62-Jähriger im Verdacht, fahrlässig die Explosion herbeigeführt zu haben

Das Unglück BASF Ludwigshafen: eine Chronologie

Ludwigshafen (RP) – Am späten Vormittag des 17. Oktober 2016 kam es auf dem Betriebsgelände von BASF in Ludwigshafen zu Explosionen. Kräfte der Werkfeuerwehr BASF sowie der FF und BF Ludwigshafen waren über 10 Stunden im Einsatz, um mehrere Brände zu löschen. In der Folge starben vier Feuerwehrleute sowie ein Matrose. Außerdem wurden 44 Personen verletzt. 

Nach dem schweren Brand auf dem BASF-Gelände in Ludwigshafen 2016, hat nun die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den mutmaßlichen Verursacher erhoben. Fünf Menschen starben bei dem Unglück, darunter vier Feuerwehrleute. Symbolfoto: O. Preuschoff

 

Wie das Landgericht Frankenthal im April 2017 mitteilte, wurden kürzlich die Ermittlungen zu dem Unglück abgeschlossen. Im Zuge dessen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 62-jährigen Arbeiter einer Spezialfirma für Rohrleitungsbau wegen des “Verdachts der fahrlässigen Tötung von fünf Menschen, der fahrlässigen Körperverletzung von 44 anderen Personen und der fahrlässigen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.”

Der Mann soll den Auftrag gehabt haben, eine entleerte Propylenleitung mit einem Winkelschleifer abzutrennen. Ihm wird nun vorgeworfen, aus Unachtsamkeit die Trennscheibe an einer daneben befindlichen Rohrleitung – welche mit einem leicht entzündbaren Gasabfallgemisch aus Buten befüllt war – angesetzt zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft weiter berichtete, habe der Arbeiter das Rohr beschädigt.

Das daraufhin mit einem hohen Druck austretende Butengemisch habe sich sofort an den durch den Trennschleifer verursachten Funken entzündet und danebenliegende Leitungen massiv befeuert. Durch den enormen Druck und die Hitze der Befeuerung wurde eine Ethylenleitung so stark erhitzt, dass es zirka 6 Minuten nach dem Schnitt in das Rohr zu einer Explosion kam, welche weitere Brände und Explosionen an anderen Rohren verursachte.

Der Angeschuldigte – welcher selbst schwere Brandverletzungen erlitten hat – hat durch seinen Verteidiger vortragen lassen, dass er keine Erinnerung an den Vorfall habe und dass er die eingetretenen Folgen außerordentlich bedauere. Das Landgericht Frankenthal hat nun über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens zu entscheiden. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeschuldigten die Verhängung einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren.

Zeitlicher Ablauf des Unglücks

17.10.2016, zirka 11.20 Uhr: Im Hauptsitz des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen kommt es bei Arbeiten an einer Rohrleitungstrasse im Landeshafen Nord zu einem Feuer. Danach folgt eine Explosion.

17.10.2016, zirka 11.30 Uhr: Nachdem die Werkfeuerwehr BASF zu dem Brand ausgerückt ist und einen Löschangriff vorbereitet hat, kommt es zu einer weiteren Explosion. Dabei entsteht ein weithin sichtbarer Feuerball und eine der Leitungen wird auseinandergerissen. Die Trümmerteile schleudern über die Stelle, an der die Feuerwehrleute im Einsatz sind. 

17.10.2016, zirka 11.40 Uhr: Berufs- und freiwillige Feuerwehren aus Ludwigshafen und Umgebung treffen an der Einsatzstelle ein und bekämpfen den Folgebrand. Auch das Feuerlöschboot aus Mannheim kommt zum Einsatz. Sogenannte Steamcracker und weitere Anlagen des Werks werden heruntergefahren. Im Norden von Ludwigshafen laufen die Warnsirenen. Über unterschiedliche Medienkanäle fordern Polizei und Feuerwehr die Bevölkerung auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Feuer bei BASF aus der Vogelperspektive

Warnung der Bevölkerung über KATWARN

17.10.2016, zirka 19.30 Uhr: BASF teilt mit, dass zwei Werkfeuerwehrleute bei dem Unglück ums Leben kamen. Zwei Mitarbeiter werden vermisst.

18.10.2016, zirka 07.53 Uhr: Laut Polizei ist das Feuer gegen 21.30 Uhr am Vortag gelöscht worden. Zwei Menschen werden aber noch immer vermisst. 

18.10.2016, zirka 11.15 Uhr: Margret Suckale, Vorstandmitglied von BASF bei einer Pressekonferenz: “Wir sind sehr bestürzt, dass zwei unserer Mitarbeiter ums Leben gekommen sind. Sie haben sich als Feuerwehrleute für die Rettung von Menschenleben eingesetzt. Unsere Gedanken gelten den Verstorbenen, Verletzten und ihren Angehörigen.”

Berufsfeuerwehr Mannheim: eDossier.Reportage Berufsfeuerwehr Mannheim

Zahlreiche Störfallbetriebe und Deutschlands zweitgrößter Binnenhafen liegen im Einsatzgebiet der Berufsfeuerwehr Mannheim. Die Innenstadt der Mainmetropole ist in durchnummerierte Quadrate eingeteilt. Das macht die Orientierung spannend. Wie die Feuerwehr mit ihren Spezialkräften die Herausforderung in ihrem Ausrückegebiet meistert, beschreibt Feuerwehr-Magazin-Autor Alexander Müller in einer elfseitigen Reportage.

>>Hier lesen Sie mehr!

18.10.2016, zirka 16.00 Uhr: Nach Angaben der Behörden erlitten zirka 30 Personen Verletzungen. Sechs Personen liegen auf der Intensivstation. Nach wie vor schweben einige von ihnen in Lebensgefahr. Noch immer suchen Taucher im Hafenbecken nach einem vermissten Mitarbeiter.

19.10.2016: Polizeitaucher bergen im Hafenbecken die Leiche des vermissten Matrosen eines Tankmotorschiffs.

29.10.2016: Ein 33-jähriger Feuerwehrmann der BASF stirbt an seinen Verletzungen.

04.09.2017: Ein weiterer Werkfeuerwehrmann erliegt 11 Monate nach dem Unglück seinen schweren Verletzungen. “Ich bin zutiefst betroffen, dass wir unseren Mitarbeiter verloren haben. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass er seine Verletzungen überwinden wird, und trauern mit seiner Familie und seinen Angehörigen”, sagt Kurt Bock, Vorsitzender des BASF-Vorstands.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Gute Besserung den verletzten

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Mein Beileid den Hinterbliebenen und den Kollegen der getöteten Kameraden und baldige und vollständige Genesung den Verletzten!

    Es ist schlimm, was da in Ludwigshafen passiert ist. Dagegen hilft die beste Ausbildung nicht.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Ich möchte ebenso mein Beileid an alle Verletzten des Schadensereignisses richten, besonders den Angehörigen und Verwandten der Verstorbenen in dieser schweren Zeit.

    Es hat mich sehr getroffen, diesen Artikel zu lesen.
    Es ist immer sehr traurig, wenn Kammeraden, egal ob Freiwillig oder Beruflich, bei dem Versuch zu helfen und Menschenleben zu retten, ihr eigenes verlieren.

    Sie sind als Helden von uns gegangen…

    Ein Kammerad der FFW Stadt Mechernich..

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: