ist nicht nur für das Rathaus zuständig. Hier laufen die Alarmmeldungen von rund 750 Objekten der Stadt Wien wie zum Beispiel von Schulen, Schwimmbädern, Museen sowie Jugend- und Sozialämtern auf. Auch Brücken werden von hier aus kameraüberwacht.

Der Objekt- und Personenschutz macht den Großteil des Aufgabenbereichs aus: so zum Beispiel die Bewachung des Rathaus-Eingangs oder Sicherheitswachen bei Ratssitzungen. Das Rathaus verfügt über ein Personen-Zähl-System, das auf optischen Sensoren beruht. Damit kann die Feuerwehr jederzeit festzustellen, wie viele Personen sich aktuell im Gebäude befinden.

Regelmäßige Rundgänge bis unters Dach des 113.000 Quadratmeter (Nutzfläche) großen Rathauses gehören ebenfalls zu den Aufgaben der Beamten. Für die Fitness der Kollegen steht im Keller ein Sportraum zur Verfügung. Der 98 Meter hohe Hauptturm des Rathauses ist ein gutes Übungsobjekt für die Höhenretter der Wache. Gefunkt wird digital und analog. Im Haus nutzen die Kräfte 70-cm-Funk. Der funktioniert auch noch im dritten Untergeschoss.

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Außergewöhnlicher Fuhrpark

Die größte Feuerwehr Österreichs hat mit etwa 50 unterschiedlichen Fahrzeugtypen einen außergewöhnlichen Fuhrpark. Ungewöhnlich ist auch die Wiener Regelung, Einsatzfahrzeuge mit drei Buchstaben zu benennen – in ganz seltenen Fällen zwei, niemals vier Buchstaben. Zur Erklärung haben wir für Euch ein Glossar der Fahrzeugtypen zusammengestellt.

Einsatzfahrzeuge
Zwei GTF bei der Wasserförderung aus der Donau. Foto: Sven Buchenau

Fahrzeugbezeichnungen der BF Wien

ASK = Abschleppfahrzeug Lkw Kran
ASL = Abschleppfahrzeug Lkw
ASP = Abschleppfahrzeug Pkw
ATF = Atemschutzfahrzeug
BGL = Baggerlader
DEF = Dekontaminationsfahrzeug
DL = Drehleiter mit Korb
EDF = Einsatzdirektionsfahrzeug
GLF = Geländelöschfahrzeug
GTF = Großtanklöschfahrzeug
HLF = Hilfeleistungslöschfahrzeug
HRF = Höhenretterfahrzeug
IMF = Imkerfahrzeug
IRF = Inspektionsrauchfangkehrerfahrzeug
KDF = Kommandofahrzeug
KGF = Kleingerätefahrzeug
KLF = Kleintanklöschfahrzeug
KPF = Kipperfahrzeug
KRF = Kranfahrzeug
KTF = Kleintankfahrzeug
LGF = Logistikfahrzeug
LSF = Leitstellenfahrzeug
MOT = Motorrad
MTF = Mannschaftstransportfahrzeug
MZF = Mehrzweckfahrzeug
NBF = Nachrichtenbaufahrzeug
RDL = Radlader
RLF = Rüstlöschfahrzeug
SGF = Sondergerätefahrzeug
SVM = Servicemobil
TAF = Taucherfahrzeug
TKL = Teleskoplader
TLF = Tanklöschfahrzeug
TMB = Teleskopmastbühne (46 m)
TMF = Teleskopmastfahrzeug (54 m)
TRF = Taucherrüstfahrzeug
ULF = Universallöschfahrzeug
UMF = Umweltmessfahrzeug
VF = Versorgungsfahrzeug Kran
WLF = Wechselladerfahrzeug
WLK = Wechselladerfahrzeug Kran
WLL = Wechselladerfahrzeug Ladekran
WSF = Werkstättenfahrzeug

 

Wiener Feuerwehrmuseum

1901 hatte die Feuerwehr der Stadt Wien den Wunsch, sich an der internationalen Feuerwehrausstellung in Berlin im selben Jahr zu beteiligen. Der Gemeinderat genehmigte die Kosten für das Unternehmen mit der Auflage, die Exponate anschließend auch in Wien zu zeigen.

Wiener Feuerwehrmuseum
Eine große Hoffeuerspritze von 1785 (von links), ein Wasserwagen von 1785 sowie eine Hoffeuerspritze von 1772 gehören zur Sammlung in Floridsdorf. Foto: Sven Buchenau

So begann vor 117 Jahren die Geschichte des Wiener Feuerwehrmuseums. Heute ist es im Gebäude Am Hof 7 in der Zentralfeuerwache untergebracht. In acht Räumen können Besucher die technische Entwicklung der BF Wien über drei Jahrhunderte zurückverfolgen: historische Uniformen, feuerwehrtechnische Geräte, Bronzeskulpturen, Fahrzeugmodelle und Dokumente.

Auf großen Gemälden werden besondere Feuerwehreinsätze wie der Brand der Rotunde lebendig. Der zur Weltausstellung 1873 im Prater errichtete Kuppelbau aus einer mit Holz (400 Tonnen) und Gips überzogenen Stahlkonstruktion brannte 1937 komplett nieder. Durch Funkenflug wurden mehrere umliegende Gebäude und sogar der Übungsturm der Feuerwache im Prater in Brand gesetzt. Ein Höhepunkt des Museums ist ein originalgetreuer Nachbau der Türmerstube des Doms zu St. Stephan. 422 Jahre lang hielt ein Feuerwächter von dort Ausschau nach Bränden.

Wiener Feuerwehrmuseum
Dieses Elektromobil von 1903 ist mit Vollgummireifen ausgestattet und voll fahrtauglich. Foto: Sven Buchenau

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