Zur Reportage im Heft

Berufsfeuerwehr Jena – vielseitige Gefahrenabwehr mit besonderen Fahrzeugen

In der Carl Zeiss-Stadt Jena (TH) muss die Berufsfeuerwehr – gemeinsamen mit den Freiwilligen – für viele unterschiedliche Gefahrenschwerpunkte gewappnet sein. Dafür setzen die Thüringer auf Spezialausrüstung und Effektivität. Sie kombinieren beispielsweise Waldbrandbekämpfung und Winterdienst, trainieren für Tunnelbrände nach Schweizer Ausbildungsstandard. Dreh- und Angelpunkt ist das 2015 fertiggestellte Gefahrenabwehrzentrum. Die große Reportage findet Ihr im Feuerwehr-Magazin 8/2018.

HLF 20 der Berufsfeuerwehr Jena – mit Besatzung 1/3. Rosenbauer fertigte zwei dieser Fahrzeuge auf MAN TGM 13.290. Foto: Timo Jann

Flexibler Italiener als MZF

Bevorzugte Wohnlagen und Berggaststätten befinden sich in Jena abseits vom Stadtkern in teilweise unwegsamem Gelände. Daher hat sich bei der Berufsfeuerwehr Jena eine Besonderheit im Fuhrpark etabliert. Ein Mehrzweckfahrzeug (MZF) auf Basis eines italienischen Bonetti 4×4. Das MZF verfügt über ein Hakensystem. Der stellvertretende Feuerwehrchef Ralf Hertig erklärt: “Im Winter setzen wir einen Streuaufbau drauf und bauen vorn ein Räumschild an. Dann begleitet das MZF bei Schneefall den RTW oder den Löschzug in die Berge.

Als Mehrzweckfahrzeug ist dieser Bonetti im Einsatz. Das 205 in Dienst gestellte MZF verfügt über einen Wechselladeraufbau mit Hakensystem. Hier ist es mit dem 1800 Liter fassenden Tank ausgestattet und kann so zur Brandbekämpfung im Wald oder in Gartenan-lagen eingesetzt werden. Im Winter ist die Montage von Räumschild und Streuaufsatz möglich, um Fahrzeugen bei Schneefall in bergigen Einsatzorten den Weg zu ermöglichen. Foto Timo Jann

Im Sommer wird ein Tankbehälter mit 1.800 Liter Wasser und den nötigen Geräten für einen Löschangriff aufgesattelt, sodass wir im Wald oder in Gartenanlagen auch bei engen Wegen gut an die Einsatzstellen fahren können.” Bekannt sind Fahrzeuge von Bonetti vor allem im kommunalen Bereich der Bauhöfe. Aber die Feuerwehr Jena ist mit dem 2015 beschafften MZF bisher sehr zufrieden.

Bei Wald- und Flächenbränden wird der wendige Italiener unter anderem durch ein TLF 2000 von Empl auf Mercedes Unimog U20 ergänzt, das bei der FF Jena-Isselstedt stationiert ist.

Die Pumpe am MZF befindet sich offen am Heck. Daneben kann ein Zumischer eingesetzt werden. Foto: Timo Jann

Stadtinfo Jena

Nach der Landeshauptstadt Erfurt ist Jena die zweitgrößte Stadt Thüringens. 108.000 Menschen, darunter fast ein Viertel Studenten, leben in Jena. Der Stadtturm, als „JenTower“ 1972 errichtet, war damals das höchste Hochhaus Deutschlands. Nach einer aufwendigen Sanierung prägt der runde Turm noch heute die Silhouette der Stadt. Ursprünglich sollten zwei dieser 160 Meter hohen Türme (29 Stockwerke) und ein verbindender Querriegel wie ein stehendes Fernglas wirken.

Seit 1874 hatte sich Jena zur Industriestadt entwickelt, heute bilden Forschung, Bildung und Wissenschaft Schwerpunkte. Jena gilt seit Jahrzehnten als Zentrum der deutschen Optik- und Feinmechanikindustrie, die zu DDR-Zeiten bis zu 60.000 Arbeitsplätze bot. Vor allem die Firmen Carl Zeiss und Schott Glas prägten Jena über Jahrzehnten und stehen noch heute mit ihren Unternehmensteilen für Hightech.

Blick auf die Stadt Jena. Foto: Timo Jann

Im Stadtgebiet gibt es drei Bahnhöfe, doch seit der Eröffnung der neuen Bahnverbindung München-Berlin fahren die ICEs an Jena vorbei. An Jena vorbei führt die Autobahn 4 (Frankfurt/Main-Dresden) mit dem Jagdbergtunnel, die B 88 und die B 7 führen durch das Stadtgebiet. In Jena hat die Friedrich-Schiller-Universität ihren Sitz, angeschlossen ist ein Universitätsklinikum. Optik und Gesundheit bilden die Arbeitsschwerpunkte der Universität.

Der Jagdbergtunnel

Als Bauwerk 15 der Deutschen Einheit wurde die Autobahn 4 (Frankfurt/Main – Dresden) auf 130 Kilometern Länge sechsspurig ausgebaut. Um den 288 Meter hohen Jagdberg zu queren, wurde im Zuge der A 4 der gleichnamige Tunnel gebaut. 6 Jahre dauerten die Bauarbeiten für den 3074 Meter langen Jagdbergtunnel im Zuge der Autobahn 4 von Frankfurt/Main nach Dresden. Von September 2008 bis November 2014 wurde an dem Bauwerk mit seinen sechs Fahrspuren gearbeitet.

Zwei Röhren wurden durch den 288 Meter hohen Jagdberg getrieben. Dadurch war es möglich, die kurvenreiche vierspurige Strecke durch ein Tal aufzulösen. Insgesamt ist die erneuerte Autobahntrasse rund um den Tunnel gut 11 Kilometer lang. Die alte Strecke wurde zurückgebaut und renaturiert, das Tal gilt als wichtiger Standort für wilde Orchideen.

Ein Gefahrenschwerpunkt ist der Jagdbergtunnel. Foto: Timo Jann

Der Jagdbergtunnel und der Pörzbergtunnel in Rudolstadt (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) sind die einzigen Straßentunnel in Deutschland, die über eine automatische Löschanlage verfügen. Ursprünglich war geplant, dass Gefahrguttransporter weiterhin durch Jena und nicht durch den Tunnel fahren sollten. Dagegen regte sich Widerstand in der Stadt. Daraufhin wurde die Planung verändert, ein Löschsystem (One Seven) wurde montiert. Kosten nach Angaben des Verkehrsministeriums: 14 Millionen Euro.

90 Höhenmeter überwindet der Tunnel, ein 130 Meter hoher Abluftschacht befindet sich in der Mitte des Tunnels. Die beiden Röhren sind mit zehn Querschlägen miteinander verbunden. Die bieten der Feuerwehr Platz für Angriffe und Evakuierungen. Etwa 67.000 (ein Viertel Schwerlastanteil) Autos und Laster rollen täglich durch den Tunnel, dessen Bau insgesamt 385 Millionen Euro gekostet hatte.

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